Analyse: Was wäre für Debütant Cadillac eigentlich “ein Erfolg” im Jahr 2026?
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Wenn die Startampel in Melbourne auf Grün springt, träumen alle Teams vom großen Erfolg: Siege, Podestplätze, zumindest solide Punkte. Für die etablierten Rennställe ist das ein realistischer Anspruch, doch beim Neueinsteiger Cadillac hingegen überwiegen die Unbekannten. LAT Images Cadillac kämpft 2026 weniger um Erfolg als um Respekt
Was ist von dem komplett neu aufgebauten US-Projekt in dieser Saison zu erwarten? Und vor allem: Was wäre für die Mannschaft um Teamchef Graeme Lowdon sowie die Fahrer Sergio Perez und Valtteri Bottas überhaupt ein Erfolg, den man intern wie extern als solchen verbuchen könnte? Ein Blick in die Historie zeigt, wie anspruchsvoll die Mission ist: In den 2010er-Jahren stießen mit Lotus/Caterham, Virgin/Marussia/Manor sowie HRT gleich mehrere neue Teams ins Starterfeld. Sie verschwanden allerdings rasch wieder und sammelten zusammen gerade einmal drei Punkte. Die Historie ist Mahnung und Maßstab zugleich.
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Wenn die Formel 1 ein elftes Team zulässt, dann nur mit der Erwartung, dass es Substanz besitzt und eine Perspektive über Jahre hinweg. Genau das ist Cadillacs primäres Ziel. Niemand sollte ernsthaft annehmen, dass ein Debütant auf Anhieb Siege einfährt oder im engen Mittelfeld mitmischt, gegen Teams, die auf mindestens ein Jahrzehnt gewachsener Strukturen zurückgreifen. Cadillac erwartet nicht, die Konkurrenz zu schlagen “Es ist eine ziemliche Herausforderung, hereinzukommen und zu erwarten, dass man die anderen schlägt”, ordnet selbst Lowdon ein. “Wenn Sie der Besitzer eines dieser Teams wären und ein neues Team auftaucht und Sie besiegt, wären Sie höchstwahrscheinlich ziemlich wütend, um es milde auszudrücken.” “Ich denke, die Leute müssen einfach erkennen, dass es ein wirklich schwieriger Sport ist.” Wie schwierig, zeigte sich bereits bei den Testfahrten in Bahrain: Es sah aus, als würde Cadillac mit Aston Martin um die rote Laterne kämpfen, denn es gab keinen Tag, an dem keine Probleme auftraten. Getty Images Europe Der Start verlief für Cadillac nicht reibungslos
Aktuell mangelt es vor allem an grundlegendem Abtrieb, wenig überraschend angesichts der Tatsache, dass die Konkurrenz ihre Entwicklungswerkzeuge seit Jahren schärft. Umso wichtiger ist, dass das Auftaktrennen in Melbourne nicht als alleiniger Gradmesser für den Saisonerfolg taugt. Für Cadillac zahlt vor allem die Entwicklung In der Formel 1 herrscht Konsens: Mit Blick auf die umfassenden Regeländerungen wird die Entwicklungskurve während der Saison entscheidender sein als der Status quo im Frühjahr. “Wir haben dafür einen sehr robusten Prozess”, betont Cadillac-Berater Pat Symonds mit Blick auf die Fahrzeugentwicklung. Innerhalb des Budgetlimits kenne man die Prioritäten genau. “Wir haben bereits ein ziemlich aggressives Entwicklungsprogramm geplant. Selbst in Melbourne werden Sie ein Auto sehen, das in vielen Bereichen deutlich anders ist als dieses, so wie es in der gesamten Boxengasse der Fall sein wird. Ich bin also ziemlich zuversichtlich, dass wir das liefern können.” Fährt Cadillac 2026 nur hinterher? Video wird geladen… Der große Cadillac-Check für die F1-Saison 2026
Ein struktureller Vorteil: Cadillac startet in der Debütsaison mit zwei Grand-Prix-Siegern. Sergio Perez und Valtteri Bottas haben die Entwicklungszyklen siegreicher WM-Boliden miterlebt und damit Erfahrungswerte, die gerade in der Aufbauphase Gold wert sind. Valtteri Bottas definiert das Ziel für Cadillac “Das Tolle ist, dass wir sofort genaues Feedback bekommen”, betont Lowdon. “Diese Jungs sind so erfahren mit mehreren verschiedenen Teams, arbeiten mit verschiedenen Ingenieuren und unterschiedlichen Autos, unterschiedlichen Antrieben, unterschiedlichen Chassis.”
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“Und ja, ich weiß, das 26er-Auto ist sehr anders, aber wenn ein Fahrer Feedback gibt, insbesondere zum Handling und allem anderen, verschwenden wir keine Zeit. Wir bekommen sofort super genaues, durchdachtes und wertvolles Feedback. Das war im Grunde genau das, worauf wir geachtet haben.” Cadillac Formula 1 Team Sind Valtteri Bottas und Sergio Perez die perfekte Wahl für Cadillac?
Und was denken die Fahrer selbst? Perez glaubt, der Schlüssel sei “die Teams vor uns zu übertreffen” und weiß, dass es ein harter Auftakt in die neue Saison wird. Aber das wirft erneut die Frage auf, was am Ende des Jahres eigentlich als “guter Erfolg” für Cadillac gilt.
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“Ein erfolgreiches Jahr für uns als Team ist, dass wir klare Fortschritte sehen”, ergänzt Bottas. “Es geht wirklich nicht darum, wo wir anfangen, denn das Team hat bereits eine unglaubliche Arbeit geleistet, um hier zu sein, ein Auto zu haben, zu fahren. Also ja, es geht nicht darum, wo wir starten, sondern darum, wo wir enden.” “Zu sehen, dass wir Fortschritte machen, das Auto schneller machen, das Auto zuverlässiger machen, als Team besser werden – all diese Dinge, wir wollen einfach immer besser werden. Das ist also ein guter Ausgangspunkt und ein Ziel für dieses Jahr.” Cadillac will Respekt der anderen Teams verdienen Fortschritt ist also die interne Währung. Von außen betrachtet wären ein oder zwei Punkte ein Achtungserfolg. Zum Vergleich: Haas sammelte im Debütjahr insgesamt 29 Zähler. Doch Punkte können auch durch Rennglück entstehen, die Performance-Entwicklung ist nachhaltiger.
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Konstant sinkende Rundenzeiten im Qualifying, um sich an die Konkurrenz heranzuarbeiten, werden ein belastbarer Indikator sein. Noch wichtiger ist allerdings die Wahrnehmung im Paddock. “Eine Sache ist wirklich wichtig: Wir müssen den Respekt der anderen Teams verdienen”, sagt Symonds. LAT Images Das Ziel: Cadillac will sich 2026 kontinuierlich verbessern
“Das ist besonders wichtig für mich, weil ich denke, dass wir diesen Respekt verdienen, und das geht nicht nur mit dem Auto, es geht um unsere gesamte Organisation. Es war sehr erfreulich in Barcelona, dass wir viele Komplimente von anderen Teams bekommen haben, einfach über unsere Garagenanordnung, wie wir die Autos vorbereiten und all das.” Teamchef: Cadillac will “wirklich etwas aufbauen” Tatsächlich wurde die Idee eines elften Teams von den bestehenden zehn zunächst skeptisch betrachtet, nicht zuletzt aus Sorge um die Verteilung der Einnahmen. Cadillac muss also sportlich wie strukturell beweisen, dass es ein selbstverständlicher Teil des “neuen” Starterfeldes ist.
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Lowdon sieht sein Team jedenfalls schon auf dem richtigen Weg: “Die Art und Weise, wie wir Probleme als Team gelöst haben, war wirklich sehr ruhig. In der Garage sieht man das. Es ist sehr einfach, das in der Garage zu beurteilen, aber auch in den Ingenieur-Meetings.” “Tatsächlich ist es eine der Eigenschaften des Teams, die mir zuerst beim Shakedown in Silverstone auffiel”, meint der Teamchef. “Wir gingen an diesem Morgen in die Garage, und was ich sah, war ein ruhiges, gesammeltes Formel-1-Team, bereit zu arbeiten.” Das Cadillac-Design für 2026
“Wenn man das als Grundlage hat, kann man wirklich, wirklich aufbauen. Wenn man hingegen in eine Garage kommt und Chaos herrscht, mag man trotzdem schnell sein, aber man stößt irgendwann an eine Grenze. Und das haben wir immer gesagt.”
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“Als Team haben wir große Ambitionen. Wir sind realistisch und geerdet und wissen, wie schwierig dieses Spiel ist, aber wir wollten nicht nur hier sein. Wir wollen wirklich etwas aufbauen, und ich habe das Gefühl, dass wir das haben. Ich denke, das Auto spiegelt das Team wider.” Fundamente für das zukünftige Werksprojekt legen Der Blick richtet sich längst über die Gegenwart hinaus. 2026 dient vor allem dazu, tragfähige Grundlagen zu schaffen, damit die Jahre danach Substanz haben. Der strategische Fixpunkt ist 2029: Dann soll das Ferrari-Kundendasein enden, eigene Antriebseinheiten übernehmen.
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Dieses Streben nach Unabhängigkeit ist zentral für die Identität des Projekts. Nur mit vollständiger technischer Kontrolle lässt sich das Potenzial ausschöpfen. Zum Vergleich: Haas verfolgt ein bewusst anderes Modell und bezieht so viele Ferrari-Komponenten wie kein anderes Kundenteam. Das ist wirtschaftlich stabil, limitiert jedoch naturgemäß den konstruktiven Gestaltungsspielraum. “Das, was wir vielleicht ein wenig anders gemacht haben als, sagen wir, das letzte neue Team, das gekommen ist, ist, dass wir große Anhänger der Tatsache sind, dass wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen sollten und dass wir ein Werksteam sind – wir werden ein Werksteam”, betont Symonds. Q&A vor dem Saisonstart: Stellt eure Fragen zur Formel 1 2026! Video wird geladen… Kevin Scheuren und Stefan Ehlen starten einen Q§A-Livestream für euch.
“Wenn man also unser Auto betrachtet, wird man sehen, dass wir nicht einfach alle Komponenten gekauft haben, die wir konnten. Wir haben uns entschieden, dass wir beim Ferrari-Motor auch das Ferrari-Getriebe nehmen, aber wir haben nicht das gesamte Heck übernommen, wie es vielleicht andere getan hätten.”
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“Wir fühlten, dass wir unser eigenes Getriebegehäuse, unsere eigene Hinterradaufhängungund so weiter benötigen. Obwohl es also eine Reihe von Teilen gibt, die man immer noch ganz legal übernehmen könnte, haben wir uns entschieden, dies nicht zu tun.” Cadillac plant in der Formel 1 langfristig “Denn wie gesagt, ich denke, dass es sehr wichtig ist, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Philosophie hinter dem eigenen Design zu verstehen, wenn man Fortschritte machen will. Es ist schwer, das philosophische Design eines anderen voranzubringen, wenn man nicht alle Nuancen versteht, die damit einhergehen.” Damit wird klar: Ein spektakuläres Debütjahr wäre nett für die Schlagzeilen, aber eher sekundär. Entscheidend ist, dass das Team als Ganzes tragfähig ist. Alles läuft auf Symonds’ Kernforderung hinaus: 2026 soll Cadillac vor allem Respekt gewinnen.
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Gemeinsam mit Lowdons Hinweis, dass “wir alle unsere Zeitpläne einhalten”, was Aston Martin und Williams nicht gelang, deuten die frühen Signale darauf hin, dass Cadillac strukturell vorbereitet ist. Der sportliche Durchbruch mag Zeit brauchen. Doch wenn Prozesse, Personal und Philosophie greifen, entsteht das, was langfristig zählt: Substanz.
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