Was der Zoff um Mercedes’ Motor über die neue Politik der Formel 1 verrät
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Die letzten Wochen vor dem Auftakt der neuen Saison haben einmal mehr zwei Dinge gezeigt, die die Formel 1 besonders gut beherrscht: ein Thema vollständig aufzublähen und es stark zu politisieren – um am Ende doch bei einem Kompromiss zu landen, der scheinbar für alle Seiten etwas bereithält. LAT Images George Russell beim Formel-1-Wintertest 2026 in Bahrain
Die Diskussion um das Verdichtungsverhältnis, und damit um den Mercedes-Motor für 2026, vereinte beide Aspekte in ihrer reinsten Form. Es ist kein Zufall, dass das Thema Anfang Januar zunächst in deutschen Medien durchsickerte, denn einige Parteien konnten diese Öffentlichkeit nutzen, um den politischen Druck etwas zu erhöhen. Begleitet wurde das Ganze von einem gemeinsamen Brief von Audi, Ferrari und Honda an die FIA, woraufhin das Thema schnell eine Eigendynamik entwickelte. Beim Weltverband stellte man jedoch sofort klar, dass der ganze Wirbel etwas übertrieben sei, zumal Formelsport-Direktor Nikolas Tombazis den Leistungsunterschied deutlich geringer einschätzte, als manche vermutet hatten.
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Ein wichtiger Punkt sollte dabei erwähnt werden: In der öffentlichen Diskussion wurde relativ leichtfertig angenommen, dass Mercedes im Betrieb tatsächlich das volle Verhältnis von 18:1 erreichen würde, also den Grenzwert unter dem bisherigen Reglement, während die Realität offenbar differenzierter ist. Drive To Survive: Wann hört es endlich auf? Video wird geladen… Auch 2026 startet die Formel 1 wieder ihre Netflix-Offensive vor dem Saisonstart. Die achte Staffel der Serie “Drive To Survive” startet am Freitag.
Ob der FIA die Aufruhr gefiel oder nicht: Das ist typisch Formel 1. Jeder potenzielle Vorteil, egal wie groß oder klein, wird mit Misstrauen betrachtet und energisch angefochten. Das Durchstechen von Informationen und der gemeinsame Brief an die FIA gehören genauso dazu wie die Reaktion von Toto Wolff, der sich deutlich gegen “geheime Treffen” der Rivalen aussprach. Es ist das politische Spiel in seiner reinsten Form. Ein Lehrbuchbeispiel für einen Formel-1-Kompromiss So typisch das alles für die Formel 1 ist, so charakteristisch ist auch der Kompromiss, der am Ende gefunden wurde. Zunächst einmal war der FIA sehr daran gelegen, das Thema noch vor dem Saisonauftakt aus der Welt zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass es künftig kein Gesprächsthema mehr geben wird, doch die FIA wollte alles daransetzen, dass es den Start in die neue Ära der Formel 1 nicht überschattet. Der endgültige Kompromiss bietet allen Parteien etwas. Die Einführung der zweiten Messung, also zusätzlich zur Kontrolle bei Umgebungstemperatur auch eine bei 130 Grad Celsius, wurde vom 1. August auf den 1. Juni vorgezogen. Die Umsetzung erfolgt damit früher als ursprünglich vorgeschlagen, was als Erfolg für diejenigen gewertet werden kann, die glauben, dass Mercedes von der aktuellen Situation profitiert. Sutton Images Auch Toto Wolff kann mit dem Kompromiss offenbar leben
Gleichzeitig wurde der finale Vorschlag der FIA einstimmig angenommen, was darauf hindeutet, dass auch Mercedes damit leben kann. Der Kompromiss enthält nämlich ebenfalls einen Punkt, der der Marke mit dem Stern entgegenkommt: Mercedes setzte sich besonders dafür ein, dass der sogenannte Kalt-Test bestehen bleibt, was Wolff in Bahrain ausdrücklich betonte. “Ich denke, wie es jetzt umgesetzt wurde, muss es sowohl im kalten als auch im heißen Zustand regelkonform sein, sodass niemand einen Vorteil hat. Ich glaube, der Versuch der anderen war, es nur im heißen Zustand zu messen, damit sie im kalten Zustand außerhalb der Regularien operieren könnten. So ist es jetzt für alle ein faires Spiel.”
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Während Mercedes bei heißem Motor ein höheres Verdichtungsverhältnis erreichen kann, was häufig mit der Ausdehnung von Materialien in Kolben und Pleueln zusammenhängt, passiert normalerweise eher das Gegenteil: Wird der Motor wärmer, kann das Verdichtungsverhältnis tatsächlich sinken. Genau deshalb wollte Mercedes, dass der Kalt-Test bestehen bleibt. Zehn Dinge, auf die wir uns in der Formel-1-Saison 2026 freuen
Wolff fürchtete ein Szenario, in dem Rivalen bei einem ausschließlich heißen Test im Grunde das Gegenteil tun könnten, also beim 130-Grad-Test die Grenze von 16:1 einhalten, unter kälteren Bedingungen jedoch ein höheres Verhältnis fahren, wenn diese nicht mehr überprüft würden. Das würde unter heißen Bedingungen nicht zwingend einen direkten Vorteil bringen, gäbe den Rivalen jedoch eine relativ einfache Möglichkeit, im realen Betrieb am absoluten Limit zu arbeiten. Um dieses mögliche Schlupfloch zu schließen, drängte Mercedes stark darauf, den Kalt-Test beizubehalten.
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Die endgültige Lösung der FIA ist daher ein klassischer Kompromiss: Das konkrete Datum ist ein kleiner Sieg für das eine Lager, während der vorübergehende Erhalt des Kalt-Tests ein kleiner Erfolg für das andere ist. Ab 2027 wird das Verdichtungsverhältnis nur noch bei 130 Grad Celsius gemessen, doch dieser Punkt ist politisch weit weniger sensibel, weil alle Beteiligten genügend Zeit haben werden, sich anzupassen. Neue Teamchefs, neue politische Realität? Die Art und Weise, wie diese Diskussion geführt wurde, sagt auch etwas über die neue politische Realität der Formel 1 aus. Trotz gegensätzlicher Positionen verlief sie größtenteils konstruktiv und relativ unter dem Radar. Die reine Polemik vergangener Zeiten scheint etwas in den Hintergrund getreten zu sein – parallel zu dem Trend, dass immer mehr Ingenieure zu Teamchefs befördert werden. Das hat die politische Landschaft etwas pragmatischer gemacht: ein anderer Typ Teamchef, mit weniger offenen Konfrontationen als noch zwischen Wolff und Christian Horner in der jüngeren Vergangenheit. Natürlich verteidigt jeder Teamchef weiterhin die Interessen seiner eigenen Organisation, so wie es jede Führungsperson tun sollte. Der subtile Unterschied liegt jedoch darin, wie das öffentlich geschieht. Die aktuellen Teamchefs der Formel 1
Während Wolff und Horner sich häufig verbale Schlagabtausche lieferten, mit Auseinandersetzungen, die für manche Fans durchaus hohen Unterhaltungswert hatten, ist dieses öffentliche Element der politischen Auseinandersetzung inzwischen deutlich zurückgegangen.
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Ob das eine gute oder schlechte Entwicklung ist, hängt stark von der Perspektive ab. Wolff scherzt, dass die Formel 1 immer noch “Arschlöcher” brauche und der Sport in gewissem Maße auch dieses Show-Element in der politischen Arena benötige. 2026 ist davon deutlich weniger zu sehen als früher. Im vergangenen Jahr gab es zwar noch ein paar Spitzen zwischen Red Bull und McLaren, doch sie erreichten nie auch nur annähernd das Niveau von 2021, erst recht nicht, nachdem Laurent Mekies im Sommer das Ruder übernommen hatte. Wiederholung eines Titelkampfes wie 2021 unwahrscheinlich Der Titelkampf 2021 war auf und neben der Strecke ikonisch. Mit diesem neuen Führungsstil scheint eine Wiederholung vorerst jedoch unwahrscheinlich. Mekies erklärte bereits, dass dies teilweise eine bewusste Entscheidung sei: Er wolle sich stärker auf die Leistung seines eigenen Teams konzentrieren als auf politische Wortgefechte.
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“Wenn es um sportliche Fairness und den Respekt vor der Konkurrenz geht, glauben wir, dass beides möglich ist: am absoluten Limit zu arbeiten und gleichzeitig respektvoll mit der Konkurrenz umzugehen. Sport ist ein Kampf zwischen Giganten, und wir stehen voll hinter diesem Wettbewerb – und respektieren unsere Rivalen”, sagte Mekies. Anzeige FORMEL 1 Fanartikel
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“Alles, was wir getan haben, ist sicherzustellen, dass wir uns als Gruppe auf das reine Racing konzentrieren können, ohne uns zu sehr von dem Lärm drumherum ablenken zu lassen. Und das zu tun, was wir im Kern lieben: zu versuchen, diese Autos auf der Strecke schneller zu machen.”
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“Das ist im Grunde alles. Sich auf das konzentrieren, was wir lieben, härter pushen als alle anderen – und dabei versuchen, es auch zu genießen.” In den vergangenen Wochen war dieser Trend erneut sichtbar. Ja, die Meinungen gingen deutlich auseinander, doch öffentlich blieb alles vergleichsweise zurückhaltend. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Der politische Kampf in der Formel 1 ist nach wie vor genauso lebendig wie eh und je, und er wird es immer sein. Doch mit den derzeitigen Männern an der Spitze ist das Show-Element etwas kleiner geworden als früher. Vielleicht weniger spektakulär anzusehen, dafür hinter den Kulissen ein Stück konstruktiver.
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