Wie politisch ist das Mercedes-Lob für den Red-Bull-Motor?
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Der Saisonauftakt in Melbourne wirkt derzeit wie ein Rennen, das keiner gewinnen möchte. Natürlich ist das nicht wörtlich zu nehmen, doch es verdeutlicht scherzhaft, dass in dieser frühen Phase der Formel-1-Saison 2026 niemand als klarer Favorit dastehen will. Getty Images Europe Red Bull hinterließ in der ersten Bahrain-Testwoche einen guten Eindruck
Dieses Spiel hat Tradition in der Königsklasse, aber in diesem Jahr zeigt es sich in besonders ausgeprägter Form. Schon am ersten Testtag in Bahrain erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff, dass Red Bull für ihn “der Maßstab” sei und Mercedes “nicht mithalten” könne. Red Bulls Technischer Direktor Pierre Wache konterte, sein Team sei aktuell nur das viertbeste hinter Ferrari, Mercedes und McLaren. Der Franzose erwähnte die Scuderia bewusst zuerst, da Charles Leclercs Longruns beeindruckend wirkten, vor allem hinsichtlich der Konstanz beim Energiemanagement.
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Leclerc wiederum wies die Favoritenrolle von sich und verwies stattdessen auf Mercedes und Red Bull als schnellere Teams. So wurde die Favoritenrolle eine Woche lang gegenseitig weitergereicht. Das ist an sich nichts Neues, denn es bleibt sinnlos, zu diesem Zeitpunkt aus Rundenzeiten weitreichende Schlüsse zu ziehen. Unter dem neuen Reglement geht es ohnehin um ganz andere Faktoren. Das Beherrschen des Energiemanagements bringt derzeit enorme Rundenzeitgewinne. Laut Fahrern und Teamchefs geht es dabei nicht um Tausendstel oder Hundertstel, sondern um Zehntel oder sogar noch mehr. F1-Test Bahrain – Zusammenfassung Tag 3 Video wird geladen…
Ein besseres Verständnis dafür ist leicht gesagt, aber schwer umgesetzt – und bringt vermutlich mehr als jedes Aerodynamikupdate. Die Optimierung von Energierückgewinnung und -einsatz ist für jedes Team entscheidend, weshalb die Zeitenliste momentan kaum aussagekräftig ist. Oscar Piastri erklärte am Freitag: “Es gibt so viele Dinge, die alle Teams noch sortieren und richtig hinbekommen müssen. Der Unterschied zwischen richtig und falsch sind hier nicht ein paar Hundertstel oder Zehntel. Es kann locker eine halbe Sekunde sein, wenn etwas wirklich daneben geht.” “Extremes Sandbagging” während der Motorendiskussion? Hinzu kommen 2026 weitere Themen im politischen Hintergrund. Das Lob, das Wolff Red Bull aussprach, bezeichnete Verstappen daher als “Ablenkungsmanöver”. Gegenüber niederländischen Medien meinte er, Mercedes betreibe extremes “Sandbagging”. “Wartet einfach bis Melbourne ab und seht, wie viel Leistung sie plötzlich finden. Ich weiß das jetzt schon. Sie versuchen offensichtlich, den Fokus auf uns zu lenken, weil wir am Mittwoch so viele Runden gefahren sind. Aber man muss beide Seiten betrachten. Wartet bis Melbourne und seht, wie schnell sie plötzlich auf den Geraden sind”, so Verstappen. Auf die Aussage Wolffs, das Schlupfloch beim Verdichtungsverhältnis bringe nur zwei bis drei PS, reagierte Verstappen lachend: “Da muss man mindestens eine Null dranhängen! Und vielleicht noch mehr. Aber ich verstehe sehr gut, was sie aktuell versuchen.” Leclerc ergänzte zu dem Thema, Mercedes sei “sehr gut darin, Dinge zu verbergen”. Laut der Konkurrenz diene das einem politischen Zweck: Mercedes wolle sich zu diesem Zeitpunkt nicht zu sehr hervorheben, um keine Eingriffe der FIA zu riskieren. Die Formel-1-Autos 2026 in ihren finalen Designs auf der Rennstrecke
Solche Eingriffe werden allerdings mit zunehmendem Zeitverlauf unwahrscheinlicher – und würden ohnehin höchstens in Form eines langfristigen Kompromisses erfolgen. Für Melbourne bleibt praktisch keine Zeit mehr für technische Änderungen, insbesondere bei den langen Vorlaufzeiten für Motoranpassungen.
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Die Bemerkungen zu Red Bull fielen besonders nach dem Mittwoch auf. Daten zeigen, dass Verstappen konstant höhere Topspeeds auf der Start-Ziel-Geraden erreichte als viele Rivalen und – ein wichtiger Punkt unter den 2026er-Regeln – die Kurve zu Kurve 1 länger flach halten konnte. Ein Vergleich von Verstappens schnellster Runde mit Lando Norris’ Bestzeit zeigte das ebenfalls. Doch isoliert betrachtet sagt das wenig aus. Ein Großteil hängt davon ab, wie die 350 kW aus der MGU-K eingesetzt werden. Und das ist derzeit die große Unbekannte.
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Während Verstappen auf der Start-Ziel-Geraden viel Zeit gewann, tat Norris dasselbe auf der langen Geraden vor der letzten Kurve. Es kommt darauf an, wer wann und wo Energie nutzt, und wer sich Reserve lässt. Im Fahrerlager ist aktuell viel vom “Harvesting” die Rede. Dabei fahren Piloten absichtlich langsamer durch Kurven oder wählen niedrigere Gänge, um Energie zu gewinnen. Doch die Teams müssen diese Energie nicht zwingend vollständig einsetzen. Damit lässt sich im Wintertest beliebig spielen. Das ist in diesem Jahr eine weitere Variable beim “Sandbagging”, ähnlich wie früher die Tankfüllung oder der Motormodus. Energiemanagement: Hat Red Bull früher Lösungen gefunden? Teams analysieren vor allem, wie konstant die Energieabgabe ihrer Konkurrenten über mehrere Runden ist. Ferrari beeindruckte damit später einige Rivalen, doch am Mittwoch verwies Wolff klar auf Verstappens Runs.
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Wache relativierte das in seiner Medienrunde: Red Bull sei beim Energiemanagement auf einem längeren Run zunächst etwas weiter gewesen, doch dieser Vorteil sei inzwischen verschwunden. Laut Wache hatte Red Bull gewisse Lösungen einfach früher als andere Teams gefunden. Fotos: 1. Formel-1-Wintertest 2026 in Bahrain
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Er erklärte: “Es stimmt, dass wir am ersten Tag etwas näher an dem waren, was wir anstreben. Dann sah man, dass die anderen Teams in dieselbe Richtung gingen, teilweise inzwischen sogar besser.”
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“Unsere Leute in der Fabrik und bei den Simulationen haben den richtigen Weg vielleicht nur etwas früher gefunden, aber nicht sofort optimal. Bei anderen hat es etwas länger gedauert, aber jetzt würde ich das nicht mehr sagen [dass wir vorne liegen]”, so Wache. Verstappen bestätigte das gegenüber niederländischen Medien und erklärte, Red Bull habe seinen Simulator früh gut abgestimmt. Daher habe er schon vor drei Jahren auf das Herunterschalten auf Geraden hingewiesen. Mit zunehmender Testkilometerzahl auf der Strecke würden sich die Ansätze jedoch angleichen. Red-Bull-Hauptziel war es, “nicht dumm auszusehen” Insgesamt hat das Lob für Red Bull also auch einen politischen Beigeschmack. Es ist Teil des Spiels, in dem derzeit jeder jemand anderen zum Favoriten erklärt. Trotzdem lässt sich eines schon sagen: In puncto Zuverlässigkeit ist Red Bull besser gestartet als viele erwartet hatten.
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Das gilt auch für die Konkurrenz. Noch letztes Jahr witzelte Wolff in Zandvoort, der neue Red-Bull-Motor werde “Mist” sein, doch die Stimmung im Fahrerlager hat sich seither deutlich gewandelt. Auch intern zeigt sich ein Stimmungsumschwung: Isack Hadjar zeigte sich positiv überrascht. “Es ist weit besser, als ich gedacht hatte. Der Eindruck gegen Ende der letzten Saison war nicht sehr positiv. Es gab Gerüchte und selbst im Team war man nicht ganz zufrieden”, berichtet der Red-Bull-Neuling. “Aber in Barcelona bin ich [beim Shakedown] am ersten Tag gleich 110 Runden gefahren. Das war eine sehr angenehme Überraschung. Für ein Team, das dieses Projekt erst vor drei Jahren gestartet hat, ist das beeindruckend”, so Hadjar.
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Der Franzose räumte ein, dass er vor den Tests in Barcelona “viele, viele Zweifel” gehabt habe, die nun verschwunden seien. Auch Wache zog nach den ersten sechs Fahrttagen mit dem neuen DM01-Antrieb ein ähnliches Fazit. “Ich bin überrascht, wie gut die Motorenleute das hinbekommen haben. Sie haben fantastische Arbeit geleistet. Als Neuling einen Motor zu entwickeln und damit auf der Strecke nicht dumm auszusehen, ist eine enorme Leistung”, so Wache. Meistgelesen in unserem Netzwerk Langstrecke
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Auch wenn das Lob und das Versteckspiel im Fahrerlager politisch gefärbt sind, lässt sich nach der ersten Woche in Bahrain festhalten: Waches Ziel, “nicht dumm auszusehen”, ist mit dem brandneuen Motor bereits erreicht.
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