5 Fragen zum neuen Formel-1-Rennen in Ruanda
| . | . | . |
Mit der Ankündigung des Großen Preises von Afrika Anfang der 2030er-Jahre kehrt die Formel 1 nach über drei Jahrzehnten Pause endlich auf den afrikanischen Kontinent zurück. gehörte zu den ausgewählten Medien vor Ort in Kigali, um herauszufinden, wie und für wen dieses Event funktionieren wird. Formula 1 So soll die neue Formel-1-Rennstrecke in Ruanda aussehen
An der Präsentation am Dienstag in der Kigali BK Arena nahmen Ruandas Präsident Paul Kagame, Formel-1-Chef Stefano Domenicali und FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem teil. Doch nach der offiziellen Vorstellung blieben einige entscheidende Fragen offen, zu denen wir uns nun bei den wichtigsten Köpfen hinter dem Rennen schlau gemacht haben. Wann kommt Ruanda in den Kalender? Ruanda wird offiziell “Anfang der 2030er-Jahre” einsteigen, was für den genauen Eintrittspunkt in den Kalender noch reichlich Spielraum lässt. Es wirkt durchaus kurios, ein neues Rennen im Jahr 2026 offiziell anzukündigen, ohne einen klaren Startzeitpunkt zu nennen – vor allem, wenn der frühestmögliche Termin vier Jahre in der Zukunft liegt.
//jseAo3c(“Rect”);
Die Realität ist jedoch, dass das Projekt von einer Reihe kritischer Infrastrukturprojekte abhängt. Das größte Vorhaben ist der brandneue internationale Flughafen Bugesera, der derzeit im Wesentlichen nur aus einer Start- und Landebahn mit Betonschürze besteht, während erste Arbeiten am Terminalgebäude begonnen haben. Der Flughafen soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2028 eröffnet werden. Hinzu kommt die ambitionierte, rund sechs Kilometer lange Rennstrecke selbst, die südlich des künftigen Flughafens über zwei steile Hügel und an einem See entlangläuft. Das Streckendesign ist bereits fertiggestellt – das Projekt wird von Tilke Engineering & Architects, dem Ingenieurbüro DAR und Wurz Design betreut und tritt nun in die Ingenieursphase ein. Zudem muss die ruandische Regierung klären, wie 100.000 Fans reibungslos zur Strecke und wieder weggebracht werden können. Jean Baptiste Nkurunziza (Getty Images) Ruandas Präsident Paul Kagame bei der Vorstellung des Grand Prix
Auch wenn gute Chancen bestehen, dort bis 2030 zu fahren, nehmen sich die lokalen Behörden durch das Offenlassen des genauen Starttermins weniger Druck und mehr Zeit, um alle erforderlichen Arbeiten fristgerecht und in der gewünschten Qualität abzuschließen. Da Kigali für mindestens ein Jahrzehnt der Ankerpunkt der Formel 1 in Afrika sein soll, legt die Sportart großen Wert darauf, dass das Rennen so gut wie möglich und nicht so früh wie möglich über die Bühne geht. “Es gibt eigentlich keine einschränkenden Faktoren außer wichtigen Meilensteinen, die wir im Blick behalten”, sagt Jean-Guy Afrika, der CEO des Rwandan Development Board, also der zentralen staatlichen Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsbehörde der ruandischen Regierung, auf die Frage nach dem flexiblen Startdatum.
//jseAo3c(“Rect”);
“Einer der wichtigsten ist die Fertigstellung des internationalen Flughafens, die für Anfang 2028 geplant ist. Der andere Grund war vor allem, die Flexibilität zu bewahren, um die Arbeiten an der Rennstrecke abzuschließen, bevor eine endgültige Entscheidung darüber getroffen wird, wo genau wir in den Kalender passen. Diese Entscheidung wird von der Formel 1 gesteuert und koordiniert, aber wir ziehen es vor, sie auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.” Gleichzeitig war es nach über drei Jahren Verhandlungen und Planung wichtig, weit im Voraus eine öffentliche Ankündigung zu machen, um das Projekt aus der Konzeptphase herauszuholen und in die Realität umzusetzen. “Wir brauchten diesen Moment, weil wir uns in einer Art Henne-Ei-Situation befanden”, sagt Formel-1-Boss Stefano Domenicali. “Wir führen Gespräche, haben fast alles vorbereitet, und ich sagte: ‘Hört zu, wenn wir nicht anfangen, werden wir es [nicht] zu Ende bringen.'” Warum heißt es Afrika-Grand-Prix und nicht Ruanda-Grand-Prix? Kurioserweise ist das Rennen nicht nach dem gastgebenden Land oder der Stadt benannt, sondern nach dem gesamten Kontinent – was die Organisatoren als Geste des guten Willens gegenüber ganz Afrika verstanden wissen wollen.
//jseAo3c(“Rect”);
“Ruanda war schon immer ein Verfechter der regionalen Integration”, sagt Afrika. “Wir sind Mitglied der Ostafrikanischen Gemeinschaft und des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika. Wir haben die Visumpflicht bei der Einreise für Afrikaner abgeschafft. Es entspricht also ganz diesem Geist, den Sport auf den Kontinent zu bringen.” “Wir wollen, dass es mehr als nur Ruanda wird. Wir wollen, dass es der Moment ist, in dem der Sport nach Afrika zurückkehrt und diesen Kontinent nie wieder verlässt. Deshalb hatten wir das Gefühl, dass die Bezeichnungen Kigali Grand Prix oder Rwanda Grand Prix etwas exklusiv wirken würden. Wenn man es Afrika-Grand-Prix nennt, ist es viel einfacher, Partner für diese umfassendere Anstrengung zu gewinnen.” Afrika zeigt sich zudem überzeugt, dass Ruanda das Tor für weitere Rennen auf dem Kontinent öffnen wird: “Wir sehen eine Zukunft voraus, in der wir auf diesen Moment zurückblicken und einen entscheidenden Wendepunkt erkennen, an dem schließlich mehrere Rennen in Afrika stattfinden werden.”
//jseAo3c(“Rect”);
“Man hat bereits gesehen, dass das Interesse [in Afrika] enorm hoch war. Wir waren nicht die einzigen Bewerber, und wir gehen davon aus, dass es nach dem ersten Rennen wahrscheinlich viele weitere geben wird”, sagt er. Was für eine Rennstrecke bekommt Ruanda? Das Rwanda Motodrome ist eine permanente, speziell für diesen Zweck errichtete Anlage und keine Straßen- oder Stadtstrecke. Das sechs Kilometer lange Layout mit 17 Kurven wird von Grund auf so gebaut, dass es die natürlichen Gegebenheiten des Bugesera-Geländes – insbesondere die beiden Hügel, die die Strecke hinaufführt und hinabführt – voll ausnutzt. Der Gesamthöhenunterschied pro Runde beträgt 197 Meter, was fast dem Doppelten des aktuellen Spitzenreiters Spa-Francorchamps (102 Meter) entspricht.
//jseAo3c(“Rect”);
Neben schnellen, flüssigen Kurven, die die Fahrer begeistern werden, gibt es auch eine 1-Kilometer-Gegengerade, gefolgt von einer Haarnadelkurve, um das Überholen zu fördern. Tilke-Geschäftsführer Carsten Tilke bezeichnete den gewählten Standort als “Traumlage”, da die wellige Topographie viel Vorarbeit leiste, um sowohl eine herausfordernde Strecke als auch arenaartige Aussichten für die Fans zu schaffen. “Wenn wir eine Rennstrecke entwerfen, müssen wir natürlich immer mit dem Gelände arbeiten, das uns zur Verfügung steht”, sagt Tilke. “Wir hatten extrem viel Glück, denn wir haben eine sehr hügelige Topographie und einen See. Wir haben alles, wovon man träumt, wenn man eine Strecke entwirft.” “Das verleiht dem Kurs auch seinen Charakter: sehr flüssig, sehr schnell. Er wird wirklich von den natürlichen Merkmalen und der Schönheit des Standorts geformt. Und genau deshalb haben wir auch so viele Höhenunterschiede. Es ist im Grunde eine Achterbahnstrecke mit viel Überhöhung. Es geht mit 12 bis 13 Prozent rauf und runter.” Katie Garner (Getty Images) Die Strecke soll in einem hügeligen Gebiet entstehen
Wurz befindet sich in einer etwas heiklen Position, da er gleichzeitig Vorsitzender der F1-Fahrervereinigung GPDA ist – sollte die Rennstrecke also kein durchschlagender Erfolg werden, kann er sich nirgendwo verstecken.
//jseAo3c(“Rect”);
Auf sein Design angesprochen, gibt sich der ehemalige Formel-1-Fahrer jedoch sehr zuversichtlich, dass es sowohl bei den Piloten als auch bei den Zuschauern vor Ort und den TV-Fans dank der integrierten Überholmöglichkeiten großen Anklang finden wird. Zudem verriet er, dass bereits einige aktuelle Fahrer und FIA-Weltmeister sein Layout im Simulator getestet haben. “Die Strecke ist nicht für bestimmte Regeln oder Kategorien ausgelegt, daher werdet ihr einige Kurvenkombinationen sehen, die perfekt für Tourenwagen oder Motorräder funktionieren, wo man echte Überraschungsangriffe starten kann. Oder wenn man den Reifenverschleiß im Griff hat und sehr dicht dranbleiben kann – selbst mit abtriebsstarken Autos wie denen der World Endurance Championship oder der Formel 1.”
//jseAo3c(“Rect”);
“Wir werden im Simulator lange Geraden, Haarnadelkurven und alle Angriffs-Kurven haben. Wir spielen stark mit leichten Sturzänderungen an manchen Stellen: Wenn man Verschleiß an der Vorder- oder Hinterachse hat, berücksichtigen wir, welche Reifentemperaturen in bestimmten Kurven auf den Reifen wirken, sodass der verteidigende Fahrer auf der nächsten langen Geraden tatsächlich im Nachteil ist.” “Da fließt jede Menge Wissenschaft ein, kombiniert mit dem Know-how aus jahrelanger Fahr- und Streckenbau-Erfahrung, und ich hoffe, dass diese Strecke das i-Tüpfelchen auf jeder Liste sein wird. Mehr als ein Dutzend FIA-Weltmeistertitel haben sich die Strecke angesehen, haben die Onboard-Videos gesehen, und ich denke, alle sind total begeistert”, so der Österreicher. Was hat die Formel 1 von Ruanda? Domenicali bezeichnete die Ankündigung vom Dienstag als “einen der bedeutendsten Tage in der Geschichte der Formel 1”. Selbst für einen Mann, der gerne zu Hyperbeln greift, ist das eine massive Aussage. Doch es stimmt: Sollte der Einbruch in den afrikanischen Markt am Ende gelingen, könnte dies eines von Domenicalis größten Vermächtnissen sein.
//jseAo3c(“Rect”);
Die Formel 1 war seit ihrem Abschied aus Südafrika nach der Saison 1993 nicht mehr auf den afrikanischen Kontinent zurückgekehrt, und angesichts der beeindruckenden Liste an Anforderungen für einen Grand Prix der Liberty-Media-Ära schien das lange Zeit schlicht unmöglich. Jean Baptiste Nkurunziza (Getty Images) Stefano Domenicali hat die Formel 1 wieder nach Afrika gebracht
Wie jedoch Lewis Hamilton betonte, der von Ruandas Sportministerin Nelly Mukazayire als “eine sehr starke Stimme für die Formel 1 in Afrika” gewürdigt wurde, kann sich die Formel 1 nicht als wahrhaft globale Meisterschaft bezeichnen, ohne jemals afrikanischen Boden zu betreten. Die Hoffnung ist, dass Liberty Media nun den richtigen, glaubwürdigen und stabilen Partner gefunden hat, der die enorme Arbeitslast vor sich nicht unterschätzt.
//jseAo3c(“Rect”);
Domenicali betont, dass der rasant wachsehende Markt Afrikas “die Heimat von mehr als 100 Millionen Formel-1-Fans” sei, die nun endlich ein Rennen auf ihrem eigenen Kontinent erleben können. Was hat Ruanda von der Formel 1? Die Verpflichtung eines so hochkarätigen Sportevents hat Ruanda allerdings auch frische Vorwürfe von Amnesty International eingebracht, die Formel 1 für “Sportswashing” zu nutzen, um von gravierenden Menschenrechtsproblemen abzulenken. Domenicali hingegen nennt Ruanda “eine der großen Erfolgsgeschichten der Welt” und “eine Nation von außergewöhnlicher natürlicher Schönheit und atemberaubenden Landschaften, verbunden mit der Widerstandskraft und dem Mut, die Herausforderungen ihrer Vergangenheit zu überwinden und neu geboren zu werden” – mit Verweis auf den verheerenden Völkermord von 1994.
//jseAo3c(“Rect”);
Die Formel 1 vertritt die Haltung, dass Sport eine positive, Gutes bewirkende Kraft sein kann. Der langjährige Präsident Paul Kagame erklärt, die Austragung von Spitzensport im eigenen Land sei ein erster Schritt, um den Einbahnstraßen-Effekt umzukehren: Bislang bringe Afrika einige der größten globalen Stars im Fußball, Basketball, in der Leichtathletik und in anderen Sportarten hervor, ziehe daraus jedoch kaum einen wirtschaftlichen Nutzen. “Jahrzehntelang waren afrikanische Sportler eine Säule der globalen Sportwirtschaft und haben den Top-Ligen einen enormen kommerziellen Wert beschert, während der Kontinent fast nichts als Gegenleistung erhielt”, sagt er. “Partnerschaften wie die, die wir aufbauen, helfen dabei, diesen Kreislauf zu durchbrechen, weil sie als Katalysator für die Entwicklung der Sportinfrastruktur dienen.”
//jseAo3c(“Rect”);
“Hier geht es nicht nur um den Bau von Veranstaltungsorten. Es geht darum, ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell zu schaffen, bei dem verschiedene Einnahmequellen aus Gastronomie, Tourismus und Unterhaltung generiert und in den lokalen Gemeinschaften verankert werden. Sport ist ein großartiger Gleichmacher, aber wir müssen dieses Versprechen ganz bewusst einlösen.” Die Formel 1 bietet zudem den nächsten Schritt in Ruandas Entwicklung als Reiseziel und Wirtschaftszentrum – frisch nach der Austragung der Straßenrad-Weltmeisterschaften 2025. Im Gegensatz zu diesem einmaligen Event hat sich Ruanda für einen Zeitraum von zehn Jahren verpflichtet, was genügend Zeit gibt, um die Investitionen zu amortisieren (die aus einer nicht näher bezifferten Mischung aus öffentlichen und privaten Geldern stammen). “Ich denke, es ist entscheidend zu betonen, dass die Formel 1 Teil eines viel größeren Bildes und einer langfristigen Strategie ist, um Ruanda als Hub für Tourismusinvestitionen und -dienstleistungen zu positionieren”, sagt Afrika. Die Vertragslaufzeiten der aktuellen Formel-1-Strecken
“Die Formel 1 war eine natürliche Fortsetzung dieser Bemühungen. Die Rennstrecke wird eine Kapazität von rund 100.000 Zuschauern haben. Über ein Wochenende hinweg sprechen wir von fast 300.000 Menschen, die alles von Konsumgütern, Restaurants, Hotels bis hin zur Beherbergungsinfrastruktur nutzen.”
//jseAo3c(“Rect”);
“Das ist eine massive Nachfrage, die Wachstum für unsere bestehenden Unternehmen generiert. Und das bedeutet mehr bei den Steuereinnahmen, steigende Körperschaftssteuern und so weiter. Wir erwarten auch einen Anstieg der Investitionen in neue Unternehmen, was mehr Arbeitsplätze und so weiter bedeutet.” Das Rwandan Development Board legt großen Wert darauf, die Anlage zu einem multifunktionalen Komplex zu machen, der das ganze Jahr über für Veranstaltungen wie Konzerte und Konferenzen genutzt werden kann.
//jseAo3c(“Rect”);
Zudem sollen eine Kartbahn, ein Offroad-Gelände und Teststrecken integriert werden, um den Breitensport im Motorsport weiter zu fördern. Nachdem er vor zwei Jahren bei den FIA-Generalversammlungen in Kigali das FIA-Cross-Car vorgestellt hatte, bekräftigte FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem, dass der Dachverband seine Bemühungen zur Unterstützung des Kartsports im Land verstärken werde. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
Liam Lawson kennt beide Red-Bull-Autos: Was er jetzt darüber verrät
Formel 1
5 Fragen zum neuen Formel-1-Rennen in Ruanda
Formel 1
Mattia Binotto: Die größte Audi-Leistung ist gar nicht sichtbar
Formel 1
Max Verstappen: FAQ zu seinem Start in der GTWC Europe
“Die Ankunft der Formel 1 in Ruanda wird eine sehr starke Botschaft an junge Menschen auf dem gesamten Kontinent senden. Sie wird ihnen zeigen, dass das höchste Niveau des internationalen Motorsports in ihrer Reichweite liegt und dass Afrika nicht nur an der Zukunft unseres Sports teilhaben, sondern sie mitgestalten kann”, so Sulayem.
Formel1.de
En güncel Motorsporları haberleri için sosyal medyada TRmotosports’u takip edin.


