Komatsu erklärt Haas-Absturz: “Wir wurden einfach ausentwickelt”
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Noch zu Saisonbeginn galt Haas als die positive Überraschung der Formel 1. Nach starken Auftritten in Melbourne und Shanghai führte das US-Team zeitweise sogar das enge Mittelfeld an und schien sich gegen Konkurrenten wie Racing Bulls, Alpine, Audi oder Williams behaupten zu können. Sutton Images Haas kämpft seit einigen Rennen nur noch mit stumpfen Waffen
Doch nur wenige Monate später hat sich das Bild komplett gewandelt: Während Racing Bulls, Alpine und Audi inzwischen deutlich enteilt sind, kämpft Haas nur noch mit Williams um die hinteren Plätze und hat nur noch Außenseiterchancen auf Punkte. Teamchef Ayao Komatsu macht keinen Versuch, diese Entwicklung schönzureden. Im Gegenteil: Der Japaner räumt offen ein, dass Haas im Entwicklungsrennen den Anschluss verloren hat – widerspricht aber gleichzeitig der Aussage, dass die eigenen Updates gescheitert seien.
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Auslöser war eine Einschätzung von Audi, wonach einige Teams in dieser Saison schlicht von der Konkurrenz überholt worden seien und ihre Weiterentwicklungen nicht den erhofften Effekt gebracht hätten. Komatsu stimmt dieser Analyse allerdings nur teilweise zu. “Ja, wir wurden ausentwickelt” “Die erste Aussage ist absolut fair”, sagt der Haas-Teamchef. Ein Blick auf die Konkurrenz reiche aus, um das zu erkennen. “Wenn man sich Racing Bulls anschaut: Hut ab. Ihre Updates waren beeindruckend.” Besonders das große Unterboden-Upgrade habe den Italienern einen entscheidenden Sprung ermöglicht. “Ich weiß nicht mehr genau, ob es in Miami, Montreal oder Barcelona war. Aber als sie den neuen Unterboden gebracht haben, hat man den Fortschritt sofort gesehen.” Auch Audi zählt Komatsu inzwischen zu den Teams, die Haas in der Entwicklung überholt haben. “Sie sind schon seit längerer Zeit sehr schnell. Deshalb stimmt es: Wir wurden in der Entwicklung ausentwickelt.” Gerade im Vergleich zur ersten Saisonphase fällt dieser Unterschied inzwischen deutlich auf. Während Haas anfangs regelmäßig das schnellste Mittelfeldteam war, fehlt inzwischen auf nahezu jeder Strecke die Pace gegen Racing Bulls, Alpine und Audi. Die Updates funktionieren trotzdem Der zweite Teil der Audi-Aussage trifft aus Sicht von Komatsu allerdings nicht zu. “Ich finde nicht, dass man sagen kann, unsere Updates hätten nicht funktioniert.” Im Gegenteil: Die neuen Teile hätten genau die Performance geliefert, die Haas erwartet habe. “Wir haben in Montreal neue Komponenten gebracht. Wenn wir uns anschauen, was diese Teile geliefert haben, dann haben sie genau in den Bereichen funktioniert, die wir erwartet hatten.”
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Das eigentliche Problem liege an einer ganz anderen Stelle. “Wenn wir von mangelnder Performance sprechen, dann hat das nichts mit unserem Upgrade-Paket zu tun.” Denn diese Schwäche begleite das Team bereits seit Saisonbeginn. “Sie existiert seit Bahrain, seit den Testfahrten. Daran hat sich nichts geändert.” Mehr Abtrieb – aber nicht nutzbar Komatsu beschreibt das Kernproblem des Autos sehr deutlich. “Das Upgrade hat mehr Abtrieb gebracht.” Doch genau dieser zusätzliche Abtrieb lasse sich nicht auf jeder Strecke sinnvoll nutzen. “Der Anpressdruck ist da. Aber ist er wirklich nutzbar? Nicht unbedingt.” Je nach Streckenlayout trete das Problem unterschiedlich stark auf. Das erkläre auch die extrem schwankenden Leistungen des Teams. “In Melbourne und Shanghai haben die Eigenschaften unseres Autos perfekt zur Strecke gepasst.” Dadurch seien die Schwächen nahezu vollständig verdeckt worden. “Diese Strecken haben unsere Stärken betont und unsere Schwächen kaschiert.” Erst Miami deckte die Schwächen auf Mit zunehmender Saison änderte sich dieses Bild jedoch. “Ab Miami wurden unsere Schwächen sichtbar.” Seitdem habe Haas die Problematik immer besser verstanden. “Inzwischen ist unser Verständnis deutlich besser geworden – sogar viel besser.”
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Das ändere jedoch nichts daran, dass die Ursache tief im Fahrzeugkonzept liege. “Es sind die grundlegenden Handling-Eigenschaften dieses Autos.” Besonders ärgerlich sei dabei der Zeitpunkt der Erkenntnis gewesen. “Leider haben wir das erst etwa ab Rennen fünf erkannt.” Video wird geladen…
Zu diesem Zeitpunkt seien viele Entwicklungsentscheidungen längst getroffen gewesen. Für Komatsu ergibt sich daraus eine klare Lehre. “Ich möchte das Team so weiterentwickeln, dass wir solche Probleme künftig schon beim ersten Rennen oder sogar während der Testfahrten erkennen.”
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Gerade unter der Budgetobergrenze könne man es sich nicht leisten, monatelang in die falsche Richtung zu entwickeln. Deshalb gehe es nicht nur darum, bessere Updates zu bauen, sondern auch schneller die richtigen Schlüsse aus den vorhandenen Daten zu ziehen. Budgetgrenze? Haas erreicht sie nicht einmal Ein weiteres Problem spricht Komatsu überraschend offen an. Auf die Frage, ob Haas inzwischen zumindest am Budgetlimit operiere, antwortet der Teamchef ohne Zögern. “Nein. Das wünschte ich.” Tatsächlich könne Haas die erlaubte Budgetobergrenze bis heute nicht ausschöpfen. “Das ist eine meiner wichtigsten Aufgaben: Dieses Team so zu finanzieren, dass wir überhaupt am Budgetlimit arbeiten können.” Dass Haas im Entwicklungsrennen zurückgefallen sei, sei deshalb ausdrücklich keine Kritik an den Mitarbeitern. “Unsere Leute kämpfen mit beiden Händen auf dem Rücken”
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Komatsu verteidigt sein Team daher mit deutlichen Worten. “Unsere Leute leisten ehrlich gesagt einen fantastischen Job.” Wer die Größe und die Ressourcen von Haas kenne, wisse genau, was diese Mannschaft täglich leiste. “Jeder, der die Formel 1 kennt und weiß, wie klein unser Team ist, versteht diese Aussage.” An der Kompetenz der Mitarbeiter habe er keinerlei Zweifel. “Unsere Leute sind sehr fähig. Sie arbeiten hervorragend zusammen, die Kommunikation funktioniert und wir haben eine Kultur ohne Schuldzuweisungen. Ich konnte ihnen bisher einfach nicht genug Munition geben.” “Der Saisonstart war eigentlich nicht nachhaltig” Rückblickend bewertet Komatsu sogar den starken Saisonbeginn neu. Dass Haas trotz seiner geringen Ressourcen zu Beginn des Jahres das Mittelfeld angeführt habe, sei eigentlich außergewöhnlich gewesen. “Was unsere Leute am Anfang dieser Saison geleistet haben, war völlig unerwartet.”
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Gerade im ersten Jahr des neuen Reglements sei ein solcher Saisonstart kaum realistisch gewesen. “Man kann nicht erwarten, dass das kleinste Team der Formel 1 dauerhaft auf diesem Niveau fährt.” Ohne Gridstrafe: Hätte McLaren in Belgien gewinnen können? Video wird geladen…
Deshalb sei der spätere Rückfall letztlich keine Überraschung gewesen. “Das war für uns auf Dauer einfach nicht nachhaltig.” Der Teamchef macht deshalb vor allem sich selbst verantwortlich. “Ich muss dafür sorgen, dass dieses Team mehr Einnahmen erzielt und bessere Arbeitsbedingungen bekommt.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Denn erst dann könne Haas dauerhaft mit den größeren Konkurrenten mithalten. “Wir haben die richtigen Leute. Wir haben die richtigen Fahrer.” Davon ist Komatsu überzeugt. “Wenn wir ihnen die richtigen Möglichkeiten geben, werden wir wieder zurückkommen.”
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