“Grenzwertig”: Wie Andrea Moda mit dem Leben von Perry McCarthy spielte

“Grenzwertig”: Wie Andrea Moda mit dem Leben von Perry McCarthy spielte

 

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Wenn ein Formel-1-Fahrer sagt, dass es “grenzwertig” war, wie sein Team mit seinem Leben gespielt hat, dann ist das eine herbe Aussage. In der modernen Formel 1 kann man sich das überhaupt nicht vorstellen, weil alles so professionell geworden ist, doch noch in den 90er-Jahren mussten manche Fahrer froh sein, wenn sie heil wieder zurück in die Garage kamen.  Ercole Colombo (Getty Images) Besonders Monaco wurde für Perry McCarthy zur Herausforderung

Bei manchen wurde sogar mit dem Leben gespielt – und das nicht nur aus Fahrlässigkeit, sondern weil der Fahrer im Grunde gezwungen war, sich in eine lebensgefährliche Schrottkiste zu setzen, die eigentlich nicht dafür gemacht war, sinnvolle Runden um die Strecke zu drehen. Perry McCarthy kann ein Lied davon singen. Der Brite war 1992 zweiter Fahrer bei Hinterbänkler Andrea Moda und wurde vom Team so stiefmütterlich behandelt, dass es im wahrsten Sinne des Wortes bei ihm um Leben und Tod ging.
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Im Podcast Beyond the Grid schildert er die Momente, die wohl nicht nur aus heutiger Sicht für Kopfschütteln sorgen dürften. Nachdem sein erster Qualifying-Versuch in Barcelona nur 30 Meter gedauert hatte, aber immerhin ein ernsthafter Versuch war, wurde ihm schnell klar, wie hoffnungslos die Lage im Team war.  Mike Hewitt (Getty Images) McCarthy kam im ersten Qualifying-Versuch gerade einmal aus der Box

Dabei hatte er zu dem Zeitpunkt noch die Hoffnung, dass es besser werden würde: “Wir reden hier von einem ziemlich niedrigen Niveau. Wenn man sich da nicht vorstellen kann, dass es aufwärts geht, wäre man wohl ein ziemlich trauriger Mensch”, sagt er. “Das Witzige ist: Es wurde danach nicht wahnsinnig viel besser.” Nach Barcelona stand Imola auf dem Plan, wo McCarthy im Pre-Qualifying wenigstens mal ein paar Runden zum Fahren kam. Aber: “Ich habe sofort gemerkt, dass wir massives Untersteuern hatten, weil das Differenzial sperrte. Das konnte ich quasi sofort spüren. Ich kam rein, um es ihnen zu sagen, und das war’s.” “Sie sagten, sie könnten nichts dagegen tun, und damit war die Sache erledigt. Das war mein gesamtes Pensum beim Qualifikationsversuch in Imola: diese sieben Runden”, erinnert er sich und scherzt: “Zum Glück hatte ich mich fitgehalten, denn nach meinen Andrea-Moda-Maßstäben war das schon ein Langstreckenrennen.” Natürlich konnte sich McCarthy mit zehn Sekunden Rückstand auf das schnellste Auto, das ins Pre-Qualifying musste, keinen Platz in der eigentlichen Qualifikation sichern – so wie bei allen anderen Pre-Qualifying-Versuchen. Und dann kam Monaco. Und McCarthy sagt: “Ich hatte Angst.” In Monaco “völlig überfordert” “Ich werde oft nach der Angst im Rennsport gefragt, und Ayrton (Senna; Anm. d. Red.) hat mal etwas wirklich Cooles gesagt. Er bringt es auf den Punkt. Er sagte: Natürlich hat er Angst. Meiner Meinung nach hat jeder Angst. Wer behauptet, noch nie Angst gehabt zu haben, lügt entweder oder er fährt nicht schnell genug”, sagt er.
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Doch was er in Monaco erleben musste, war noch einmal eine Spur drüber. Der Versuch, sich überhaupt für den Event zu qualifizieren, war eine Mammutaufgabe – und eine, die McCarthy nie und nimmer schaffen konnte. “Ich war noch nie zuvor in Monaco gefahren und ich weiß, dass das verdammte Ding nicht lange halten wird, und sie schicken mich erst spät in der Session raus. Der Sitz passte nicht, es gab keine Windschutzscheibe und die Lenksäule bewegte sich”, schildert er.
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“Ich wurde überall hin- und hergeschleudert, während ich versuchte, in diesen wenigen Runden so hart wie möglich zu pushen. Mein Kopf wurde überall gegen geknallt, weil der Schutz fehlte”, so McCarthy. “Und wie gesagt, die Säule bewegte sich, und ich konnte das Auto nicht spüren, weil der Sitz wackelte und ich nicht richtig darin saß. Und ich kann dir ganz im Ernst sagen: Das war etwas ganz anderes, als nur für einen Moment erschrocken zu sein”, sagt er und gibt zu: “Ich hatte wirklich Angst, und man denkt sich: Weißt du was? Ich bin hier wahrscheinlich am falschen Ort.” “Ich bin völlig überfordert. Völlig überfordert”, wiederholt er. Formel-1-Quiz
Was versteht man unter Fahrerlager?
Biersorte, die James Hunt erfunden hat Doppelzimmer eines Hotels, wenn zwei Rennfahrer darin übernachten Berühmtes Hotel am Hockenheimring Bereich, in dem Motorhomes und LKWs der Teams stehen Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern “Ich sitze in diesem Ding, das immer noch ein Formel-1-Auto ist, auch wenn es ein Schrotthaufen ist – es ist also immer noch schnell. Aber ich rutsche im Sitz hin und her, ich kann nicht richtig lenken, mein Kopf wird überall gegen gedroschen, ich habe die Strecke noch nie gesehen und ich habe ein oder zwei Runden Zeit, um zu versuchen, es zu qualifizieren.”
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In McCarthy nagten Zweifel: Der Killerinstinkt, der ihn bislang durch seine Karriere gebracht hatte, würde ihn hier vielleicht umbringen, dachte er, “weil ich das Ganze einfach nicht kontrollieren konnte”. “Ich fuhr da draußen herum und dachte nur: ‘Ich weiß nicht, was ich hier tue.’ Und so etwas hatte ich noch nie. Es war zu viel. Ich konnte es einfach nicht, ich konnte es nicht tun”, so der heute 65-Jährige. McCarthy wird deutlich: “Das war grenzwertig!” Seine Schilderungen zeigen eindrucksvoll, was sein Auto im Grunde war: ein Ersatzteillager für seinen Teamkollegen Roberto Moreno – der sich im Übrigen für den Grand Prix qualifizieren konnte. Es sollte der einzige in der kurzen Geschichte des Andrea-Moda-Teams werden.
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McCarthy gibt zu, dass das eigentlich auch der logische Ansatz war – nur für ihn eben nicht: “Aus Robertos Sicht war es völlig richtig, sie so zu lenken, wie er es tat. Nämlich zu sagen: ‘Kümmert euch nicht um das zweite Auto. Ihr seid nicht in der Lage, ein zweites Auto einzusetzen. Steckt alle Ressourcen in mein erstes Auto.'” Nur: “Was du als zweiter Fahrer in dieser Situation bekommst, ist ein Haufen Schrott – und zwar ein ziemlich gefährlicher.” Die 10 schlechtesten Formel-1-Teams der 90er-Jahre

Und auch wenn der Weg des Teams der wohl beste war, sagt er heute: “Wo das Team falsch lag, war die Tatsache, dass sie eine Fürsorgepflicht hatten, mich tatsächlich am Leben zu erhalten. Und das wurde grenzwertig”, wird er deutlich. “Und ich meine wirklich grenzwertig.”
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Denn plötzlich fing Andrea Moda an, McCarthy wirklich nur noch vollkommen sinnlose Dinge tun zu lassen, um Verträge nicht zu brechen. Beim Heimrennen in Silverstone musste der Brite auf Morenos gebrauchten Regenreifen auf die Strecke – im Trockenen! “Ich fand es sogar fast schon cool, dass sich das Team so was überhaupt hat einfallen lassen”, lacht er. “Ich fuhr raus und dachte nur: Ich hab die Schnauze voll von diesem Mist.” Kupplungsschaden bewahrt ihn vor Unfall Bei McCarthy setzte so langsam eine Leckt-mich-am-Arsch-Stimmung ein und er war gewillt, auf diesen Reifen und unter diesen Bedingungen voll auf dem Gas zu bleiben. Doch es kam anders: “In der folgenden Runde verabschiedete sich die Kupplung.” Und das war vermutlich McCarthys Glück.
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“Das Problem ist, dass du aufhörst, dir die Fragen zu stellen, die du dir stellen solltest, weil du so verzweifelt versuchst, irgendwie durchzukommen. Aber dass ein Team dir so etwas antut, dich unter diesen Umständen rausschickt, und dann deine eigene Mentalität, die sagt: ‘Ich bleibe draußen, ich lasse den Fuß in der nächsten Runde sowieso auf dem Gas’ – das hätte böse in der Mauer geendet”, sagt er. “Ich konnte also gar nicht dumm genug sein, weiter zu pushen, nur weil ich die Beherrschung verloren hatte, was dämlich war.”  LAT Images (Getty Images) Roberto Moreno und Perry McCarthy fuhren 1992 für Andrea Moda

Trotzdem dachte McCarthy auch danach nicht ans Aufgeben. In Ungarn schickte ihn das Team erst 45 Sekunden vor dem Ende der Session auf die Strecke – zu spät, um überhaupt noch eine gezeitete Runde drehen zu können.
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“Ich war kurz davor, jeden im Team zu verprügeln”, gibt er zu. “Man musste mich massiv zurückhalten, weil ich komplett die Beherrschung verloren hatte.” Blöd für McCarthy: Er wollte nach dem Qualifying eigentlich mit Teameigner Andrea Sassetti reden, ob er die Freigabe für einen Arrows-Test bekommt, die ihn in Spa gerne einsetzen wollten. “Tja, und dann schickten sie mich 45 Sekunden vor Schluss raus.”
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“Ich kam rein, habe einen Riesentanz aufgeführt, nachdem ich fast alle verprügelt hätte – und komischerweise stimmte Andrea meiner Bitte, mich für den Arrows-Test freizugeben, danach nicht mehr zu. Da habe ich mir also selbst ins Knie geschossen …” Beinahe-Katastrophe in Spa als Schlusspunkt Also saß McCarthy in Spa wieder im Andrea Moda – es sollte der letzte Auftritt für ihn und das Team werden, das im Vorfeld von der FIA verwarnt wurde, es solle dem Briten einen sinnvollen Versuch ermöglichen, sich für das Rennen zu qualifizieren – sonst würde der Ausschluss drohen. Diesmal durfte das Team sogar im Qualifying antreten, da nach dem Rückzug von Brabham nicht mehr zwei Autos über ein Pre-Qualifying ausgesiebt werden mussten. “Wir sind also zum ersten Mal im eigentlichen Qualifying dabei. Das ist es. Unter den richtigen Bedingungen könnte ich dieses verdammte Ding in die Startaufstellung stellen”, erzählt McCarthy.
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Er fuhr mit Vollgas auf die berühmte Eau-Rouge-Passage zu und setzte zum Einlenken an. “Aber die Lenkung war wirklich – und ich meine wirklich – schwergängig”, schildert er. “Ich schwöre: Wäre es irgendein anderes Auto gewesen, wäre ich voll auf dem Gas geblieben. Ich hätte gedacht: Ich krieg das schon hin.” Feuerunfälle in der jüngeren Formel-1-Historie

“Aber in meinem Kopf ging eine Alarmglocke los, die sagte: Bremsen! Und als ich auf der Bremse stand, war ich mitten in der Kurve am Fuß des Hügels. Und ich konnte das Auto nicht lenken. Das Lenkrad war blockiert.” “Ich weiß nicht, was ich da getan habe, aber manchmal mache ich das Richtige. Es ist einfach ein Bauchgefühl. Ich ging von der Bremse. Dadurch hob sich das Auto vorne an. Ich riss am Lenkrad. Es war unglaublich schwer. Ich flog von der Strecke, die Mauer entlang, aber nicht hinein. Ich drehte das Auto weg, statt frontal einzuschlagen, dort, wo die Mauer direkt vor dir steht.”
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“Ich schaffte es den Hügel hoch, über die Kuppe, und ich hatte es überlebt. Das war verdammt knapp, denn selbst im Andrea Moda kommst du dort mit etwa 290 km/h an, die Mauer starrt dich an und das Lenkrad lässt sich nicht drehen. Damit war ich also davongekommen.” Warum sich McCarthy als Glückspilz sieht Im langsamen Tempo ließ sich das Lenkrad drehen, im schnellen jedoch nicht. “Stell dir das Lenkgehäuse als hohles Rohr vor, durch das die Lenkstangen laufen. Wenn du das Lenkrad drehst, ziehen die Lenkstangen an. Wenn dieses Rohr aber verbogen ist, lässt es die Lenkstangen nicht durch, wodurch die Lenksäule und das Lenkrad einfrieren. Das war’s für mich. Ende.” Als er zurück an die Box kam, traute er seinen Ohren kaum, denn auf seine Aussage, dass die Lenkung blockiert, bekam er nur ein “wissen wir” zu hören. Das Team hatte sie im Vorfeld am Auto von Moreno getestet und das verbogene Teil dann anschließend für die Qualifikation in das Auto von McCarthy verbaut.
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“Da wusste ich, dass es Zeit war, das Team zu verlassen”, erzählt er. Doch im Grunde musste er das gar nicht, denn Andrea Moda wurde nach den Vorkommnissen und der Verhaftung von Teameigner Andrea Sassetti wegen Scheckbetrugs aus der Formel 1 ausgeschlossen. Für McCarthy sollte sich keine weitere Chance in der Formel 1 ergeben, dennoch sieht er sich im Nachhinein als Glückspilz. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formelsport
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“Ich hatte kein Pech, in dem Auto gesessen zu haben; kein Pech, es in die Formel 1 geschafft zu haben; kein Pech wegen der Chance, die sich in Luft auflöste”, sagt er. “Ich war ein Glückspilz, dass das Ganze nicht zerschmettert in der Mauer endete.”

 
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