James Vowles: Darum müssen wir die Budgetregeln dringend ändern!
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Williams-Teamchef James Vowles fordert eine grundlegende Überarbeitung der Formel-1-Budgetregeln. Zwar habe die Kostenobergrenze für finanzielle Stabilität gesorgt, beim sportlichen Kräfteverhältnis sieht der Brite jedoch kaum Fortschritte. Sutton Images Williams-Teamchef James Vowles richtet einen Appell an die Formel 1
Ein wesentlicher Grund sei, dass die Regeln für Investitionsausgaben den Teams, die bereits vor Jahren umfangreiche Infrastruktur aufgebaut haben, einen kaum aufzuholenden Vorteil verschaffen. Vowles sieht darin ein strukturelles Problem: Wer früher viel Geld in Fabriken, Maschinen und Produktionsanlagen investieren konnte, profitiert davon bis heute. Teams wie Williams müssten dagegen zunächst erhebliche Summen aufbringen, um ihre Infrastruktur auf das Niveau der etablierten Topteams zu bringen. Die Kosten dafür würden anschließend über Jahre hinweg auf die Budgetobergrenze angerechnet – und nähmen dem Team damit Spielraum für andere Bereiche.
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“Letztlich betrachte ich das durch die Brille, dass dies kein fairer Kampf ist, dass hier nicht mit denselben Werkzeugen gespielt wird und es keine Leistungsgesellschaft ist”, erklärt Vowles. “Wir haben hier im Grunde eine umgekehrte ‘Balance of Performance’ geschaffen. Welche Investitionen du vor sieben Jahren getätigt hast, entscheidet darüber, wie leistungsfähig du heute sein kannst – und das sollte nicht der Sinn der Sache sein.” Die Williams-Story
Als Vowles 2023 zu Williams kam, hatte er sich bereits für bessere Investitionsmöglichkeiten für die Teams im hinteren Feld eingesetzt. Damals gab es zunächst eine separate CapEx-Grenze von 36 Millionen US-Dollar über fünf Jahre. Später wurde daraus ein gestaffeltes Modell, bei dem die erlaubten Ausgaben von der Tabellenposition abhingen. Williams und andere Teams aus dem hinteren Feld konnten dadurch über diesen Zeitraum rund 20 Millionen Dollar zusätzlich investieren. Inzwischen sind die Investitionsausgaben in eine erweiterte Gesamtbudgetobergrenze von 215 Millionen Dollar pro Saison integriert. Das eröffnet grundsätzlich mehr Spielraum, hat für Vowles aber einen entscheidenden Haken: Neue Anlagen werden über mehrere Jahre abgeschrieben und belasten damit das Budget auch lange nach der eigentlichen Investition. Wie groß die Lücke ist, macht der Williams-Teamchef an einer konkreten Zahl fest. Um die Infrastruktur auf das Niveau der Konkurrenz zu bringen, müsste er nach eigener Einschätzung rund 200 Millionen Dollar investieren. “Das ist das, was mir im Moment fehlt, und das bedeutet, dass ich über zehn Jahre hinweg jedes Jahr weitere 20 Millionen Abschreibung hinnehmen muss, nur um dorthin zu gelangen, wo meine Konkurrenten da draußen sind.” Für ein Team, das ohnehin innerhalb der Kostenobergrenze wirtschaften muss, wäre das eine erhebliche Einschränkung. Vowles betont, dass es ihm nicht um eine Sonderbehandlung für Williams geht. Vielmehr müsse das Reglement verhindern, dass historische Investitionen dauerhaft über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. “Ich fordere keine Sonderbehandlung”, stellt er klar. Er wolle vielmehr Regeln, die den Teams eine realistische Chance geben, den Rückstand durch eigene Leistung aufzuholen. Kräfteverhältnis driftet auseinander Dass die Budgetobergrenze das Feld näher zusammenbringen würde, war eines der zentralen Argumente für ihre Einführung. Nach Ansicht von Vowles ist dieser Effekt bislang ausgeblieben. Er verweist darauf, dass die Topteams weiterhin einen großen Teil der sportlichen Erfolge unter sich ausmachen, während die Mannschaften aus dem hinteren Feld insgesamt weniger Punkte holen.
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“Was die sportliche Fairness betrifft, sind wir nicht da, wo wir sein sollten”, sagt Vowles. “Wir haben das zementiert, was vor sieben Jahren investiert wurde, und das schadet uns jetzt ganz, ganz massiv.” Seine Kritik stützt er unter anderem auf die Verteilung der Siege und Podestplätze: In den vergangenen 130 Grands Prix habe es nur einen Sieg eines Teams außerhalb der Top 4 gegeben – Esteban Ocons Erfolg für Alpine beim Ungarn-Grand-Prix 2021. Formel-1-Podestplätze außerhalb der Top-3-Teams der letzten 20 Jahre
Auch bei den Podestplätzen sieht Vowles eine Verschlechterung. Vor Einführung der Budgetobergrenze habe in rund zehn Prozent der Fälle ein Fahrer eines Teams außerhalb der Top 4 auf dem Podium gestanden. Mittlerweile liege dieser Anteil nur noch bei fünf Prozent. “Egal welche Statistik man wählt, man stellt fest, dass wir es verschlechtert haben. Warum haben wir es verschlechtert?”, fragt der Brite.
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Die Infrastruktur wirkt sich für Williams allerdings nicht nur über die Investitionskosten aus. Veraltete Anlagen können auch die laufende Produktion verteuern. Nach Vowles’ Einschätzung bezahlt Williams für Bauteile rund 25 bis 30 Prozent mehr als ein Topteam – und muss zudem länger darauf warten. “Ich habe eine Zahl genannt: Es sind etwa 25 bis 30 Prozent mehr als beim Topteam für Teile, die dann rund vier Wochen später ankommen”, erklärt er.
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Besonders deutlich sei das im Winter geworden, als versucht wurde, 55.000 Komponenten in kurzer Zeit zu fertigen. Die Produktionskapazitäten und Abläufe der Teams würden damit zu einem weiteren Wettbewerbsfaktor, der sich nicht allein durch eine identische Kostenobergrenze beseitigen lasse. Vowles hält es deshalb für notwendig, das Thema rechtzeitig vor dem nächsten größeren Regelwechsel anzugehen. Als möglichen Zeitpunkt nennt er 2030 oder 2031. Selbst wenn Williams sofort die finanziellen Mittel für einen massiven Ausbau bekäme, ließe sich die fehlende Infrastruktur nicht kurzfristig aufholen. Anlagen müssten geplant, beschafft und in Betrieb genommen werden – ein Prozess, der Jahre dauern könne. “Selbst wenn heute jemand sagen würde: ‘Bitte sehr, hier ist die Möglichkeit, 150 Millionen auszugeben’ – man kann das nicht alles innerhalb einer Woche einkaufen. Es dauert Jahre, bis so etwas steht”, sagt Vowles. Entscheidend sei deshalb, dass die Formel 1 nicht erst dann über die Regeln nachdenke, wenn der nächste Umbruch bereits unmittelbar bevorstehe. Unterstützung für eine Reform – aber nicht ohne Widerstand Vowles glaubt, dass seine Kritik im Fahrerlager und bei den Teams auf Verständnis stößt. “Die Unterstützung ist tatsächlich da, unabhängig von Einzelgesprächen, weil ein Bewusstsein dafür existiert, dass der Sport besser dran ist, wenn er am Ende tatsächlich eine Leistungsgesellschaft darstellt”, sagt er.
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Gleichzeitig weiß er, dass eine Reform auf Widerstand stoßen dürfte. Teams, die über Jahre in ihre Infrastruktur investiert haben, werden kaum freiwillig akzeptieren, dass sich ihr daraus entstandener Vorteil verringert. Vowles räumt ein, dass es für solche Mannschaften schwierig sein werde, einer Änderung zuzustimmen, die ihre Position schwächen könnte. 5 legendäre F1-Autos, die jeder Fan kennen muss! Video wird geladen…
Er sieht die Frage dennoch nicht allein als Abstimmung über die Interessen einzelner Teams. Zwar sei man bei der Zahl der benötigten Stimmen seiner Ansicht nach bereits auf einem guten Weg. Ausschlaggebend müsse aber sein, ob die langfristige Lösung dem Sport insgesamt helfe.
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Für Williams geht es damit um mehr als eine höhere Investitionsgrenze. Die Formel 1 muss aus Sicht des Teamchefs einen Weg finden, wie Mannschaften ihre Infrastruktur modernisieren können, ohne dafür über Jahre hinweg einen erheblichen Teil ihres laufenden Budgets zu verlieren. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Andernfalls droht die Kostenobergrenze ausgerechnet jenen Teams den Aufstieg zu erschweren, die sie eigentlich näher an die Spitze bringen sollte.
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