“Klare Grenze ziehen”: Franco Colapinto spricht offen über Social-Media-Hass
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Die Formel 1 hat in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen – nicht zuletzt in den sozialen Medien. Obwohl das grundsätzlich eine positive Entwicklung ist, bringt sie eine Schattenseite mit sich: Hasskommentare und Anfeindungen gegen Fahrer und Teammitglieder ziehen in der Königsklasse drastisch an. circuitpics.de Franco Colapinto warnt vor den Auswirkungen von Social Media
Die FIA und die Formel 1 versuchen, dem Problem auf verschiedenen Wegen zu begegnen, etwa über die Initiative “United Against Online Abuse”, die Ausrufung eines globalen Aktionstages am 7. Juli oder den Einsatz von KI-Tools auf den eigenen Plattformen, um hasserfüllte Kommentare aufzuspüren und herauszufiltern. Trotz dieser Bemühungen sind viele Akteure im Fahrerlager weiterhin regelmäßig mit Online-Hass konfrontiert. Laut Alpine-Pilot Franco Colapinto liegt das zum Teil daran, dass Zuschauer die Komplexität bestimmter Situationen nicht immer durchblicken – er sieht darin aber auch einen Spiegel der Gesellschaft.
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“So ist die Gesellschaft heutzutage einfach. Und ich glaube, dass wir als Sportler da etwas lauter werden und eine klare Grenze ziehen müssen”, sagt Colapinto in einem exklusiven Interview mit der globalen Sprachausgabe von Motorsport.com, einer Schwesterplattform von im Motorsport Network. “Wir als Fahrer müssen den Leuten verständlich machen, wie sehr ihre Worte andere treffen können. Viele haben das selbst wohl noch nie erlebt, weil sie solche Nachrichten nie bekommen, oder sie gehen wahrscheinlich davon aus, dass wir das eh nicht lesen.” “Aber wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem die meisten Sportler ihre Social-Media-Kanäle löschen. Ich finde, als Menschen müssen wir uns viel bewusster darüber werden, welche Wirkung unsere Worte haben.” Auch die Fahrer stehen in der Verantwortung Colapinto hebt hervor, dass auch die Piloten ihren Teil beitragen können, indem sie – etwa bei Interviews nach dem Rennen – kein Öl ins Feuer gießen: “Ich nehme uns Fahrer da bis zu einem gewissen Grad selbst in die Pflicht. Manchmal sprechen wir in den Medien auf eine Art und Weise, bei der wir uns der Durchschlagskraft unserer Worte gar nicht bewusst sind.” Ein Beispiel lieferte die Phase nach dem schweren Unfall von Oliver Bearman in Japan. Der Haas-Pilot wies in einem Podcast im Nachgang Colapinto eine Mitschuld an dem Vorfall zu. Der Argentinier ist überzeugt, dass man das Thema besser unter vier Augen geklärt hätte. “Ich habe ihm direkt nach dem Rennen eine Nachricht geschickt, aber er hat nie geantwortet. Wir haben danach nie darüber gesprochen, und dann sagt er so etwas öffentlich über mich. Das sind genau die Dinge, die wir anders regeln können – auf einem viel einfacheren Weg und ohne damit an die Öffentlichkeit zu gehen.” “Und den Leuten klarzumachen, dass ihre Worte tatsächlich etwas bewirken, ist ebenfalls ein ganz entscheidender Punkt”, so der Alpine-Pilot. Hass im Netz trifft oft das Umfeld Colapinto weiß um die Leidenschaft der Formel-1-Fans – nicht zuletzt seiner argentinischen Anhängerschaft -, er fordert jedoch dazu auf, die Kirche im Dorf zu lassen, egal was auf der Strecke passiert. Ihn persönlich treffen hasserfüllte Nachrichten zwar kaum, umso problematischer findet er es jedoch, wenn Familienmitglieder damit konfrontiert werden – ein Punkt, den in der Vergangenheit auch Max Verstappen bereits thematisiert hat. Anzeige FORMEL 1 Fanartikel
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“Mich persönlich als Franco berühren diese Dinge nicht sonderlich”, sagt er. “Es trifft mich nur dann, wenn Personen aus meinem engen Umfeld – Menschen, die ich wirklich bewundere und denen ich vollkommen vertraue – etwas zu mir sagen. Auf sie höre ich sehr.”
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“Aber wenn jemand hinter der Tastatur sitzt und Zeug schreibt, ohne irgendeine Ahnung von den Hintergründen zu haben, lässt mich das völlig kalt.” Schockierende mentale Belastung an F1-Wochenenden Dennoch gehören diese Begleiterscheinungen zum Alltag eines Formel-1-Fahrers und stehen in starkem Kontrast zu den Nachwuchsklassen.
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Genau in diesem Bereich – im Umgang mit dem äußeren Druck, der ständigen öffentlichen Beobachtung und allen dazugehörigen Verpflichtungen – hat Colapinto nach eigener Aussage erhebliche Fortschritte gemacht: “In der F1 geht es viel politischer zu, und das sagt einem vorher niemand so recht”, meint er. “Man kann sich schlicht nicht darauf vorbereiten, Formel-1-Fahrer zu sein und all das zu bewältigen, was auf einen einprasselt. Das ist eine komplett andere Welt als die F2. Als F1-Pilot sitzt man vielleicht nur zehn Prozent der Zeit im Auto; es geht eben längst nicht mehr nur ums Fahren.” Zwischenzeugnisse: Die besten Formel-1-Fahrer zur Sommerpause
“Ich halte das für eine der kniffligsten Aufgaben, weil man von heute auf morgen mit extrem vielen Dingen gleichzeitig konfrontiert ist. Das ist die Seite, die niemand sieht – aber es ist schockierend, wie mental fordernd ein F1-Wochenende wirklich ist”, so der 23-jährige Argentinier.
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“Dieses konstante Abliefern Wochenende für Wochenende ist extrem schwierig. Die Emotionen schwanken, im Umfeld verändert sich viel, und Woche für Woche auf absolutem Top-Niveau zu agieren, ist eine riesige Herausforderung.” “Das ist etwas, das man erst mit der Zeit lernt: wie man persönlich damit abschließt und den Fokus voll auf diese Konstanz richtet”, sagt Colapinto. Meistgelesen in unserem Netzwerk Langstrecke
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“Rhythmus aufzunehmen war genau der Punkt, in dem ich mich in diesem Jahr am meisten gesteigert habe. Ich kann meine Energie viel besser einteilen und komme vor dem Einsteigen ins Auto nicht mehr völlig ausgelaugt an. Für mich persönlich war das einer der größten Schritte überhaupt.”
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