Kolumne: Der schwierige Balanceakt zwischen Racing und Herstellerinteressen
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“Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll”, lautete der Tenor im Media Center von Melbourne, nachdem Mercedes-Pilot George Russell den Großen Preis von Australien gewonnen hatte. Denn was genau hatten wir alle eigentlich gesehen: ein unterhaltsames Spektakel oder künstliches Racing, das ziemlich weit von dem entfernt ist, was die Formel 1 im Kern sein sollte? Formula 1 Die Formel 1 muss den Balanceakt schaffen, meint Ronald Vording
Ja, besonders in der ersten Rennhälfte gab es zahlreiche Überholmanöver. Doch bedeutet das automatisch auch einen hohen Unterhaltungswert? Wie erwartet stellte die Formel 1 die Anzahl der Überholmanöver in den sozialen Medien heraus. Die entscheidende Frage, die sich unweigerlich anschließt, lautet jedoch: Was für Überholmanöver waren das eigentlich? In den meisten Fällen handelte es sich um Manöver, die durch große Unterschiede im Energiemanagement entstanden, teilweise sogar unbeabsichtigt, wie Gabriel Bortoleto erklärte. In der Anfangsphase entwickelte sich effektiv eine Art Jo-Jo-Effekt: Ein Fahrer setzte auf einer Geraden elektrische Leistung ein, um ein Überholmanöver einzuleiten, blieb danach jedoch mit leerer Batterie zurück – und wurde auf der nächsten Geraden prompt wieder gekontert. Viele Überholmanöver, aber nicht auf die gewünschte Weise Ja, das zählt offiziell als zwei Überholmanöver, aber ist es wirklich das Bild, das wir von der Formel 1 sehen wollen, wenn jemand aufgrund eines großen Energiedeltas auf den Geraden schlicht vorbeifliegt? Für Puristen, die bereits DRS-Überholmanöver als künstlich empfanden, geht diese Entwicklung noch einen Schritt weiter. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Die Überholmanöver, die normalerweise die größte Wertschätzung der Fans erhalten, sehen anders aus. Man denke nur daran, wie Max Verstappen im vergangenen Jahr in Imola außen an Oscar Piastri vorbeiging oder wie Piastri Lewis Hamilton beim Großen Preis von Australien 2025 außen überholte.
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Fahrer, die Seite an Seite in die Bremszone kommen – genau diese Szenen haben wir beim ersten Rennen 2026 kaum gesehen. Während die reine Anzahl der Überholmanöver also hoch war, blieb die Art und Weise ihres Zustandekommens nur bedingt erinnerungswürdig. Formel-1-Fahrer kritisch: Von Formel E bis Mario Kart Während das vorherrschende Gefühl unter vielen Journalisten unmittelbar nach dem Rennen eher einem vorsichtigen “Wir sind uns nicht ganz sicher, was wir davon halten sollen” glich, äußerten sich die Fahrer nach dem kurzen Fußweg zum sogenannten Media Pen, wo sie den Journalisten Rede und Antwort stehen, deutlich offener. Lando Norris hatte bereits am Samstag gesagt, dass die Formel 1 seiner Ansicht nach von den besten Autos aller Zeiten zu den schlechtesten übergegangen sei, und am Sonntag antwortete er auf die Frage nach dem Racing 2026 schlicht: “Noch schlimmer.” Raketenstart und aufregende Duelle: Wie gut war der Auftakt wirklich? Video wird geladen… Die Formel 1 hat ihr erstes Rennen mit dem neuen Reglement hinter sich gebracht und das Fazit fällt geteilt aus.
Ob die Autos des vergangenen Jahres tatsächlich die besten aller Zeiten waren, darüber lässt sich trefflich streiten, viele im Paddock sehen das angesichts der zahlreichen Nachteile der Ground-Effect-Ära anders. Doch Norris war mit seiner Kritik, das Rennen habe sich “zu künstlich” angefühlt, keineswegs allein.
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Fast jeder Fahrer, der mit den schreibenden Medien sprach, teilte diese Ansicht. Die unterhaltsamste Anekdote lieferte dabei Oliver Bearman: “In Runde 1 und Runde 2 wusste ich nicht wirklich, was gerade passiert. Ich dachte nur: Ich probiere mal diesen Boost-Knopf aus und schaue, wie das funktioniert.” “Und dann bin ich auf den Geraden einfach an allen vorbeigeflogen, also war das ziemlich lustig. Es war, als wäre ich in der Formel 1 und alle anderen in der Formel 2. Aber natürlich muss man danach die Batterie wieder aufladen, sonst bist du auf der nächsten Geraden erledigt”, sagte der Haas-Pilot. “Es ist ehrlich gesagt ein bisschen lächerlich, so viel Delta in einem Knopf zu haben und auf der nächsten Geraden so viel zu verlieren. Es ist auch sehr nicht-linear: Was du auf den Geraden gewinnst, auf denen du den Boost nutzt, ist nur ein Viertel von dem, was du auf der nächsten Geraden wieder verlierst.” Formula 1 Oliver Bearman schießt dank Boost-Modus an der Konkurrenz vorbei
Das Fazit von Bearman war eindeutig und ähnelte dem, was Max Verstappen bereits in Bahrain gesagt hatte: “Das ist kein Racing, das ist Formel E.” Verstappen selbst sagte diesmal einem niederländischen TV-Team, er habe im Mittelfeld viele “Mario-Kart-ähnliche Dinge” gesehen.
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Wenn man alle Zitate vom Sonntag nebeneinanderlegt, wird deutlich, dass lediglich die Fahrer von Mercedes und Ferrari relativ positiv über das neue Reglement sprachen. Nicht ganz zufällig sind das die beiden Teams, die sich bislang als die konkurrenzfähigsten erwiesen haben. Balance zwischen Seriennähe und Puristen-Produkt Das Gesamtbild zeigt, dass die Stimmung unter den Fahrern größtenteils negativ ist. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass Melbourne in Bezug auf das Energiemanagement zu den anspruchsvollsten Strecken im Kalender zählt. Auf anderen Kursen könnte sich das Bild weniger extrem darstellen. Die FIA hat bereits angekündigt, die Situation nach dem China-Grand-Prix zu evaluieren, um zu prüfen, ob Anpassungen notwendig sind.
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Diese Anpassungen könnten sowohl die sogenannte Harvesting-Seite betreffen – etwa indem Super-Clipping bis zu den vollen 350 kW erlaubt wird – als auch die Deployment-Seite, bei der eine Reduzierung des Anteils elektrischer Leistung im Rennmodus zumindest theoretisch eine Option wäre. Unter anderem Max Verstappen und Carlos Sainz haben die FIA bereits aufgefordert, mögliche Anpassungen zu prüfen. Allerdings würden solche Änderungen die grundlegende DNA dieses Reglements kaum verändern, dafür ist es schlicht zu spät. F1-Experte verrät: DAS stört mich an der Formel 1 2026! Video wird geladen… Neues Reglement, neue Teams, neue Fahrer. Die Formel-1-Saison 2026 könnte eine der aufregendsten aller Zeiten werden.
Diese DNA hat viel damit zu tun, wie dieses Regelwerk überhaupt entstanden ist. Zuerst wurden die Power-Unit-Regeln finalisiert, unter anderem um Audi, und damit den Volkswagen-Konzern, zum Einstieg zu bewegen und gleichzeitig Honda an Bord zu halten.
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Die Chassis-Regeln wurden anschließend teilweise um diese Motorenformel herum konstruiert, um das Gesamtpaket überhaupt funktionsfähig zu machen, was Pierre Wache einmal treffend als “Patch auf Patch” beschrieben hat. Der Technische Direktor von Red Bull bezog sich damit darauf, wie die Regelhüter von einem Problem zum nächsten übergingen. Weil der Luftwiderstand deutlich reduziert werden musste, wurden aktive Aerodynamiksysteme eingeführt. Das wiederum machte DRS als Überholhilfe überflüssig und erforderte die Einführung eines Overtake-Modus. Das Ergebnis ist ein Paket, das deutlich komplexer geworden ist, als es den meisten Fahrern lieb ist – und eines, das ihrer Ansicht nach das pure Racing ein Stück weit in den Hintergrund gedrängt hat. All das verdeutlicht jedoch perfekt die Spannung zwischen zwei Faktoren, die die FIA und die Formel 1 miteinander in Einklang bringen müssen: den Sport relevant und attraktiv für Automobilhersteller zu halten – und gleichzeitig ein Produkt zu liefern, das sowohl Fans als auch Fahrer überzeugt. AFP Die Formel 1 ist auf die Hersteller angewiesen
Es ist ein schwieriges Puzzle. Denn, wie mehrere Teams im Paddock zu Recht anmerken: Ohne seine Hersteller ist die Formel 1 nichts. Mit nur Ferrari, Mercedes und vielleicht Red Bull als Power-Unit-Herstellern wäre das Gleichgewicht womöglich äußerst fragil.
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Mit fünf Herstellern ist die Formel 1 nun fest verankert, auch wenn die Frage bleibt, zu welchem Preis das geschieht. Zur Verteidigung der FIA und der aktuellen Regeln muss man allerdings anmerken, dass sich die breitere Automobilwelt ein Stück weit verändert hat, seit die 2026er-Regeln finalisiert wurden. Ford-Racing-Direktor Mark Rushbrook sagte gegenüber Autosport, dass sich die übergeordnete Strategie der Marke in jüngster Zeit verschoben habe. Ursprünglich hatte der amerikanische Hersteller geplant, die Produktion von Straßenautos mit reinem Verbrennungsmotor einzustellen, ist von dieser Entscheidung inzwischen jedoch wieder abgerückt.
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Gemeinsam mit FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, der im vergangenen Jahr bereits versucht hatte, den Boden für eine alternative Motorenformel zu bereiten, könnte es möglich sein, die Dinge für die Zukunft in eine andere Richtung zu lenken, vielleicht sogar früher als 2031. Nach dem Sprint-Wochenende in China wird eine erste Bewertung stattfinden, bei der laut Williams-Teamchef James Vowles “vier oder fünf Vorschläge auf dem Tisch liegen”. Die große Frage bleibt jedoch, inwieweit diese Optionen tatsächlich einen spürbaren Einfluss haben können. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Denn die aktuellen Beschwerden betreffen die Grundlagen des Reglements, und diese hängen direkt mit all dem zusammen, was oben beschrieben wurde: dem Balanceakt zwischen Relevanz für Hersteller und der Lieferung eines starken Rennprodukts für Fahrer und Fans. Das ideale Gleichgewicht zu finden, bleibt eine schwierige Aufgabe – wie das Wochenende in Melbourne deutlich gezeigt hat.
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