Messlatte verschoben: Cadillac sieht sich als Vorbild für neue Formula 1-Teams

Messlatte verschoben: Cadillac sieht sich als Vorbild für neue Formula 1-Teams

 

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Als Cadillac Anfang 2026 als elfter Rennstall in die Königsklasse einstieg, waren die Skepsis und die Sorgen vor einem chancenlosen Feldauffüller groß. Blickt man auf die reinen Ergebnisse, dann könnte man zu diesem Schluss kommen. Cadillac hat als einziger Rennstall noch keinen Punkt einfahren können und belegte in Ungarn die letzte Startreihe.  circuitpics.de Teamchef Graeme Lowdon ist stolz auf den bisherigen Auftritt Cadillacs

Doch für Teamchef Graeme Lowdon spricht das nicht die ganze Wahrheit: “Die Leistung liegt meiner Meinung nach weit vor dem, was jeder außerhalb des Teams erwartet hatte”, stellt er seinem Team ein gutes Zeugnis aus. Ihm geht es dabei aber nicht nur um die reinen Ergebnisse, sondern um alle Dinge, an denen sich der Neuling messen lässt: “Nämlich wie gut wir die Dinge umgesetzt haben, ob wir die Fristen für den Rollout des Autos am richtigen Tag eingehalten haben, zur richtigen Zeit auf dem Gesamtfahrzeug-Prüfstand waren, zur richtigen Zeit Rennen gefahren sind und all der Rest”, sagt Lowdon. “All das wurde erreicht.”
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Ob das reicht, um in der Wahrnehmung von Fans und Entscheidern eher als positives Beispiel für ein neues Team einsortiert zu werden oder als negatives Beispiel, das dürfen andere entscheiden. “Weil es ein relatives Spiel ist, ist es für uns im Inneren wirklich schwierig zu wissen, wo genau wir einsortiert sein werden”, meint der Teamchef. Positiv möchte er hervorheben, dass man mit Aston Martin ein “sehr etabliertes Team” lange Zeit im Griff hatte. “Das zeigt meiner Meinung nach, dass jeder im Team hervorragende Arbeit geleistet hat. Und auch die Tatsache, dass wir, wenn wir Probleme hatten, völlig zu Recht an demselben Maßstab gemessen wurden wie jedes andere Team.” Wie langjähriges Team behandelt Denn laut ihm sei Cadillac in diversen Medienberichten so behandelt worden, als sei man schon lange Teil des Fahrerlagers. “Darüber können wir uns nicht beschweren. Ich denke, es ist eigentlich ein ziemliches Kompliment, dass wir an demselben Maßstab gemessen werden, denn es zeigt, dass wir mit einer professionellen Einstellung aufgetreten sind.” “Wir hatten Respekt vor der Konkurrenz – wovon wir immer gesagt haben, dass wir ihn haben würden. Wir versuchen, eine Plattform für die Zukunft aufzubauen, und nicht nur so etwas wie ein ‘Bäm, hier sind wir’.” Neue Formel-1-Teams seit der Saison 1990

Auf die Frage, ob Cadillac damit die Messlatte für potenzielle zukünftige Neueinsteiger – wie etwa ein mögliches zwölftes Team – verschoben habe, antwortet Lowdon selbstbewusst: “Ehrlich gesagt, ja. Ich denke, es zeigt und bestätigt die gesamte Argumentation hinter der Akzeptanz eines neu hinzukommenden Teams, denn es gibt alle möglichen Horrorgeschichten darüber, wie so etwas aussehen könnte.” “Wichtiger als die anfängliche Leistung ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass wir unsere Visitenkarte für das Fundament der Zukunft abgegeben haben – und dafür, wie wir die Dinge angehen wollen und dass wir wirklich ehrlich etwas Anderes einbringen und ein Team aufbauen wollen, das auch einen Unterschied machen kann.” Fehlende Entwicklung? Lowdon dementiert! Worüber es zuletzt jedoch einige kritische Berichte gegeben hatte, war das Entwicklungstempo von Cadillac. Durch das umfangreiche Upgrade von Aston Martin ist der Neuling stärketechnisch wieder auf den letzten Platz gefallen, was sich auch daran zeigt, dass Cadillac in Ungarn zum ersten Mal in dieser Saison alleine in der letzten Startreihe stand.
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Sergio Perez hatte daher kritisiert, dass das Team nicht genügend entwickeln würde und seine Prozesse überdenken müsse. Doch so schwarz sieht Lowdon das Thema nicht. Er betont, dass Cadillac das Auto “in einem ziemlich hohen Tempo” entwickeln würde. “Ich weiß, dass das nicht immer sichtbar ist, weil wir aus einem Bereich kommen, der weiter hinten liegt, aber wir sprechen hier von winzigen Prozentpunkten”, sagt er. “Es gibt nicht dieses Szenario, in dem man 20 Sekunden hinter dem Tempo liegt und die ersten zehn Sekunden einfach sind oder was auch immer.” Das letzte Doppel-Q1-Aus jedes aktuellen Formel-1-Teams

“Wir haben in Melbourne mit etwas mehr als zwei Prozent Rückstand beim reinen Tempo angefangen, und bis Monaco fehlten uns dann 63 Tausendstelsekunden auf Q2.”
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Zwar gibt er zu, dass Cadillac dem Feld aktuell hinterherjagt, “aber was die Schwierigkeit angeht, beim Entwickeln eines Autos Millisekunden – denn es sind Millisekunden – gutzumachen, sind wir so ziemlich auf demselben Pfad wie alle anderen.” “Jeder in diesem Fahrerlager pusht extrem hart. Um also schneller zu entwickeln als sie, muss man nicht nur mega-hart pushen, es ist mega-schwer. Man muss wirklich Vollgas geben, und genau das haben wir versucht”, so der Teamchef. Warum die Bremsprobleme nicht so einfach zu lösen sind Und: Man müsse anerkennen, dass Cadillac eben erst elf Grands Prix gefahren sei, während das zweitjüngste Team schon bei mehr als 200 steht – und wiederum andere Teams bei mehr als 1.000. “Wir bauen also auch diese Fundamente auf, während wir versuchen, mitzuhalten. Wir stoßen auf dieselben Hürden, die auch andere Teams vorfinden.”
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Als Beispiel nennt Lowdon die immer wieder auftretenden Bremsprobleme durch mangelnde Bremskühlung, die schon für viele Ausfälle und unangenehme Momente gesorgt haben. “Das ist ein wirklich schwieriger Bereich bei der Entwicklung eines Formel-1-Autos”, sagt er.  circuitpics.de Bekanntes Bild in dieser Saison: Der Cadillac von Bottas muss gelöscht werden

“Es ist ein Bereich, in dem Know-how und immaterielles geistiges Eigentum extrem wichtig sind, und wir dürfen uns das von nirgendwo anders holen”, so Lowdon. “Wir können nicht einfach das Bremsbelüftungs-Design von jemand anderem übernehmen – das haben Leute in der Vergangenheit getan, aber man darf es nicht.”
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“Man muss dieses Lernen selbst durchmachen, und zwar öffentlich, während ein paar hundert Millionen Menschen zusehen. Die Aufgabe ist also nicht leicht, aber ich denke, dass das Team einen spektakulären Job gemacht hat.”

 
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