Nur ein Cadillac-Sticker? So profitiert das neue Team von GM
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Im Motorsport gibt es kaum eine größere Herausforderung, als ein brandneues Formel-1-Team auf die Beine zu stellen. Doch ein Team über mehrere Kontinente verteilt mit den neuen Regeln für 2026 aufzubauen, schien fast unmöglich. LAT Images Cadillac profitiert aktuell nicht nur vom Image der GM-Marke
Trotzdem hat Cadillac genau das geschafft, jede Deadline gemeistert und sich von Anfang an viel Respekt verdient. Es ist ein Zeugnis der Arbeit hunderter Männer und Frauen, die innerhalb kürzester Zeit anheuern mussten. Viele wussten zum Start ihrer Jobs gar nicht, ob man überhaupt in der Formel 1 starten würde. Dennoch betont das Team, dass man es ohne die Hilfe des Mutterkonzerns General Motors nicht geschafft hätte. Der steinige Weg von Cadillac in die Formel 1 ist gut dokumentiert. Angefangen hatte man als Projekt von Michael Andretti, bevor man zu einem Quasi-Werksteam für GM wurde. Der Konzern hält eine Minderheitsbeteiligung am Team, welches zu großen Teilen TWG Global gehört. Mehr als nur ein Aufkleber Nicht nur die Marketing-Macht von GM oder ein kommender Werksmotor, an dem dieser Tage gearbeitet wird, während man weiterhin Ferrari-Motoren nutzt, haben dem Cadillac-Formel-1-Team unter die Arme gegriffen.
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Neben vielen Rennprojekten, zu denen NASCAR, IndyCar und Sportwagen zählen, war Cadillac in der Lage, auf die Ressourcen von GM für die Entwicklung ihres ersten Formel-1-Boliden zuzugreifen. “Selbstverständlich hat GM als Shareholder am Team großes Interesse an dessen Entwicklung”, erklärt Eric Warren, GM Vice President of Global Motorsports Competition, im Gespräch mit Motorsport.com. “Nicht nur heißt das Chassis Cadillac oder das Team Cadillac Formula 1 Team, sondern wir sehen es auch als unser Team. Seit wir dabei sind, wollten wir so sehr wie möglich eingebunden sein.” “Wir mussten viel lernen. Natürlich musst du immer mit einer gewissen Demut agieren, wenn du in eine neue Rennserie gehst. Aber wir wollten nicht nur ein Aufkleber sein. Wir wollten wirklich ein Teil [des Teams] sein.” “Ich war von Anfang an dabei, es es nur drei Leute waren. Dann ist es Stück für Stück gewachsen, wir haben es uns angeschaut und gesagt: ‘Okay, welche Kompetenzen können wir liefern, um das ins Rollen zu bringen?'”
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“Seien wir ehrlich: In den ersten ein oder zwei Jahren ging es darum, der FIA und dem Management der Formel 1 zu beweisen, dass das nicht nur ein Start-up oder ein IndyCar-Team war. Das hier war ein wirkliches GM-Projekt mit Partnern wie TWG. Es ging am Anfang darum, die technische Basis aufzubauen, die das Team brauchte, um auf dem Level der Formel 1 zu agieren.” Das Cadillac-Design für 2026
Bevor sich Cadillac mit zehn etablierten Rivalen auf der Strecke messen konnte, musste es sich in einen Wettlauf gegen die Zeit begeben. Das Ziel? Der Start der Saison 2026 in Australien Anfang März. Dieser enge Zeitplan zwischen dem grundlegenden Aufbau des Teams, der offiziellen Einladung und dem Debüt 2026 bedeutete, dass man unmöglich jegliche Hardware und Infrastruktur in der Basis in Silverstone parat haben konnte. Abgesehen davon wäre das auch nicht besonders effizient gewesen.
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Hier kommt das GM Charlotte Technical Center ins Spiel. Das 2022 auf dem Campus des NASCAR-Veteranen Hendrick Motorsport in Concord, North Carolina eröffnete Gelände umfasst zwei Stockwerke, eine Fläche von 130.000 Quadratfuß (rund 12.077 Quadratmeter) und eine Vielzahl von Simulatoren und Performance-Programmen. Dazu gehören Testzentren für Aerodynamik oder die Aufhängung. “Unsere Beteiligung an verschiedensten Rennserien ist immer ein wenig unterschiedlich”, erklärt Warren. “Ich vergleiche es gerne mit einem Krankenhaus. Wenn du ein Problem oder eine Krankheit hast, dann gehst du ins Krankenhaus und sagst: ‘Hey, ich habe dieses Problem.'” “Dann schaut sich das ein Experte an, findet eine Lösung, stellt einen Behandlungsplan auf, und du kannst nach Hause. Technisch betrachtet sind wir ein Dienstleister im Ingenieurswesen, der großes Interesse daran hat, erfolgreich zu sein.”
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“Wir haben hier vier Simulatoren, die in Vollzeit in Betrieb sind. Wir bereiten uns in allen Serien auf insgesamt sieben davon vor, und wir müssen sogar Zeit anmieten, um neue Einrichtungen zu bauen. In puncto DIL [Driver-in-the-loop] mussten wir kein neues Cockpit bauen, schließlich haben wir lange das IndyCar-Cockpit genutzt.” “Natürlich versucht man, die richtigen Pedale, Lenksäulen, Lenkräder oder das richtige Interface für die Fahrer nachzubilden. Aber alle anderen Systeme, die meiste Software und die Modelle sind eine Kombination dessen, wofür man uns anheuert und woran sie arbeiten. Zudem arbeiten wir mit Ferrari an der Simulation des Motors.” Vorbereitung auf den Ernstfall Als Teil des neuen Hauptquartiers in Fishers, Indiana, wird aktuell ein brandneuer Formel-1-Simulator auf technisch neuestem Stand gebaut. Doch bis dieses Gebäude fertig ist, wird das Formel-1-Team im “Driver-in-the-Loop”-Simulator in North Carolina jegliche Tests mit einem erfahrenen Team absolviert haben.
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Dazu gehören Piloten wie Indy-500-Champion Simon Pagenaud, der zweimalige Grand-Prix-Pilot Pietro Fittipaldi oder Corvette-Werksfahrer Charlie Eastwood. Diese Möglichkeit war für das “Race Ready”-Programm des Teams entscheidend. Dabei handelte es sich um den Plan, 2025 mehrere Rennen bei Cadillac so in Echtzeit zu simulieren, als wäre man als elftes Team auf dem Grid. Für ein Team, zu dem über 400 erfahrene Personen zählen, von denen viele aber noch nie zusammengearbeitet hatten, war es wichtig, sich vor dem Debüt in der Realität aneinander zu gewöhnen. “Ohne die GM-Einrichtung in Charlotte letztes Jahr wären wir jetzt nicht hier”, so Pat Symonds, seines Zeichens erfahrener Formel-1-Ingenieur, der neben Technical Director Nick Chester als Senior Engineering Consultant arbeitet.
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“Natürlich gibt es da die Entwicklung des Autos, die mich, so ehrlich muss ich sein, darin überrascht, wie gut sie dort funktioniert. Aber wir haben es vor allem für Rehearsals genutzt. Wir haben den Simulator so bedient, als wäre es ein Rennauto, und das war unbezahlbar. Ohne das wären wir nicht ansatzweise so renntauglich.” “GM macht in vielerlei Hinsicht mehr für uns, als nur einen Simulator bereitzustellen. Ihre gesamte Entwicklungssparte für Autos in Charlotte hat uns wirklich, wirklich geholfen. Viel unserer Software wurde von GM entwickelt. Wir nutzen ein System namens ‘Race Vehicle Getaway’, welches als Datenbank für alles in unseren Autos fungiert. Das hat GM lange vor dem Formel-1-Einstieg entwickelt.” “Dann gibt es Bereiche im Design, bei denen sie uns helfen. Sie arbeiten mit uns an der thermischen Modellierung und an AIML [Artificial Intelligence and Machine Learning]. Da arbeiten wir an einigen guten Projekten.”
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Eine der Personen, die versuchen, die verschiedenen Bereiche von Cadillac zusammenzuhalten, ist der Head of Performance Analysis James Knapton. Dieser ist ein Ingenieur, der in seiner langen Karriere schon bei Jordan/Force India, Sauber, Manor und Red Bull Advanced Technologies gearbeitet hat. Dort war er am Valkyrie-Projekt von Adrian Newey beteiligt. “GM an Bord zu haben war sehr gut, denn wir konnten auf Tools, Modelle, Lösungen und ihren Simulator sehr schnell zugreifen”, fügt Knapton hinzu. “Sonst hätte die Entwicklung solcher Projekte zwei oder drei Jahre gedauert. Das hat uns also von Anfang an einen Vorsprung gegeben.” “Die Möglichkeit, sich aus ihrem Skillset zu bedienen, welches aus verschiedensten Bereichen des Ingenieurwesens besteht, war sehr hilfreich. Wenn wir von null hätten anfangen müssen, wären wir jetzt weiter im Rückstand.” Formel-1-Quiz
In seiner F1-Karriere sicherte sich Valtteri Bottas wie viele Punkte?
553 4779 1403 1797 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Cadillac konnte aber nicht nur von den Simulatoren bei GM profitieren, sondern auch vom Wissen und vom Personal. Zwar wirkt die NASCAR im Vergleich zur Formel 1 wie eine andere Welt, und das trifft in vielen Bereichen genau so zu.
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Doch unterschätzt man in Europa oft, wie weit die Ingenieurskunst in der Stock-Car-Serie entwickelt ist. Die ausgereiften Reifenmodelle sind ein Bereich, der vielen die Augen geöffnet hat, und einige Dinge sind durchaus übertragbar. “In manchen Bereichen ist das so, aber nicht alles, was in der Formel 1 passiert, agiert technisch am absoluten Limit”, erklärt Warren. “In der Formel 1 hast du im Design mehr Freiheiten. Es ist technisch immer noch eine Meritokratie. Aber in anderen Serien spielst du mit den Grenzbereichen. Schau dir als Beispiel die NASCAR an. Viele Leute denken, die Autos sind [technisch nicht besonders fortgeschritten].”
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“Es geht nicht um das Auto. Es geht um das Ingenieurwesen, welches dahintersteckt. Schau dir die Zahl verschiedener Reifentypen, Asphalttypen oder Strecken an. Das ist ein so reichhaltiges Feld an Daten, um daraus ein thermisches Modell zu bauen.” “In der Formel 1 ist der Reifen viel einfacher, denn es gibt fünf verschiedene Varianten, die du das ganze Jahr lang fährst. Die Änderungen im Asphalt sind deutlich kleiner. Wir haben Leute an Bord, die Technologien und physikalische Probleme kennen, mit denen man sogar in der Formel 1 nicht konfrontiert wird. Das gibt uns die Möglichkeit, wichtige Ideen ins Spiel zu bringen.” “Es gibt sicherlich Überschneidungen”, ergänzt Symonds. “Der Head of Tyre Science [Dr. Heather Bobbitt] ist Angestellte bei GM. Und sie ist wahrscheinlich die beste Reifenwissenschaftlerin, mit der ich je gearbeitet habe. Die Modelle, die sie entwickelt hat, werden bei GM und bei uns eingesetzt, und wir sind mit ihnen sehr glücklich. ”
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Knapton fügt hinzu: “Reifenmodelle in der NASCAR sind sehr weit entwickelt und diese Modelle in die Formel 1 zu übertragen, war relativ reibungslos. Schließlich sind es Modelle, die auf dem Formel-1-Level an Modellen und Entwicklung operieren.” “Gleichzeitig haben wir in puncto Fahrzeugmodellierung hier eine tolle Gruppe. Wir haben in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet. Dazu gehört etwa das Rig-Testing, etwas Arbeit an der Aerodynamik der Bremskanäle oder aerothermisches Modellieren für die Kühlung.” Techniktransfer zurück in den Konzern Allerdings ist es nicht nur eine Einbahnstraße. Warren ist sich sicher, dass GM vom Hightech-Ökosystem, den Methoden und den ungewöhnlichen Perspektiven auf die Arbeitsprozesse in der Formel 1 profitieren wird.
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“An der Formel 1 ist vor allem so herausragend, wie viele Daten es vom Auto gibt”, erklärt Warren, dessen Karriere als Aerodynamiker und später Technical Director in der NASCAR begonnen hat. “Das Niveau der Werkzeuge und die Möglichkeit, zu verstehen, wie ein Auto reagiert, und das Level an Korrelation sind der größte Faktor, den die Formel 1 an GM zurückgibt.” “Du kannst Kielsonden-Arrays nutzen, um dir die Luftverwirbelungen hinter einem Reifen anzuschauen, und das live im Training. Solche Dinge wären in keiner anderen Rennserie praktikabel oder vom Reglement gestattet. Wenn das Team auf 400 oder 500 Ingenieure wächst, dann gibt es vielleicht ein oder zwei Leute, die sagen: ‘Hey, ich habe da diese Idee, wie wir Fahrzeugdynamik modellieren können, oder wie man das hier optimieren könne.'” “Dieser Feedback-Loop wird immer tiefgreifender und mehr Ideen fliegen durch die Gegend. Also glaube ich, es gibt uns die Möglichkeit, unsere Tools schneller auszubauen. Es gibt schließlich mehr Daten und mehr Leute, die sich spezifische Dinge anschauen.”
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“Du lernst, mit dieser Datenmenge umzugehen und diese in einer Cloud zu speichern und wie verschiedene Ingenieure darauf schnell Zugriff erhalten. Die Formel 1 hilft bei der Entwicklung solcher Dinge.” So schwer der Einstieg für Cadillac auch gewesen sein mag, so ist es nur der Anfang einer langen Reise in Richtung Wettbewerbsfähigkeit. Das US-Team hat sich nicht in die Formel 1 begeben, um einfach dabei zu sein. In einer Welt der Budget-Obergrenze gehört es dazu, die Konkurrenz strategisch zu überlisten und in der Entwicklung zu schlagen. Neue Standbeine für 2027 Eine wichtige Säule ist das neue US-Hauptquartier, welches aktuell in Fishers, Indiana, gebaut wird. Dieses soll den europäischen Außenposten in Silverstone unterstützen. “In Fishers wartet auf uns ein Simulator auf technischem Höchststand”, so Knapton. “Dieser soll Anfang 2027 an den Start gehen. Das sollte uns durchaus helfen. Neue Formen der Rundensimulation sind ebenfalls auf dem Weg.”
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“In der Formel 1 sind es oft nicht die großen Schritte, sondern viele kleine Fortschritte in allen Bereichen. Alles entwickelt sich ständig weiter. Wir wissen, dass wir in manchen Bereichen noch nicht an die vorderen Teams anknüpfen können. Wir müssen uns steigern. Deswegen arbeiten wir an allem und versuchen, unsere Tools zu verbessern, während wir gleichzeitig ein neues Auto designen und damit antreten.” “Ein Sprichwort ist hier etwa, dass wir ein Schiff bauen, während es bereits auf See fährt. Das ist keine schlechte Analogie für das, was wir gerade probieren.” GM-Motor für 2029 In Charlotte baut GM einen Formel-1-Motor. Dieser soll 2029 als V6-Hybrid an den Start gehen, aber man muss auch auf das gefasst sein, was danach kommen könnte.
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“Zu sehen, wie das zum Leben erwacht, ist wirklich aufregend”, sagt Warren. “Wir bauen Motoren für alle erdenklichen Autos, nicht wahr? Nicht nur unsere PKWs oder High-Performance-Wagen. Wir sind darauf sehr stolz. Daher ist es uns als OEM wirklich wichtig, das ist Teil unserer DNA.” “Wir waren bisher nicht in der Formel 1. Daher sehen wir durch das Testen und die verschiedenen Technologien, die dafür entwickelt werden, sofort, wie man das auf die Serie anwenden kann. Das macht uns einfach zu einem besseren Unternehmen.” “Wir wussten, dass das auf uns zukommen wird, und es bestärkt uns nur darin, wie viel Respekt wir vor dieser Herausforderung haben. Wir wollen sicherstellen, dass das Fundament stimmt. Wir müssen lernen und uns unsere Sporen verdienen.”
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“Hoffentlich können wir weiterhin mithalten und Top-Talente rekrutieren, lernen und wachsen. Wir werden dort landen, wo wir hinwollen. Aber die Preise werden dir hier nicht geschenkt.”
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