Podium verschenkt: Hamilton nimmt fehlerhafte Ferrari-Strategie auf sich

Podium verschenkt: Hamilton nimmt fehlerhafte Ferrari-Strategie auf sich

 

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Lewis Hamilton hat beim Formel-1-Rennen in Singapur eine mögliche Podiumsplatzierung mit einer falschen Strategieentscheidung verspielt. Der Ferrari-Pilot blieb beim virtuellen Safety-Car auf der Strecke, obwohl das Team beide Autos an die Box holen wollte.  LAT Images Lewis Hamilton pokerte zu lange auf den Soft-Reifen in Singapur

Die Folge: Statt als Dritter ins Ziel zu kommen, fiel Hamilton mit alten Soft-Reifen auf Platz sechs zurück. Teamchef Frederic Vasseur machte anschließend unmissverständlich klar, wer die Entscheidung getroffen hatte: Hamilton selbst. “Wir lagen auf der Strecke auf den Positionen zwei und drei. Wir haben beide Autos reingerufen”, erklärt Vasseur nach dem Rennen. “Einer meiner Fahrer sagte: ‘Nein, ich ziehe es vor, auf der Strecke zu bleiben.‘ Gebt also nicht dem Team die Schuld”, macht der Franzose unmissverständlich klar, nachdem es bereits Kritik für Ferrari hagelte.
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Denn Hamilton hatte sich bereits während seiner Rückfahrt an die Box für seine Entscheidung entschuldigt. “Sorry, Leute, ich habe euch heute mit der Strategie hängenlassen. Meine Entscheidung, und ich habe uns wertvolle Punkte gekostet. Ich werde versuchen, das beim nächsten Rennen wiedergutzumachen”, funkte der siebenmalige Weltmeister. Seinem Team bescheinigte er zugleich einen guten Boxenstopp. 44 Runden auf Softs: Hamilton verliert drei Positionen Ausgangspunkt des Strategieproblems war das virtuelle Safety-Car in Runde 39. Lance Stroll hatte seinen Aston Martin wegen eines vermuteten Kupplungsproblems abgestellt, woraufhin die Rennleitung das VSC ausrief. Zu diesem Zeitpunkt war Hamilton auf älteren weichen Reifen unterwegs, während Charles Leclerc auf einer jüngeren Medium-Reifenmischung fuhr. Ferrari nutzte die Neutralisation für Leclercs zweiten Boxenstopp. Hamilton blieb trotz älterer Reifen draußen und versuchte, seine Position durch einen langen Stint zu verteidigen. Insgesamt absolvierte er 44 Runden auf den Softs – eine Entscheidung, die sich in der Schlussphase als kostspielig erwies. Video wird geladen…  

Auf den letzten 22 Runden verlor Hamilton im Schnitt rund 2,5 Sekunden pro Runde auf seinen Teamkollegen. Die Reifen bauten massiv ab, und der Brite büßte drei Positionen ein. Er kam als Sechster ins Ziel, hinter Leclerc, Kimi Antonelli und den beiden McLaren. Im Ziel lag Hamilton fast 46 Sekunden hinter seinem Teamkollegen. Hamilton selbst war nach dem Rennen gesundheitlich angeschlagen und erhielt die Erlaubnis, die Medienrunde auszulassen, um das medizinische Zentrum aufzusuchen. Ferrari veröffentlichte deshalb eine Stellungnahme des Briten, in der er ausführlich auf seine Entscheidung einging. Hamilton übernimmt die Verantwortung “Das war heute nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten, und es lag an mir”, erklärt Hamilton. Auf einer Strecke, auf der Überholen schwierig ist, habe er etwas anderes versuchen wollen. Deshalb entschied er sich, auf einem neuen Satz Medium-Reifen zu starten, lange draußen zu bleiben und eine Einstoppstrategie möglich zu machen.
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Der Plan ging jedoch nicht auf. “Leider funktionierten die Medium-Reifen nicht so gut wie die Softs”, erklärt Hamilton den frühen Reifenwechsel. Zwar sei sein Tempo im zweiten Stint wieder besser gewesen, doch er habe nicht den nötigen Fortschritt erzielt. Zum entscheidenden Moment beim VSC sagt er: “Das Team rief mich an die Box, aber ich verpasste die Einfahrt. Danach entschied ich mich, draußen zu bleiben und meine Position bis zum Ende zu verteidigen.” In den letzten Runden habe er dann massiv mit dem Reifenabbau gekämpft. Hamilton betont, dass Platz sechs nicht das Tempo widerspiegele, das Ferrari an diesem Sonntag grundsätzlich gehabt habe. Dennoch wollte er die Verantwortung nicht von sich weisen: “Eine schmerzhafte Lektion heute, aber ich übernehme die volle Verantwortung für meine Entscheidungen. Es tut mir leid für das Team und die Punkte, die wir verloren haben.” Vasseur: “Es war eindeutig ein Fehler” Vasseur zeigte sich bei der anschließenden Medienrunde wenig erfreut darüber, dass die Strategieentscheidung so ausführlich diskutiert wurde und sein Team nach Malaysia erneut heftiger Kritik ausgesetzt war. Auf eine erste Frage zum Thema unterbrach er den Journalisten mit dem Hinweis, es sei nicht unbedingt “das große Thema des Wochenendes”.
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Dennoch wurde der Ferrari-Teamchef wiederholt nach den Abläufen an der Boxenmauer und Hamiltons Entscheidung gefragt. Seine Darstellung ist eindeutig: “Ich denke, es war ein Fehler, denn insgesamt hätten wir die Plätze zwei und drei belegt”, so Vasseur bei Sky. Video wird geladen…  

Auch im Gespräch mit F1 TV unterstreicht er, dass Ferrari der Doppelstopp vorgesehen wae: “Die Anweisung lautete, beide Autos an die Box zu holen, und Lewis entschied sich, auf der Strecke zu bleiben. Ich denke, das war insgesamt ein Fehler.”
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Vasseur bestätigte zudem, dass er nach dem Rennen noch nicht mit Hamilton gesprochen hatte. Er verwies stattdessen auf die Entschuldigung des Fahrers im Funk. Die Verantwortung für die Entscheidung sei damit aus seiner Sicht geklärt. Ferrari kann es nicht allen recht machen Ganz so einfach ist die Frage nach der Strategiehoheit allerdings nicht. Fahrer verfügen im Cockpit über unmittelbare Eindrücke vom Reifenverhalten, die sich nicht vollständig aus den Daten der Ingenieure ablesen lassen. Vasseur räumt ein, dass Teams ihren Fahrern deshalb auch Spielraum geben müssen. Zudem wurde die Scuderia in der Vergangenheit oft kritisiert, nicht ausreichend auf ihre Fahrer zu hören. “Uns wird oft gesagt, dass wir auf die Fahrer hören müssen, weil sie im Auto sitzen und das Gefühl für ihre Reifen haben”, sagt Vasseur. In diesem Fall sei die Sache für ihn allerdings klar gewesen. Zugleich müsse er die Einschätzung der Fahrer respektieren, wenn sie am Steuer säßen.
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Die Strategie war für Ferrari von Beginn an eine Herausforderung. Weil das Sprintrennen zuvor bei nassen Bedingungen stattgefunden hatte, fehlten wichtige Erkenntnisse zum Reifenverschleiß auf trockener Strecke. Das Team teilte die Strategien der beiden Autos auf, um unterschiedliche Möglichkeiten zu testen. Die Medium-Reifen erwiesen sich im Rennen als schwächer als die Softs, was Hamilton bereits früh im Rennen strategisch unter Druck setzte. Es drohte akute Undercut-Gefahr seitens Mercedes und McLaren, weshalb der frühe Wechsel alternativlos war. Meistgelesen in unserem Netzwerk GP Singapur
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Bis zum VSC lief der Plan laut Vasseur gut. Leclerc war sechs Runden später als Hamilton an die Box gekommen und hatte deshalb einen Reifenvorteil. Ferrari sah keinen Grund, die Positionen zu tauschen. Als sich durch das VSC die Chance auf einen günstigen Stopp für beide Autos ergab, wollte das Team diese nutzen – doch Hamilton blieb draußen.

 
Formel1.de 

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