Red Bulls ehrgeiziges Motorenprojekt: So gelang der Aufbau
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Red Bull wird in dieser Saison erstmals mit einer eigenen F1-Antriebseinheit antreten. Doch wie wurde das Projekt in den vergangenen vier Jahren aufgebaut – und in welchem Zustand befindet es sich derzeit? Red Bull Content Pool Red Bull startet 2026 gemeinsam mit Ford in eine neue Ära
Am Donnerstag wurde die Zusammenarbeit zwischen Red Bull und Ford offiziell mit einem Event in Detroit – der Heimatstadt von Ford – gestartet, auch wenn dies größtenteils symbolischen Charakter hatte. Hinter den Kulissen läuft die Arbeit jedoch bereits seit vier Jahren auf dem Red-Bull-Campus in Milton Keynes. Teamchef Laurent Mekies bezeichnete es als “verrückt”, dass sich ein Energydrink-Hersteller der Herausforderung stellt, Formel-1-Motoren zu bauen – obwohl die Idee bei näherem Hinsehen gar nicht so abwegig ist, wie sie zunächst klingt. Tatsächlich landete sie bereits vor zwei Jahrzehnten auf dem Schreibtisch von Dietrich Mateschitz.
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“Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich damals im Team dazu geraten habe, Cosworth zu kaufen und eigene Motoren zu bauen”, erinnert sich David Coulthard an Red Bulls Formel-1-Debüt. “Wir waren zunächst Kunde von Ford, dann Kunde von Ferrari, dann von Renault – und ein Kundenteam zu sein, ist einfach Mist. Ich habe das bei Renault und McLaren-Mercedes erlebt, und es fühlte sich immer so an, als wären wir benachteiligt, nur weil wir Kunde waren.” “Als das Team dann Toro Rosso kaufte, dachte ich mir: Moment mal, es ist schon schwer genug, mit einem Team zu gewinnen – wie sollen wir das mit zwei schaffen? Also habe ich schon vor 20 Jahren gesagt, wir sollten unsere eigenen Motoren haben”, lacht der Schotte. “Wenn du dein eigenes Schicksal bestimmen willst, darfst du dich nicht auf andere verlassen. Jetzt hat das Team die volle Kontrolle über sein eigenes Schicksal. Natürlich wird das eine Herausforderung, und vielleicht klappt es am Anfang nicht. Auch als Formel-1-Team hat es anfangs nicht funktioniert – aber irgendwann eben doch.” “Und Red Bull hat das Engagement, die Ressourcen und die Leute, um das langfristig erfolgreich zu machen”, sagt er. Der Kern von Coulthards Gedankengang ist genau das, was Christian Horner – einer der treibenden Kräfte hinter dem Projekt – betont: Alles unter einem Dach zu vereinen, bringt langfristig Vorteile, insbesondere bei der Integration des Antriebs in das Chassis.
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Außerdem wollte Red Bull nach dem frustrierenden Ende der Partnerschaft mit Renault und Hondas plötzlicher Entscheidung, die Formel 1 Ende 2021 offiziell zu verlassen, nicht erneut in Abhängigkeit geraten. Der erste Schritt: Die eigene Einrichtung Auf eigenen Beinen zu stehen klingt zwar verlockend, bedeutete in der Praxis aber weit mehr, als nur einen Motor nach dem neuen Reglement für 2026 zu entwickeln. Der erste Schritt für Red Bull bestand darin, überhaupt erst eine eigene Einrichtung in Milton Keynes zu errichten und parallel die richtigen Leute zu finden Die Arbeiten am Jochen-Rindt-Gebäude – so der offizielle Name der Motorenhalle – begannen Anfang 2022. Die Anlage liegt direkt gegenüber vom MK7. Beim Betreten führt der Weg durch den “Brodie’s Boulevard”, einen Gang, der nach Steve Brodie benannt ist – einem früheren Mercedes-Mitarbeiter, der im August 2021 als einer der Ersten zu Red Bull wechselte und eine entscheidende Rolle beim Aufbau der Anlage spielte. Red Bull: Mit Hochglanz und eigenem Motor wieder an die Spitze? I F1-Talk Video wird geladen… Ab 2026 baut Red Bull eigene Motoren, Ford ist ein wichtiger Partner für das Projekt Red Bull Powertrains.
In diesem Korridor steht auch ein Verbrennungsmotor: der V6 aus dem allerersten Testlauf im August 2022 – ein Moment, den Mateschitz kurz vor seinem Tod noch miterlebte.
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Parallel zum Aufbau der Anlage musste Red Bull einen Partner finden – sowohl zur Finanzierung als auch zur Unterstützung mit technischem Know-how. Porsche war zunächst Plan A, doch nach dem Scheitern dieser Gespräche zögerte Ford-Performance-Direktor Mark Rushbrook nicht und schrieb Horner kurzerhand eine E-Mail: “Hey, Ford ist interessiert. Wollen wir reden?” Kurz darauf folgten Treffen mit Bill Ford und Jim Farley, und bald waren die Unterschriften gesetzt. Von fünf Pionieren zu siebenhundert Mitarbeitern Zu diesem Zeitpunkt hatte Red-Bull-Powertrains-Direktor Ben Hodgkinson das Projekt bereits fast ein Jahr lang vorbereitet. Der Brite wurde im April 2021 als Leiter von Red Bulls ehrgeizigem Vorhaben vorgestellt – er kam von Mercedes High Performance Powertrains, wie viele andere auch.
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Horner schätzt, dass rund 220 Personen den Wechsel vollzogen, wenngleich diese Zahl wohl etwas optimistisch ist. Fast fünf Jahre später grinst Hodgkinson: “Machen wir uns nichts vor – ich habe diesen Job wahrscheinlich bekommen, weil ein anderes Team so erfolgreich war”, sagt er mit Blick auf Mercedes’ Dominanz seit 2014 und seine Rolle dabei.
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“Als mir die Möglichkeit angeboten wurde, gefiel mir die Idee eines weißen Blatts Papier – nicht nur für die Antriebseinheit, sondern für das gesamte Unternehmen. Wir konnten alles genau so aufbauen, wie es zu den neuen Regeln passen würde. Das war eine großartige Gelegenheit – und ich wollte versuchen, daraus einen Vorteil zu machen.” Doch es gab auch eine erhebliche Kehrseite: “Bei null anzufangen, ist ein kurzer Satz, aber die Tragweite dessen wurde uns erst mit der Zeit klar. In kurzer Zeit 700 Leute zu finden, war extrem herausfordernd. Das Unternehmen begann mit nur fünf Personen in einem kleinen Büro, noch bevor die Werkhallen gebaut waren”, erklärt Hodgkinson. Von dort wuchs das Team rasant – mit Leuten von Red Bull, Honda, Mercedes und Firmen wie AVL. Für Hodgkinson fühlte sich die Arbeit anfangs an wie in einem Start-up. Motoren-Mogelpackungen in der Formel 1
“Jeden Monat kamen 20 neue Mitarbeiter dazu – dadurch änderten sich die Aufgaben jede Woche. Einer entwarf, bestellte und baute Teile – bis eine Woche später jemand Neues da war, der das Bauen übernahm. Es war ein sich ständig weiterentwickelndes Konstrukt.”
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Rushbrook wies zudem auf eine weitere Herausforderung hin: Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen und effizient arbeiten zu lassen. Bei etablierten Herstellern existieren Strukturen und Unternehmenskultur bereits – bei Red Bull musste das alles erst geschaffen werden. “Gleichzeitig mussten wir versuchen, uns in die Red-Bull-Kultur einzufinden und aus den vielen neuen Leuten das Beste herauszuholen. Das hat zu einer echten kognitiven Vielfalt geführt – und damit zu einer hohen Veränderungsdynamik”, so Hodgkinson.
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“Und etwas anderes, das – wäre es Absicht gewesen – genial wäre, war eher Zufall: Wenn du ein mutiges, ehrgeiziges Projekt startest, ziehst du auch mutige, ehrgeizige Menschen an. Wer vorsichtig ist und denkt ‘das ist mir zu riskant’, bleibt, wo er ist. Die Leute, die zu uns kommen, passen perfekt in die Red-Bull-Kultur – das ist großartig für die Innovationsrate. Es waren vier aufregende, aber auch intensive Jahre.” Kann ein Neuling sofort konkurrenzfähig sein? Auf technischer Seite begann Red Bull, wie der erste Testlauf im August 2022 zeigte, mit dem Verbrennungsmotor. Die Werkstatt ist in zwei Bereiche geteilt: einen für den V6, den anderen für einen Einzylinder. Diese Struktur hängt eng mit Entwicklungszeit und Budgetobergrenze zusammen. Neue Ideen werden zunächst am Einzylinder getestet – das ist schneller und günstiger. Erst wenn dort alles funktioniert, wird am kompletten V6 getestet. Formel-1-Quiz
Die beste Startposition des Teams Red Bull in der Formel 1 war Platz?
1 8 9 10 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieser Ansatz leicht von dem von Honda. Dessen Präsident Koji Watanabe erklärte, dass der japanische Hersteller zunächst stärker auf die elektrischen Komponenten fokussiert war. Beide Ansätze ergeben Sinn – Red Bull musste die Motorenabteilung komplett neu aufbauen, da war es naheliegend, mit dem Verbrennungsmotor zu beginnen.
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Die entscheidende Frage ist nun, wie wettbewerbsfähig Red Bull nach vier Jahren Aufbauarbeit tatsächlich sein kann. Eine Antwort darauf hat auch Hodgkinson nicht – aber er nutzt ein passendes Bild. “Ich habe es meinen Kollegen schon so beschrieben: Es ist wie ein 400-Meter-Lauf. Und weil ein 400-Meter-Lauf praktisch ein Sprint ist, fühlt es sich auch so an. Nur dass du ganz allein in einem Stadion läufst, ohne Zuschauer – und in einem anderen Land als deine Konkurrenten.”
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Damit beschreibt Hodgkinson, dass Red Bull Powertrains keinerlei Vergleich zu anderen Herstellern hat. “Alles, was ich weiß, ist, dass wir so schnell rennen, wie wir nur können.” In diesem Sinne sieht er Red Bull Powertrains so gut vorbereitet, wie es nur möglich ist: “Ich habe viel Erfahrung im Design von Formel-1-Motoren – ich bin seit den V10-Tagen dabei. Ich weiß also, wie ein gutes Unternehmen aussieht.” “Hier habe ich die einmalige Gelegenheit, zu gestalten, wie der ideale Motorenhersteller aussehen sollte. Red Bull war extrem entgegenkommend, was unsere Einrichtungen betrifft – ich bin sehr zufrieden damit.” Das Red-Bull-Design für 2026
“Ich denke auch, dass wir großartige Leute haben – also haben wir alle Zutaten. Ob das am Ende ein Michelin-Stern-Menü wird, wird sich zeigen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die richtige Firma aufgebaut und die richtigen Menschen gefunden haben. Aber Selbstvertrauen ist oft genau das, was jemand hat, der gleich verlieren wird”, lacht er.
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In Wahrheit weiß selbst im Red-Bull-Projekt niemand genau, wie man gegen Konkurrenten mit jahrzehntelanger Formel-1-Erfahrung abschneiden wird. Mekies nannte es “naiv” zu glauben, Red Bull könne sofort mit der besten Antriebseinheit antreten. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Doch Hodgkinson betont, dass in den vergangenen vier Jahren alles Menschenmögliche getan wurde. Eine Erfolgsgarantie ist das zwar nicht – aber zumindest die Erfüllung des zweiten großen Traums von Dietrich Mateschitz.
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