Russell tobt nach verpasster Pole: “Das war eine Runde für Platz eins”
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George Russell war nach dem verpassten Kampf um die Poleposition beim Grand Prix von Sao Paulo sichtlich bedient. Eine missverständliche Kommunikation mit Mercedes kostete den Briten in der entscheidenden Phase des verregneten Qualifyings offenbar die Chance auf eine weitere schnelle Runde. Während Lando Norris die Bestzeit setzte, musste sich Russell mit Platz zwei begnügen. Wegen seiner Motorstrafe wird er im Rennen allerdings nur von Rang sieben starten. LAT Images George Russell zeigte im Brasilien-Qualifying eine starke Pace
Dabei hatte Russell in Interlagos bis dahin eine starke Vorstellung gezeigt. Als der Regen im dritten Qualifying-Abschnitt wieder stärker wurde, gehörte er zu den ersten Fahrern, die auf Intermediates eine schnelle Runde absolvierten. Dabei nahm er Norris zunächst rund vier Zehntelsekunden ab und setzte sich an die Spitze. Sein Renningenieur Marcus Dudley forderte ihn anschließend auf, weiter Druck zu machen. “Wenn du kannst, push. Ich denke, wir bekommen noch eine Runde, bevor der Regen kommt”, lautete die Anweisung. Auf seiner nächsten Runde lief Russell jedoch im zweiten Sektor auf Alexander Albon auf und forderte den Williams-Piloten am Funk auf, Platz zu machen: “Aus dem Weg, Albono!” Missverständnis kostet Russell die letzte schnelle Runde Als Russell wissen wollte, ob er noch eine weitere schnelle Runde fahren solle, entstand Verwirrung. Kurz vor Kurve zwölf, der anspruchsvollen Juncao-Passage, verlangte er eine klare Entscheidung vom Team: “Du musst mir sagen, was ich machen soll. Soll ich Tempo rausnehmen oder fahren?”
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Die Antwort von der Boxenmauer kam unmittelbar: “Wir können jetzt abbrechen, jetzt abbrechen.” Russell hakte noch einmal nach, doch währenddessen überquerte Norris die Ziellinie und verbesserte die bisherige Bestzeit um rund zwei Zehntelsekunden. Damit war die Poleposition vergeben. Der Regen wurde unterdessen stärker. Russell erkannte, dass die Entscheidung zum Abbruch falsch gewesen sein könnte – eine weitere Chance auf die Bestzeit gab es nicht mehr. Entsprechend deutlich fiel seine Reaktion am Funk aus. “Mann, du hast mir verdammt noch mal gesagt, ich soll abbrechen. Was soll das denn?”, schimpfte er. Teamchef Toto Wolff versuchte zu beschwichtigen: “George, du bist auf Platz zwei.” Das genügte dem Briten allerdings nicht. “Ich will nicht Zweiter sein, ich will Erster sein. Das war eine Runde für Platz eins. Verdammt!” Russell: “Die Pole war zum Greifen nah” Auch im anschließenden Gespräch mit den Medien war die Enttäuschung noch deutlich zu spüren. Russell spricht von einem Kommunikationsfehler und betont, dass er sich während der gesamten Session stark gefühlt habe. “Ich denke, es war einfach ein kleines Missverständnis. Ich musste mit dem Team sprechen, weil wir davon ausgegangen waren, dass wir noch eine Runde bekommen würden, bevor der Regen einsetzt”, erklärt Russell. Er sei auf einer sehr starken Runde gewesen und habe wegen Albon die Anweisung erhalten, Tempo herauszunehmen. “Dann kam natürlich der Regen.”
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Für Russell war die verpasste Gelegenheit besonders ärgerlich: “Es war sehr enttäuschend. Wir müssen verstehen, wie es dazu gekommen ist und warum wir das falsch eingeschätzt haben. Aber ich habe mich während der gesamten Session sehr stark gefühlt. Ich hatte definitiv das Gefühl, dass die Pole zum Greifen nah war.” Die F1-Show zum Grand Prix von Brasilien | Samstag F1 São Paulo 2026 Video wird geladen…
Er macht allerdings deutlich, dass er seinem Renningenieur keinen persönlichen Vorwurf machen wolle. Die Entscheidung sei das Ergebnis einer komplexen Abstimmung innerhalb des Teams gewesen. “Wir können nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Wir müssen verstehen, warum wir diese Entscheidung getroffen haben und ob unsere Systeme uns die Informationen geliefert haben, die wir gebraucht haben. Man verlässt sich auf das Radar. Es ist nicht die Schuld meines Ingenieurs. Er gibt letztlich nur die Nachricht weiter, aber zwölf Leute sprechen mit ihm und liefern ihm Informationen, die er weitergeben muss”, so Russell. Wolff sieht Entscheidung als 50:50-Situation Toto Wolff bewertet die Situation etwas anders. Der Mercedes-Teamchef räumt ein, dass Russell über das gesamte Qualifying hinweg eine starke Leistung gezeigt und sich die Poleposition verdient gehabt habe. Ob die letzte Runde tatsächlich für die Bestzeit gereicht hätte, stellt er allerdings infrage.
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“Wenn wir eine Kristallkugel hätten, mit der wir erkennen könnten, ob man abbrechen sollte oder nicht, wäre das hilfreich”, so Wolff gegenüber Sky. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, die er als 50:50-Situation bezeichnet. Russell sei auf Albon aufgelaufen und zu diesem Zeitpunkt lediglich 18 Tausendstelsekunden vor Norris gelegen. Deshalb glaube Wolff nicht, dass es zwangsläufig für die Pole gereicht hätte. Gleichzeitig betont er: “Aber natürlich ist George alle Sessions über perfekt gefahren und hätte die Pole verdient gehabt.” Russell hofft auf Regen im Rennen Russell selbst blickt nach der Qualifikation bereits auf den Sonntag. Wegen seiner Motorstrafe wird er nicht von Platz zwei, sondern von Rang sieben starten. Teamkollege Kimi Antonelli steht dagegen neben Norris in der ersten Startreihe, nachdem er im Qualifying Dritter geworden war und Russells Tempo nicht ganz mitgehen konnte.
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Der Brite hofft deshalb auf weitere nasse Bedingungen. Im Regen habe er sich deutlich wohler gefühlt als im Trockenen – ein Hinweis auf die Schwierigkeiten, die er mit dem Mercedes in dieser Saison erlebt hat. “Ich habe mich im Regen wirklich großartig gefühlt. Ich hatte mehr Vertrauen als im Trockenen, was ziemlich ungewöhnlich ist. Das zeigt auch die Herausforderungen, die ich mit diesem Auto hatte. Aber da draußen habe ich mich wieder mehr wie ich selbst gefühlt”, erklärt Russell bei Sky.
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Die Bedingungen seien extrem anspruchsvoll gewesen. Bereits auf seiner ersten schnellen Runde habe er bei mehr als 200 Kilometern pro Stunde im fünften Gang Aquaplaning erlebt. “Wenn man die Straße vor sich nicht mehr sehen kann, ist schwer zu beschreiben, wie sich das anfühlt. Überall ist grauer Nebel, Gischt – und dann verliert man bei weit über 100 Meilen pro Stunde im fünften Gang den Kontakt zur Strecke.” Meistgelesen in unserem Netzwerk GP Sao Paulo
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Trotz des Ärgers über die verpasste Poleposition hofft Russell nun auf ein Regenrennen. “Ich hoffe, dass es morgen nass wird. Ich glaube, dann habe ich bessere Chancen.” Nach dem verpassten ersten Startplatz bleibt ihm in Sao Paulo vor allem die Aussicht auf eine weitere Aufholjagd.
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