Technik-Rätsel gelöst: Ein Verbremser schaltete Bottas’ Steuergerät aus
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Der Unfall von Valtteri Bottas in der letzten Runde des Grand Prix von Aserbaidschan 2026 hatte einen ungewöhnlichen technischen Hintergrund: Auslöser war ausgerechnet ein Verbremser einige Kilometer zuvor. Getty Images Sportwarte beim Abtransport des Unfallautos von Valtteri Bottas in Baku 2026
Im internationalen TV-Signal war von der ungewöhnlichen Szene kaum etwas zu sehen. Die Regie konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt auf die Duelle um den Sieg und die Kämpfe im Mittelfeld. Bottas lag ohnehin abgeschlagen am Ende des Feldes, rund 20 Sekunden hinter Sergio Perez. Eigentlich gab es für ihn keinen Grund mehr, ein besonderes Risiko einzugehen. Trotzdem landete der Cadillac-Pilot in Kurve 15 in der Streckenbegrenzung. Der entscheidende Punkt: Vor der Bremszone hatte das Steuergerät bestimmte Parameter für die Energierückgewinnung neu berechnet. Warum Bottas plötzlich Bremsleistung fehlte Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, muss man an den Anfang derselben Runde zurückgehen. Denn beim Anbremsen von Kurve 1 blockierte Bottas ein Vorderrad und er schoss geradeaus in die Auslaufzone. Dort musste er wenden, bevor er auf die Strecke zurückkehren konnte. Damit legte er deutlich mehr Meter zurück als bei einer normalen Runde. Diese zusätzlichen Meter wurden zum Problem.
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Das Steuergerät bestimmt unter anderem anhand der zurückgelegten Distanz, an welcher Stelle der Rennstrecke sich das Auto befindet. Davon hängt unter anderem ab, wann elektrische Energie für den Vortrieb eingesetzt oder zurückgewonnen wird. Durch Bottas’ Umweg in Kurve 1 stimmte die tatsächlich zurückgelegte Strecke jedoch nicht mehr mit dem normalerweise hinterlegten Ablauf überein. Das System berechnete deshalb bestimmte Parameter neu – mit folgenreichen Auswirkungen auf das Energiemanagement. Was beim Superclipping passiert Besonders wichtig ist dabei die Passage zwischen den Kurven 12 und 15. Energetisch lässt sie sich in zwei Abschnitte unterteilen. Zunächst unterstützt die MGU-K noch den Verbrennungsmotor. Diese elektrische Unterstützung wird anschließend schrittweise reduziert und schließlich vollständig abgeschaltet. Danach übernimmt allein der Verbrennungsmotor den Vortrieb. So wird elektrische Energie für die folgende lange Vollgaspassage aufgespart. Formel-1-Fails: Diese Regeländerungen waren ein Reinfall
Erst ganz am Ende dieses Abschnitts kann bei Bedarf das sogenannte Super-Clipping einsetzen. Dabei wird nicht nur die elektrische Unterstützung zurückgenommen. Der Elektromotor arbeitet dann als Generator und verzögert das Fahrzeug, um Energie für die Batterie zurückzugewinnen. Normalerweise geschieht das lediglich über einen kurzen Streckenabschnitt.
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Bei Bottas war es anders: Durch die zusätzlichen Meter nach seinem Verbremser in Kurve 1 veranlasste das Steuergerät den Antriebsstrang, deutlich früher und aggressiver ins Super-Clipping zu wechseln. Das System versuchte also bereits Energie zurückzugewinnen, obwohl dies an dieser Stelle eigentlich noch nicht vorgesehen war. Dass etwas nicht stimmte, war unmittelbar zu erkennen. Wie in den Runden zuvor nahm Bottas im leichten Knick der schnellen Passage kurz den Fuß vom Gas. Doch diesmal verlor sein Cadillac sofort deutlich an Geschwindigkeit. Als Bottas anschließend wieder Vollgas gab, wechselte das Auto beinahe unmittelbar ins Super-Clipping. Bis zum Bremspunkt lag Bottas dadurch rund 60 km/h unter der normalerweise erreichten Geschwindigkeit. Bottas: “Die Systeme waren etwas durcheinander” Bottas selbst sagte über den Zwischenfall: “Ich denke, die Systeme sind durch die zusätzlichen Meter in Kurve 1 etwas durcheinandergekommen.”
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Bei Kurve 15 habe er “extremes Super-Clipping” erlebt. “Als ich auf die Bremse trat, funktionierten nur die Vorderbremsen, so als würde ich an der Hinterachse keine Energie mehr zurückgewinnen.” Auch McLaren hatte nach Kurve 1 Probleme Interessanterweise war Cadillac mit diesem Phänomen nicht allein: Auch bei den beiden McLaren von Lando Norris und Oscar Piastri kam es nach Ausritten in Kurve 1 zu einer vergleichbaren Situation – allerdings mit anderen Folgen.
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Beim MCL40 reagierte die Elektronik ebenfalls auf die zusätzlich zurückgelegte Strecke. Dort führte die Neuberechnung jedoch lediglich dazu, dass auf der Geraden vor Kurve 4 keine elektrische Energie mehr für den Vortrieb bereitgestellt wurde. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Anders als bei Bottas blieb es bei diesem Leistungsverlust. Weitere Auffälligkeiten im restlichen Verlauf der Runde traten bei den McLaren nicht auf.
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