Toto Wolff warnt: Formula 1-Gehaltslimit treibt Talente an die Börse

Toto Wolff warnt: Formula 1-Gehaltslimit treibt Talente an die Börse

 

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Die Budgetobergrenze sollte die Formel 1 gerechter machen und die Leistungsunterschiede zwischen großen und kleinen Rennställen verringern. Doch Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht inzwischen auch negative Folgen: Vor allem bei den Gehältern könne die Formel 1 langfristig nicht mehr mit anderen Branchen mithalten.  circuitpics.de (KI-bearbeitet) Fotomontage: Toto Wolff – im Hintergrund Mercedes-Ingenieure und Börsenmakler

“Wir waren immer ein Sport, der die besten Talente angezogen hat”, sagte Wolff. “Wir haben die besten Leute von den besten Universitäten geholt, weil die Formel 1 entsprechende Möglichkeiten geboten hat.” Das funktioniere beim Berufseinstieg noch immer: Junge Ingenieure ließen sich von ihrer Begeisterung für die Formel 1 überzeugen. Doch langfristig werde es schwierig, hochqualifizierte Mitarbeiter zu halten.
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“Wenn jemand nach fünf, sechs oder sieben Jahren promoviert hat und die Gehälter im Vergleich zu einem Technologieunternehmen, einem Hedgefonds oder dem Investmentbanking weiterhin gedrückt werden, wird das zum Problem”, erklärte Wolff. Hedgefonds sind Investmentgesellschaften, die mit unterschiedlichen, teils komplexen Anlagestrategien möglichst hohe Renditen erzielen wollen. Sie konkurrieren mit Technologieunternehmen und Banken um Fachkräfte, etwa aus den Bereichen Mathematik, Informatik und Datenanalyse. Solche Spezialisten sind auch in der modernen Formel 1 gefragt. Wolff will mehr Geld für Gehälter statt für Frontflügel Wolff fordert deshalb eine Anpassung der Budgetobergrenze: Er möchte den Rennställen ermöglichen, bestimmte Mitarbeiter besser zu bezahlen, ohne dafür an anderer Stelle sparen zu müssen. Er nannte es “etwas mehr Spielraum für niedrigere Gehaltsklassen”. Statt das zusätzliche Geld für neue Frontflügel auszugeben, sollten die Teams es für höhere Gehälter verwenden können. Das würde helfen, die Formel 1 als Arbeitgeber attraktiv zu halten. Allerdings weiß Wolff, dass sein Vorschlag nicht überall auf Zustimmung stoßen dürfte. Denn nicht jeder Rennstall verfügt über die Mittel, um einen größeren finanziellen Spielraum tatsächlich auszuschöpfen. “Ein kleineres Team wird nicht begeistert davon sein, wenn wir fünf Millionen mehr innerhalb der Budgetobergrenze für promovierte Mitarbeiter ausgeben dürfen”, sagte Wolff. Dabei war genau das Gegenteil die ursprüngliche Absicht der Budgetobergrenze: Große Rennställe wie Mercedes mussten ihre Organisationen verkleinern und umstrukturieren, während kleinere Teams teilweise noch zusätzliches Personal einstellen konnten.
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Inzwischen seien die Formel-1-Teams zwar zu profitablen Unternehmen geworden, sagte Wolff. Aus wirtschaftlicher Sicht sei das erfreulich. Doch die Begrenzung der Ausgaben habe eben auch dazu geführt, dass die Gehälter unter Druck geraten seien. Williams fordert weitere Änderungen an der Budgetobergrenze Neben den Personalkosten gibt es eine weitere Diskussion über die Finanzregeln der Formel 1. Williams-Teamchef James Vowles setzt sich dafür ein, dass Rennställe abhängig von ihrer sportlichen Leistung mehr Geld in ihre Infrastruktur investieren dürfen. Dabei geht es um zwei betriebswirtschaftliche Begriffe: CapEx und OpEx. CapEx steht für “Capital Expenditure” und bezeichnet langfristige Investitionen, beispielsweise in neue Fabrikgebäude, Produktionsmaschinen oder Simulatoren. OpEx bedeutet “Operating Expenditure” und umfasst die laufenden Betriebskosten eines Unternehmens, also beispielsweise Gehälter, Materialkosten oder die Entwicklung neuer Fahrzeugteile.
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Die Formel 1 hat ihre Finanzregeln dahingehend verändert, dass Investitionsausgaben und laufende Betriebskosten stärker zusammengeführt werden. Damit müssen die Teams entscheiden, ob sie ihr begrenztes Budget beispielsweise für neue Maschinen oder die unmittelbare Fahrzeugentwicklung einsetzen. Das hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Rennställe: Mercedes hat in der Vergangenheit viel Geld in seine Infrastruktur gesteckt. Die entsprechenden Abschreibungen belasten laut Wolff nun die Budgetobergrenze. Andere Rennställe, die bislang weniger investiert haben, verfügten dagegen über mehr finanziellen Spielraum für neue Anschaffungen. Warum Wolff den Williams-Vorschlag kritisch sieht Wolff zeigt grundsätzlich Verständnis für Vowles. Williams sei ein traditionsreicher Rennstall, der noch immer mit den Folgen seiner gewachsenen Strukturen zu kämpfen habe. Wolff beschrieb das als einen “riesigen Ballast” und erklärte: Diese Strukturen schlanker und effizienter zu gestalten, sei eine enorme Herausforderung.
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Trotzdem lehnt Wolff eine finanzielle Sonderbehandlung abhängig von der WM-Platzierung ab: “Mir persönlich gefällt das Konzept einer [solchen] Anpassung nicht.” Bei einer sogenannten Balance of Performance (BoP) sehe er sogar “rot”. Mit einer BoP werden im Motorsport Rahmenbedingungen gezielt angepasst, um die Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Teilnehmer anzugleichen. Solche Mechanismen sind beispielsweise aus dem Langstreckensport bekannt. In der Formel 1 existieren bereits Ausgleichsmechanismen mit ähnlicher Zielrichtung. Durch die Handicap-Regelung erhalten sportlich schlechter platzierte Teams mehr Möglichkeiten zur aerodynamischen Entwicklung im Windkanal und mit Computersimulationen. Auch für die Antriebseinheiten gibt es mit ADUO einen Mechanismus, um größere Leistungsrückstände aufholen zu können. Video wird geladen…  

Wolff hält diese bestehenden Regelungen für ausreichend. Die FIA habe dabei eine gute Balance gefunden und verhindert, dass einzelne Teams durch politische Einflussnahme zusätzliche Vorteile erhielten.
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“Brauchen wir wirklich einen weiteren Mechanismus, bei dem je nach WM-Platzierung mehr CapEx oder OpEx erlaubt wird? Da bin ich mir nicht sicher”, sagte Wolff. McLaren als Gegenbeispiel: Erfolg ohne größte Infrastruktur McLaren-Geschäftsführer Zak Brown sieht ebenfalls keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Sein Rennstall habe gezeigt, dass auch ohne die größte Infrastruktur und ohne eigenen Motorenbau sportlicher Erfolg möglich sei.
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“Wir haben einen Kundenmotor und all diese Dinge, von denen es über Jahre hinweg hieß, damit könne man keine Weltmeisterschaft gewinnen. Und wir haben es trotzdem geschafft”, erklärte Brown. Entscheidend seien vielmehr die Mitarbeiter und die Unternehmenskultur. McLaren habe sich aus einer schwierigen Situation herausgearbeitet und Weltmeisterschaften gewonnen. Wolff stimmt ihm ausdrücklich zu: McLaren sei ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein Team auch ohne einen großen Mutterkonzern mit nahezu unbegrenzten finanziellen Mitteln an die Spitze arbeiten könne.
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Brown verweist zudem auf die inzwischen hohe Leistungsdichte in der Formel 1. Während früher häufig nur ein oder zwei Rennställe um Siege gekämpft hätten, seien es inzwischen vier. Ein fünftes Team, Alpine, habe in dieser Saison bereits eine Poleposition erzielt. Deshalb hält Brown die Formel 1 auch unter den bestehenden Finanzregeln für äußerst konkurrenzfähig. Diskussionen über weitere Verbesserungen wolle er sich trotzdem nicht verschließen. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Und Wolff bleibt bei seiner Einschätzung: Eine erneute Anpassung der Regeln für Investitions- und Betriebskosten werde seiner Meinung nach kaum zusätzliches Potenzial freisetzen. Deutlich wichtiger erscheint ihm, dass die Formel 1 auch künftig genügend finanzielle Möglichkeiten hat, um die besten Ingenieure und Spezialisten der Welt anzuziehen.

 
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