30 km/h langsamer als 2025: Silverstone enthüllt das Formel-1-Problem

30 km/h langsamer als 2025: Silverstone enthüllt das Formel-1-Problem

 

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Die Debatte um die Formel-1-Boliden der Saison 2026 hat nach dem Grand Prix von Großbritannien neue Nahrung erhalten. Auf der traditionsreichen Strecke wurden die Schwächen des aktuellen Reglements besonders deutlich. Verantwortliche und Fahrer sehen vor allem die eingeschränkte Energieverfügbarkeit als zentrales Problem. Bereits beschlossene Anpassungen für 2027 und 2028 sollen die Situation verbessern.  Getty Images Europe Der Start beim Großen Preis von Großbritannien

Silverstone zählt zu den traditionsreichsten, schnellsten und anspruchsvollsten Strecken im gesamten Formel-1-Kalender. Mit nur wenigen starken Bremszonen bietet der Kurs allerdings nur begrenzte Möglichkeiten, die Batterie der Hybridantriebe wieder aufzuladen. Dadurch sind die Fahrer gezwungen, an mehreren Stellen der Runde Leistung zu sparen. Phänomene wie “Lift and Coast”, also frühes Lupfen vor den Bremszonen, sowie das “Clipping”, bei dem die elektrische Zusatzleistung vorzeitig endet, prägten das Bild insbesondere im Qualifying. Besonders betroffen ist der schnelle Streckenabschnitt durch Copse sowie Maggotts, Becketts und Chapel, der seit Jahrzehnten als eine der größten fahrerischen Herausforderungen im Motorsport gilt. Schon vor dem Rennwochenende hatten Simulationen gezeigt, dass die Energieversorgung auf diesem Kurs unter den aktuellen Regeln an ihre Grenzen stoßen würde. Deutliche Kritik seitens der Piloten Fernando Alonso hat bereits vor dem Wochenende erklärt, dass dieser Streckenabschnitt im Grunde nur noch als “Ladestation” diene. Nach den ersten Trainings bestätigten mehrere Fahrer diesen Eindruck. Carlos Sainz meint: “Man kann nicht behaupten, dass es Spaß macht, mit nur 500 PS statt mit den rund 1.000 PS des vergangenen Jahres durch Maggotts und Becketts zu fahren.”
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Außerdem ergänzt der Williams-Pilot: “Ich vermisse es, zwischen Kurve 9 und Kurve 11 voll auf dem Gas zu bleiben, wieder auf etwa 310 km/h zu beschleunigen und Maggotts und Becketts mit 310 statt nur mit 270 oder 280 km/h anzufahren. Dort spürt man die echten G-Kräfte des Autos. Ich glaube nicht, dass irgendein Fahrer diese Autos besser findet oder auch nur annähernd auf dem Niveau des Vorjahres sieht.” Mit Blick auf die Zukunft sagt Sainz: “Hoffentlich wird es nächstes Jahr besser.” Telemetriedaten zeigen deutlichen Geschwindigkeitsverlust Ein Vergleich der Telemetriedaten verdeutlicht die Unterschiede: Lando Norris erreichte auf seiner Pole-Runde 2025 auf der Start- und Zielgeraden zunächst eine Höchstgeschwindigkeit von 314 km/h und fuhr mit 311 km/h in Copse ein. Erst im weiteren Verlauf der schnellen Passage reduzierte sich das Tempo durch den Reifenverschleiß auf 296 km/h, bevor er für Becketts leicht lupfte und abbremste. Silverstone: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion

Kimi Antonelli erzielte auf seiner Pole-Runde im 2026er Mercedes auf der Geraden sogar einen höheren Top-Speed von 317 km/h. Allerdings setzte das Clipping der elektrischen Leistung deutlich früher ein. Bereits am Scheitelpunkt von Copse war Antonelli mit 294 km/h unterwegs und damit 17 km/h langsamer als Norris im Vorjahr. Vor Maggotts erreichte der Mercedes nur noch 293 km/h und fiel am ersten Scheitelpunkt auf 284 km/h zurück. Im weiteren Verlauf der Passage wuchs der Rückstand auf rund 30 km/h an. Bei den weiter hinten platzierten Fahrzeugen betrug die Differenz in diesem Streckenabschnitt teilweise sogar bis zu 45 km/h. Reglement soll bereits ab 2027 nachgebessert werden Um den Problemen entgegenzuwirken, wurden bereits Änderungen am technischen Reglement beschlossen. Ab der kommenden Saison soll das Verhältnis zwischen Verbrennungs- und Elektroleistung zugunsten des Verbrennungsmotors angepasst werden. Künftig soll die Leistung zu 58 Prozent aus dem Verbrennungsmotor und zu 42 Prozent aus dem Hybridsystem stammen. Gleichzeitig wird der Kraftstoffdurchfluss um fünf Prozent erhöht und die maximal pro Runde zurückgewonnene Energie ausgeweitet. Ab 2028 soll das Verhältnis schließlich auf 60 zu 40 steigen. Darüber hinaus wird innerhalb der FIA weiterhin über eine Rückkehr zu V8-Motoren mit einem deutlich kleineren Hybridanteil diskutiert. Nach Informationen von Autosport soll FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem inzwischen ausreichend Unterstützung für eine Einführung ab dem Jahr 2030 sehen. Problem war seit Jahren bekannt Auch Williams-Teamchef James Vowles räumt ein, dass Strecken wie Silverstone und Spa unter den aktuellen Regeln besonders problematisch seien: “Silverstone und Spa werden hinsichtlich der Energieversorgung schwierig sein. Das ist einfach eine Tatsache. Darauf wurde bereits vor zwei Jahren hingewiesen”, sagte Vowles. Zugleich verweist er jedoch auf die bereits beschlossenen Änderungen: “Wir haben die Aerodynamikregeln für das nächste Jahr sowie die Motorenregeln für das nächste Jahr und für 2028 geändert, um genau diese Probleme zu bekämpfen.” Dass das sogenannte “Clipping” im Qualifying weiterhin auftreten werde, sei unvermeidbar: “Ich fürchte, das wird so sein. Und ich halte das ebenfalls nicht für richtig. Deshalb haben wir die Regeln für das nächste Jahr geändert.”
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Gleichzeitig zeigt sich Vowles überzeugt, dass die Rennen trotz dieser Einschränkungen weiterhin attraktiv bleiben könnten. Weitere kurzfristige Lösungen seien jedoch nicht möglich. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Der Grand Prix von Großbritannien hat damit deutlich gezeigt, dass die aktuelle Fahrzeuggeneration auf besonders schnellen Strecken an ihre konzeptionellen Grenzen stößt. Die bereits beschlossenen Änderungen des Reglements sollen diese Schwächen in den kommenden Jahren schrittweise beheben. Bis dahin dürfte die Diskussion über die Balance zwischen Hybridtechnik, Performance und echtem Racing die Formel 1 weiter begleiten.

 
Formel1.de 

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