Analyse: Wo wäre Antonelli gelandet, wenn er nicht abgebrochen hätte?

Analyse: Wo wäre Antonelli gelandet, wenn er nicht abgebrochen hätte?

 

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WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli startet beim Großen Preis von Österreich von der vierten Position, nachdem der Mercedes-Pilot seinen letzten Angriff auf die Poleposition vorzeitig abgebrochen hatte. Antonelli hatte die gelbe Flagge nach dem Unfall von Max Verstappen fälschlicherweise als Doppelgelb interpretiert.  LAT Images Kimi Antonelli hätte wohl auf dem zweiten Startplatz gestanden

Teamkollege George Russell machte es besser, weil der WM-Dritte vor der Gefahrenstelle zwar kurz lupfte, sich damit aber trotzdem die Bestzeit und somit die Pole für das Rennen sicherte. “Ich lag ein Zehntel hinter ihm [Russell], also wäre es die erste Startreihe gewesen”, ärgert sich Antonelli. “Aber immer noch nicht genug für die Pole.” Tatsächlich war der Italiener etwas langsamer als sein Teamkollege, der in den ersten beiden Sektoren seiner Pole-Runde 16,424 und 29,620 Sekunden benötigte, während sich Antonelli mit 16,477 und 29,666 Sekunden bereits einen Rückstand eingehandelt hatte, der im letzten Sektor nur schwer aufzuholen gewesen wäre. Wäre Antonelli schneller gewesen als Charles Leclerc? Doch wie sieht der Vergleich mit Charles Leclerc aus, der seinen Ferrari für das Rennen am Sonntag auf den zweiten Startplatz stellte? Im ersten Sektor lagen die beiden Kontrahenten nahezu gleichauf, weil Leclerc 16,485 Sekunden benötigte, während Antonelli mit 16,477 Sekunden nur minimal schneller war.
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Es war ein Millisekunden-Duell, das beide Fahrer mit leicht unterschiedlichen Techniken austrugen: Antonelli und Leclerc bremsten bei der Bergauf-Anfahrt auf Kurve 1 zwar am exakt selben Punkt, allerdings nahm der Mercedes-Pilot etwas früher den Fuß vom Gas. Durch eine etwas spätere, dafür jedoch deutlich aggressivere Einlenkphase konnte Leclerc mehr Schwung in den Kurveneingang mitnehmen. Dieser Vorteil verpuffte allerdings durch einen leichten Rutscher, sodass Antonelli kurz vor dem Scheitelpunkt den höheren Speed hatte, wenn auch nur marginal.  GPTempo Datenvergleich zwischen Antonelli und Leclerc im ersten Sektor

Leclerc wiederum erwischte den deutlich saubereren Kurvenausgang und berührte den Randstein kaum, wohingegen Antonelli weit auf den Randstein hinausgetragen wurde, bevor der Italiener seinen Mercedes wieder gerade zog. Das kostete beim Herausbeschleunigen wertvollen Schwung. Obwohl Antonelli später von der Bremse ging und früher wieder voll auf das Gas stieg, sorgte der schiere Schub des Mercedes dafür, dass er auf dem Weg zum Knick in Kurve 2 und darüber hinaus eine höhere Spitzengeschwindigkeit erreichte. Leclerc im Mittelsektor etwas schneller als Antonelli Auch im Mittelsektor trennten die beiden Boliden nur Millisekunden: 29,632 Sekunden bei Leclerc standen 29,666 Sekunden bei Antonelli gegenüber. Der Mercedes-Pilot musste hier erneut verlorene Zeit aufholen. Diesmal passierte das in Kurve 3, wo Antonelli abermals früher lupfte.
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Der WM-Spitzenreiter bremste in dieser Passage jedoch später und in einer klar abgegrenzten Bewegung. Leclerc hingegen überlappte Bremse und Gas wesentlich aggressiver und zwang das Heck auf diese Weise dazu, ihn beim Einlenken zu unterstützen. Das resultierte in einer wunderbar flüssigen Bewegung: Der Monegasse traf den Scheitelpunkt perfekt und nutzte am Ausgang nur die äußerste Kante des Randsteins. Antonelli hingegen geriet mit den linken Rädern erneut zu weit auf den Randstein und ließ dort wichtige Zeit liegen. Auf dem Weg hinunter zu Kurve 4 überlagern sich die Geschwindigkeitskurven, ehe das Pendel dann entscheidend zugunsten Antonellis ausschlägt. Das deutet auf mehr elektrische Power hin: Der Mercedes konnte einen höheren Topspeed halten, während der Ferrari am Ende der Geraden leicht abbaute, obwohl Leclerc bei der Anfahrt auf Kurve 4 sogar länger auf dem Gas blieb.  GPTempo Datenvergleich zwischen Antonelli und Leclerc im zweiten Sektor

Genau dort war es dann jedoch Leclerc, der den Bogen leicht überspannte. Er ging früher und aggressiver ans Gas, wodurch das Auto im Verlauf von Kurve 4 etwas zu weit nach außen getragen wurde. Das brachte ihn bis an die Streckenbegrenzung und nur wenige Zentimeter an das Kiesbett heran.
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Weil Antonelli beim Beschleunigen mehr Geduld bewies, fand der 19-Jährige eine sauberere Linie für den Eingang in Kurve 5. Am Scheitelpunkt von Kurve 6 verbuchte der Ferrari dann allerdings erneut einen leichten Geschwindigkeitsvorteil. Womöglich hätte Leclerc an dieser Stelle einen noch größeren Vorsprung herausfahren können, doch Antonelli hielt mit extremer Entschlossenheit und viel Mut dagegen. Er ließ den Mercedes am Ausgang extrem weit über den Randstein hinaustragen und flirtete auf der rechten Seite beinahe schon mit dem Kiesbett, um das Auto optimal für die pfeilschnelle Links-Rechts-Kombination der Kurven 7 und 8 zu positionieren.
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In diesem Abschnitt fällt die Strecke weiterhin leicht ab und weist einen tückischen Radsturz auf. Wer hier die heikle Balance in Kurve 7 nicht perfekt trifft, hinterlässt oft schwarze Reifenspuren auf der rechten Seite, also sichtbare Zeugnisse gescheiterter Linienwahlen. Am Ende des zweiten Sektors trennten die beiden nur noch wenige Hundertstelsekunden. Leclerc knallte anschließend eine Zeit von 20,232 Sekunden in den Asphalt des dritten Sektors. Alles zusammen ergab eine Runde, die in diesem Moment stark genug für die vorläufige Bestzeit war. Die richtige Gangwahl als Schlüssel im dritten Sektor Dann kam jedoch der Unfall von Verstappen. Als Antonelli jene Stelle erreichte, interpretierte er die einfach geschwenkten gelben Flaggen fälschlicherweise als Doppelgelb und nahm komplett das Tempo heraus. Was aber wäre passiert, wenn er seine Runde nur mit einem kurzen Lupfer fortgesetzt hätte? Nach Verstappen-Crash: Russell trickst alle aus I Qualifikation F1 Spielberg 2026 Video wird geladen…  

Auf seiner vorherigen schnellen Runde hatte Antonellis Zeit in diesem Abschnitt noch bei 19,998 Sekunden gelegen. Ein gut dosierter Lupfer, ähnlich dem von Russell, der auf seiner Pole-Runde eine 20,069 im dritten Sektor notierte, hätte den Stewards völlig ausgereicht, um zu belegen, dass er angemessen verlangsamt hatte.
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Und höchstwahrscheinlich hätte es ihm trotzdem den zweiten Platz eingebracht, mit einem Vorsprung von etwa einem Zehntel auf Leclerc. Natürlich lässt sich Antonellis letzter Sektor aus seinem finalen Versuch nicht eins zu eins mit dem von Leclerc vergleichen. Schließlich hatte Kimi in Kurve 9 abgebrochen und rollte nach seiner Gelb-Verwirrung nur noch gemütlich zurück an die Box. Wir können jedoch eine fundierte Hypothese aufstellen, indem wir Leclercs letzte schnelle Runde mit dem dritten Sektor von Antonellis erster Runde vergleichen.
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Hier stehen also 20,232 Sekunden von Leclerc den 19,998 Sekunden von Antonelli gegenüber. Während die beiden auf ihren letzten fliegenden Runden in den ersten beiden Sektoren nur durch Millisekunden voneinander getrennt waren, schien Mercedes am Ende der Runde einen klaren Vorteil zu haben. Kimi Antonelli profitiert von seiner Mercedes-Power Studiert man die Onboard-Aufnahmen der beiden Piloten, erkennt man zwar eine sehr ähnliche Linienwahl durch die Kurven, doch der Teufel steckt im Detail. In unserer Grafik wirkt die Delta-Anzeige, die Antonelli zu Beginn des Sektors rund drei Zehntel im Rückstand wähnt, etwas irreführend. Das liegt daran, dass hier die erste schnelle Runde von Antonelli direkt mit Leclercs absoluter Top-Runde am Ende der Session verglichen wird. Bei dieser Runde war der Mercedes-Pilot in den ersten beiden Sektoren allerdings noch deutlich langsamer unterwegs.  GPTempo Datenvergleich zwischen Antonelli und Leclerc im dritten Sektor

Was wir jedoch ganz deutlich erkennen können, ist ein markanter Geschwindigkeitsunterschied von gut 10 km/h bei der Anfahrt auf Kurve 9. Der Großteil dieser Differenz, klar zugunsten von Antonelli, baute sich auf, nachdem Leclerc bereits in den höchsten Gang geschaltet hatte.
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Antonelli hingegen blieb ab Kurve 8 stur im siebten Gang, bis kurz bevor er für Kurve 9 in die Eisen stieg. An dieser Stelle, wo die Anfahrt über eine blinde Kuppe erfolgt, sind absolute Entschlossenheit und Präzision gefragt. Qualitäten, die bei diesen beiden Ausnahmekönnern ohnehin selten in Zweifel stehen. In dieser Kurve war es diesmal Antonelli, der früher bremste. Er kombinierte diese Aktion mit einem sanften Lupfen des Gaspedals, um das Heck gezielt mitarbeiten zu lassen und das Einlenken zu erleichtern. Leclerc entschied sich für den konventionelleren Ansatz des Spätbremsens.
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Das führte zwar dazu, dass sich die Geschwindigkeitskurven kurzzeitig zugunsten des Ferraris überschnitten. Es reichte jedoch bei Weitem nicht aus, um die zuvor verlorenen Sekundenbruchteile wieder gutzumachen. Resultierte dieser Tempo-Unterschied bei der Anfahrt nun daraus, dass das Mercedes-Hybridsystem seine Muskeln spielen ließ? Oder profitierte Antonelli schlicht von einem Hauch Windschatten, als er auf den Ferrari von Lewis Hamilton auflief, der sich gerade auf seiner Auslaufrunde befand? Ersteres ist deutlich wahrscheinlicher, weil Lewis fast augenblicklich Platz machte. Am Ausgang von Kurve 9 ging Leclerc dann aggressiver zu Werke. Er drückte das Gaspedal wesentlich entschlossener durch, selbst als er bereits am äußersten Rand der Randsteine, und damit an der Toleranzgrenze der Stewards in puncto Tracklimits, balancierte.
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Dadurch konnte er Antonellis Speed auf dem kurzen Bergabstück hin zu Kurve 10 mitgehen und dort erneut einen Sekundenbruchteil herausquetschen, weil Antonelli einen Wimpernschlag früher bremste. Es war das typische Charles-Leclerc-Manöver, ein ständiger Flirt mit dem Desaster. Wer hier auch nur einen Hauch zu viel Geschwindigkeit mitnimmt und die optimale Linie über den Scheitelpunkt-Kerb verpasst, dessen Auto segelt unweigerlich über den Ausgangskerb hinaus und überschreitet die weiße Linie der Streckenbegrenzung. Obwohl Charles später in die Eisen stieg, stand er auch deutlich länger auf der Bremse. Auch hier befand sich Antonelli abermals in einem niedrigeren Gang, nämlich im vierten statt im fünften, wenngleich Leclerc am Ende seiner Bremsphase ebenfalls noch einmal kurz herunterschaltete.
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Als Antonelli sein Auto nach dem Verlassen des Ausgangskerbs wieder geradestellte, zeigte sich das gewohnte Bild: Der schiere Punch des Mercedes baute eine spürbar steilere Geschwindigkeitskurve auf. Zwar ging es nur um wenige Kilometer pro Stunde, doch dieser Schub war ausdauernd genug, um allein auf dem kurzen Sprint zur Ziellinie einen Vorsprung von rund einem Zehntel herauszuholen. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Am Ende hätte es Antonelli also wohl geschafft, die Zeit von Leclerc zu schlagen und sich den zweiten Startplatz für den Österreich-Grand-Prix zu sichern, wenn er vor der gelben Flagge einfach nur kurz gelupft und die Runde anschließend normal beendet hätte.

 
Formel1.de 

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