Erklärt: So kam es zu den Unfällen von Pierre Gasly und Lewis Hamilton
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Die Bilder erinnerten stark aneinander: Pierre Gasly verlor am Freitag im zweiten Freien Training in Spa-Francorchamps die Kontrolle über seinen Alpine, Lewis Hamilton erwischte es einen Tag später im dritten Training an nahezu derselben Stelle. Beide kämpften am Ausgang von Kurve 13 mit Übersteuern, schlugen mit dem Heck in die Streckenbegrenzung ein und verursachten erhebliche Schäden an ihren Autos. Getty Images Lewis Hamiltons beschädigter Ferrari nach dem dritten Training in Belgien
Für Sky-Experte Timo Glock war schnell klar, warum sich beide Unfälle nahezu identisch entwickelten. Seiner Einschätzung nach gerieten sowohl Gasly als auch Hamilton an einer Stelle außer Kontrolle, an der die Fahrer normalerweise bereits nahezu Vollgas fahren. “Das ist genau der Punkt, an dem du eigentlich schon wieder voll auf dem Gas bist und die Kurve praktisch abgeschlossen hast”, erklärt Glock. Plötzlicher Quersteher ohne Vorwarnung Der entscheidende Moment sei dabei völlig überraschend gekommen. “Genau in diesem Moment kommt dieser Quersteher.” Das Problem sei vor allem die Heftigkeit gewesen, mit der das Heck ausbrach. “Das kommt so abrupt, dass du sofort gegenlenken musst.”
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Durch den notwendigen Lenkeinschlag öffne sich die Lenkung jedoch so weit, dass das Auto zwangsläufig nach außen getragen werde. “Er muss die Lenkung so weit aufmachen, dass er über den Randstein hinausgetragen wird.” Ab diesem Zeitpunkt hätten die Fahrer praktisch keine Chance mehr gehabt. “Sobald du das Kiesbett berührst, bist du Passagier.” Die Leitplanke macht den Unfall besonders teuer Besonders problematisch sei laut Glock die Konstruktion der Streckenbegrenzung an dieser Stelle. “Das Worst-Case-Szenario für die Fahrer ist, dass die Leitplanke dort in die Strecke hineinläuft.” Grund dafür ist eine Öffnung in der Absperrung, über die liegengebliebene Fahrzeuge geborgen werden können. “Diese Öffnung ist dafür da, damit ein Auto dort herausgezogen werden kann.” Genau dort bleibe das Auto im Ernstfall jedoch mit dem Hinterrad hängen. Die Folgen seien entsprechend gravierend. “Da ist natürlich relativ viel Schaden entstanden.” Glock zählt die typischen Schäden auf. “Die Hinterradaufhängung ist beschädigt, der Heckflügel kaputt und der Unterboden mit Sicherheit ebenfalls.” Video wird geladen…
Darüber hinaus könne auch das Getriebe Schaden genommen haben. “Jetzt muss man abwarten, ob das Getriebe ebenfalls etwas abbekommen hat.” Gerade für Ferrari sei das nach Hamiltons Unfall unmittelbar vor dem Qualifying eine Herausforderung. “Das wird für Ferrari in meinen Augen eine knappe Angelegenheit, das Auto rechtzeitig für das Qualifying wieder fertigzubekommen.” War Hamilton zu aggressiv? Ob Hamilton an dieser Stelle zu viel Risiko einging, wollte Glock allerdings nicht eindeutig bestätigen. “Darüber kann man diskutieren.” Aus seiner Sicht spricht jedoch wenig dafür. “So wie er die Runden und Kurven zuvor gefahren ist, gab es überhaupt kein Übersteuern.”
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Deshalb hält der ehemalige Formel-1-Pilot auch äußere Einflüsse für möglich. “Es könnte genauso gut eine Windböe gewesen sein.” Gerade in Spa seien wechselnde Windverhältnisse keine Seltenheit. “Ich habe das selbst unten in Eau Rouge gemerkt. Der Wind hat gedreht. Das kann dich auf dem falschen Fuß erwischen.”
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Dann sei selbst ein Weltklassefahrer machtlos. “Auch die besten Fahrer der Welt können zwar versuchen, das Auto abzufangen – aber die Leitplanke steht trotzdem dort.” Alpine erkennt dieselbe Unfallursache Zu einem nahezu identischen Ergebnis kommt auch Alpine-Sportdirektor Steve Nielsen. Im Gespräch mit Sky UK bestätigte er, dass Hamiltons Unfall nahezu eine Kopie des Gasly-Crashs gewesen sei. “Ja, das stimmt.” Vor allem die Streckenbegrenzung an dieser Stelle spiele eine entscheidende Rolle. “Dort ragt die Leitplanke wegen des Schutzes der Streckenposten etwas weiter in Richtung Strecke.” Dadurch würden kleine Fehler besonders hart bestraft. “Wenn du dort neben die Strecke gerätst, wirst du sofort bestraft.” Verstappen vor Red Bull-Aus? Diese Teams kommen 2027 infrage! Video wird geladen… Max Verstappen und Red Bull stehen in der Formel 1 vor einer entscheidenden Zukunftsfrage. Wie geht es 2027 weiter?
Auch Nielsen erkennt deutliche Parallelen. “Lewis’ Unfall sah Pierre’s Crash wirklich sehr ähnlich.” Nach der Analyse der Telemetrie konnte Alpine den Unfall von Pierre Gasly schnell nachvollziehen. “Er hatte leichtes Untersteuern.” Dadurch geriet der Franzose auf den Randstein. “Sobald du auf dem Randstein bist, bist du ein Stück weit Passagier. Danach zieht es dich direkt in den Kies und anschließend in die Leitplanke.” Schafft es Hamilton zum Qualifying? Während Alpine nach Gaslys Unfall den gesamten Freitagabend Zeit für die Reparatur hatte, muss Ferrari nach Hamiltons Einschlag deutlich schneller arbeiten. Dennoch glaubt Nielsen, dass die Scuderia genügend Erfahrung besitzt. “Ich kenne das genaue Schadensbild nicht.”
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Sollte es jedoch ähnlich aussehen wie bei Alpine, sieht er keine größeren Probleme. “Wenn der Schaden vergleichbar ist, bekommen sie das hin.” Die Teams hätten entsprechende Ersatzteile bereits vormontiert. “Sie haben vorbereitete Getriebe, Hinterradaufhängungen und ähnliche Komponenten – genauso wie wir.”
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Ganz neidlos räumt Nielsen allerdings ein, dass Alpine die angenehmere Ausgangslage hatte. “Ich wäre lieber in unserer Situation gestern Abend als in ihrer heute.”
Formel1.de
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