Ex-Formula 1-Fahrer gibt nach Karriereende zu: Rennfahren hat mir nie Spaß gemacht!

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Eigentlich sollte man meinen, dass ein Auto am Limit zu bewegen das Größte für einen Rennfahrer ist und etwas, das ihm eine Menge Spaß bringt und ihn ausfüllt. Jetzt lässt jedoch ein ehemaliger Formel-1-Fahrer aufhorchen, der nach seinem Karriereende sagt: “Ich habe keinen Spaß am Rennfahren.”  Sam Bagnall (Getty Images) Lucas di Grassi hat jüngst in London sein letztes Rennen absolviert

Getätigt hat diese Aussage Lucas di Grassi, früherer Teamkollege von Timo Glock bei Formel-1-Neueinsteiger Virgin und ehemaliger Formel-E-Meister. Für den Brasilianer sei das Rennfahren lediglich ein Beruf gewesen, wie er sagt. “Viele Leute denken, dass wir Spaß haben, wenn wir ein Rennauto fahren. Spaß habe ich bei meinen Hobbys: Wenn ich das tun kann, was ich will, wann ich will und so lange ich will. Rennfahren ist kein Hobby”, betont er. “Ich hatte nie Spaß daran, ein Rennauto zu fahren.”
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Denn für ihn war Autofahren einfach Teil seines Jobs – und zwar einer, der ständig eine Menge Druck und Entbehrungen mit sich gebracht hat. Im Auto musste di Grassi ständig Leistung bringen, und wenn er im Auto saß, habe er auch das Adrenalin und den Wettkampfgeist gespürt. “Ich wollte unbedingt gewinnen. Aber ich hatte nie Spaß.” “Ständig krank” für den Sport Natürlich gehört zum Job eines Rennfahrers noch mehr dazu, als sich nur in das Auto zu setzen und auf das Gaspedal zu treten. Ein Rennfahrer muss sich mit seinem ganzen Leben auf seine Tätigkeit einstellen und ihr alles unterordnen. Schon Tage im Voraus musste di Grassi sich an Zeitzonen anpassen und auf die richtige Ernährung achten. “Ich konnte kein normales Leben führen. Und das alles wegen des Rennfahrens”, sagt er. Besonders intensiv sei das in der Formel 1 gewesen. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Als er 2010 bei Virgin seine einzige Grand-Prix-Saison absolvierte, habe er 15 Kilogramm zu viel Gewicht gehabt. “Es macht keinen Spaß, kein Abendessen zu haben und mit leerem Magen schlafen zu gehen, weil man Gewicht verlieren muss, um konkurrenzfähig zu sein”, schildert er. “Ich habe sogar Metallteile aus dem Reißverschluss herausgeschnitten, um Gewicht zu sparen. Ich habe die Einlegesohlen aus meinen Rennschuhen genommen, um Gewicht zu sparen. Deshalb war ich ständig krank. Das ist kein Spaß. Das ist Hingabe und das ist ein Beruf.” Formel-1-Fahrer und Formel-E-Meister Dafür, dass der Brasilianer an seinem Beruf scheinbar wenig Freude hatte, hat er es aber weit gebracht: Di Grassi fuhr in der Formel-2-Vorgängerserie GP2 drei Jahre in Folge in die Top 3 und wurde dafür mit einem Aufstieg in die Formel 1 belohnt.
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An der Seite von Timo Glock absolvierte er ein Jahr für den damaligen Neueinsteiger Virgin, der wie seine Mitstreiter Lotus und HRT aber chancenlos war und ohne Punkte blieb. Nach 19 Rennen war das Kapitel Königsklasse für ihn schon wieder beendet.  Virgin Timo Glock und Lucas di Grassi als Teamkollegen bei Virgin 2010

In den Folgejahren machte sich di Grassi vor allem einen Namen in der Formel E, die er mit aufbaute und in deren ersten Saisons er eine zentrale Figur war. Di Grassi gewann nicht nur das allererste Rennen in Peking, sondern 2016-2017 auch die Meisterschaft für das deutsche Abt-Team. Zuletzt fuhr er jedoch bei eher wenig konkurrenzfähigen Teams am Ende des Feldes und erklärte seinen Rücktritt vom aktiven Rennsport zum Saisonende der Formel E, die vor neun Tagen mit dem zweiten WM-Titel von Pascal Wehrlein in London zu Ende ging. Was di Grassi vermissen wird – und was nicht Sicherlich dürfte der Brasilianer dem Motorsport in irgendeiner Form erhalten bleiben, nicht mehr jedoch hinter dem Lenkrad – für ihn auch eine Erleichterung.
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“Ich werde die Stunden im Simulator nicht vermissen”, sagt er. “Ich werde es nicht vermissen, 150 Nächte im Jahr in beschissenen Hotels zu verbringen und die meiste Zeit deutsches Essen zu essen. Sorry an die Deutschen.” queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Und vor allem werde er die Zeit fern von seiner Familie nicht vermissen, nachdem er in den letzten Jahren so viele wichtige Momente verpasst habe.
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Trotzdem gibt es für ihn natürlich auch einige Dinge, an die er mit Wehmut zurückdenken wird: “Ich werde den Wettkampf vermissen. Ich werde dieses Gefühl vermissen, wenn man tatsächlich einen Sieg oder einen Titel erreicht.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Um Spaß geht es dabei aber nicht: “Es geht um das Gefühl, das man hat, wenn man gewinnt. Das ist eine völlig andere Herangehensweise. Ich glaube, Menschen von außen verstehen nicht, dass es so ist. Genau das werde ich vermissen.”

 
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