Formel-1-Technik: Die aktuellen aerodynamischen Schlachtfelder

Formel-1-Technik: Die aktuellen aerodynamischen Schlachtfelder

 

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Oft wird als selbstverständlich angenommen, dass die Formel 1 für die Saison 2026 eine komplette aerodynamische Neuausrichtung durchlaufen hat, da die Kontroversen rund um die Antriebsregeln in der öffentlichen Wahrnehmung alles andere überlagert haben.  AFP Aktuell gibt es in der Formel 1 noch viele unterschiedliche Konzepte

Die Regularien für 2026 werden entweder gelobt oder kritisiert, meist ausschließlich wegen des zusätzlichen Faktors Energiemanagement, was unabhängig vom Standpunkt eine gewisse Vereinfachung darstellt. Vielleicht liegt es daran, dass die Chassis- und Aerodynamikregeln tatsächlich positiv aufgenommen wurden – und Zustimmung in der Regel leiser ist als Unzufriedenheit.
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Die meisten Fahrer schätzen, dass die Autos nicht mehr ganz so “auf Schienen” liegen wie in der vorherigen Ära und eine feinfühligere Fahrweise erfordern als die steif abgestimmten Ground-Effect-Autos von 2022 bis 2025. Doch wie holt man das Maximum aus ihnen heraus? Es ist kein Geheimnis, dass die Autos von 2022 bis 2025 am besten funktionierten, wenn sie mit möglichst geringer Bodenfreiheit gefahren wurden, da der Unterboden-Sog mit jedem Millimeter Nähe zum Asphalt exponentiell zunahm. Die Schwierigkeit dabei: Die Unterboden-Aerodynamik war extrem sensibel, und selbst kleine Strömungsabrisse oder kollabierende Wirbel konnten gravierende Folgen haben. Diese Mechanismen führten zu Porpoising und Hüpfen der Boliden. Die Aerodynamiker schlugen daher zunächst einen Weg ein, der mehr Abtrieb bei größerer Bodenfreiheit erzeugte, bevor später erhebliche Performance-Gewinne erzielt wurden, als das Porpoising besser kontrolliert und die Autos wieder näher am Boden gefahren werden konnten. Die Rückkehr zu einem konventionelleren Aeropaket hat die Bedeutung des Unterbodens etwas reduziert und der Oberflächen-Aerodynamik mehr Einfluss auf die Abtriebsproduktion gegeben. Das bedeutet nicht, dass der Unterboden nicht weiterhin erhebliche Abtriebsmengen erzeugen kann. Hier wird nach wie vor viel investiert. Die hässlichsten Ideen der Formel-1-Historie

Allerdings müssen die Aerodynamiker das Auto ganzheitlicher betrachten, anstatt zuerst den Unterboden zu entwickeln und den Rest des Autos darauf auszurichten, ihn im optimalen Arbeitsfenster zu halten.
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Während sich die Saison 2026 weiterentwickelt und die Teams ihre Updates vorantreiben, wird zunehmend sichtbar, wo die entscheidenden Schlachtfelder liegen. Der Einfluss aerodynamischer Entwicklungen ist bislang enorm und größere Verschiebungen in der Hackordnung gingen oft mit neuen Upgrade-Paketen einher. McLaren kam in Miami näher an Mercedes heran, Ferrari zog in Barcelona nach, bevor Red Bull mit seinem Österreich-Paket wieder Boden gutmachte. “Ich denke, es gibt einige technische Aspekte, die man betrachten kann”, sagt McLaren-Teamchef Andrea Stella, der betont, dass sein Team seinen Entwicklungsweg an die beobachteten Trends im Feld anpassen musste. Aerodynamische Konzepte “noch nicht ausgereift” “Der erste Punkt ist, dass – anders als unter den vorherigen Regeln – das Wettbewerbsbild sehr konstant und wiederholbar ist. Unabhängig von der Streckencharakteristik liegen aktuell Ferrari, Mercedes, dann Red Bull und McLaren vorn”, so Stella.
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“Es gibt also wenig Abhängigkeit von Streckenlayout, Kurventyp oder Set-up. Das ist der zweite Punkt. Letztes Jahr konnte man durch möglichst geringe Bodenfreiheit ohne Porpoising oder durch das Beherrschen der Steifigkeit viel Abtrieb gewinnen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit steigern.” “Dieses Jahr ist es über das Set-up deutlich schwieriger, solche Vorteile zu finden, weil die Autos weniger sensibel auf die Bodenfreiheit reagieren”, erklärt er. Obwohl die Autos von 2026 weniger steif sind als ihre Vorgänger, wird auch darauf hingewiesen, dass die Autos vor 2022 noch weicher abgestimmt waren. Dennoch handelt es sich 2026 nicht einfach um eine Rückkehr zu dieser Ära, da Faktoren wie der Anstellwinkel (“Rake”) nicht mehr in gleichem Maße genutzt werden. 2021 fuhren viele Teams mit sehr niedrigem Frontbereich und angehobenem Heck, wodurch die Vorderkante des Unterbodens als Beschleuniger für die Strömung darunter fungierte. Warum McLaren jetzt ALLES in die Karten spielt! Video wird geladen… McLaren erlebt bislang eine enttäuschende Formel-1-Saison 2026. Doch ausgerechnet der sportliche Rückschlag könnte sich jetzt als Vorteil erweisen.

Allerdings wurden Tricks aus den Jahren 2017 bis 2021 wie Schlitze, Einschnitte und Ergänzungen an den Unterbodenrändern wieder aufgegriffen. Besonders im hinteren Bereich vor den Hinterrädern finden sich viele Details, die die Strömung formen und störende Einflüsse der Reifen minimieren.
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Viele Teams arbeiten intensiv an den Unterbodenkanten, um die Energie im Diffusorstrom zu stabilisieren und zu erhöhen. “Wo liegt also das Schlachtfeld?”, fährt Stella fort. “Erstens bei den Entwicklungen selbst. Jedes Team bringt Updates, und bei den Topteams bringen große Upgrade-Pakete mindestens zwei bis drei Zehntel.” “Der zweite Punkt sind die Konzepte, die aerodynamisch noch nicht ausgereift sind. Unsere Erklärung dafür, warum wir nicht so konkurrenzfähig sind wie erhofft, ist, dass einige unserer ursprünglichen Designentscheidungen überarbeitet werden müssen”, so Stella.
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“Nachdem wir andere Autos analysiert und weiter geforscht haben, haben wir erkannt, dass wir bestimmte Konzepte überdenken und weiterentwickeln müssen”, gesteht er und betont: “Mit kommenden Updates werden wir daher in einigen Bereichen des Autos die Konzepte ändern und hoffen, dadurch schneller zusätzliche Performance zu gewinnen.” In diese Richtung geht es aktuell Am Beispiel von McLaren lässt sich gut erkennen, wohin die Trends gehen. Der MCL40 setzt weiterhin auf stark nach unten gerichtete Sidepods, während Ferrari und Mercedes davon abgerückt sind und stärker auf Untercut-Lösungen setzen, bei denen die Luft einen kürzeren Weg zum Heck nimmt. Red Bull verfolgt hingegen einen Mittelweg und nutzt weiterhin den sogenannten Wasserrutschen-Kanal auf den Sidepods, um den Cola-Flaschen-Bereich am Heck freizulegen. Dabei wird die Strömung gezielt nach innen geführt, um den Druckunterschied zwischen Ober- und Unterseite zu erhöhen.
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Auch bei der Nase, dem Frontflügel und den sogenannten “Floor-Boards” hinter den Vorderrädern geht McLaren eigene Wege. Es ist nicht zwingend notwendig, andere Konzepte zu kopieren, doch Stella hält es für möglich, dass Inspiration von der Konkurrenz nötig ist. Formel-1-Quiz
Was war der Auslöser zum Rückzug des langjährigen McLaren-Teamchefs Ron Dennis?
Erfolglosigkeit Wut auf Bernie Ecclestone Spionageaffäre Ehescheidung Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Konvergenz war schon immer Teil der Formel-1-Geschichte, von den Innovationen von Cooper und Lotus bis zur breiten Übernahme von Red-Bull-Konzepten in der Ground-Effect-Ära. McLaren arbeitet zudem an einem eigenen “Macarena-Flügel”, der im Zusammenspiel mit der aktiven Aerodynamik ein weiterer Baustein im 2026er-Gesamtbild ist. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob der Straight-Mode spezielle Pakete mit geringem Luftwiderstand überflüssig macht, da das Öffnen von Front- und Heckflügel ohnehin den Luftwiderstand reduziert. Stella hält es für möglich, dass Teams dennoch spezielle “Low-Drag-Varianten” entwickeln, da sich selbst bei geöffneten Flügeln noch zusätzlicher Widerstand reduzieren lässt.
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Ein gutes Gesamtbild der bisherigen Entwicklung liefert der kürzlich überarbeitete Cadillac. Das neue Team hat Seitenkästen übernommen, die stärker den Konzepten von Mercedes und Ferrari ähneln, mit ausgeprägtem Untercut am Heck. Zudem setzt man auf eine abgestufte Motorabdeckung zur besseren Anströmung des Heckflügels sowie auf geformte Endplatten, die einen Aufwärtseffekt erzeugen und die Strömungsausdehnung am Heck unterstützen. Der Vergleich zwischen der frühen Version des MAC-26 und dem aktuellen Auto zeigt deutlich die größten Fortschritte. Was bringt die Saison 2027? Für die kommende Saison sind einige Änderungen geplant, um den Abtrieb zu reduzieren, da die FIA die aktuellen Lasten als höher als erwartet einschätzt. Das könnte zudem möglicherweise eine Mitursache für Energieprobleme auf schnellen Strecken sein.
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In einem Interview auf der Website von Aston Martin erklärte Adrian Newey die wichtigsten Anpassungen und deren Auswirkungen: “Auf der Chassis-Seite gibt es weniger, aber dennoch bedeutende Änderungen [für 2027].” “Die größte betrifft den Bereich am vorderen Unterboden, oft ‘Bib’ oder ‘Tea Tray’ genannt. Die Vorderkante wurde um etwa 300 Millimeter verschoben, wodurch man die Fahrzeugfront tiefer fahren kann. Das bringt neue aerodynamische Eigenschaften”, so Newey. “Außerdem gibt es einen flacheren Heckflügel zur Reduzierung des Abtriebs, Änderungen am vorderen Unterboden – die sogenannten ‘Bear Claws’ oder ‘Finger’ werden von fünf auf drei reduziert – sowie das Verbot einiger Tricks im Bereich Auspuff und Heckflügel.” Warum ADUO die Formel-1-Welt spaltet Video wird geladen… Die ganze Formel-1-Welt diskutiert über ADUO – das neue FIA-System zur Unterstützung zurückliegender Motorenhersteller. Doch wie funktioniert dieser?

“Für uns ist die Änderung am Unterboden vorne entscheidend, weil sie eine neue aerodynamische Herausforderung darstellt”, erklärt Newey. Aston Martin fährt bereits mit etwas mehr “Rake” als andere Teams, was ein typisches Newey-Merkmal ist.
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Die neuen Regeln könnten dazu führen, dass mehr Teams wieder stärker auf diesen Ansatz setzen, da ein größerer Anstellwinkel den Wirkungsbereich des Diffusors erweitert und den Abtrieb am Heck erhöht. Gleichzeitig wird das Heck aerodynamisch sensibler, wenn die Strömung nicht ausreichend stabilisiert wird. Auch das von Ferrari eingeführte kleine Flügelelement am Auspuff, das zusätzliche Abtriebspunkte brachte und schnell von anderen Teams übernommen wurde, verschwindet. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass die Teams Wege finden werden, den verlorenen Abtrieb teilweise zurückzugewinnen.
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Trotz der Regeländerungen werden die Fortschritte aus 2026 die Grundlage für die 2027er-Autos bilden. In einigen Jahren dürfte erneut eine Annäherung der Konzepte zu beobachten sein. Aktuell mag das führende Auto ein Mercedes sein. Doch wird der nächste Dominator ein Original sein oder nur eine “Kopie”?

 
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