Katar und Abu Dhabi: Toto Wolff zeigt kein Verständnis für Panikmache
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Während die Formel 1 in Brasilien gastiert, fährt die MotoGP an diesem Wochenende in Katar – ohne Yamaha, denn der japanische Hersteller bleibt dem Event im Nahen Osten aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen der geopolitischen Lage in der Region fern. Und weil auch die Formel 1 am 29. November (Katar) und 6. Dezember (Abu Dhabi) zwei Grands Prix im Nahen Osten fahren soll, wird Geopolitik plötzlich auch von Vollblut-Motorsportlern diskutiert. Speedpictures Toto Wolff findet, dass einige MotoGP-Stars besser nichts zur Geopolitik gesagt hätten
Besonders heiß war das Thema zuletzt in der MotoGP, die genau wie die Formel 1 von Rechteinhaber Liberty Media kontrolliert wird. 19 von 22 Fahrern hatten sich gegen die Austragung des Katar-Events ausgesprochen, ihre Sicherheitsbedenken in gemeinsamen Gesprächen vorgebracht und Sicherheitsgarantien gefordert. Doch die MotoGP-Organisation blieb hart: Medienberichten zufolge drohten Fahrern, die das Rennen boykottieren, empfindliche sportliche Sanktionen. Im Raum standen sogar Sperren für die beiden letzten Saisonrennen in Portugal und Valencia. Eine offizielle Bestätigung der FIM für diese konkrete Sanktion gab es allerdings nicht. Am Ende zog nur Yamaha einen Boykott wirklich durch, und so stehen nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Francesco Bagnaia im Sprint nur noch 17 Fahrer beim Grand Prix von Katar am Start. Dass MotoGP-Stars wie Jack Miller teilweise auch öffentlich ihre Sicherheitsbedenken geäußert und eine Absage gefordert haben, kann Mercedes-Teamchef Toto Wolff aber nicht nachvollziehen. Wolff: Scharfe Kritik an den MotoGP-Stars “Wenn Fahrer aufstehen, die keine Ahnung haben, was geopolitisch los ist in der Welt, aber ein Publikum haben, das ihnen zuhört, dann schafft das natürlich Aufmerksamkeit in den Medien”, sagt der 54-Jährige. Aber: “Ich hätte es genauso gemacht wie das MotoGP-Management. Wenn du fahren willst, dann komm. Und wenn du nicht fahren willst, dann bleib zu Hause. Ganz einfach.”
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Ganz so einfach war die Entscheidung für die MotoGP-Fahrer allerdings nicht. Denn während Wolff die individuelle Entscheidungsfreiheit betont, war ein Fernbleiben vom Rennen nach den vorliegenden Berichten keineswegs ohne mögliche Konsequenzen. Die Veranstalter hatten ausdrücklich auf vertragliche und sportliche Folgen des Yamaha-Boykotts hingewiesen. Und einzelne Fahrer mussten nach Medienberichten sogar befürchten, bei einem eigenmächtigen Fernbleiben auch für weitere Rennen gesperrt zu werden. Unstrittig ist, dass die Sicherheitsbedenken einen realen Hintergrund haben. In Katar und Abu Dhabi wurden seit April nach den vorliegenden Berichten keine vergleichbaren Raketeneinschläge mit Verletzten in zivilen Einrichtungen mehr dokumentiert. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Bedrohung durch den Iran vollständig verschwunden wäre. Irans Propaganda sorgt für Verunsicherung Für Verunsicherung sorgte zuletzt ein Bericht der Nachrichtenagentur Fars. Dieser beinhaltet ein Video, in dem ausdrücklich auch mehrere Hotels in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten als potenzielle Ziele militärischer Angriffe genannt werden. Darunter befinden sich Hotels in Doha, die mit dem Formel-1- und MotoGP-Paddock in Verbindung stehen. Die Drohung ist an die Bedingung geknüpft, dass der Iran erneut von den USA oder Israel angegriffen wird. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); In einem in den Bericht eingebetteten Video ist martialisch von der “Stunde null” die Rede, aber zur richtigen Einordnung muss man wissen: Fars ist keine unabhängige Nachrichtenagentur, wie man sie in westlichen Demokratien kennt, sondern steht unter dem Einfluss der iranischen Revolutionsgarden. Die Veröffentlichung lässt sich daher auch als Teil der iranischen Abschreckungs- und Propagandakommunikation verstehen. Was das Auswärtige Amt zur Sicherheitslage sagt Eine weitere Orientierung für die Einschätzung des Sicherheitsrisikos liefern die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amts in Deutschland. Für die Vereinigten Arabischen Emirate lautet die Formulierung: “Von nicht notwendigen Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate wird abgeraten.” Eine vergleichbare Empfehlung gilt übrigens auch für bestimmte Regionen in anderen Teilen der Welt, etwa für die Ostküste des malaysischen Bundesstaats Sabah, die kenianische Urlaubsinsel Lamu oder Teile der ecuadorianischen Großstadt Guayaquil. Mit einem entscheidenden Unterschied: In den Vereinigten Arabischen Emiraten gilt die Empfehlung derzeit für das gesamte Land, einschließlich Abu Dhabi und Dubai. Dabei ist die Formulierung des Auswärtigen Amts keine formelle Reisewarnung. Für bestimmte besonders gefährdete Gebiete, etwa das unmittelbare Grenzgebiet Saudi-Arabiens zum Jemen, verwendet die Behörde die deutlich schärfere Warnung vor Reisen. Gleichzeitig betont das Auswärtige Amt für die Emirate, dass die Sicherheitslage äußerst volatil bleibe und eine plötzliche Eskalation nicht ausgeschlossen werden könne. Wolff: Wer nicht will, kann ja zu Hause bleiben! Für Wolff ist die Lage simpel: “Jeder kann seine persönliche Entscheidung treffen, und die respektiere ich. […] Bei uns intern war das bisher kein Thema. Aber wenn sich jemand unwohl fühlt bei dem Gedanken, dorthin zu reisen, dann würde ich das respektieren. Vielleicht wäre das auch die Chance, dass jemand anderer eine Chance bekommt. Aber an der Beziehung zu der Person würde das nichts ändern. Ich habe es immer respektiert, wenn jemand nicht zu bestimmten Grands Prix reisen wollte.”
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Zumal Wolff selbst in der Vergangenheit immer wieder von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat. Zwar ist er dieses Jahr, vor dem Hintergrund der möglichen Entscheidung in der Konstrukteurs-WM, nach Brasilien gereist. Das war in vergangenen Jahren aber nicht immer so. Sao Paulo gilt als Hotspot für Kriminalität, und auch rund um die Formel 1 und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden immer wieder Raubüberfälle dokumentiert. Brasilien 2010: Jenson Button mit Waffen attackiert Ein besonders dramatischer Fall ereignete sich in Brasilien im Jahr 2010. Damals wurde der amtierende Weltmeister Jenson Button nach dem Qualifying auf dem Rückweg von der Rennstrecke in Interlagos zu seinem Hotel von mehreren bewaffneten Männern bedroht. Laut Button waren sechs Angreifer beteiligt, von denen mindestens einer eine automatische Schusswaffe trug. Nur dank der schnellen Reaktion seines Fahrers, eines speziell geschulten Polizisten, entkam Button dem Überfall. Der Fahrer des gepanzerten Mercedes verschaffte sich mit einem riskanten Ausweichmanöver durch den Verkehr einen Fluchtweg. Button, sein Vater John sowie sein Manager und sein Physiotherapeut blieben unverletzt. Der Grand Prix fand am folgenden Tag trotzdem wie geplant statt. Anders als bei der aktuellen Situation im Nahen Osten ging es damals allerdings um das Risiko organisierter Kriminalität, nicht um eine mögliche militärische Eskalation. Warum die Formel-1-Stars schweigen In der Formel 1 selbst sind die öffentlichen Reaktionen auf die bevorstehenden Rennen in Katar und Abu Dhabi bislang deutlich zurückhaltender ausgefallen als in der MotoGP. Carlos Sainz hatte vor einigen Wochen Bedenken hinsichtlich der Sicherheitslage im Nahen Osten geäußert. Zu einer vergleichbaren Protestbewegung unter den Formel-1-Fahrern ist es bisher aber nicht gekommen.
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Das könnte auch mit der Kommunikation innerhalb der Königsklasse zusammenhängen. Laut Medienberichten wurden Formel-1-Fahrer und -Teampersonal angehalten, sich bei öffentlichen Aussagen zur Sicherheitslage zurückzuhalten und auf das Vertrauen in die Entscheidungen der Formel 1 und des Automobil-Weltverbands FIA zu verweisen. Video wird geladen…
“Natürlich muss man sehr genau beobachten, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert”, sagt Wolff. “[Formel-1-CEO] Stefano [Domenicali] verfolgt die Entwicklungen aufmerksam und behält die Lage genau im Blick. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen und sollten wir entsprechende Rückmeldungen erhalten, dann wird er gemeinsam mit [FIA-Präsident] Mohammed [Ben Sulayem] der Erste sein, der Maßnahmen ergreift, um die Menschen zu schützen, die dorthin reisen sollen. Deshalb orientiere ich mich an ihren Vorgaben.”
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Und auch Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur vertraut auf die Einschätzung der Verantwortlichen: “Wie Toto schon gesagt hat, denke ich, dass unsere Organisation sehr gut aufgestellt ist. Ich habe volles Vertrauen in die FIA, die FOM und Stefano. Wir werden sehen, wie wir weiter vorgehen.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Damit bleibt die entscheidende Frage vorerst offen: Ob die Formel 1 ihre beiden letzten Grands Prix tatsächlich wie geplant austragen kann, hängt nicht allein von der aktuellen Sicherheitslage ab, sondern auch davon, ob sich die geopolitische Situation in den kommenden Wochen erneut zuspitzt. Zumindest im Moment gibt es dafür keine konkreten Hinweise. (Hier geht’s zum Formel-1-Kalender 2026!)
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