“Kein gemütlicher Nine-to-Five-Job”: So lief der Teamaufbau bei Cadillac

“Kein gemütlicher Nine-to-Five-Job”: So lief der Teamaufbau bei Cadillac

 

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Als der neue Formel-1-Einsteiger Cadillac ein ganzes Jahr vor seinem Debüt in der Startaufstellung 2026 die Suche nach einem Rennteam-Manager aufnahm, musste man nicht lange oder weit suchen, um den passenden Kandidaten zu finden.  Cadillac Peter Crolla im Gespräch mit dem geschassten Teamchef Graeme Lowdon

Rübergeschaut zu Haas, dem zuvor letzten neuen Formel-1-Team im Jahr 2016: Dort hielt der langjährige Team-Manager Peter Crolla nach einer neuen Herausforderung Ausschau. Die Aussicht, erneut ein Team von Grund auf aufzubauen, erfüllte all seine Wünsche. Nach ersten Gesprächen mit Graeme Lowdon, der vor Kurzem von Marcin Budkowski als Teamchef abgelöst wurde, aber als treibende Kraft hinter Cadillacs respektablem Formel-1-Debüt galt, wagte Crolla den Neustart: Innerhalb von neun Monaten baute er das Rennstreckenteam komplett neu auf.
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“Ich war zu diesem Zeitpunkt seit über neun Jahren bei Haas und definitiv bereit für eine Veränderung und eine neue Herausforderung. Ich brauchte etwas, das meine Begeisterung für den Sport neu entfacht”, erklärte Crolla gegenüber Autosport, einer Schwesterplattform von im Motorsport Network. “Ich liebe es, ein Team aufzubauen. Das erfüllt einen mit großem Stolz, und es hat einfach alles zum richtigen Zeitpunkt gepasst. Es ist mein zweiter Team-Neuaufbau, etwa zehn Jahre nach dem ersten, und es war einfach fantastisch. Die Dynamik, die Eigenverantwortung und der Nervenkitzel dabei sind unvergleichlich.” “Diese neun Monate waren wahrscheinlich die erfüllendste Zeit meiner Karriere: Man fängt in einem leeren Gebäude mit einem Plan an und bekommt die Befugnis, seine eigenen Vorstellungen umzusetzen.” Ganz andere Aufgabe als damals bei Haas Die Aufgabe eines Rennteam-Managers ist extrem breit gefächert und beginnt mit der Verantwortung für die gesamte Organisation des Rennteams. Sobald die Vorbereitungen und die Logistik im Vorfeld des Events erledigt sind, verlagert sich die Rolle an der Rennstrecke hin zu einer sportlich orientierten Funktion – dazu gehört auch der Austausch mit dem Weltverband FIA und dem F1-Management. Ein neues Team bei null aufzubauen, fügt dieser Aufgabe eine enorme fundamentale Komponente hinzu. Crolla nutzte seine Erfahrungen von Haas, um das Projekt bei Cadillac anzugehen – eine seltene Gelegenheit in der Formel 1, da neue Teams nur äußerst selten hinzukommen. “Der Sport war damals eine ganz andere Welt”, erinnert sich Crolla an den Aufbau von Haas zurück. “Wir befanden uns noch in der Bernie-Ecclestone-Ära. Die schiere Größe war ein riesiges Thema, und für mich war es das erste Mal. Es war aufregend. Ich habe damals mit großartigen Leuten zusammengearbeitet und viel gelernt. Ich denke, das hat mich gut auf das zweite Mal vorbereitet.”
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Auf die Frage, was seine wichtigsten Lehren aus der Haas-Zeit waren, antwortete Crolla: “Ich denke, der Rennkalender und die Anforderungen an ein Team sind in diesem Zeitraum extrem gewachsen. Ich wollte sicherstellen, dass wir dieses Projekt wie ein großes Team angehen und alles haben, was wir brauchen, um die Aufgabe gut zu bewältigen.”  Cadillac Communications Crolla hatte die gleiche Aufgabe schon bei Haas übernommen

“Es ging meiner Meinung nach nie darum, klein anzufangen und dann zu wachsen. Dafür bleibt keine Zeit, denn wenn man erst einmal Rennen fährt, nimmt die Zeit für solche Projekte drastisch ab”, sagt er. “Für mich ging es darum, alles nach besten Kräften umzusetzen, das zur Verfügung stehende Budget bestmöglich zu nutzen und ein Team zu schaffen, das bereit ist, Rennen zu fahren und einen guten Job zu machen.”
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Für ihn gab es drei Säulen, wie dieses erste Jahr aussehen musste. “Erstens: eine respektable Teilnahme. Das bedeutet, wir tauchen pünktlich auf, machen die Dinge richtig und halten den Kopf unten. Ich denke, das haben wir erreicht”, so Crolla. “Die zweite Säule war Zuverlässigkeit – daran arbeiten wir definitiv noch. Und die dritte ist Performance; in dieser Phase befinden wir uns jetzt. Es läuft also so, wie ich es mir vorgestellt habe. Bisher läuft alles gut, würde ich sagen.” Vom ersten Tag an als Top-Team denken Während die Fabrik in Silverstone bereits stand, als Crolla im April dazustieß, war das Rennstreckenteam, das um die Welt reisen sollte, noch ein unbeschriebenes Blatt. Crolla setzte sich daraufhin mit den ebenfalls neu eingestellten Führungskräften (Logistik-Manager Pete Simmons und Chefmechaniker Nathan Divey) zusammen, um den Fahrplan bis Melbourne 2026 zu entwerfen.
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“Wir hatten einen kolaborativen Ansatz und eine gemeinsame Vision davon, wie ein gutes Rennteam im Jahr 2026 aussehen muss”, erläutert Crolla. “Es gibt kein Handbuch dafür. Es gibt keine Anleitung, wie man so etwas macht. Aber wir haben sehr hart gearbeitet, und es gab kaum Meinungsverschiedenheiten darüber, was wir umsetzen wollten.” “Wir wussten einfach, dass es das Beste sein musste – vor allem aber musste es pünktlich stehen”, sagt er. “Es gab keine Ausreden dafür, dass etwas fehlte, denn in diesen neun Monaten war alles machbar, besonders mit den Freiheiten und dem Budget, die wir hatten.” “Wir mussten viel Druck auf die Lieferanten ausüben, haben aber mit bewährten Partnern gearbeitet, die wir bereits kannten. Menschen, denen wir vertraut haben – das war enorm wichtig. Zu wissen, auf wen man sich verlassen und wen man bis an die Grenzen fordern kann.” Formel-1-Teams, die während der Saison ihr Design gewechselt haben

Am Ende steht und fällt jede Organisation mit der Qualität ihrer Mitarbeiter – das ist in der Formel 1 nicht anders, als Cadillac eine Mannschaft zusammenstellte, die bereit war, sich mit den etablierten Teams zu messen. Angesichts der langen Sperrfristen in der Branche war das keine leichte Aufgabe, erst recht für ein Team ohne bisherige Erfolgsbilanz.
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“Beim Recruiting mussten wir ziemlich aggressiv vorgehen, weil viele Leute lange Kündigungsfristen hatten”, betont Crolla. “In diesem Sport ist niemand in weniger als drei Monaten verfügbar, manche hatten sechs Monate Sperrfrist.” “Viele stießen erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 zu uns, und es gab keine Eingewöhnungsphase. Sie mussten sofort anpacken und durchziehen. Jeden Tag traf eine riesige Menge an Equipment ein, das Arbeitsaufkommen war phänomenal. Aber alle sind an dieser Herausforderung gewachsen.” Recruiting ohne Schönwetter-Mentalität Doch genau wie diese Start-up-Kultur Crolla an der Cadillac-Story gereizt hatte, schienen auch viele andere Neuzugänge von etablierten Formel-1-Teams ähnlich zu empfinden. Niemand machte sich Illusionen über die bevorstehenden Hürden oder erwartete einen Spaziergang.
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“Nein, das wäre völlig naiv gewesen, wenn jemand von einem etablierten Team gekommen wäre und gedacht hätte, es liefe einfach von selbst”, nickt Crolla. “Die Leute verstehen das große Ganze: Wenn man zu so einem Projekt kommt, ist das kein Mercedes. Es ist kein Ferrari, wo die Abläufe seit Jahrzehnten eingespielt sind. Aber die Chance zu erkennen, sein eigenes Umfeld mitzugestalten – ich glaube, das war für viele der große Anreiz.” Erst Sainz, dann das Getriebe: Piastri verflucht Ungarn I Rennen F1 Budapest 2026 Video wird geladen…  

“Der entscheidende Punkt beim Heranziehen von Leuten aus anderen Organisationen ist es, ihre Stärken und Erfahrungen zu erkennen und zu nutzen, um daraus unsere gemeinsamen Prozesse zu formen”, sagt er.
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“Die Qualität und Anzahl der Bewerber von anderen Teams für das Rennteam und das gesamte Unternehmen war wirklich sehr positiv. Aber man braucht eben die richtige Einstellung, um an der Aufgabe zu wachsen. Das ist kein gemütlicher Nine-to-Five-Job. Man muss tief graben und langfristig dabei sein.” Nicht nur einfache Meilensteine Cadillac hielt auf dem Weg dorthin jeden internen und externen Zeitplan ein, war pünktlich zum Start der Wintertests bereit und brachte beim Auftakt in Australien eines seiner Autos ins Ziel. Doch darauffolgende Kinderkrankheiten bei der Zuverlässigkeit und den Abläufen sowie das Zurückfallen hinter Aston Martin am Ende des Feldes machten deutlich, dass das reine Erscheinen erst der Anfang war. “Das waren keine einfachen Meilensteine. Da steckten buchstäblich Blut, Schweiß und Tränen von allen drin”, blickt Crolla zurück.
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“Es wird im Grunde zu deinem Leben. Das muss es auch, weil man extrem lange Tage arbeitet und das Gleiche von allen anderen verlangt. Es gibt keinen schöneren Sport, in dem man die Früchte seiner Arbeit so direkt sieht, wie wenn man ein Auto baut, das dann zum ersten Mal über die Strecke fährt.” Neue Formel-1-Teams seit der Saison 1990

“Es mag an einem kalten, regnerischen Nachmittag im Januar in Silverstone gewesen sein, aber es war fantastisch. Es hat allen ein großartiges Gefühl des Erreichten gegeben.” “Natürlich sind wir auf Zuverlässigkeitsprobleme gestoßen”, merkt er an. “Ich glaube, das hat niemanden überrascht. Es geht darum, wie man damit umgeht, wie man sie anpackt und wie man sich davon erholt.”
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“Für mich liegt nichts von dem, was passiert ist, außerhalb dessen, was ich erwartet hatte. Ich hatte es mir wahrscheinlich sogar noch etwas schwerer vorgestellt und phasenweise mit noch mehr Enttäuschungen gerechnet. Österreich war wahrscheinlich ein kleiner Tiefpunkt für uns, aber das gehört zu dieser Reise dazu. Wenn das Leute überrascht hat, dann war es vermutlich eine nützliche Erfahrung, die wir durchmachen mussten.” Kinderkrankheiten, Frust und der Blick nach vorn Während Cadillac in die nächste Phase übergeht – nun unter der Leitung des ehemaligen Renault-Manns Budkowski -, wird das Team im kommenden Jahr ein nagelneues US-Hauptquartier in Fishers (Indiana) beziehen, das laut Crolla eine “überragende Basis für den Betrieb” sein wird, während parallel der Standort im britischen Silverstone in den kommenden Monaten erweitert wird. “Mit den Rennen zu beginnen, ist nicht der Endpunkt beim Aufbau und der Entwicklung des Unternehmens. Es ist eigentlich nur eine weitere Etappe auf diesem Weg. Und ich glaube, erst wenn all diese einzelnen Bereiche voll einsatzfähig sind, werden wir das Ausmaß dessen sehen, was wir hier aufbauen”, fügt er hinzu.
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“Wir haben hier einige wirklich talentierte Leute. Und ohne uns selbst zu sehr über den Klee loben zu wollen: Wir machen einen guten Job, aber wir stehen gerade erst am Anfang.”

 
Formel1.de 

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