Leclerc verlängert bei Ferrari: Richtige Entscheidung oder Sackgasse?
| . | . | . |
Am Mittwochmorgen gab Ferrari bekannt, dass man sich mit dem langjährigen Scuderia-Piloten Charles Leclerc auf eine “mehrjährige” Vertragsverlängerung geeinigt hat. Damit wird seine Zeit bei Ferrari in der Formel 1 um vermutlich mindestens drei weitere Saisons über 2026 hinaus verlängert. Getty Images North America Ferraris Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Charles Leclerc
Da Leclercs bisheriger Vertrag ohnehin noch bis Ende 2027 lief: Hat der Monegasse damit ein Risiko auf sich genommen oder ist sein Loyalitätsbekenntnis zu Maranello ein Schritt, den man beklatschen sollte? Unsere Autoren teilen ihre Gedanken. Alles richtig gemacht! Norman Fischer
//jseAo3c(“Rect”);
Sind wir doch mal ehrlich: Es gibt Schlimmeres, als für Ferrari zu fahren und langfristig seine Zukunft gesichert zu haben, oder? Natürlich werden häufiger einmal Witze darüber gemacht, wie Ferrari seine Entwicklung oder die Strategie wieder versieben wird, aber im Grunde ist das doch auch Kritik auf hohem Niveau. An Ferrari werden schon seit jeher die höchsten Ansprüche gestellt, weil die Scuderia immer noch das Team ist, das für die Formel 1 steht und das zahlreiche Heldenmomente und Erfolge erschaffen hat. Sicher, der letzte Titel liegt schon eine ganze Weile in der Vergangenheit – nämlich 18 Jahre -, aber auf der anderen Seite war Ferrari in all den Jahren auch fast immer mit im Spitzenkampf dabei und hatte selten wirklich schlechte Jahre. Um das einmal mit Zahlen zu belegen: In diesem Jahrtausend landete die Scuderia nur viermal nicht in den Top 3 der Gesamtwertung, nur einmal war man schlechter als Platz vier. Die Aussicht, dauerhaft in der Formel 1 vorne mitzufahren, ist schon eine, die Charles Leclerc schmecken kann. Natürlich steht der WM-Titel als Ziel über allem anderen und kann gerade bei Ferrari nicht garantiert werden, die Chancen sind aber da und Leclerc hat die Möglichkeit, zu einem Synonym bei DEM Formel-1-Team zu werden, weil er Ende 2028 ein komplettes Jahrzehnt in Italien verbracht haben wird. Zusammen mit dem Gehalt, das er dort kassieren wird, ist die Entscheidung für mich eigentlich ein No-Brainer. Charles Leclerc holt nur fünf Siege aus 27 Poles
Zumal ein Wechsel zu einem anderen Team auch keinen WM-Titel garantieren würde. Mercedes wird neben WM-Leader Kimi Antonelli höchstens Max Verstappen setzen und George Russell nicht ohne Not gegen Leclerc tauschen. Und bei Red Bull kann ich mir ihn überhaupt nicht vorstellen (zumal das aktuell eine Verschlechterung wäre).
//jseAo3c(“Rect”);
Die einzige sportlich lukrative Alternative – wenn man keine Hail Mary wie Gucci Alpine machen will – wäre McLaren. Die sind zwar mit Lando Norris und Oscar Piastri gut besetzt und zufrieden, aber vielleicht würde einen von beiden ja ein Wechsel zu Ferrari reizen. Dann hätte ich mir einen Tausch mit Leclerc vorstellen können. Aber das ist zu viel Konjunktiv. Von daher: Alles richtig gemacht, Charles.
//jseAo3c(“Rect”);
Hatte er überhaupt eine große Wahl? Oleg Karpow Es gibt schlichtweg nicht viele Optionen für Leclerc, daher erscheint die Entscheidung, bei Ferrari zu bleiben, absolut logisch. Er sitzt im wohl zweit- oder drittschnellsten Auto im Feld, und ein realistischer Weg zu Mercedes oder McLaren ist auf absehbare Zeit kaum zu sehen. Zudem bleibt Ferrari sein Traumteam. Hätte die Scuderia das neue Reglement für 2026 auf magische Weise genauso in den Sand gesetzt wie Aston Martin und Honda, gäbe es deutlich mehr Grund zum Nachdenken. Im Moment ist Ferrari jedoch weiterhin ein gutes Pferd, auf das man setzen kann. Irgendwann muss die sieglose Durststrecke enden. Er muss einfach abwarten.
//jseAo3c(“Rect”);
Wie lange? Das ist die Frage, die niemand beantworten kann. Aber es lohnt sich ein Blick darauf, wie geduldig – oder loyal, wenn man so will – Lando Norris mit McLaren war. Er stieß in der wohl schlechtesten Phase der Teamgeschichte zum Rennstall und erlebte den Wandel hin zum neuen Maßstab im Feld hautnah mit. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Es gab auch andere Möglichkeiten; es ist kein Geheimnis, dass Norris mehr als einmal mit Red Bull flirtete. Doch ein Teamwechsel birgt immer Risiken, besonders wenn die halbe Garage bereits von Max Verstappen besetzt ist. Hätte Mercedes angeklopft, hätte Leclerc wahrscheinlich den Kindheitstraum vom Titelgewinn mit Ferrari vergessen und sich darauf konzentriert, zumindest einen Teil davon zu realisieren.
//jseAo3c(“Rect”);
Jeder andere Wechsel wäre ein bisschen so gewesen, als würde man an der Supermarktkasse die Schlange wechseln, weil die daneben scheinbar schneller vorankommt. Meistens schaut man dann am Ende dabei zu, wie die Schlange, die man gerade verlassen hat, zuerst den Kassierer erreicht. Ferrari-Erfolg ohne Leclerc? Ein Albtraum! Filip Cleeren Seit Leclerc 2019 zu Ferrari kam, haben drei Teams ein weltmeisterliches Auto gebaut: Mercedes, Red Bull und McLaren. Wie man es also auch dreht und wendet: Dass Leclerc sein Vertrauen für weitere drei oder vier Jahre in Ferrari setzt, ist definitiv mit Risiko verbunden.
//jseAo3c(“Rect”);
Es ist absolut im Bereich des Möglichen, dass Leclerc als eine weitere echte Ferrari-Legende und als der Fahrer mit der längsten Amtszeit in die Geschichte eingeht – allerdings ohne den krönenden Titelgewinn zum Abschluss. Aber unter Fred Vasseur hat Ferrari Lebenszeichen, Innovationskraft und auch Risikobereitschaft gezeigt. Und angesichts der Art und Weise, wie das Team in den neuen Reglementszyklus gestartet ist, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Scuderia in den nächsten Jahren irgendwann um den Titel mitmischt. Selbst wenn ich das Gefühl habe, dass Teams wie McLaren und Red Bull eine bessere Erfolgsbilanz vorweisen können, wenn es darum geht, sich im Laufe einer Saison an die Spitze weiterzuentwickeln. Hoffen erlaubt: SO könnte es für Ferrari mit der WM klappen! Video wird geladen… Surer spricht darüber, wie er die se Testeindrücke von Ferrari einstuft und welches Team es zu schlagen gilt, wenn Ferrari den Titel gewonnen will.
Die einzige klare Verbesserung wäre Mercedes gewesen, was sich ohnehin erledigt zu haben schien. Es ist zwar noch nicht absehbar, ob es bei McLaren oder Red Bull über 2027 hinaus Fahrerwechsel geben wird – aber es könnte durchaus sein.
//jseAo3c(“Rect”);
Deshalb ist es eine ziemliche Willenserklärung von Leclerc, der eigentlich noch einen Vertrag bis Ende 2027 hatte, all seine Jetons in die Mitte zu schieben, bevor er überhaupt an der Reihe war, sich für den Pot zu entscheiden. Birgt ein so frühes und langes Loyalitätsbekenntnis zu Ferrari Risiken? In der Natur dieses Sports: Ja. Fragen Sie nur Fernando Alonso, wie es ist, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.
//jseAo3c(“Rect”);
Aber auch wenn es eine unvollendete Karriere wäre, mit Ferrari nicht zu gewinnen, gäbe es ein Horrorszenario, das noch weitaus schlimmer wäre: Dass Ferrari die Weltmeisterschaft gewinnt und Leclerc in einer anderen Teamkleidung dabei zusehen muss. Das wäre ein Fehler, den er sich selbst nie verzeihen würde. Leclercs Liebe und Loyalität zu Ferrari sind bewundernswert Benjamin Vinel Eine langjährige Beziehung zwischen einem Team und einem Fahrer hat etwas Einnehmendes, fast schon Romantisches. Besonders wenn es um Leclerc geht, der schon in jungen Jahren vom Sky-Italia-Kommentator Carlo Vanzini als “Il Predestinato” – der Vorbestimmte oder im weiteren Sinne “der Auserwählte” – betitelt wurde.
//jseAo3c(“Rect”);
Bei Leclerc drehte sich schon immer alles um Ferrari. Er erinnerte sich daran, wie er als Dreijähriger den Großen Preis von Monaco aus der Wohnung eines Freundes an der Sainte-Devote-Kurve verfolgte und dabei nur nach den roten Autos Ausschau hielt. Als Kind Michael Schumacher zu treffen, entfachte seine Leidenschaft nur noch mehr. Und der verstorbene Ferrari-Protege Jules Bianchi war für ihn so etwas wie ein Mentor. Leclerc ist nun schon seit mehr als zehn Jahren bei Ferrari, nachdem er vor der Saison 2016 in die Driver Academy des Teams aufgenommen wurde. Ihre gemeinsame Geschichte war von Erfolg geprägt – aufeinanderfolgende Titel in der GP3 und Formel 2, 27 Polepositions und acht Grand-Prix-Siege in der Formel 1 -, aber auch von Herzschmerz und Frustration.
//jseAo3c(“Rect”);
Da war natürlich der Verlust von Bianchi, aber auch zahlreiche verpasste Chancen durch mechanische Probleme, Strategiefehler und Fahrerpatzer. Die Ergebnisse der letzten 20 Ferrari-Debütanten in der Formel 1
Vor allem aber scheint Ferrari es einfach nie hinzubekommen, ein absolut verlässlicher Titelanwärter zu sein. Das Team ist immer irgendwie in Schlagdistanz und holt den einen oder anderen Rennsieg, aber es reicht eben nie ganz. Und während man seinen Traum lebt – in diesem Fall für die Scuderia zu fahren -, verliert dieser Traum nach und nach seinen magischen Glanz. Man würde es Leclerc angesichts seines offensichtlichen Talents und seiner umfassenden Fähigkeiten also verzeihen, wenn er zweimal über seine Zukunft in Maranello nachdenken würde. Man darf wohl wetten, dass er sich manchmal fragt, wie das Leben woanders aussehen würde. Das ist nur menschlich.
//jseAo3c(“Rect”);
Aber er wird danach einfach nicht handeln. Leclercs Loyalität gilt Ferrari, wie der jüngste Deal beweist, der ihn vermutlich bis mindestens 2028 an das Team bindet. Sicherlich wird Ferrari irgendwann den Dreh rausheben und Leclerc endlich ein Auto hinstellen, mit dem er um die Weltmeisterschaft fahren kann. Doch ungeachtet dessen schreibt er schon jetzt ein bemerkenswertes Kapitel in der Geschichte der Formel 1 – als der Mann, der so lange bei seinem geliebten Team ausgeharrt hat. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
Formel 1 zurück bei RTL: “Das ist ein Vorgeschmack”
Formel 1
Fiese Tricks: Wie Michael Schumacher Nico Rosberg mental zerstören wollte
Formel 1
Leclerc verlängert bei Ferrari: Richtige Entscheidung oder Sackgasse?
Motorrad
Mugello-Wende bei Toprak? “Bin ein komplett anderes Motorrad gefahren”
So etwas hat es in dieser Form noch nie gegeben – und wird es vielleicht auch nie wieder geben.
Formel1.de
En güncel Motorsporları haberleri için sosyal medyada TRmotosports’u takip edin.





