Reifenpoker und Dominanz: Verstappen in Malaysia eine Klasse für sich

Reifenpoker und Dominanz: Verstappen in Malaysia eine Klasse für sich

 

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Rückblick auf 2009: Damals wurde der Große Preis von Malaysia wegen eines sintflutartigen Tropensturms vorzeitig abgebrochen und es gab nur halbe Punkte. Das bittere Erbe einer völlig unklugen Entscheidung, das Rennen später als früher zu starten – um 15:00 Uhr Ortszeit -, womit man sehenden Auges in den regelmäßigen tropischen Nachmittagsregen steuerte.  Sutton Images Gegen Max Verstappen hatte in Sepang niemand eine Chance

Manche Leute lernen eben nie aus der Vergangenheit. Und so wurde die Startzeit von 15:00 Uhr erneut festgeschrieben, als Malaysia nach neunjähriger Pause als Ersatzspielort für den Großen Preis von Bahrain in den Kalender zurückkehrte. Andere wiederum lernen sehr wohl dazu. Ein Detail gerät beim Malaysia-GP 2009 gerne in Vergessenheit: Es hatte bereits zehn Runden lang geregnet, ehe der Wolkenbruch derart intensiv wurde, dass der Abbruch unausweichlich war. In dieser Phase litten all jene Piloten, die gleich zu Beginn des Regens auf Regenreifen gewechselt hatten, massiv unter abbauenden Pneus. Der Kurs war schlicht nicht nass genug, weil der extrem abrasive Asphalt das Wasser bei der malaysischen Hitze blitzschnell ableitet und abtrocknet. Der Start des Rennens Das liefert zumindest eine Erklärung dafür, warum sowohl Ferrari als auch McLaren ihre Piloten für den “bahrainischen” Grand Prix 2026 auf Slicks ins Rennen schickten. Und das trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Tatsache, dass sich der Start um sage und schreibe 93 Minuten verzögerte.
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Der Grund war, welche Überraschung, ein heftiger Regenguss im Vorfeld des Rennens. Als die Ampeln endlich ausgingen, hatte der Regen längst aufgehört. Der Großteil der Verzögerung ging zudem auf das Konto eines Softwareproblems, das schon beim ersten Versuch einer Formationsrunde für pures Chaos sorgte. Was danach passierte: Die Piste brauchte deutlich länger als gedacht, um bis zu jenem Punkt abzutrocknen, an dem Trockenreifen tatsächlich schneller gewesen wären als Intermediates. Tatsächlich näherte man sich dem sogenannten “Crossover-Punkt” erst an, als Valtteri Bottas seinen Cadillac in Runde neun in Kurve 13 wegwarf. Verstappen in seiner eigenen Liga Das rief das Safety-Car auf den Plan und veranlasste das gesamte Feld zum Boxenstopp. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Slick-Starter allerdings schon mehr als eine Minute hinter der Spitzengruppe. Verstappen siegt in Malaysia: Ist Russells WM-Traum jetzt endgültig vorbei? Video wird geladen…  

Lewis Hamilton hatte sich hinter Polesetter Max Verstappen auf Startplatz zwei qualifiziert. Diese und nachfolgende Neutralisierungen halfen ihm zwar bei seiner Aufholjagd bis auf Rang drei, doch hätte er überhaupt um den Sieg kämpfen können, wenn die Scuderia beim Start auf die richtigen Reifen gesetzt hätte? Ziemlich sicher nicht. Verstappen fuhr an diesem Wochenende in einer ganz eigenen Liga – obwohl er beim Start zunächst die Führung an beide Silberpfeile verlor. In der Anfangsphase führte Andrea Kimi Antonelli vor George Russell, doch es sollte kein typisches Dominanz-Wochenende der Sternmarke werden. Max blieb stets in Schlagdistanz, während Red-Bull-Teamkollege Isack Hadjar auf Rang vier langsam abreißen lassen musste. Mercedes nur kurz in Führung Dass Mercedes in Doppelführung fuhr, war an diesem Wochenende eine echte Ausnahmeerscheinung. Auf dem rauen Asphalt litt der W17 unter spürbar höherem Reifenverschleiß als die meisten Konkurrenten. Hinzu kam ein Topspeed-Defizit auf den Geraden, das sich die Mannschaft kaum erklären konnte.
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Diese Probleme machten es unmöglich, das umfassende Aero-Update fundiert zu bewerten – ein Paket, das ursprünglich für Singapur vorgesehen war, für dieses kurzfristig eingeschobene Rennen jedoch vorgezogen wurde. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wann Max an den Mercedes vorbeigehen würde. In Runde sechs schnappte er sich Russell in Kurve 4, nach dem Restart kassierte er Antonelli in Kurve 1. Das ermöglichte es auch Russell, wieder an seinem Teamkollegen vorbeizuschlüpfen, ehe Kimi die Reihenfolge in Runde 21 erneut umdrehte. Red Bull das schnellste Team Verstappen fuhr dabei den einzigen ihm noch zur Verfügung stehenden frischen Satz Softs, während die Mercedes-Piloten auf Mediums unterwegs waren. Genau wie am Wochenende zuvor in Baku erwies sich die weichste Mischung überraschenderweise als erstaunlich haltbar und als der bessere Rennreifen im Vergleich zum Medium. Sepang: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion

In der Folge fielen Antonelli und Russell sukzessive zurück und wurden erst durch weitere Safety-Car-Phasen wieder ins Spiel gebracht – darunter eine späte Neutralisierung, als der Williams von Alex Albon mit Getriebeschaden strandete. Bei Russell trat dann genau in dem Moment, als das Rennen wieder freigegeben werden sollte, ein mutmaßlicher Motorschaden auf.
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Die Rennpace spiegelte im Grunde wider, was sich bereits bei den Longruns im zweiten freien Training am Freitag angedeutet hatte: Verstappens Red Bull war einen Hauch schneller als der beste Ferrari (Leclerc) und der beste McLaren (Norris), aber gut vier Zehntel schneller als der schnellste Mercedes (Russell). Red Bull zurück in der Spur? Im Qualifying war Antonelli zwar zügiger unterwegs als Russell, lag aber immer noch eine halbe Sekunde hinter Verstappen. Die McLaren verbuchten sogar sechs Zehntelsekunden Rückstand auf die Pole-Zeit.
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Das Ergebnis in Malaysia zeichnet ein klares Bild: Red Bull findet nach einem suboptimalen Saisonstart wieder vollends in die Spur. Diese Renaissance bahnt sich schon seit einer Weile an, wurde bisher jedoch durch unglückliche Umstände verschleiert. In Madrid beispielsweise fehlten Verstappen im Qualifying nur 0,140 Sekunden auf die Pole, ehe er auf einer Strecke, auf der man kaum überholen kann, schon früh durch Positionsverluste eingebremst wurde. In Baku rechnete sich Red Bull eigentlich beste Siegchancen aus, doch dort machten Motorprobleme Verstappen einen Strich durch die Rechnung – wenngleich Mercedes schon dort registrierte, wie stark Max auf den Geraden zum späteren Sieger Russell aufschließen konnte. Updates zeigen Wirkung Hadjar erlebte in Malaysia zwar kein Glanzrennen, doch im Vorfeld des Wochenendes deutete er bereits an, wie anders sich der RB21 anfühlte, nachdem er wegen seiner Handgelenksverletzung drei Rennen lang zuschauen musste.
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“Ich habe definitiv das Gefühl, dass ich in ein Auto gestiegen bin, das viel besser ist als jenes, das ich in Budapest verlassen habe”, erklärte der Franzose. “Wenn man drei Rennen aussetzt und dann zurückkehrt, bemerkt man diesen Unterschied natürlich noch viel deutlicher.” Red Bull hat enorme Ressourcen mobilisiert, um das Auto weiterzuentwickeln: Große Update-Pakete kamen in Miami, Österreich und Aserbaidschan ans Auto. Doch eine der größten Stärken des Rennstalls in den vergangenen Jahren war die Fähigkeit, ein Auto schrittweise besser zu verstehen und dessen Eigenheiten in den Griff zu bekommen. Im Jahr 2026 erstreckt sich dieser Prozess nun auch auf den Einsatz des hauseigenen Red-Bull-Motors. Der Wendepunkt für Red Bull? Nachdem er in Malaysia auf die Poleposition gefahren war, betonte Verstappen, dass die Upgrades “Schwächen aus dem Auto verbannt” hätten. Der restliche Performance-Zuwachs sei das Resultat dieses stetigen Lernprozesses.
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Zu seinen Hauptbeschwerden in dieser Saison gehörte unter anderem, dass die Aufhängung über den Verlauf eines Rennwochenendes spürbar an Performance verlor. Diese Baustelle scheint behoben. Verstappen hob vor allem hervor, dass der Bolide nun über eine stimmigere, homogenere Balance verfüge, was die Fahrbarkeit massiv verbessert habe. An diesem Wochenende zeigte sich zudem, dass viele bisherige Annahmen über die Charakteristiken der Autos völlig auf den Kopf gestellt wurden. Zu Saisonbeginn war der RB21 in mittelschnellen und schnellen Kurven noch auffallend schwach auf der Brust – genau jener Kurventyp dominiert in Sepang, und genau dort flog der Bulle förmlich um den Kurs.  LAT Images Max Verstappen gewinnt wieder ein Formel-1-Rennen

Auch auf den Geraden war Red Bull das Maß aller Dinge. Normalerweise sind das Kernkompetenzen von Mercedes. Nicht jedoch hier: Die Silberpfeile litten vor allem in den für Hermann Tilke typischen, langsamen Kurven nach den langen Geraden unter eklatantem Untersteuern.
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Ferrari war wie gewohnt im langsamen Geläuf schnell, zeigte sich aber auch in den mittelschnellen Passagen konkurrenzfähig. Genau deshalb dominierte Hamilton den zweiten Sektor auf seiner Qualifying-Runde: Dieser beginnt und endet mit kniffligen Low-Speed-Abschnitten (Turns 4 und 9), verlangt im flüssigen Wechsel von den Kurven 5 und 6 bis hin zu 7 und 8 aber auch jede Menge Agilität. Hier knöpfte Lewis dem Red Bull drei Zehntel ab, lag am Ende der Runde aber trotzdem drei Zehntel hinten – schlichtweg, weil der Red Bull auf der Gegengeraden und der Start-Ziel-Geraden uneinholbar war. Selbst wenn Hamilton und Leclerc auf Intermediates gestartet wären, fällt es schwer zu glauben, dass sie Verstappen angesichts dieser Kräfteverhältnisse hätten gefährden können. Zumindest wäre Leclerc in Runde eins in Kurve 2 wohl nicht mit dem Audi von Nico Hülkenberg aneinandergeraten. Die Probleme der Konkurrenz “Es ist schon interessant zu sehen, dass der Topspeed-Vorteil, den Mercedes noch in Baku hatte, hier in Malaysia völlig verflogen ist”, grübelte McLaren-Teamchef Andrea Stella nach dem Qualifying. “Er ist quasi wie weggeblasen. Die mit Abstand beste Endgeschwindigkeit hat Red Bull. Die beste Kurven-Performance hat Ferrari.”
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“Und wir bei McLaren rätseln ein wenig darüber, warum wir in schnellen Kurven nicht mehr das beste Auto sind – so wie es noch in Madrid oder in Zandvoort den Anschein hatte.” McLaren stand vor einem weiteren Rätsel: Lando Norris litt erneut unter einem bizarren Topspeed-Defizit gegenüber Teamkollege Oscar Piastri. Das könnte aerodynamische Ursachen haben oder an der Einbettung der Power-Unit liegen. Alles rund um Letzteres umschifft das Team aus Woking stets penibel, was nicht zuletzt an den vertraglich verankerten Imageklauseln im Motoren-Liefervertrag liegt. Keine Chance gegen Red Bull Wie dem auch sei: Genau wie Ferrari hatte auch McLaren nicht den Hauch einer Chance, Verstappens Rennpace mitzugehen – selbst ohne den Fehlgriff bei der Reifenwahl für Norris und Piastri. Die Safety-Car-Phasen halfen zumindest dabei, den Schaden in Grenzen zu halten.  Sutton Images Max Verstappen gewinnt auch dank der Red-Bull-Entwicklung

Hamilton und Leclerc konnten in der Schlussphase am strauchelnden Hadjar vorbeiziehen, für Piastri reichte es jedoch nicht mehr ganz. Norris wiederum rutschte in Kurve 1 kurz ins Kiesbett und flog aus den Top 10, als die Vorderleute wegen des ausrollenden Russell abrupt bremsten. Er rettete sich noch auf Platz neun, doch für seine schwindenden WM-Hoffnungen war das der nächste herbe Dämpfer.
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“Am vergangenen Wochenende waren wir schnell in den Kurven, hatten aber auf der Geraden gegen Mercedes das Nachsehen”, fasste Verstappen zusammen. “Jetzt sind wir ordentlich in den Kurven und verdammt schnell auf der Geraden. Manchmal müssen wir einfach das Gesamtpaket verstehen – warum wir mal schnell sind und warum mal eben nicht. Wir müssen das Rennen für Rennen analysieren.”
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Inwieweit dieser fulminante Aufschwung streckenspezifisch war, wird sich erst noch zeigen müssen…

 
Formel1.de 

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