“Schock für das System”: Spa legt das Problem der Formel 1 2026 offen

“Schock für das System”: Spa legt das Problem der Formel 1 2026 offen

 

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Drehen wir die Uhr vier Monate zurück zum Saisonauftakt 2026, sah die Welt der Formel 1 noch völlig anders aus als heute. Kimi Antonelli hatte noch kein Rennen gewonnen, Toto Wolff versuchte im Fahrerlager noch immer alle davon zu überzeugen, dass Red Bull “der absolute Maßstab” sein werde, und Cadillac hatte noch keinen einzigen offiziellen Formel-1-Kilometer absolviert.  Getty (bearbeitet) Das Energiemanagement wird in Spa ganz besonders im Fokus stehen

Vieles hat sich verändert – eins jedoch nicht. Vor einem Rennwochenende drehen sich die meisten Medienrunden im Fahrerlager nach wie vor um das Thema Energiemanagement. Sehr zum Frust vieler Beteiligter – auch der Fahrer. Immerhin stand das Thema in den vergangenen Monaten etwas weniger im Fokus, nachdem die FIA Anpassungen vorgenommen hatte. Allerdings lag das vor allem an den Streckenlayouts. Auf Kursen wie Miami, Monaco oder Montreal gab es ausreichend Möglichkeiten, die Batterie wieder aufzuladen. In Silverstone und Spa-Francorchamps rückt das Energiemanagement nun wieder ins Rampenlicht. Der Grund liegt auf der Hand: Beide Strecken bestehen größtenteils aus schnellen Kurven und langen Geraden. Gelegenheiten zur Energierückgewinnung gibt es kaum.
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Die Ironie an der ganzen Situation: Eigentlich sind genau das die Strecken, für die Formel-1-Autos gebaut werden. Jene Orte, an denen diese Fahrzeuge erst richtig zum Leben erwachen, wie Fahrer immer wieder betonen. Wie oft haben wir gehört, dass Formel-1-Autos eigentlich nicht für Stadtkurse gemacht sind und ihr wahres Potenzial erst auf klassischen Rennstrecken mit schnellen Kurven zeigen? 2026 sieht die Realität leider völlig anders aus – beinahe genau umgekehrt. Oder, etwas präziser formuliert: In Bezug auf das Chassis gilt das Gesagte weiterhin. Das neue Fahrwerksreglement ist keineswegs schlecht, vielmehr dürfte es im Vergleich zur Ground-Effect-Ära sogar einen Fortschritt darstellen. Doch die Einschränkungen der Powerunits überlagern diesen positiven Eindruck auf vielen Strecken, auf denen die Formel 1 theoretisch ihre größte Stärke ausspielen müsste. Vor Spa kommt die Erinnerung an meine Frage wieder auf, die ich Lando Norris in China gestellt habe. Damals wollte ich von ihm wissen, ob sich die Herausforderung der legendärsten Formel-1-Kurven in diesem Jahr verändern werde. Was Norris in China gesagt hat In seiner Antwort verwies Norris sofort auf Spa-Francorchamps: “Ihr werdet in Pouhon nicht mehr sehen, wer die größten Eier hat”, sagte der amtierende Weltmeister mit einem Grinsen. “Das werdet ihr nicht mehr erleben. Stattdessen werdet ihr sehen, wer an der richtigen Stelle lupft und genau so viel Gas gibt, wie nötig ist, damit die Batterie nicht zu stark beansprucht wird.” “Der Fahrer kann zwar weiterhin den Unterschied machen, indem er die Powerunit bis an ihr Limit nutzt. Aber das ist eine völlig andere Art von Herausforderung, als einfach zu sehen, wer mit der höchsten Geschwindigkeit durch Pouhon fahren kann.” Warum McLaren jetzt ALLES in die Karten spielt! Video wird geladen… McLaren erlebt bislang eine enttäuschende Formel-1-Saison 2026. Doch ausgerechnet der sportliche Rückschlag könnte sich jetzt als Vorteil erweisen.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Norris ausgerechnet Pouhon erwähnte. Eau Rouge/Raidillon geht seit Jahren problemlos voll. Deshalb sprachen viele Fahrer in der Ground-Effect-Ära mit besonderer Ehrfurcht über Pouhon – die schnelle Doppel-Linkskurve, die einen Fahrer laut Lance Stroll jedes Mal aufs Neue mit Adrenalin erfüllt, egal wie oft er sie bereits gefahren ist. Außer 2026. Ist Alonsos Formel-2-Warnung berechtigt? Das Spa-Erlebnis wird sich in diesem Jahr gleich in zweifacher Hinsicht verändern. Erstens verschwindet die Herausforderung der Mutkurven wie Pouhon – genauso wie in Silverstone der Hochgeschwindigkeitsabschnitt Copse sowie Maggotts-Becketts, den Fernando Alonso als “Ladestation” bezeichnete. Noch bedeutender ist allerdings das Energiemanagement über die gesamte Runde. Genau in diesem Punkt haben bereits mehrere Fahrer vor Spa Bedenken geäußert – allen voran Alonso: “Man kann nicht auf allen Geraden Energie einsetzen. Wenn man in Spa von Kurve 1 bis Kurve 5 alles nutzt, dann ist für den Rest der Runde Schluss”, erklärt der zweimalige Weltmeister. “Deshalb muss man dort etwas sparen, um zwischen Kurve 14 und der Bus-Stop-Schikane noch Energie einsetzen zu können. Wenn man die Energie aber auf diesen beiden Geraden nutzt – was eigentlich die optimale Strategie ist -, dann fährt man den gesamten zweiten Sektor, also ungefähr eine Minute lang, komplett ohne Deployment. Und wenn überhaupt kein Deployment mehr vorhanden ist, dürfen wir nicht vergessen, dass wir in diesem Jahr deutlich weniger Leistung haben als im Vorjahr. Sogar weniger als ein Formel-2-Auto.”
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Ohne Unterstützung durch die MGU-K leisten die diesjährigen Formel-1-Autos aus ihrem Verbrennungsmotor rund 540 PS. Die Mecachrome-Motoren der Formel 2 kommen laut offiziellen Angaben auf etwa 610 PS. Über eine komplette Runde hinweg werden Formel-1-Autos deshalb natürlich nicht langsamer sein als Formel-2-Fahrzeuge. Alonsos Aussage bezieht sich ausschließlich auf bestimmte Abschnitte des zweiten Sektors, nicht auf die Rundenzeit insgesamt. Hinzu kommt, dass die Fahrer 2026 die Situation häufig besonders düster dargestellt haben – unter anderem am Medientag in Silverstone. In der Praxis wirkte die Realität allerdings etwas weniger dramatisch als die schlimmsten Befürchtungen. Von dem Jojo-Racing im Sprintrennen und dem ungewöhnlichen Mercedes-Trick im Qualifying einmal abgesehen. McLaren und Williams rechnen mit “erheblichem” Superclipping Allerdings sind nicht nur die Fahrer wegen Spa besorgt. Auch die Teams blicken dem Rennwochenende mit großer Skepsis entgegen. In der Teamvorschau auf den Belgien-Grand-Prix bezeichnet McLaren Spa mit den 2026er-Autos sogar als “einen Schock für das System”.
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“Der Belgien-Grand-Prix wird aus Sicht des Energiemanagements unglaublich anspruchsvoll. Es ist mit Abstand eine der Strecken im Kalender, auf denen die verfügbare Energie am knappsten ist”, erklärt Neil Houldey, Technischer Direktor für Applied Engineering bei McLaren. “Wir rechnen mit einem erheblichen Ausmaß an Superclipping. Das wird sowohl das Auto als auch die Fahrer auf eine harte Probe stellen.” Dieses Superclipping wird unter anderem auf der Anfahrt zu Les Combes am Ende der Kemmel-Geraden sowie später auf der Runde in Richtung Blanchimont erwartet. Vor allem am Freitag dürfte sich allerdings von Team zu Team unterscheiden, an welchen Stellen und in welchem Umfang die verfügbare Energie eingesetzt wird. Formel-1-Quiz
Auf welcher Strecke erzielte das Haas F1-Team am 20.03.2016 seinen ersten WM-Punkt?
Adelaide Melbourne Zandvoort Barcelona Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Auch Williams rechnet in den Ardennen mit einem regelrechten Kampf der Batterien und hat bereits erläutert, wo die größten Schwachstellen der Strecke im Jahr 2026 liegen: “Spa ist mit deutlichem Abstand die energieempfindlichste Strecke, die wir in dieser Saison bisher gefahren sind”, sagt Williams’ Leitender Renningenieur Paul Williams.
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“Die Anfahrt zu Eau Rouge lässt sich über einen Kompromiss zwischen Deployment-Profil, Energieeffizienz und den durch das Set-up möglichen Vorteilen bei der Fahrzeughöhe am Anstieg variieren.” “Wir gehen davon aus, das komplette Energiefenster auszunutzen: voller Energiespeicher in Kurve 1, leer bis Kurve 5, anschließend wieder voll am Ausgang von Kurve 14 und erneut vollständig aufgebraucht bis Kurve 18. Dadurch fehlt im zweiten Sektor erheblich Energie, sodass sowohl mit wenig als auch mit viel Benzin an Bord Superclipping wahrscheinlich sein wird.” “So sollte Spa ganz sicher nicht interessant sein” Damit deckt sich die Einschätzung von Williams mit Alonsos Warnung. Die verfügbare Energie auf der Kemmel-Geraden und später noch einmal in Richtung Blanchimont sowie Bus-Stop-Schikane einzusetzen, erscheint als logischste Strategie. Gleichzeitig könnte genau das den zweiten Sektor zu einer besonders schmerzhaften Passage machen.
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Zwar bietet Spa 2026 durchaus Spielraum für unterschiedliche Deployment-Strategien, und die Analyse der Daten nach den ersten Trainings wird zweifellos interessant sein. Aber Hand aufs Herz: Genau so sollte Spa, noch immer eine der legendärsten Rennstrecken im Kalender, ganz sicher nicht interessant sein. Immerhin verschiebt sich die Balance im kommenden Jahr wieder etwas zugunsten des Verbrennungsmotors. Ausgerechnet dann wird Spa im Rahmen des neuen Rotationssystems allerdings nicht im Kalender stehen. Der einzige Lichtblick: Wenn die Formel 1 im Jahr 2028 nach Belgien zurückkehrt, wird das Verhältnis zwischen Verbrenner- und Elektroantrieb bei 60:40 liegen. Hoffentlich gehören Analysen wie diese dann endgültig der Vergangenheit an.
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Die Realität des Jahres 2026 sieht jedoch noch völlig anders aus. Ausgerechnet die legendärsten Strecken der Formel 1 entpuppen sich als ihre größten Problemfälle. Das ist ein ernüchterndes Fazit. Die Königsklasse des Motorsports muss daraus lernen. Nicht nur für die kommenden Jahre, sondern dauerhaft.

 
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