Warum die Formel 1 beim Thema MINT-Bildung die Kurve kriegt

Warum die Formel 1 beim Thema MINT-Bildung die Kurve kriegt

 

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Sechs saudi-arabische Highschool-Schüler – vier Jungen und zwei Mädchen – laufen begeistert durch den Formel-1-Paddock in Singapur. Sie sind das Team Lynx Racing, die frisch gekrönten Sieger der jährlichen “STEM Racing World Finals”, die in der Woche vor dem Grand Prix in Singapur stattfanden.  STEM Racing Bei den STEM Racing World Finals in Singapur war eine Menge los

Nachdem sich Lynx Racing in einem internationalen, viertägigen Ingenieurswettbewerb an die Spitze gekämpft hatte, nahm das Team die Trophäe 2026 auf dem echten Formel-1-Podium entgegen, traf Größen wie den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso und genoss eine exklusive Führung durch die Garage von Aston Martin. Einige von ihnen hoffen, dass es nicht das letzte Mal war, dass sie eine Formel-1-Garage aus der Nähe gesehen haben – und dass sie beim nächsten Mal die Teamkleidung eines Rennstalls tragen werden.
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Seit seiner Gründung im Jahr 2000 unter dem Namen “F1 in Schools” hat die MINT-Initiative (MINT-Fächer sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, die englische Entsprechung ist STEM) eine immer größere Reichweite erlangt. Ziel ist es, talentierten Kindern Möglichkeiten zu bieten, ihre Neugier auf Technik zu wecken und ihre Fähigkeiten in einer anspruchsvollen Wettbewerbsserie zu schärfen. 20-Meter-Sprint mit CO2-Power und 70 km/h Gruppen von drei bis sechs Schülern stehen vor der Aufgabe, einen Miniatur-F1-Rennwagen zu entwerfen und zu fertigen, der von CO2-Kartuschen angetrieben wird. Das Ziel besteht darin, das Auto auf einer 20 Meter langen Strecke so schnell wie möglich auf Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h zu katapultieren. Die Sieger der regionalen und nationalen Wettbewerbe sichern sich einen Startplatz bei den jährlichen Weltfinals, um gegen die besten Teams aus aller Welt anzutreten. Die Ausgabe 2026 in Singapur war die bisher größte: 91 Schülerteams aus 36 verschiedenen Ländern waren vertreten. Trotz der Miniaturgröße der Fahrzeuge weist der Wettbewerb weit mehr als nur eine flüchtige Ähnlichkeit mit der Formel 1 auf. Die Teams können die Autos mithilfe professioneller CAD-Software selbst konstruieren und herstellen. Dabei stellen sie ihr Wissen über Aerodynamik auf die Probe, um den Luftwiderstand ihrer Fahrzeuge schrittweise zu reduzieren. Das Endprodukt wird auf einer CNC-Fräse gefertigt, wobei der Front- und Heckflügel im 3D-Druckverfahren hergestellt werden, bevor das Fahrzeug zusammengebaut, lackiert und schließlich ins Rennen geschickt wird. Unter Einhaltung eines strengen Reglements müssen alle Autos wie ein echtes Rennauto eine technische Abnahme bestehen.
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Sie werden jedoch auch nach ihren Fähigkeiten abseits der Rennstrecke beurteilt. Die Teams müssen ein Marketing-Portfolio und einen Sponsorenplan erstellen, eine Marke aufbauen, mündliche Präsentationen vor Juroren halten und einen Kommandostand kreieren, um all dies zu einem beeindruckenden Gesamtprodukt zu verbinden. Und bei maximal sechs Schülern pro Team gibt es keinen Platz, um sich zu verstecken.  STEM Racing Die Arbeit kommt der richtigen Formel 1 schon recht nahe

Die Frage nach Marketing und Finanzierung wird besonders relevant für Teams, die es ins Weltfinale schaffen und vor einer Reise nach Singapur stehen – was für eine Gruppe von bis zu sechs Mitgliedern plus einer erwachsenen Begleitperson kein günstiges Unterfangen ist. Beim Schlendern durch den großen Ballsaal der Resort World Sentosa, wo die Finals 2026 stattfanden, fällt es schwer, nicht von der Intensität des Wettbewerbs, der Kreativität und der gezeigten Leidenschaft überwältigt zu sein.
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“Ich denke, es ist wichtig, Erfahrungen zu sammeln, aber ich liebe auch das Wettbewerbselement”, sagt Noah vom deutschen Team Spectrum, das sich am Ende den dritten Platz auf dem Podium sichern sollte. “Man lernt wirklich, als Team unter Druck zu arbeiten.” An anderer Stelle sagt Aarav, Teamleiter und Design-Ingenieur des Teams Nebula aus Singapur, dass er es genoss, die Besten der Besten aus der ganzen Welt zu treffen. Und wie ein echter F1-Designer stiehlt er bereits mit den Augen, während er die Konkurrenz begutachtet. “Das Niveau hier ist extrem hoch”, sagt er. “Es ist wirklich interessant zu sehen, wie andere Teams dieselben Probleme lösen.” Sprungbrett in die Formel 1 Obwohl es angesichts des Alters der meisten Teilnehmer keinen direkten Weg in die Formel 1 gibt, wird die Initiative von der Formel 1 und vielen ihrer Teams unterstützt. Viele frühere Teilnehmer nutzten den Wettbewerb als Sprungbrett für ein relevantes Universitätsstudium und anschließend für einen Platz in einem Formel-1-Team.
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Der Grieche Kyriakos Theofanidis gewann die Veranstaltung 2016 und ist derzeit als Maschinenbauingenieur bei Red Bull Ford Powertrains tätig. James Mitchell aus Australien nahm noch 2023 an den Weltfinals teil, bevor er von Aston Martin verpflichtet wurde. Sein Kollege Laurence Vines aus Großbritannien arbeitet heute bei Williams als Ingenieur für Strukturdesign und ist nach wie vor für die Veranstaltung selbst als Experte, Mentor und Juror aktiv.  STEM Racing In Singapur konnten die Teilnehmer die Formel 1 hautnah erleben

“Ich wollte in der F1 arbeiten, und als ich 15 war, schrieb ich Briefe an alle Teams, um mich für ein Praktikum zu bewerben”, erzählt Vines gegenüber Autosport. “Da ich keine Kontakte in den Sport hatte, wusste ich einfach nicht, wie der Einstieg funktioniert, bis ich den Wettbewerb durch Zufall entdeckte.”
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“In Partnerschaft mit dem damaligen F1 in Schools betrieb Williams seine Ingenieurs-Akademie, bei der sie einen während des Studiums unterstützten – und ich wusste, dass das mein Einstieg sein würde.” Vines sagt, dass der Wettbewerb ihm geholfen habe, weil er ihn viel früher mit Werkzeugen und Methoden wie CAD- sowie CFD- und FEA-Simulationen vertraut gemacht habe. “Bevor ich teilnahm, wusste ich gar nicht, was diese Dinge überhaupt waren. Ich hätte sie vor der Universität nicht einmal angefasst”, sagt er. “Mit 15 machte ich mein erstes CAD und entwarf dieses Miniaturauto. Und das unter Reglements, die einen ehrlich gesagt so gut auf die Arbeit in der Formel 1 vorbereiten. Sie sind etwa 70 Seiten lang und vollgepackt mit Details.
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“Seitdem habe ich Maschinenbau am University College London studiert, das den Wettbewerb sponserte und mir ein Vollstipendium gewährte. Danach absolvierte ich ein Praktikum bei Williams.” Kein reines Jungen-Ding Amy Martin nutzte den Wettbewerb, um ein Ingenieurstudium zu absolvieren, bevor sie in die Finanzwelt wechselte. Diese Leidenschaften trafen schließlich aufeinander, als sie als Finance Controller zu Mercedes High Performance Powertrains stieß. “Am Anfang war ich gar nicht so sehr an der Formel 1 interessiert”, sagt sie. “Ich habe einfach meine Freunde in der Schule zusammengetrommelt, und wir waren eines der wenigen reinen Mädchen-Teams beim Weltfinale in diesem Jahr. Nachdem wir den Marketing-Award gewonnen hatten, wurde ich 2016 für die Williams Engineering Academy ausgewählt. Sie nahmen uns mit in den Paddock, wo ich Nico Rosberg traf. Das war der Moment, in dem ich beschloss, alles zu tun, um in die Formel 1 zu kommen.”  STEM Racing Das Teilnehmerfeld des Wettbewerbs ist vielfältig

“Für ein 16-jähriges Mädchen war es absolut elektrisierend, dort zu sein und zu sehen, wie meine Zukunft aussehen könnte.”
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Auf die Frage, was sie aus dem Wettbewerb mitgenommen habe, antwortet sie: “Selbstvertrauen ist der Hauptpunkt. Wenn man von einem 15- oder 16-Jährigen verlangt, eine Präsentation vor erstklassigen Ingenieuren und Juroren zu halten – vor Leuten, die in der Formel 1 waren -, ist das ziemlich hart. Es flößt einem einfach ein gewisses Maß an Furchtlosigkeit ein.” “Und das Niveau einiger Kinder, die hier antreten – wow. Sie sind nicht nur unglaublich intelligent, sondern auch in der Lage, sich auf einer Weltbühne gewählt auszudrücken. Das ist ehrlich gesagt großartig. Es hat einige wirklich starke Allrounder hervorgebracht.” Formel-1-Teams entdecken Wettbewerb für sich STEM Racing ist nicht nur ein Gewinn für die teilnehmenden Schüler, sondern gewinnt auch für die Formel-1-Teams selbst immer mehr an Bedeutung. In Zeiten der Budgetobergrenze hat die Identifizierung und Anwerbung der nächsten Generation von Ingenieurstalenten immer früher begonnen. Es ist kein Zufall, dass die Mehrheit der Teams eigene Ingenieurs-Akademien, Nachwuchsprogramme und Praktantenmodelle etabliert hat.
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“Alle Teams erkennen die Bedeutung junger Talente in der Mannschaft. Neue Ideen und Menschen tragen so viel bei”, sagt McLarens Renndirektor Randy Singh gegenüber Autosport. “Wir haben bei McLaren ein sehr etabliertes Nachwuchsprogramm, und viele der Leute, die aus diesem Programm hervorgegangen sind, sind an diesem Wochenende hier an der Strecke – wie Oscars Performance-Ingenieur und unsere Chefstrategin. Es ist ein wirklich guter Weg, Ausnahmetalente ins Team zu holen.” “Dinge wie STEM Racing sind für Kinder in diesem Alter extrem nützlich, weil sie einem viel darüber beibringen, wie ein Formel-1-Team funktioniert. Es gibt Design, Forschung, Marketing und kommerzielle Aspekte. Das sind alles sehr nützliche Erfahrungen.”
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Auf die Frage, was sein Rat an Jugendliche ist, die eine Karriere in der Formel 1 oder der breiteren Motorsportwelt anstreben, antwortet Singh: “Solange man an einer Art tiefgehender technischer Aufgabe beteiligt ist, bei der man im Team arbeitet – sei es STEM Racing, Formula Student, Raketenbau oder sogar Sport auf sehr hohem Niveau, was an sich schon ziemlich technisch sein kann -, rüstet einen das wirklich gut dafür aus, in einem schnellen Teamumfeld in der Formel 1 zu arbeiten.” “Ich würde die Leute sicherlich nicht auf den einen oder anderen Weg beschränken, aber solche Dinge machen bei den Bewerbungen einen riesigen Unterschied. Manchmal ist der Umgang mit den Dynamiken und Reibungspunkten in einem Team ein Schlüsselthema, das man an der Universität erst erlebt, wenn man in ein professionelles Umfeld kommt – das ist also extrem nützlich.”  STEM Racing Im Team gibt es für die Jugendlichen unterschiedliche Rollen zu erfüllen

Trotz der langjährigen Verbindung des Events mit der Formel 1, die sich nun im 26. Jahr befindet, hat Gründer Andrew Denford das Gefühl, dass STEM Racing nach dem Rebranding im Jahr 2024 erst jetzt richtig die Kurve kriegt.
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“Man muss den Leuten vermitteln, warum sie MINT-Fächer in der Schule unterrichten müssen”, sagt Denford, der auch CEO des gleichnamigen, familiengeführten Unternehmens Denford ist, das CNC-Werkzeuge für den Bildungssektor liefert. “Wir haben das im Jahr 2000 ins Leben gerufen, um Kinder für Technik und Fertigung zu begeistern – zunächst als ‘Jaguar F1 in Schools’. Als sie sich aus der Formel 1 zurückzogen, erlaubte uns Bernie Ecclestone, den Namen F1 weiter zu nutzen.” “Es hat mein Leben im Grunde komplett vereinnahmt. Inzwischen sind 77 Länder an dem Programm beteiligt. Das Niveau wird immer höher. Ich muss aufpassen, dass ich nicht anfange, in Fachbegriffen zu sprechen, weil sie mich sonst glatt an die Wand reden.” Die Wege sind vielfältig Der Popularitätsboom der Formel 1 nach den Netflix-Dokumentationen hat auch die Teilnehmerzahlen des Programms in die Höhe schnellen lassen. STEM Racing hat nun mehrere Einstiegsprogramme für Schulen in seinen Ausbildungsweg aufgenommen – für Kinder ab einem Alter von sechs Jahren, mit unterschiedlich komplexen Anforderungsprofilen.
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Auf die Frage, was er sich für die Kinder von STEM Racing erhofft, sagt Denford: “Wir wollen, dass sie herausfinden, wo ihre Fähigkeiten liegen. Wenn man sich all die Berufsrollen anschaut – Teamchef, Aerodynamiker, Fertigungsingenieur, Marketing- oder Projektmanager -, finden sie innerhalb dieses Sechser-Teams genau das, was sie tun wollen.” “Dann können sie das Gelernte weiterentwickeln und es mit in die breite Welt nehmen.”
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Wohin der Weg die Finalisten des Jahres 2026 führen wird, steht noch in den Sternen. Einige werden es in den Formel-1-Paddock schaffen, in die Luft- und Raumfahrtindustrie wechseln oder einen völlig anderen, unbedingten Karriereweg einschlagen, der heute noch gar nicht am Horizont zu sehen ist. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Aber egal wie dieser Weg aussehen mag: Sie werden die Zukunft in Angriff nehmen – beflügelt durch ihre Erfahrungen in Singapur und die Fähigkeiten, die sie auf diesem Weg geschärft haben.

 
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