Warum sich Ferrari weiter weigert, an den WM-Titel zu denken

Warum sich Ferrari weiter weigert, an den WM-Titel zu denken

 

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Nach dem Sieg in Silverstone wächst bei Ferrari die Zuversicht. Dennoch will Teamchef Frederic Vasseur weiterhin nichts von einem möglichen Titelkampf wissen. Stattdessen mahnt der Franzose zur Geduld und verweist darauf, dass ein einzelnes starkes Wochenende noch keine Aussage über den weiteren Saisonverlauf zulässt.  LAT Images Ferrari bejubelte in Silverstone den insgesamt 250. Sieg in der Formel 1

Auf die Frage, welche Erkenntnisse Ferrari aus dem erfolgreichen Wochenende mit nach Maranello nehmen werde und ob sich nun ein WM-Kampf gegen Mercedes entwickelt, bremst Vasseur die Erwartungen bewusst. “Der Titelkampf ist Ihre Formulierung. Nach Barcelona hieß es, Ferrari sei wieder im Titelkampf. Ich habe ‘Nein’ gesagt. Eine Woche später hieß es, Ferrari sei nirgendwo. Ich habe wieder ‘Nein’ gesagt”, so der Franzose.
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“Jetzt standen wir in der ersten Reihe. Ich werde morgen genau dieselbe Haltung einnehmen. Wir hatten ein gutes Wochenende. Jetzt konzentrieren wir uns auf Spa. Das bedeutet nicht, dass wir jetzt Champions sind. Wir sind aber auch nicht nirgendwo. Wir verbessern uns Schritt für Schritt.” Ferrari will sich nicht vom Erfolg blenden lassen Grundsätzlich zieht Vasseur nach einzelnen Rennen keine weitreichenden Schlüsse. “Ich versuche nie, nach einem oder zwei Rennen, nach einem guten oder schlechten Ergebnis, ein Fazit zu ziehen. Ich konzentriere mich nur darauf, mehr zu erreichen und es besser zu machen. Das gilt für mich genauso wie für alle im Werk. Über den Titelkampf zu sprechen, ist Ihr Job. Ich habe das nie getan.” Obwohl Lewis Hamilton nach dem Rennen nur noch 32 Punkte hinter der Spitze liegt, sieht Vasseur Mercedes weiterhin leicht im Vorteil. “Konzentrieren wir uns auf Belgien und fahren dort ein gutes Rennen. Wenn man sich die sechs oder sieben Sessions an diesem Wochenende ansieht, dann lag Mercedes wahrscheinlich in fünf davon vorne. Wir hatten einfach ein gutes Rennen. Über die Distanz kommt uns der Start und die Strategie eher entgegen. Im Sprint zählt fast nur die reine Pace. Insgesamt hat Mercedes aber immer noch einen kleinen Vorteil bei der Performance. Es wird schwierig.” Warum Silverstone kein Maßstab für Spa ist Auch die starke Vorstellung in Silverstone sei nicht ohne Weiteres auf Belgien übertragbar: “Nicht unbedingt. Silverstone ist stärker vom Motor abhängig als Spanien vor zwei Wochen. Gleichzeitig hatten wir zum ersten Mal windige Bedingungen und ein Auto, das an der Vorderachse limitiert war. Die Charakteristik der Strecke war komplett anders. Es geht nicht nur um den Motor. Wir haben in all diesen Bereichen gute Arbeit geleistet.” Silverstone: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion

“Aber Spa wird eine neue Herausforderung, schon allein wegen des Wetters. Wir müssen jedes Wochenende wieder bei null anfangen. Es gibt keine Magie. Niemand findet von einem Wochenende auf das nächste plötzlich fünf oder sechs Zehntel. Der Unterschied entsteht durch viele kleine Verbesserungen”, so der Ferrari-Teamchef weiter. Hamilton lobt Ferraris Entwicklung Auch Hamilton zeigt sich von der Entwicklung Ferraris beeindruckt, obwohl er nach einem intensiven Rennen mit George Russell und Max Verstappen nicht ganz zufrieden war. “Es sieht so aus, als könnten wir mithalten. Ich weiß nicht genau, was bei Kimi passiert ist. Das Team macht einen phänomenalen Job. Wir müssen noch etwas aufholen, um den Rückstand bei der reinen Performance zu schließen. Aber zwei Siege für das Team in diesem Jahr sind einfach fantastisch.” Die Geschwindigkeit in Silverstone sei selbst für Ferrari überraschend gekommen: “Es ist großartig zu sehen, welche Pace wir an diesem Wochenende auf so einer Strecke hatten. Damit haben wir definitiv nicht gerechnet. Ein starkes Wochenende als Team und viele Punkte mitzunehmen, ist etwas ganz Besonderes. Ein großes Dankeschön an das gesamte Team.” Konstanz soll den Unterschied machen Besonders hob Hamilton die Fortschritte bei den Abläufen innerhalb des Teams hervor. “Wir wussten vor der Saison, dass wir unsere Prozesse und die Art und Weise, wie wir Rennwochenenden durchführen, verbessern mussten. Jeder Einzelne bringt sein Bestes ein. Die Mechaniker leisten bei den Boxenstopps großartige Arbeit und auch im Werk wurde hart gearbeitet, um diese Konstanz zu erreichen. Genau das wird am Ende den Unterschied ausmachen”, so der Brite zufrieden.  LAT Images Ferrari feiert den 250. Sieg in Silverstone

“Wir sehen in dieser Saison außerdem mehr Motorprobleme als gewöhnlich. Ich kenne die genauen Hintergründe bei George und Kimi nicht, aber irgendwann werden dort vermutlich Strafen folgen. Für uns wird entscheidend sein, diese Konstanz zu halten, möglichst viele Punkte mitzunehmen und jedes Wochenende das Maximum herauszuholen, selbst wenn wir einmal nicht gewinnen können.”
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Auch Charles Leclerc möchte, trotz seines Sieges, die Leistung in Silverstone nicht überbewerten. Der Monegasse spricht vielmehr von einer positiven Überraschung, deren Ursachen Ferrari zunächst verstehen müsse.
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“Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Nicht der Sieg war die größte Überraschung, sondern unsere gesamte Performance. Wir waren viel schneller als erwartet. Genauso wie wir analysieren müssen, wenn etwas deutlich schlechter läuft als gedacht, müssen wir auch verstehen, warum es deutlich besser lief. Vor dem Wochenende gingen wir davon aus, mindestens fünf oder sechs Zehntel Rückstand zu haben. Stattdessen haben wir gewonnen. Das ist ein ganz besonderes Gefühl.” Der Blick richtet sich bereits nach Spa Mit Blick auf Belgien will Leclerc deshalb ebenfalls keine Prognosen abgeben: “Ich konzentriere mich nicht darauf, ob wir gewinnen können. Für mich geht es darum, dieses gute Gefühl im Auto wiederzufinden. Wenn ich dieses Gefühl habe, bin ich überzeugt, dass ich das Maximum aus dem Auto holen kann. Wenn nicht, wird es schwieriger.”  Sutton Images Charles Leclerc jubelt mit den Fans in Silverstone

“Natürlich arbeiten wir als Team hart daran, Mercedes herauszufordern. Vor Silverstone hatten wir sogar erwartet, dass Spa noch schwieriger werden würde. Nach diesem Sieg sind wir vielleicht näher dran als gedacht. Aber zuerst müssen wir verstehen, warum dieses Wochenende so viel besser lief als erwartet. Deshalb konzentriere ich mich auf den Prozess und darauf, das Maximum aus dem Auto herauszuholen”, so Leclerc weiter. Hamilton sieht Fortschritte bei der Abstimmung Hamilton blickt ebenfalls optimistisch auf das kommende Rennen in Spa-Francorchamps und sieht Fortschritte bei der technischen Entwicklung. “Bis jetzt haben wir große Fortschritte gemacht. Vor diesem Wochenende sagte der Simulator, dass wir mit einem ganz anderen Set-up beginnen sollten. Meine Ingenieure und ich entschieden uns jedoch, bei unserer üblichen Richtung zu bleiben.” So viele Formel-1-Rennen brauchten alle Ferrari-Fahrer bis zum ersten Sieg

“Charles begann mit dem Set-up, das der Simulator empfohlen hatte, wechselte später aber ebenfalls in meine Richtung. Es ist gut zu sehen, dass sich der Weg, den ich vorgeschlagen habe, auszahlt. Jetzt müssen wir weiter daran arbeiten, weitere Änderungen vornehmen und neue Updates bringen. Spa wird wegen der langen Geraden eine andere Herausforderung, aber ich selbst muss dort einen besseren Job machen als an diesem Wochenende”, erklärt der 41-jährige Brite selbstkritisch. Ralf Schumacher sieht Ferrari auf dem richtigen Weg Auch der frühere Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher sieht Ferrari inzwischen deutlich stabiler aufgestellt als noch vor einem Jahr: “Wir haben ihm eigentlich gar nicht dazu gratuliert. Letztes Jahr sah das alles noch ganz anders aus”, meint der Sky-Experte.
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“Damals stand das Team enorm unter Druck. Die Dinge, die er verändert hat, scheinen jetzt zu funktionieren. Lewis Hamilton funktioniert mit dem Team und alles entwickelt sich in die richtige Richtung. Ferrari kann wieder um eine Weltmeisterschaft kämpfen. Das ist lange her.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Trotz des wachsenden Optimismus innerhalb und außerhalb des Teams bleibt Ferrari damit seiner Linie treu. Der Rennstall will sich nicht von einzelnen Erfolgen blenden lassen und richtet den Fokus stattdessen konsequent auf die nächsten Entwicklungsschritte und das bevorstehende Rennwochenende in Belgien.

 
Formel1.de 

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