Was hinter dem umstrittenen Jo-Jo-Racing 2026 steckt
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Die Formel 1 ist im Jahr 2026 in eine neue Ära gestartet – mit der wohl größten Reglement-Revolution ihrer Geschichte, da sowohl das Chassis als auch die Antriebe komplett umgekrempelt wurden. Das Chassis ist nun leichter und agiler, das Mindestgewicht sank um satte 32 Kilogramm. Beim Antrieb wurde der Elektro-Anteil massiv erhöht, sodass nun ein fast ausgeglichenes Verhältnis zwischen Verbrenner und Elektromotor herrscht. Sutton Images Lewis Hamilton und George Russell beim Formel-1-Rennen in China 2026
Das Ganze war, gelinde gesagt, umstritten. Während die Chassis-Änderungen durchweg positiv aufgenommen wurden – schließlich war das Gewichtmanagement jahrelang ein wachsendes Problem der Königsklasse -, stieß der Fokus auf mehr elektrische Leistung auf wenig Gegenliebe. Alles in allem hat das in diesem Jahr zu einem völlig veränderten Produkt geführt, das unter dem Namen “Jo-Jo-Racing” bekannt geworden ist. Doch was steckt eigentlich dahinter und wie fallen die Reaktionen im Fahrerlager aus? Warum heißt es in der Formel 1 2026 “Jo-Jo-Racing”? Hinter dem 2026er-Reglement standen viele Absichten. Eine davon war, die Show auf der Strecke zu verbessern. Rad-an-Rad-Duelle waren zuletzt immer seltener geworden, da die Autos schlichtweg zu groß und zu schwer waren. Im Jahr 2025 lag das vorgeschriebene Mindestgewicht beispielsweise bei 800 Kilogramm – ein satter Zuwachs von 180 Kilogramm im Vergleich zu 2010. Das war ein Problem für sich. Formel 1 vor Neustart: Kommt jetzt besseres Racing? Video wird geladen… Die Formel 1 feiert nächstes Wochenende in Miami ihren zweiten Saisonstart mit neuen Regeln!
Das Ergebnis waren oft statische Rennen, in denen sich DRS-Züge bildeten und Überholmanöver Mangelware waren – trotz der enormen Power der Boliden. Die Formel 1 versuchte, das mit den neuen Regeln zu lösen, hatte dabei aber gefühlt eine Hand auf den Rücken gebunden, da man sich an der Richtung der Automobilindustrie aus dem Jahr 2022 orientierte, als das Reglement verabschiedet wurde.
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“Als wir über das aktuelle Reglement diskutierten, sagten uns die involvierten Autokonzerne klipp und klar, dass sie nie wieder einen neuen Verbrennungsmotor entwickeln würden”, erinnert sich Nikolas Tombazis, Formel-Direktor der FIA. “Sie wollten die Verbrenner auslaufen lassen und bis zu einem bestimmten Jahr voll elektrisch sein.” Jo-Jo-Effekt duch Energiemanagement Das inspirierte die Formel 1 dazu, auf ein elektrisch fokussiertes Regelwerk zu setzen, in der Hoffnung, neue Hersteller wie Audi und Honda anzulocken. Das klappte zwar, hob den Rennstil aber auf ein völlig neues Level, das so ursprünglich gar nicht beabsichtigt war. Heutzutage werden Grands Prix durch das Energiemanagement definiert. Die Fahrer müssen genügend Batterieleistung vorhalten, um eine Runde so schnell wie möglich zu absolvieren. Um das zu erreichen, schalten die Autos auf der Geraden teils runter, nutzen “Lift-and-Coast” vor Kurven oder verfallen in eine Art “Super-Clipping” – dabei lädt die Batterie selbst bei Vollgas auf. Das Resultat ist das “Jo-Jo-Racing”: ein ständiges Hin und Her in den Zweikämpfen, wie wir es 2026 bisher in jedem Rennen gesehen haben. Früher war die Sache meist erledigt, wenn ein Überholmanöver glückte. Der Angreifer blieb vorne und schaute nach vorne. Nur selten schaffte es der Verfolgte, dran zu bleiben und sofort zu kontern. Doch heute, mit den schwankenden Batterieständen über eine Runde hinweg, gehen die Duelle meist weiter. Mehr Überholmanöver, aber auch bessere? China war dafür ein Paradebeispiel: Oft wurde vor der Haarnadel (Kurve 14) überholt, nur damit sich der Gegner auf der Start-Ziel-Geraden die Position zurückholte. Das setzte sich teils bis in den zweiten Sektor von Shanghai fort. Ferrari vs. Mercedes: Enger Kampf oder nur eine Illusion? Video wird geladen… Im Strategie-Video nach dem Großen Preis von China wirft Datenexperte Kevin Hermann einen genauen Blick auf die Zahlen hinter dem Rennen.
Das ständige Überholen und Zurücküberholen ist 2026 an der Tagesordnung und hat dazu geführt, dass die Anzahl der Manöver im Vergleich zu 2025 massiv gestiegen ist. Beim Australien-GP 2026 gab es 120 Überholvorgänge, im Vorjahr waren es “nur” 45.
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Ob das nun gut ist oder nicht, darüber lässt sich streiten. In einem Interview mit unserer globalen Schwesterseite Motorsport.com verriet F1-Geschäftsführer Stefano Domenicali kürzlich, dass die Meisterschaft nie wieder zulassen dürfe, dass die Hersteller die Richtung des Reglements so stark beeinflussen – vor allem, weil der Fokus auf Elektroantriebe in der Industrie heute nicht mehr so extrem ist wie noch vor vier Jahren. Vergleich zur Formel E “Schauen Sie sich an, was Renault gemacht hat”, so Domenicali mit Blick auf den plötzlichen Ausstieg der Franzosen als Motorenlieferant Ende 2025. “Renault saß mit am Tisch, als über diesen Motor entschieden wurde, und dann haben sie sich für den Ausstieg entschieden. Genau das meine ich: Wir dürfen nicht in eine Situation geraten, in der eine Marktkrise dazu führt, dass Hersteller schwierige Entscheidungen treffen und andere Initiativen priorisieren. Davor müssen wir uns schützen.”
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Dennoch haben diese Antriebe einen Rennstil hervorgebracht, den es in der Formel 1 so noch nie gab. Er ähnelt eher der Formel E, in der es dank der rein elektrischen Antriebe ebenfalls ständig zu Positionswechseln und engen Kämpfen kommt. Dort diktieren Energiemanagement, Strategie und Fahrerhilfen oft den Ausgang. Sind die Fahrer Fans des neuen Stils? Das 2026er-Reglement ist wohl das am stärksten polarisierende in der Geschichte der Formel 1. Man kann die gestiegene Zahl der Überholmanöver als positiv werten, da sie für spannende Action sorgt, von der man den Blick nicht abwenden kann.
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Viele argumentieren jedoch, dass diese Manöver “künstlich” seien. Oft entstünden sie nur, weil der Vordermann gerade Energie sammelt, was ein Überholmanöver “entwertet”. Das war in Suzuka zu beobachten, als Lando Norris in der 130R vom Gas gehen musste, um nicht ins Heck von Lewis Hamiltons Ferrari zu krachen. Als er wieder aufs Gas stieg, bekam er mehr Leistung als erwartet geliefert, was ihn zwar an dem siebenmaligen Weltmeister vorbeikatapultierte, dabei aber seine Batterie leersaugte. Norris verlor die Position umgehend wieder. Unbeabsichtigte Manöver “Ich wollte Lewis gar nicht überholen”, schimpfte Norris. “Es ist einfach so, dass meine Batterie boostet. Ich will das gar nicht, kann es aber nicht kontrollieren. Also überhole ich ihn, habe keine Batterie mehr übrig und er fliegt einfach wieder an mir vorbei. Das ist kein Racing, das ist Jo-Jo-Spielen. Auch wenn er behauptet, es sei keins – es ist Jo-Jo-Racing.” Raketenstart und aufregende Duelle: Wie gut war der Auftakt wirklich? Video wird geladen… Die Formel 1 hat ihr erstes Rennen mit dem neuen Reglement hinter sich gebracht und das Fazit fällt geteilt aus.
Damit bezog sich der amtierende Weltmeister auf Aussagen von Hamilton, der sich unterstützend über die neuen Regeln geäußert hatte: “Wenn man zum Kartsport zurückkehrt, ist es genau das Gleiche.”
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“Man geht hin und her, hin und her, man kann sich nie absetzen”, fügte Hamilton hinzu. “Niemand hat Kartsport je als Jo-Jo-Racing bezeichnet. Es ist die beste Form des Rennsports. Und die Formel 1 war schon lange nicht mehr die beste Form des Rennsports. Von allen Autos, die ich in 20 Jahren gefahren bin, ist dies das einzige, mit dem man tatsächlich durch schnelle Kurven folgen kann, ohne alles zu verlieren. Man kann dranbleiben.” Fahrerlager gespalten Die gegensätzlichen Ansichten von Norris und Hamilton zeigen deutlich, wie gespalten das Feld ist. Der wohl größte Kritiker ist Max Verstappen. Er sorgte bereits in der Vorsaison für Aufsehen, als er die Regeln als “Anti-Racing” und “Formel E auf Steroiden” bezeichnete.
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Der viermalige Champion blieb das ganze Jahr über bei seiner Kritik und behauptete, das Regelwerk sei “fundamental fehlerhaft”. “Wenn jemandem das gefällt, dann hat er wirklich keine Ahnung, worum es im Rennsport geht”, so Verstappen. Er bestritt zudem die Annahme, er möge die Regeln nur deshalb nicht, weil sein Red-Bull-Team einen Fehlstart hingelegt hat (Platz sechs nach drei Runden) und nur die Fahrer an der Spitze die Regeln unterstützen würden. An diesem Punkt ist durchaus etwas Wahres dran, denn Hamilton erlebt einen deutlich stärkeren Saisonstart als in den vergangenen Jahren. Auch die beiden WM-Führenden, die Mercedes-Teamkollegen Kimi Antonelli und George Russell, äußern sich positiv über das diesjährige Racing. Wird das “Jo-Jo-Racing” weitergehen? Die Bedenken der Fahrer haben dazu geführt, dass die Formel 1 und der Automobil-Weltverband FIA bereits vor dem vierten Saisonlauf in Miami am kommenden Wochenende Anpassungen am Reglement vorgenommen haben. Eine der Änderungen betrifft das Qualifying, das 2026 bisher nicht so sehr am Limit stattfand wie früher. Daher wurde die Deckelung der Energierückgewinnung am Samstag von acht auf sieben Megajoule gesenkt.
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Doch vor allem die Anpassung beim Super-Clipping könnte das Jo-Jo-Racing beeinflussen. Der Wert wird von 250 auf 350 Kilowatt erhöht, was bedeutet, dass die Fahrer bei Vollgas mehr Energie zurückgewinnen können. Eine Änderung, die McLaren-Teamchef Andrea Stella bereits in der Vorsaison gefordert hatte. Es wird zwar nicht alle Sorgen aus der Welt schaffen, aber das Rennen dürfte ohne das unerwartete Lift-and-Coast sicherer werden. FIA-Reaktion auf Bearman-Crash: Wird was geändert? I F1 Japan 2026 Video wird geladen…
Dieser Sicherheitsaspekt wurde nach dem schweren Crash von Oliver Bearman beim Großen Preis von Japan zur Priorität. Er lag im zweiten Sektor etwa eine Sekunde hinter Franco Colapinto, schloss dann aber schlagartig auf, als der Alpine unter Energiemangel litt. Bei einer Geschwindigkeitsdifferenz von fast 50 Kilometern pro Stunde musste er ausweichen. Der Haas zuckte nach links, geriet aufs Gras und schlug nach einem Dreher mit 50 g in die Leitplanken ein. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Da die Änderungen nun zu weniger Lift-and-Coast-Situationen führen sollten, dürften auch die Geschwindigkeitsunterschiede geringer werden – was wiederum weniger extreme Jo-Jo-Situationen zur Folge hätte. Aber: Bis zu einem gewissen Grad wird dieser Stil wohl auch weiterhin Teil der Grands Prix bleiben.
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