“Wie an einem riesigen Bungee-Seil”: Mercedes staunt über Verstappen

“Wie an einem riesigen Bungee-Seil”: Mercedes staunt über Verstappen

 

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George Russell hat den Grand Prix von Aserbaidschan mit gerade einmal 0,196 Sekunden Vorsprung vor Max Verstappen gewonnen. Nach einer Safety-Car-Phase war der Red Bull in Schlagdistanz und setzte Russell unter Druck.  LAT Images George Russell sah Max Verstappen zum Rennende gefährlich nah im Rückspiegel

“Es war, als wäre Max an einer Art riesigem Bungee-Seil befestigt”, beschreibt Mercedes-Co-Teamchef Bradley Lord die Situation rückblickend. Russell konnte Verstappen zwar im kurvenreichen zweiten Sektor deutlich distanzieren, doch sobald es auf die langen Geraden ging, zog sich der Red Bull wieder heran. Lord erklärt: “George fuhr ihm im Mittelsektor in jeder Runde buchstäblich eine halbe Sekunde davon. Und wenn man sich die GPS-Aufzeichnung anschaut, geht sie plötzlich fast senkrecht nach oben, weil der Windschatten Max wieder heranzieht.”
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Der zweite Sektor beginnt mit der Bremszone von Kurve 5 und führt durch den engen, kurvenreichen Abschnitt entlang der historischen Stadtmauern bis zur Bremszone von Kurve 16. Gerade dort hatte der Mercedes einen deutlichen Vorteil. Auf den schnelleren Passagen konnte Verstappen dagegen seine Stärken ausspielen. Sein Red Bull kam auf den Geraden mit hoher Geschwindigkeit zurück, insbesondere wenn er den Windschatten des Mercedes nutzen konnte. Besonders ungewöhnlich war dabei, dass Verstappen teilweise offenbar mehr vom Windschatten profitierte als vom eigentlichen Überholmodus. Für Lord “ziemlich kontraintuitiv”. Verstappen holt sogar ohne Überholmodus auf Normalerweise bietet der zusätzliche elektrische Einsatz im Überholmodus einen entscheidenden Vorteil. In Baku zeigte sich jedoch ein anderes Bild. “Wenn überhaupt, schien es also fast so, als würde er [Verstappen] ohne Überholmodus mehr Zeit gewinnen als mit Überholmodus”, wundert sich Lord. Baku eskaliert: Colapinto-Crash, Russell vs. Verstappen & Horner-Interview Video wird geladen…  

Trotz der TV-Bilder, die den Abstand teilweise extrem klein wirken ließen, habe Russell die Situation nach Einschätzung von Mercedes aber ausreichend unter Kontrolle gehabt. “Es gab keinen Moment, in dem er nah genug dran war, um einen Angriff zu starten oder überhaupt einen Überholversuch in Betracht zu ziehen.” Das Ergebnis bestätigt zumindest den engen Ausgang: Russell überquerte die Ziellinie lediglich zwei Zehntelsekunden vor Verstappen und feierte damit seinen dritten Saisonsieg. Safety-Car bringt Verstappen zurück ins Rennen Dabei hatte Russell das Rennen zunächst deutlich kontrolliert. In der ersten Rennhälfte konnte sich der Mercedes-Pilot einen Vorsprung von mehr als zehn Sekunden auf die Verfolger herausfahren. Verstappen und Isack Hadjar steckten zu diesem Zeitpunkt noch hinter McLaren-Konkurrent Oscar Piastri fest.
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Erst die Neutralisierung nach Alexanders Albons Unfall in Kurve 5 brachte Verstappen wieder in Schlagdistanz. Das Safety-Car führte das Feld zusammen, Russells Vorsprung war damit praktisch verschwunden. Beim Re-Start nutzte Verstappen seine Chance und ging an Piastri vorbei, bevor das Safety-Car erneut ausrückte. In der Schlussphase blieb Russell zwar überwiegend etwas schneller, konnte Verstappen aber nicht abschütteln. Dabei lohnt sich ein Blick auf die genauen Telemetriedaten. Im Mittelsektor macht Russell die meiste Zeit gut So war Verstappen nach dem Ende der Safety-Car-Phase nur in den Runden 42, 43, 44 und 48 schneller als Russell. Nehmen wir Runde 48 als Beispiel: Zu Beginn des Umlaufs hatte Verstappen zunächst rund eine Zehntelsekunde Vorsprung. Zwischen den Kurven 2 und 3 war der Red Bull zeitweise rund 17 km/h schneller. Vermutlich spielte dabei ein höherer elektrischer Energieeinsatz eine Rolle.
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Russell konnte anschließend jedoch später vom Gas gehen und die bessere Balance des Mercedes ausspielen. In den Kurven 3 und 4 fuhr er höhere Geschwindigkeiten am Scheitelpunkt und machte den anfänglichen Rückstand sofort wieder wett. Im zweiten Sektor wuchs Russells Vorteil dann auf maximal 0,420 Sekunden. In Kurve 5 konnte der Mercedes später vom Gas gehen und schneller durch den Scheitelpunkt fahren. Auf dem Weg zu Kurve 7 war Russell ebenfalls schneller, obwohl Verstappen beim Herausbeschleunigen aus Kurve 6 elektrische Energie eingesetzt hatte. Auch zwischen den Kurven 13 und 14 kam Verstappen mit höherer Endgeschwindigkeit wieder etwas näher. Doch in Kurve 15 spielte erneut das Handling des Mercedes eine entscheidende Rolle. Russell konnte später bremsen beziehungsweise vom Gas gehen und baute seinen Vorsprung wieder auf 0,583 Sekunden aus.
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Verstappen hatte anschließend die bessere Ausfahrt aus der Kurve und reduzierte den Rückstand erneut. Doch auch in Kurve 16 war Russell schneller, sodass am Ende des Sektors noch 0,541 Sekunden zwischen den beiden Konkurrenten lagen. Auf den Geraden spielt Red Bull seine Stärke aus Nach dem Detektionspunkt für den Überholmodus änderte sich das Bild erneut. Verstappen begann, den Rückstand auf der Geraden regelrecht aufzufressen. Dabei schaltete der Red Bull früher in den höchsten Gang, bereits vor Kurve 18 statt nach Kurve 19. Gleichzeitig erreichte Verstappen einen etwas höheren Topspeed. Auf der Zielgeraden selbst war der Red Bull schließlich rund elf km/h schneller als der Mercedes. Dadurch konnte er den zuvor verlorenen Abstand nahezu wieder wettmachen.
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Das erklärt auch das bemerkenswerte Ergebnis der Runde: Obwohl Verstappen im Verlauf des Umlaufs zeitweise rund eine halbe Sekunde zurücklag, war seine Rundenzeit am Ende lediglich 0,003 Sekunden langsamer als die von Russell. Trotzdem reichte es am Ende für den Briten, wenn auch knapp. Dabei spielte eine späte gelbe Flagge, ausgelöst durch Valtteri Bottas in Kurve 15, eine Rolle. Russell musste vom Gas gehen und verlor dabei etwas Ladedruck. So kam Verstappen auf der Zielgeraden noch einmal bedrohlich nahe, aber nicht vorbei. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Bei Mercedes wollte man die Leistung des eigenen Fahrers nicht von der dramatischen Schlussphase überdecken lassen. “Ich denke, dass George alles unter Kontrolle hatte, auch wenn ein winziger Fehler die Sache völlig anders hätte aussehen lassen”, sagt Lord. “Einfach eine absolut fantastische Leistung von ihm.”

 
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