2. Juni 1996: Als Michael Schumacher zum “Regenmeister” wurde
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Wenn Menschen an Michael Schumachers Zeit bei Ferrari denken, haben sie meist die dominanten Jahre zwischen 2000 und 2004 vor Augen. Doch die erste Saison des Deutschen in Rot war alles andere als einfach. Michael Schumachers Sieg in Barcelona gilt als einer der besten aller Zeiten
Nachdem er 1994 und 1995 mit Benetton zwei Weltmeisterschaften in Folge gewonnen hatte, ließ sich Schumacher von Jean Todt überzeugen, für 1996 zu Ferrari zu wechseln. Fahrer und Team ließen sich damit jedoch auf ein riesiges Wiederaufbauprojekt ein. Todt war im Juli 1993 angetreten, um Ferrari zu altem Glanz zurückzuführen, und leitete im Vorfeld von Schumachers Ankunft tiefgreifende Veränderungen ein. Ferrari trennte sich nach 1995 nicht nur von Jean Alesi und Gerhard Berger, sondern verabschiedete sich auch von seinem ikonischen V12-Motor zugunsten einer neu entwickelten V10-Antriebseinheit.
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Technikchef John Barnard entwarf für 1996 ein völlig neues Auto: den F310. Angetrieben von Ferraris neuem V10, sorgte er sofort für hochgezogene Augenbrauen. Jahre später erinnerte sich Schumachers Teamkollege Eddie Irvine an seinen ersten Eindruck von dem Auto: “Ich weiß noch, wie ich es zum ersten Mal sah und sagte: ‘Das sieht besorgniserregend anders aus als die Autos der anderen.’ Wir hatten es schlichtweg falsch hinbekommen. Nach dem Jaguar R2 war es das schlechteste Auto, das ich je gefahren bin.” “Wie Michael es geschafft hat, dieses Auto zu fahren, wird mir immer ein Rätsel bleiben”, fügte Irvine hinzu. “Ich hatte Angst beim Einlenken, weil man nie wusste, ob das Auto sofort reagiert, eine halbe Sekunde später oder erst nach einer ganzen Sekunde.” Michael Schumacher: Die Ferrari-Jahre
Schumacher selbst war vom F310 alles andere als begeistert und verpasste ihm wegen des Luftwiderstands, den das klobige Design erzeugte, den Spitznamen “der Fallschirm”. Der Wagen war nicht nur aerodynamisch ein Kompromiss, sondern litt auch unter massiven Zuverlässigkeitsproblemen des Getriebes. Doch wenn er funktionierte, konnte der F310 zumindest in Schlagdistanz zu den dominanten Williams FW18 von Damon Hill und Jacques Villeneuve bleiben. Und am richtigen Tag, unter den richtigen Bedingungen, konnte Schumacher etwas Außergewöhnliches vollbringen. Dieser Tag kam am 2. Juni 1996 in Barcelona. Der Zauber von Barcelona Hill und Villeneuve hatten sich im trockenen Qualifying souverän die erste Startreihe gesichert. Schumacher qualifizierte sich als Dritter, lag aber mehr als eine halbe Sekunde hinter dem Williams-Duo.
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“Ich hatte nie das Gefühl, dass ich die Poleposition holen könnte”, gab Schumacher zu. “Ich war nicht konkurrenzfähig genug. Ich denke, dieses Ergebnis zeigt ein klares Bild der aktuellen Situation aus technischer Sicht. Ich habe das absolute Maximum aus dem Auto herausgeholt.” Doch das Wetter stellte das Rennwochenende über Nacht völlig auf den Kopf. Am Samstagnachmittag setzte Regen ein, der sich bis zum Sonntagmorgen in sintflutartige Regenfälle verwandelte. Es wurde sogar darüber diskutiert, das Rennen hinter dem Safety-Car zu starten, doch die Organisatoren entschieden sich letztlich für einen herkömmlichen stehenden Start. Chaos im Nassen Hill kam schlecht weg, aber Schumachers Start war wegen Kupplungsproblemen noch schlechter und ließ ihn von Platz drei auf Rang sieben zurückfallen. Villeneuve bog als Führender vor dem Benetton von Jean Alesi in Kurve 1 ein, Hill war Dritter. Gerhard Berger lag auf Rang vier, Rubens Barrichello auf fünf und Irvine auf sechs, direkt vor Schumacher.
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Die Sicht war wegen der Gischt praktisch gleich null. In der zweiten Runde drehte sich Irvine, blieb stehen und musste das Rennen vorzeitig beenden. Formel-1-Quiz
Mit welchem Kontrahenten kollidierte Michael Schumacher im WM-Finale 1994?
David Coulthard Kimi Räikkönen Nigel Mansell Damon Hill Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Schumacher kämpfte sich bald auf den fünften Platz vor und zog zusammen mit Berger an Hill vorbei, der sichtlich Mühe hatte, seinen Williams unter Kontrolle zu halten. Der unglückliche Nachmittag des WM-Spitzenreiters endete kurz darauf, als er in die Boxenmauer krachte.
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“Ich bin vor allem froh, dass ich unverletzt bin”, sagte Hill danach. “Es war ein schrecklicher Tag.” Der Regenmeister Das Rennen wurde in der Folge zu einer Demonstration dessen, warum Schumacher den Spitznamen “Regenmeister” erhielt. Er überholte Berger, um sich Platz drei zu schnappen, und holte Villeneuve und Alesi in Windeseile ein. Keiner von beiden konnte unter den immer schlechter werdenden Bedingungen mit Schumacher mithalten, und in Runde 12 übernahm er die Führung. LAT Jacques Villeneuve hatte im Regen keine Chance gegen “Schumi”
Einmal an der Spitze, enteilte er dem Feld regelrecht. Seine schnellste Runde war um astronomische 2,2 Sekunden schneller als die aller anderen, obwohl sein Rennen nicht ganz problemlos verlief.
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Ferraris neuer V10 bekam Zündaussetzer und schien zeitweise kurz vor dem Aufgeben zu stehen. “Ich fuhr praktisch mit einem Acht- oder Neunzylindermotor”, erklärte Schumacher im Nachhinein. “Ich hatte viel weniger Leistung und verlor auf den Geraden rund zehn km/h.” Erster Sieg für Ferrari Zum Glück für Schumacher verlor die Konkurrenz unter den tückischen Bedingungen noch mehr Zeit. Sein Vorsprung wuchs immer weiter, und nach seinem zweiten Boxenstopp lag er mehr als eine Minute vor Alesi. Ferrari forderte seinen Fahrer daraufhin auf, Tempo herauszunehmen und sich darauf zu konzentrieren, das Auto sicher nach Hause zu bringen. Schumacher tat wie geheißen und überquerte die Ziellinie schließlich mit 45 Sekunden Vorsprung auf das restliche Feld, um seinen ersten Sieg für Ferrari perfekt zu machen. Michael Schumacher feiert am Ende des Rennens den Sieg
Teamchef Jean Todt bezeichnete die Fahrt als “unglaublich”, während Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo Schumacher als einen “außergewöhnlichen” Fahrer rühmte.
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Schumacher sollte im weiteren Verlauf der Saison noch zwei weitere Siege mit dem F310 einfahren, doch für viele gilt Barcelona 1996 bis heute als die prägende Leistung seiner Ferrari-Karriere. Oder, wie Irvine es später ausdrückte: “Die größte Leistung in der Geschichte der Formel 1.”
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