Andrea Stella: Braucht es einen anderen Right-of-Review-Prozess?

Andrea Stella: Braucht es einen anderen Right-of-Review-Prozess?

 

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Das Urteil des Internationalen Berufungsgerichts (ICA) schlägt in der Formel 1 weiterhin hohe Wellen. Nachdem Alpine erfolgreich gegen eine Zeitstrafe gegen Pierre Gasly protestiert und dem Franzosen so den dritten Platz in Monaco vorübergehend gesichert hatte, legte McLaren Einspruch ein – und bekam vor dem ICA recht. Gasly verlor sein Podest nachträglich wieder.  circuitpics.de McLaren-Teamchef Andrea Stella hat vor Gericht einen Erfolg erzielt

Der Fall hat nun Grundsatzdebatten ausgelöst: Die FIA kündigte an, ihre juristischen Prozesse und insbesondere das Right of Review (Recht auf Überprüfung) gründlich zu evaluieren. Auf den ersten Blick wirkt das System etabliert, doch im Paddock klaffen die Meinungen über Reformbedarf und Parteilichkeit weit auseinander. McLaren-Teamchef Andrea Stella sieht in den Turbulenzen eine Chance für den Sport. Dass die FIA den Fall als Katalysator für Veränderungen nutzt, stößt bei ihm auf Zustimmung: “Ich denke, in der Stellungnahme der FIA wird sehr gut hervorgehoben, dass dieser Fall am Ende auch etwas Positives an sich hat – einfach weil er den Anstoß gibt, die Art und Weise der Regelauslegung und deren Durchsetzung zu überdenken.”
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Stella sieht drei entscheidende Stellschrauben für eine Reform. Zum einen gelte es, die Arbeit der Rennkommissare zu schützen und zu verbessern: “Die Stewards machen einen extrem schwierigen Job. Sie müssen Entscheidungen unter großem Zeitdruck treffen. Wir als Wettbewerber wissen genau, was es bedeutet, wenn Zeit ein kritischer Faktor ist und der Druck steigt”, sagt er. Als zweiten Punkt fordert er klarere Hürden für das Einreichen eines Antrags: “Wir müssen genau definieren, unter welchen Bedingungen ein Antrag auf Überprüfung angenommen und weiterverfolgt werden sollte – und wann eben nicht.” Den dritten Punkt sieht der McLaren-Chef in der Verlässlichkeit der Datenerhebung selbst. Es gehe um die Konstanz bei der Anwendung von Messmethoden: “Wir messen in der Formel 1 unglaublich viele Dinge – sei es die Geschwindigkeit in der Boxengasse oder das Gewicht der Autos auf der Waage. Ich halte die Verlässlichkeit und Einheitlichkeit solcher Messverfahren für ein extrem wichtiges Thema.” Briatore interessiert nur Zusammensetzung Bei Alpine sitzt der Frust über den Urteilsspruch naturgemäß tief. Exekutivberater Flavio Briatore spart nicht mit scharfer Kritik an der Zusammensetzung des Richtergremiums und wirft die Frage nach deren Unabhängigkeit auf: “Die ursprüngliche Entscheidung in Monaco stammte von genau denselben Leuten”, sagt er. “Die netten Rennkommissare, von denen Stella spricht, waren genau dieselben Personen, und alles wurde exakt gleich gehandhabt.” Kontrovers: Zehn Rennsieger am grünen Tisch

Während er die sportliche Entscheidung zähneknirschend hinnehme, sieht Briatore bei der Besetzung der Gremien eine rote Linie überschritten: “Was ich allerdings nicht akzeptiere: Wenn man ein Richtergremium hat, braucht man jemanden, der völlig unabhängig ist.” “Unsere große Frage lautet schlicht und ergreifend: Warum war in diesem konkreten Fall jemand in das Panel eingebunden, der mit McLaren in Verbindung steht? So einfach ist das”, befeuert der Italiener seinen Vorwurf in Richtung des einen Richters. Frederic Vasseur: “Robustes Verfahren” Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur wählt einen diplomatischeren Ansatz und will sich auf die Unabhängigkeitsdebatte nicht einlassen: “Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich auf dieses Terrain begeben möchte”, winkt er zu Briatore ab.
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Zur Mechanik des Right of Review bezieht er jedoch klar Stellung und verteidigt das grundsätzliche Prinzip. Es sei nicht mit einer regulären Berufung zu vergleichen, sondern ein wichtiges Sicherheitsnetz: “Das Recht auf Überprüfung greift dann, wenn neue Beweise vorliegen.” Monza: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion

“Wenn man 30 Minuten nach dem Ende einer Session zu den Kommissaren zitiert wird, hatte man oft schlichtweg noch keine Zeit, alle Daten detailliert auszuwerten – und den Stewards geht es genauso. Dass man den Fall eine Woche später noch einmal aufrollen kann, sobald neue Videodaten oder Telemetrie vorliegen, halte ich für ein durchaus robustes Verfahren”, meint er.
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Was den konkreten Fall um Gaslys aberkannten Podestplatz angeht, zeigt sich Vasseur hin- und hergerissen zwischen sportlicher Härte und Regeltreue: “Auf der einen Seite kann ich die Frustration verstehen, wenn man das Limit nicht bewusst überschritten hat, um sich einen Vorteil zu verschaffen und dann bestraft wird.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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“Auf der anderen Seite verstehe ich aber genauso, dass eine Regel, wenn sie einmal angewendet wird, aus Gründen der Chancengleichheit für jeden gelten muss.”

 
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