Colapinto-Crash in Baku: Es gibt auch die, die ihn verteidigen …

Colapinto-Crash in Baku: Es gibt auch die, die ihn verteidigen …

 

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Der Gang zurück an die Alpine-Box, nach dem Crash beim Re-Start in Kurve 1, muss sich für Franco Colapinto wie ein “Walk of Shame” angefühlt haben. Er hatte nicht nur seinen Teamkollegen Pierre Gasly aus dem Rennen genommen, sondern auch Weltmeister Lando Norris. McLaren-Teamchef Andrea Stella dämmerte da schon: “Ich weiß nicht, was härter für ihn wird – die Reaktion von Flavio oder die Strafe von den Kommissaren.”  LAT Images Franco Colapintos Aktion in Runde 36 sah von außen ziemlich unglücklich aus

Während Norris in einer ersten Reaktion eine Sperre für Colapinto forderte, beließen es die FIA-Kommissare bei einer Rückversetzung um fünf Startpositionen für das nächste Rennen. Sie stellten zwar fest, “dass Colapinto die Kollision vollständig oder überwiegend verschuldet” und “zu spät gebremst” hatte. Aber: “Da Colapinto aus dem Rennen ausgeschieden war und die [zehn Sekunden] Zeitstrafe daher nicht mehr absitzen konnte, wandelten die Sportkommissare die Strafe […] in eine Rückversetzung um fünf Startplätze beim nächsten Rennen um, an dem der Fahrer teilnimmt.”
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Alpine-Teamchef Flavio Briatore sprach selbst in der offiziellen Presseaussendung zum Grand Prix von Aserbaidschan von einer “sehr schwachen Aktion für so einen erfahrenen Piloten”. Er werde sich überlegen, ob das disziplinarische Maßnahmen erfordere. Harter Tobak, wenn man bedenkt, wie sehr solche PR-Zitate, die für Medien und Partner bestimmt sind, üblicherweise weichgespült werden. Fahrerkollegen nehmen Colapinto in Schutz Doch inmitten aller Kritik gab es auch Stimmen, die Verständnis für Colapinto aufbrachten. Sieger George Russell etwa findet die Norris-Forderung nach einer Strafe “zu hart. Safety-Car-Re-Starts, kalte Reifen – da kann schon ein kleiner Fehler große Auswirkungen haben. Und genau danach hat das für mich ausgesehen.” Video wird geladen…  

Isack Hadjar meint: “Die Strecke ist nicht gut genug. Sobald du von der Ideallinie runterfährst, hat es ziemliche Bodenwellen. Hinter dem Safety-Car kriegst du keine Temperatur in die Reifen, weil das Safety-Car so langsam fährt. Dann übertreibst du es ein bisschen, und das hat enorme Konsequenzen. Ich finde auch, dass eine Sperre viel zu hart wäre.” “Sperren”, ergänzt Russell, “sollten meiner Meinung nach nur für Fahrer ausgesprochen werden, die absichtlich irgendwas sehr Gefährliches und Rücksichtsloses tun.” Ein Statement, dem auch Max Verstappen zustimmt: “Solange dem Fahrer bewusst ist, was er angestellt hat, und sich dafür entschuldigt, […] wäre das wahrscheinlich zu hart.” Zumal, wie Carlos Sainz erwähnt, “die Reifen das ganze Wochenende enorm schwierig auf Temperatur zu bringen waren. Es geht extrem schnell mit diesen Autos, die Anfahrtsgeschwindigkeit ein bisschen falsch einzuschätzen. Dann ist es hier in Baku neben der Linie sehr staubig, und deine Reifen sind eiskalt. Ich will Franco nicht verteidigen. Aber dieses Jahr kann dir so ein Fehler besonders leicht passieren.” Hat Colapinto wirklich so spät gebremst? Von außen betrachtet sah die Situation beim Re-Start in Runde 36 so aus, als hätte Colapinto auf völlig haarsträubende Art und Weise versucht, beim Anbremsen von Kurve 1 gleich ein paar Gegner auf einmal zu überholen – wie auf der PlayStation, wenn man das Spiel einfach neu starten kann, falls das ambitionierte Manöver in die Hose gehen sollte. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Schaut man sich hingegen die verschiedenen Onboard-Kamerabilder des Re-Starts genauer an, gewinnt man einen anderen Eindruck. Nämlich den, dass Colapinto nicht haarsträubend später gebremst hat als alle anderen, sondern vor allem weiter links, auf der schmutzigen Fahrbahnseite. Dadurch fehlte ihm Grip, die Räder blockierten – und von da an war er nur noch Passagier. Das bewerten die Kommissare in ihrer Urteilsbegründung ganz ähnlich: “Colapinto fuhr auf der Innenseite mit einer Geschwindigkeit in die Kurve, die es ihm nicht ermöglichte, diese kontrolliert zu durchfahren.” Trotzdem wurden nicht die mildernden Umstände angelegt, die sonst für die erste Runde unter Grün gelten, denn es gab “keinen Beitrag eines anderen Fahrers, der es gerechtfertigt hätte, den üblicherweise weniger strengen Maßstab für Zwischenfälle in der ersten Runde beziehungsweise der ersten Kurve anzuwenden”. Doch selbst wenn man versucht, für Colapinto Verständnis aufzubringen: Daran, dass er und nur er die Dreierkollision ausgelöst hat, besteht nicht der Hauch eines Zweifels. Oder, wie es Andrea Stella formuliert: “Man sollte, wenn man einen Formel-1-Wagen fährt, sich Kurve 1 in Baku nähert und so viele Videos aus der Vergangenheit gesehen hat, aus dieser Erfahrung Kapital schlagen. Diese Erfahrung sollte man als Formel-1-Fahrer einfach haben.”
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“Denn in diesem Fall hat das Konsequenzen, was für Alpine und beide Fahrer sicherlich sehr schade ist. Und es ist auch schade, weil andere Fahrer dafür den Preis zahlen. Deshalb denke ich definitiv, dass bei der Strafe berücksichtigt werden sollte, dass es bestimmte Strecken gibt, auf denen man besondere Vorsicht walten lassen muss”, so der McLaren-Teamchef. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Der Preis, den Alpine und McLaren für Colapintos Fehleinschätzung bezahlen mussten, war übrigens ein hoher. Beide Teams gingen am Samstag in der Konstrukteurs-WM leer aus. Alpine liegt jetzt an sechster Position, 15 Punkte hinter den Racing Bulls und 41 Punkte vor Haas.

 
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