Die Idee von Fernando Alonso, die Formula 1 zu retten: Wie realistisch ist sie?

Die Idee von Fernando Alonso, die Formula 1 zu retten: Wie realistisch ist sie?

 

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Nachdem die Verträge fast aller großer Namen für das kommende Jahr unter Dach und Fach sind, bleiben auf dem Fahrermarkt nur noch wenige Fragen offen: Behalten die Racing Bulls ihre Fahrerpaarung unverändert bei? Trennen sich die Wege von Haas und Esteban Ocon tatsächlich (wie es nach dem Medientag in Baku allgemein erwartet wird)? Und hängt Fernando Alonso noch ein weiteres Jahr dran?  LAT Images Fernando Alonso lässt die Formel 1 ob seiner Zukunft noch zappeln

Die Antwort auf die letzte Frage lautet aller Voraussicht nach “Ja” – auch wenn er in Madrid klarstellte, dass eine offizielle Verkündung keineswegs unmittelbar bevorsteht. Der zweifache Weltmeister gab sich bezüglich der Bedingungen für seinen Verbleib gewohnt kryptisch. Er machte jedoch unmissverständlich deutlich, dass für ihn das Reglement und der reine Fahrspaß hinter dem Steuer schwerer wiegen als das aktuelle Kräfteverhältnis rund um Aston Martin und Honda.
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Doch genau diese Aspekte haben sich in den Tagen seither spürbar miteinander verwoben. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem betonte, er wolle Alonso keinesfalls auf diese Weise aus der Formel 1 verabschieden, und kündigte an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um Aston Martin und Honda unter die Arme zu greifen. Dabei geht es allerdings um die sportliche Konkurrenzfähigkeit – und nicht primär um den Punkt, den Alonso immer wieder anprangert: das Regelwerk selbst. Zudem wirkte die Steilvorlage in der spanischen Hauptstadt wie eine willkommene Gelegenheit, Sympathiepunkte zu sammeln, indem man Alonso öffentlich Wertschätzung entgegenbrachte. Dies geschah durch das Andeuten von Anpassungen, die im Fahrerlager ohnehin längst erwartet werden. Schließlich herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass das ADUO-System (Additional Upgrade and Development Opportunities) derzeit nicht wie geplant greift – eine Nachbesserung käme also keineswegs nur Honda, sondern der gesamten Formel 1 zugute. Langer Monolog des Champions Somit bleibt offen, was es wirklich braucht, um Alonso für ein weiteres Jahr in der Königsklasse zu halten. Genau mit dieser Frage im Gepäck besuchte ich am Mittwoch die Medienrunde im Fahrerlager von Baku – um seine Aussagen aus Madrid einzuordnen und zu verhindern, dass Alonsos Kritik am Reglement und Sulayems Vorstoß noch weiter miteinander vermengt werden. Die Antwort, die folgte, dauerte exakt dreieinhalb Minuten: eine Monolog-Länge, die man sonst fast nur von Lando Norris kennt. “Natürlich bin ich ganz allgemein in einem anderen Sport großgeworden und fahre auch jetzt noch viele verschiedene Rennserien, vom Kartfahren bis zu Rallye-Autos. Ich bin im Juni den Valkyrie in Paul Ricard gefahren und im September einige alte Formel-1-Autos in Barcelona. Ich bin zwischen den Rennen sehr aktiv.”
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Laut Alonso eint all diese Einsätze eine zentrale Eigenschaft: Der Fahrer wird am Limit für seinen Mut und sein Risikobewusstsein belohnt. Warum ADUO die Formel-1-Welt spaltet Video wird geladen… Die ganze Formel-1-Welt diskutiert über ADUO – das neue FIA-System zur Unterstützung zurückliegender Motorenhersteller. Doch wie funktioniert dieser?

“In jedem einzelnen Auto, das ich fahre, fühlt es sich für mich völlig natürlich an, schnell zu sein. Man bremst später, geht früher ans Gas, riskiert mehr und lernt im Prozess dazu. Es ist lehrreich. Runde für Runde wird man schneller, weil man das Auto und die Limits immer besser versteht. Es ist reiner Fahrerinstinkt.” Und genau dieser Instinkt bleibe in der heutigen Formel 1 auf der Strecke. Die Folge: Selbst die Ausnahmekönner im Feld können ihr Potenzial nicht mehr voll ausspielen und den entscheidenden Unterschied ausmachen.
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“Mit dem aktuellen Reglement funktioniert das so nicht mehr. Man muss vor dem Fahren extrem viel nachdenken, weil alles vom Regelwerk, den Ingenieuren und den Simulationen im Voraus durchexerziert und vorgegeben ist. Es macht schlicht viel weniger Spaß, diese Autos zu bewegen.” Kein Vergleich zu anderen Serien Damit steht die Formel 1, wie Alonso zutreffend festhält, im klaren Widerspruch zu allen anderen Rennserien – inklusive der Nachwuchsklassen, die junge Piloten eigentlich auf die Königsklasse vorbereiten sollen. “Wir kommen alle aus den Nachwuchsformeln, aus dem Kartsport, der Formel 3, der Formel 2. Dort fährt man mit diesem natürlichen Reflex, schnell zu sein, die Kurven hart zu attackieren und ins Risiko zu gehen. Und dann kommt man in die Formel 1 und muss das, was man in den letzten 20 Jahren gelernt hat, erst einmal wieder abstreifen und eine völlig andere Herangehensweise wählen.” Formel-1-Fails: Diese Regeländerungen waren ein Reinfall

“Das gibt es so nur in der Formel 1. Es gibt keine andere Motorsport-Serie, in der man langsam fahren muss, um schnell zu sein.”
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Diesen Punkt hebt Alonso bereits die gesamte Saison über hervor – vom Auftakt in Australien bis hin zu den legendären Abschnitten in Silverstone oder Spa-Francorchamps, die verkommen seien zu kaum mehr als bloßen “Ladestationen”. Die FOM (Formula One Management) verweist unterdessen gebetsmühlenartig auf eigene Befragungen, wonach die Mehrheit der TV-Zuschauer die Show hervorragend finde. Doch wer die Komplexität hinter den Kulissen durchblickt, weiß, dass Alonso den Nagel auf den Kopf trifft und die aktuelle Ausrichtung dem eigentlichen Wesen des Rennsports widerspricht. Alonsos Druck auf die Formel 1 Hier liegt der Ursprung von Alonsos Frust. Wird ihn dieser Frust dazu bewegen, Ende der Saison den Helm an den Nagel zu hängen? Sehr wahrscheinlich nicht. Auch bei Aston Martin geht man fest davon aus, dass er im kommenden Jahr in einem Boliden aus der Feder von Adrian Newey sitzen wird. Doch der erfahrene Spanier versteht es meisterhaft, das politische Parkett zu bespielen.
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Indem er sich öffentlich noch nicht verbindlich für 2027 festlegt, hält er den Druck auf die Regelhüter aufrecht, das Produkt als Ganzes zu verbessern – ganz ähnlich, wie es Max Verstappen Anfang des Jahres praktizierte. Die Formel-1-Fahrer 2027

“Und wie ich in Madrid gesagt habe, gehört genau das auch zu meiner Verantwortung”, bekräftigte Alonso. “Ich fahre lange genug hier, um zu wissen, was die F1 braucht.”
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“Nächstes Jahr greift bereits die Anpassung beim 60:40-Verhältnis. Ich denke, das wird die Situation verbessern, aber es gibt womöglich noch weitere Stellschrauben, an denen wir ansetzen müssen”, so der Mann aus Oviedo. “Es gibt nach wie vor Spielraum, dazuzulernen und den Sport für das nächste Jahr besser aufzustellen. Das waren meine Äußerungen in Madrid, in Australien, in Barcelona und bei jedem einzelnen Rennen. Und genau diesen Dialog führe ich laufend mit Stefano, Mohammed oder dem Team im Allgemeinen.” Das schlägt Alonso vor Der aufschlussreichste Moment seiner Medienrunde in Baku folgte, als Alonso einen konkreten Lösungsansatz präsentierte. Missstände aufzuzeigen ist das eine; einen konstruktiven Vorschlag zur Besserung zu unterbreiten, der nächste Schritt.
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“Meiner Meinung nach könnte es helfen, die Spitzenleistung der Batterie über längere Zeiträume zu reduzieren”, schlug Alonso vor. “Dadurch bekäme man über die gesamte Gerade hinweg eine stetig ansteigende Geschwindigkeitskurve. Momentan erleben wir eine extrem brutale Beschleunigung, die danach abrupt abfällt.” “In der Folge fliegt man die Kurve auf merkwürdige Weise an, weil man die letzten 200 Meter im Lift and Coast verbringt. Mit etwas weniger Leistung über einen längeren Zeitraum würde der Geschwindigkeitsverlauf wieder dem eines echten Rennwagens entsprechen.” “Man käme mit Top-Speed an der Kurve an, anstatt die Höchstgeschwindigkeit schon auf der Mitte der Geraden zu erreichen. Vielleicht ist das ein Ansatz. Ich kenne nicht alle Details, aber wir müssen auf die Führung des Sports vertrauen.” Video wird geladen…  

Ein Denkanstoß, der Hand und Fuß hat. Er merzt das Grundübel des aktuellen Reglements zwar nicht vollständig aus, könnte das Fahrgefühl jedoch spürbar natürlicher gestalten, ehe für 2030 das Comeback der V8-Motoren winkt.
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Alonsos Kernidee: Den Fahrern am Kurvenausgang etwas elektrische Power entziehen. Die Beschleunigung fiele moderater aus als der derzeitige Katapultstart, dafür würden die Fahrer erst am Ende der Geraden ihre höchste Geschwindigkeit erreichen. Das würde nicht nur die Geschwindigkeitskurve natürlicher machen, sondern vor allem die Bremszonen wieder zu einer echten Mutprobe machen. Spätbremser könnten wieder einen Unterschied machen – ein Skill, der 2026 fast völlig entwertet wurde.
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Die finale Umgestaltung folgt erst 2030, doch als Übergangslösung könnte dieser Vorstoß dienen, um Grundtugenden des Rennsports zurückzuholen. Umsetzung gestaltet sich schwierig … Der Vorschlag klingt schlüssig und dürfte bei Puristen auf volle Zustimmung stoßen. Allerdings ist die Formel 1 ein hochpolitisches Haifischbecken. Bedenkt man, wie zäh die Verhandlungen um die Anpassungen für 2027 und 2028 verliefen, wird klar, wie steinig der Weg für weitere Reformen ist – was auch die FIA am Mittwoch auf Nachfrage bestätigte. Für 2028 mag ein solches Szenario realistisch sein; vor Beginn der kommenden Saison erscheinen Nachbesserungen dieser Tragweite jedoch kaum umsetzbar. Formel-1-Quiz
Wie viele Grands Prix brauchte Fernando Alonso bis zum ersten Sieg?
30 28 21 33 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Unstrittig ist: Der Purist in Alonso behält recht. Und vor dem großen Einschnitt 2030/2031 sollte jede Option geprüft werden, die dem Rennsport seine Ursprünglichkeit zurückgibt. Dieser Lösungsansatz kommt direkt vom erfahrensten Pilot im Feld und genießt auch die Rückendeckung von Fahrern wie Verstappen. Doch in der Formel 1 setzt sich die Vernunft oder das Gemeinwohl des Sports bekanntlich nicht immer durch.
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Alonso nutzt seine Hebelwirkung derzeit genau wie Verstappen, um den Druck auf die Verantwortlichen hochzuhalten. Ein Verbleib Alonsos für ein weiteres Jahr als würdigerer Abschied, gekoppelt mit Nachbesserungen für 2027, wäre das ideale Win-Win-Szenario. Meistgelesen in unserem Netzwerk GP Aserbaidschan
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Stand jetzt spricht allerdings vieles dafür, dass nur einer dieser beiden Wünsche in Erfüllung geht – und das ist nicht die erneute Reform des Regelwerks …

 
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