Die ungewöhnlichen Gerüchte um Aston Martin, Honda und Red Bull im Kontext

Die ungewöhnlichen Gerüchte um Aston Martin, Honda und Red Bull im Kontext

 

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Einer der bemerkenswertesten Momente des Sonntags in Austin spielte sich nicht auf der Rennstrecke ab, sondern im Formel-1-Paddock nach dem Großen Preis der USA. Während der üblichen Medienrunden nach dem Rennen wurden Vertreter von Aston Martin und Red Bull zu einem Thema befragt, das denkbar wenig mit dem Rennen auf dem Circuit of the Americas zu tun hatte – ganz im Gegenteil.  LAT Images Werden nicht den gleichen Motor haben: Red Bull und Aston Martin

Sowohl Mike Krack (Einsatzleiter bei Aston Martin) als auch Laurent Mekies (Teamchef von Red Bull) wurden gefragt, ob sie eine potenzielle zukünftige Partnerschaft zwischen den beiden Marken ausschließen könnten. Das klingt reichlich ungewöhnlich, und beide Herren schauten verständlicherweise überrascht drein, als diese Frage in ihren Medienrunden wie aus dem Nichts auftauchte. Genau deshalb erfordert die Angelegenheit eine Einordnung.
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Alles geht auf einen BBC-Artikel und eine etwas unglückliche Interpretation desselben zurück. In der regulären Q&A-Kolumne von Formel-1-Korrespondent Andrew Benson wurde die Frage gestellt, ob Kundenteams an der Red-Bull-Ford-Power-Unit interessiert sein könnten – da diese in ihrem ersten Jahr mehr als konkurrenzfähig zu sein scheint. Formel-1-Antriebe von Honda seit 1964

Die Antwort machte überaus deutlich, dass derzeit kein Formel-1-Team auf der Suche nach einem Triebwerk ist, und hob dann zu Recht etwas hervor, das im Paddock weitgehend bekannt ist: den Schock bei Aston Martin – insbesondere bei Teambesitzer Lawrence Stroll -, als zu Beginn dieses Jahres klar wurde, wie weit Honda auf der Motorenseite zu Beginn der neuen F1-Ära hinterherhinkte. Das führte verständlicherweise zu ersten Zweifeln und Überlegungen, wenngleich die Entscheidung getroffen wurde, weiterhin voll und ganz auf Honda zu setzen – etwas, das auch der BBC-Artikel korrekt betonte. Das einzige spekulative Element, das die Tür einen Spalt breit offen ließ, war die Möglichkeit, dass diese Zweifel wieder aufflammen könnten, falls Honda der erwartete Schritt nach vorne in – sagen wir – 2027 oder 2028 nicht gelingt. Wie so oft in der Formel 1 und der heutigen Medienlandschaft entwickelte die Geschichte in der Folge ein Eigenleben und wurde zu einem größeren Thema, als sie es laut mehreren Insidern hätte sein sollen. Es ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Etwas wird automatisch zum Thema – zu Recht oder zu Unrecht -, wenn nur genügend Leute im Formel-1-Paddock danach gefragt werden, was wiederum Berichterstattung erzeugt. Es ist ein Schneeballeffekt, weshalb es entscheidend ist, solche Geschichten richtig einzuordnen. Aston Martin: Werksdeal aufgeben, wäre extrem verfrüht Sowohl Krack als auch Mekies wurden am Sonntagabend gefragt, ob sie dementieren könnten, dass Gespräche zwischen Aston Martin und Red Bull Powertrains stattfinden – wobei die Tragweite dieser Frage natürlich erheblich weiter ging als alles, was im ursprünglichen BBC-Artikel angedeutet worden war. Krack stellte das langfristige Commitment von Aston Martin zu Honda umgehend klar.
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“Ich kann nur sagen, dass wir einen langfristigen Partner haben – nämlich Honda -, der an diesem Wochenende übrigens sein 500. Rennen absolviert hat. Und ich denke, wir werden auch noch zusammen sein, wenn wir unseren ersten gemeinsamen Sieg feiern”, erklärte der Aston-Martin-Vertreter. Es ist wichtig zu betonen, dass die aktuelle Partnerschaft und der Werksdeal theoretisch ein enormes Potenzial bieten. Ja, es stimmt, dass Honda noch längst nicht auf dem gewünschten Niveau ist, aber der japanische Hersteller hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er eine schwierige Situation wenden kann.
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Man denke nur an den Fehlstart mit McLaren, der letztlich zu mehreren WM-Titeln mit Red Bull führte. Video wird geladen…  

Das deckt sich mit den Aussagen von Adrian Newey während der FIA-Pressekonferenz in Austin. Auf angebliche Motivationsprobleme während der schwierigen Jahre bei Red Bull angesprochen, wies er implizit auf einen entscheidenden Unterschied zwischen dem damaligen Motorenpartner des Teams, Renault, und der heutigen Beziehung zu Honda hin. “Wenn der PU-Hersteller ein schlechtes Jahr hat, kommt das vor und man akzeptiert es. Wenn der PU-Hersteller jedoch ein schlechtes Jahr hat und scheinbar keinerlei Anstalten macht, das Problem anzugehen, ist das eine völlig andere Sache – und an dem Punkt wird es ziemlich düster.”
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“Das war leider die Situation, vor der wir 2014 standen. Und wie sich herausstellte, hat sich an dieser Situation mit diesem Lieferanten bis zu unserem Wechsel zu Honda im Jahr 2019 nicht wirklich etwas geändert. Sie können sich meinen Schmerz und meine Frustration damals also vorstellen.” Bei Honda stellt sich die Lage jedoch ganz anders dar. Der japanische Hersteller ist sich der aktuellen Defizite vollauf bewusst und zieht alle Register, um das Blatt zu wenden – etwas, das auch Newey hervorhob. “Bei Honda gibt es jetzt viel Energie und Projekte auf dem Weg, die sich vielleicht noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden, von denen wir uns aber sehr viel versprechen.”
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Das sagt einiges über Hondas Entschlossenheit aus, aber auch über das Potenzial, das längerfristig noch vorhanden ist. Aston Martin hat sich bewusst für einen Werksdeal entschieden, da dieser den nächsten Schritt in der Evolution des Teams markiert. Aston Martin: Alle F1-Autos seit 1991, von Jordan über Force India & Co.

Er bietet nicht nur eine weitaus bessere Möglichkeit, die Partnerschaft zu gestalten, als dies als Kundenteam möglich wäre, sondern bringt auch die potenziellen Vorteile mit sich, die Power-Unit effektiver in das Chassis zu integrieren und sich gegenseitig zu unterstützen – etwas, das sowohl Newey als auch Honda als entscheidende Priorität für 2027 identifiziert haben. Beide Marken sehen dieses Potenzial weiterhin vollkommen ein, was das Aufgeben eines Werksdeals höchst unwahrscheinlich und darüber hinaus zu einem extrem kurzfristigen Ansatz macht – quasi eine Kurzschlussreaktion. Red Bull: Noch nicht bereit für ein Kundenteam All das erklärt, warum es aus der Sicht von Aston Martin absolut Sinn ergeben würde, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, ihm Zeit zu geben und schlussendlich die Früchte dieser Werkspartnerschaft zu ernten.
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Und dann gibt es natürlich noch die Seite von Red Bull. Ja, das eigene Motorenprojekt in Zusammenarbeit mit Ford hat einen erheblich besseren Start hingelegt, als viele für möglich gehalten hatten, aber laut Mekies bedeutet das nicht automatisch, dass das Unternehmen bereit ist, den Schritt zur Belieferung von Kundenteams zu wagen. “Schauen Sie, wir haben viel ungewollte, positive Publicity über die Performance unseres Motors bekommen, und das ging natürlich mit der Aufmerksamkeit vieler Teams einher”, lächelte Mekies in Anspielung auf das ADUO-Ranking der FIA und die Tatsache, dass man keinen Entwicklungs-Token erhalten hat.
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“Führen wir ernsthafte Gespräche mit irgendjemandem über die Belieferung eines weiteren Teams? Nein, wir fühlen uns dafür nicht bereit. Ist das für die nächsten fünf Jahre in Stein gemeißelt? Nein, denn ich weiß nicht, was in den nächsten fünf Jahren passieren wird.” Video wird geladen…  

“Aber für uns gibt es definitiv genug Arbeit auf unserer Seite, um die Power-Unit zu verbessern, ihre Integration ins Auto zu optimieren und auf das Niveau der besten Konkurrenten zu kommen, bevor wir überhaupt darüber nachdenken können, zusätzlich zu Racing Bulls noch ein weiteres Team zu beliefern. In den nächsten ein, zwei Jahren wird sich also nichts ändern.” Einer der Hauptgründe für einen Hersteller, ein Kundenteam mit Motoren zu beliefern, besteht darin, mehr Daten zu sammeln, was der Entwicklung zugutekommen kann. Das ist einer der Faktoren, die Honda derzeit beeinträchtigen könnten – angesichts der Tatsache, dass man nur ein einziges Team beliefert und während der Wintertests sowie den Auftaktrennen wegen all der Zuverlässigkeitsprobleme nur sehr wenige Daten sammeln konnte.
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Für Red Bull ist das jedoch kein unmittelbarer Anreiz, ein Kundenteam an Bord zu holen, da man in Form des Schwesterteams Racing Bulls bereits eines besitzt. Der Hersteller aus Milton Keynes beliefert somit bereits zwei Teams und verfügt über vier Autos, um Daten zu generieren. All das bedeutet, dass eine solche Partnerschaft sowohl aus Sicht von Aston Martin als auch von Red Bull derzeit sicherlich keine naheliegende Option ist. Meistgelesen in unserem Netzwerk DTM
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Es ist entscheidend, die jüngsten Spekulationen in diesem Licht zu betrachten – mit anderen Worten: im richtigen Kontext. Es ist verständlich, dass vieles von Hondas Entwicklung in den kommenden Jahren abhängen wird, aber vorerst ist dies ein weiteres Beispiel für etwas, das das Formel-1-Paddock und die heutige Medienlandschaft häufig prägt: ein Sturm im Wasserglas.

 
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