“Etwas musste sich ändern”: Was Cadillac unter Budkowski braucht
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Nachdem Cadillac mit einem überraschenden Wechsel an der Teamspitze mitten in der Saison Nägel mit Köpfen gemacht hat, steht der neue Chef Marcin Budkowski vor der Aufgabe, die Schwachstellen des neuen Rennstalls zu beheben und das Entwicklungstempo drastisch zu beschleunigen. LAT Images Marcin Budkowski löste in der Sommerpause Graeme Lowdon ab
Unter dem ersten Teamchef und Mitbegründer Graeme Lowdon hat Cadillac beachtliche Arbeit geleistet, um unter extrem schwierigen Rahmenbedingungen ein F1-Start-up aufzubauen. Zwar gab es in den ersten Rennen der Teamgeschichte immer wieder Probleme, doch die sind für ein neues Team durchaus zu erwarten. Trotzdem schien in der Teamführung eine gewisse Ungeduld einzusetzen, sodass sich Towriss in der Sommerpause für einen drastischen Schritt entschied: Er ersetzte Lowdon durch den 49-jährigen polnischen Ingenieur Budkowski, der in den vergangenen 25 Jahren reichlich Erfahrung bei Größen wie Ferrari, McLaren, Renault und der FIA gesammelt hat.
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Bei Cadillac herrschte zwar weitgehend Konsens darüber, dass hinter den Kulissen bestimmte Dinge verändert und aufgeräumt werden mussten. Ein Wechsel an der absoluten Spitze durch den Tausch von Lowdon zu Budkowski kam jedoch aus heiterem Himmel. Bottas überrascht, aber respektiert den Schritt Während Bottas zustimmt, dass sich im Rennstall “etwas ändern musste”, hatte er nicht damit gerechnet, dass Lowdon den Preis dafür zahlen würde. Der Finne räumt ein, gemischte Gefühle zu haben, da er das Aus für den Mann, der ihn zu Cadillac geholt hatte, erst einmal verdauen musste. “Ich denke, so ein großer Wechsel mitten in der Saison ist im ersten Moment immer überraschend”, sagt Bottas im Paddock von Zandvoort. “Aber Dan hat mir dann all die Gründe für diesen Schritt erklärt, und das respektiere ich.” “Ich glaube, es musste sich etwas ändern. Einige der Probleme haben sich einfach zu lange hingezogen”, so der Finne. “Aber mit einem so radikalen Schritt habe ich nicht ganz gerechnet. Ich hätte vielleicht eher mit Veränderungen in der Fabrik gerechnet.” “Es ist natürlich extrem schade, dass es Graeme getroffen hat, denn in erster Linie ist er ein Freund von mir. Aber ich finde auch, dass er beim Aufbau des Teams tolle Arbeit geleistet hat – davor ziehe ich meinen Hut”, so Bottas weiter. Die aktuellen Teamchefs der Formel 1
“Gleichzeitig heiße ich Marcin willkommen. Ein Grund für den Wechsel war sicher, eine Person mit technischem Hintergrund in dieser Position zu haben. Er hat meine volle Unterstützung.”
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Perez schließt sich den Worten seines Teamkollegen an und würdigt Lowdons Verdienste, zeigt sich aber gleichzeitig voller Tatendrang für die Zusammenarbeit mit Budkowski: “Ich denke, Graeme hat gemeinsam mit GM und Dan einen enormen Anteil daran gehabt, Cadillac dorthin zu bringen, wo das Team heute steht. Er ist Teil der Geschichte dieses Rennstalls, und ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute.” “Ich finde es wirklich spannend, wenn eine neue Führungskraft kommt und eine neue Perspektive einbringt”, so der Mexikaner. “Ich habe noch nicht viel Zeit mit ihm verbracht, aber ich denke, es war Zeit für eine Veränderung. Es zeigt, dass Cadillac – obwohl es erst unser erstes Jahr ist – dieses Team so schnell wie möglich nach vorne bringen will. Und wir hoffen, dass uns das unter der neuen Leitung zeitnah gelingt.” Der Wechsel am Kommandostand Ein Teamchef-Wechsel nur sechs Monate nach den ersten Gehversuchen des Rennstalls zeigt, dass es Towriss keineswegs an Entschlossenheit fehlt, personelle Konsequenzen zu ziehen, um Fortschritt zu erzwingen.
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Doch angesichts des komplexen Regelwerks und der knappen Zeitpläne bei der Konstruktion des Autos für 2027 bleibt auch Budkowski nicht viel Zeit zur Eingewöhnung. Seine erste Herausforderung zeichnete sich bereits an seinem ersten Arbeitstag ab: Das Team bezog am selben Tag seine neue Fabrik in Silverstone. “Die Fabrik ist fantastisch. Es ist ein neuer Komplex, der tatsächlich erst am Montag in Betrieb genommen wurde – genau an meinem ersten Tag. Es war also ganz nett, weil ich nicht der Einzige war, der an Tag eins seinen Schreibtisch nicht finden konnte”, scherzt Budkowski. “Das ist definitiv ein riesiger Schritt nach vorne im Vergleich zu dem, womit das Team bis dahin arbeiten musste – das war ja eine Übergangslösung direkt auf dem Areal der Rennstrecke in Silverstone.” Fährt Cadillac 2026 nur hinterher? Video wird geladen… Der große Cadillac-Check für die F1-Saison 2026
Budkowski räumt ein, dass er noch einige Wochen benötigen werde, um sich ein “vollständiges Bild” von den Abläufen im Team zu machen. Bei aller Anerkennung für den “überragenden Job”, den sein Vorgänger geleistet hat, um Cadillac auf respektable Weise in die Startaufstellung zu bringen, hat er bereits einige strukturelle Hauptschwachstellen ausgemacht.
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“Ich sehe langsam die Dinge, die wir in den nächsten Wochen massiv anpacken und priorisieren müssen”, sagt er. “In der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, mussten sie Abkürzungen nehmen – und einige davon fallen uns jetzt ein wenig auf die Füße.” “Die Mannschaft hat einen extremen Kraftakt hinter sich, und Entscheidungen, die man unter solchem Druck trifft, unterscheiden sich von denen in ruhigeren Zeiten”, betont er. “Hätten sie drei Jahre statt einem Jahr Zeit gehabt, hätten sie manche Bereiche besser gelöst. Aber das ist keine Kritik, denn was sie in der verbleibenden Zeit auf die Beine gestellt haben – ich glaube nicht, dass das viele andere geschafft hätten.” Hausaufgaben für 2027 und akute Brandherde Budkowski zeigt sich zuversichtlich, dass Cadillac für 2027 eine spürbare Kurskorrektur vornehmen kann. Dennoch hofft er, dass einige kurzfristige Anpassungen die Situation bereits in dieser Saison verbessern können – zumal der jüngste Aufwärtstrend von Aston Martin das Team ans Ende des Feldes gedrückt hat.
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Das Thema der Kühlung der Bremsen ist eine der sehr offensichtlichen, kurzfristigen Prioritäten. “Ja, es gibt Zuverlässigkeitsprobleme, die vielleicht nicht auf dem Niveau liegen, das man von einem Formel-1-Team erwartet. Aber manche Bereiche sind extrem komplex – und das Bremssystem gehört dazu”, betont Budkowski. “Bei Design und Materialauswahl wurden Fehler gemacht, die wir beheben werden. Es ist eine unglückliche Kette von Ereignissen, weil es nicht die eine Fehlerquelle gibt, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Das ist eine dieser Situationen: Man behebt eine Sache, dann geht etwas anderes schief, und man lernt erst durch den Prozess dazu.”
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Er fügt hinzu: “Eine Sache, die mir sofort aufgefallen ist: Wir haben viele junge, hochintelligente Leute in der Fabrik. Extrem talentiert, extrem motiviert, aber ihnen fehlt noch die Erfahrung und die Breite im Kader, wie sie viele andere Teams haben.” “Teams bauen über Jahre hinweg kollektives Wissen auf – manchmal nennen wir das die DNA des Autos. Es ist die Geschichte einer Gruppe von Menschen, die seit Jahren gemeinsam Rennwagen baut”, so Budkowski. Zwischenzeugnisse: Die besten Formel-1-Fahrer zur Sommerpause
“So etwas existiert in dieser Mannschaft noch nicht. Dieses Auto war in Wahrheit der erste Prototyp. Diese Truppe hat nun zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, gemeinsam ein Auto gebaut zu haben, und das wird für nächstes Jahr definitiv helfen.”
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“Wir haben also extrem viel gelernt. Ein paar Dinge können wir für dieses Jahr noch anpacken, aber das meiste muss auf das Auto für das nächste Jahr warten.” Da große Sprünge erst für 2027 zu erwarten sind, hofft Bottas, dass das Team zumindest die am leichtesten erreichbaren Potenziale ausschöpfen kann, indem die schmerzhaftesten Mängel abgestellt werden: “Wir lassen in puncto Qualität, Präzision beim Set-up sowie bei der Fertigung von Teilen wie Diffusoren, Flügeln und Karosserie noch einiges an Rundenzeit liegen”, sagt er. “Wenn wir dort mehr Konstanz reinbringen, sprechen wir über spürbare Zeitgewinne auf der Stoppuhr.”
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“Wir müssen die Qualität des Autos auf ein Niveau bringen, dass es wie ein F1-Auto aussieht, das von einem F1-Top-Team eingesetzt wird”, sagt er weiter. “Meine Sichtweise ist: Was auch immer wir jetzt tun – wir dürfen keinesfalls die Performance für 2027 opfern. Denn mit dem neuen Auto müssen wir einen deutlich größeren Sprung machen.”
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