Fahrer uneinig über Neustart: Wie riskant war das Regen-Qualifying?

Fahrer uneinig über Neustart: Wie riskant war das Regen-Qualifying?

 

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Das Qualifying zum Sao Paulo Grand Prix wurde zur Geduldsprobe – und anschließend zu einer besonderen Herausforderung für die Fahrer. Nach einer Regenunterbrechung von einer Stunde und 23 Minuten gab die Rennleitung die Strecke wieder frei. Auf komplett nasser Fahrbahn mussten die Piloten zunächst mit den extremen Regenreifen zurechtkommen, ehe in Q2 der Wechsel auf Intermediates entscheidend wurde. Die Bedingungen sorgten für Aquaplaning, schlechte Sicht und mehrere Ausrutscher.  LAT Images Die Formel-1-Autos mussten im Brasilien-Qualifying enorme Wassermassen bewältigen

Lange sah es so aus, als würde die Qualifikation gar nicht mehr fortgesetzt werden. Eine Wiederholung des Szenarios von 2024, als das Qualifying auf den Sonntagmorgen verschoben werden musste, schien möglich. Doch eine kurze Wetterbesserung brachte die Wende: Die Strecke trocknete gerade weit genug ab, sodass Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer grünes Licht geben konnte. Trotzdem war die Sicht für die Fahrer zunächst stark eingeschränkt. Die Rennleitung entschied sich für einen vorsichtigen Neustart, doch die Bedingungen blieben anspruchsvoll. Zum Einsatz kamen die blauen Extremregenreifen von Pirelli, die im Fahrerlager häufig kritisch betrachtet werden und oft vor allem als Reifen für Safety-Car-Phasen gelten. In Sao Paulo erwiesen sie sich allerdings als passende Wahl für die großen Wassermengen auf der Strecke. Extremregenreifen: Mehr Sicherheit, aber weniger Sicht Die sogenannten X-Wet-Reifen sind darauf ausgelegt, besonders viel Wasser zu verdrängen. Laut Pirelli können sie rund 85 Liter Wasser pro Sekunde ableiten. Das hilft dabei, die Fahrbahn schneller freizubekommen. Gleichzeitig entsteht hinter den Autos aber eine massive Gischtwolke, die den nachfolgenden Fahrern die Sicht erschwert.
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Auch die Aquaplaning-Gefahr blieb zunächst hoch. Bei hohen Geschwindigkeiten konnten die Reifen den Wasserfilm nicht immer ausreichend verdrängen, sodass die Autos teilweise den Kontakt zur Fahrbahn verloren. Hinzu kamen längere Bremswege und die Schwierigkeit, unter diesen Bedingungen verlässliche Bremspunkte zu finden. Carlos Sainz bezeichnete die Entscheidung der Rennleitung, das Qualifying wieder aufzunehmen, als mutig. “Es fühlte sich ziemlich gewagt an, als wir auf den Extremregenreifen rausgefahren sind, weil wir auf den Geraden im sechsten und siebten Gang Aquaplaning hatten. Wenn man bei solchen Geschwindigkeiten die Kontrolle über das Auto verliert, endet das schnell in einem heftigen Unfall”, so der Spanier. Auch die Sicht sei problematisch gewesen, besonders wenn man einem anderen Auto folgte. Im Qualifying hätten die Fahrer allerdings die Möglichkeit gehabt, etwas Abstand zu halten. “Die ersten zwei Runden waren ziemlich heikel. Danach konnten wir eine kleine trockene Linie herausfahren, die Reifen begannen zu funktionieren und das Aquaplaning ließ nach”, meint Sainz. Fahrer uneinig über den Neustart Liam Lawson teilt die Einschätzung von Sainz. Auch er hielt die Bedingungen zu Beginn für grenzwertig, begrüßte aber grundsätzlich, dass die Autos wieder auf die Strecke geschickt wurden. “Als wir gestartet sind, war es extrem heikel.” “Ich denke, wir haben die Grenzen definitiv ausgereizt. Aber mir gefällt, dass wir draußen waren und nicht in der Garage saßen. Natürlich ist es riskant, aber es gab nicht besonders viele Zwischenfälle”, sagt der Racing-Bulls-Pilot.
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Nicht alle Fahrer waren mit dem Neustart gleichermaßen zufrieden. George Russell erklärt, dass er das Fahren im Regen grundsätzlich liebe, die Bedingungen aber auch aus Sicherheitsgründen kritisch sehe. Die F1-Show zum Grand Prix von Brasilien | Samstag F1 São Paulo 2026 Video wird geladen…  

“Ich liebe es, im Regen zu fahren. Aber wenn das ein Rennen gewesen wäre, hätten wir unter diesen Bedingungen auf keinen Fall fahren dürfen. Die Wahrscheinlichkeit eines wirklich schrecklichen Unfalls wäre sehr, sehr hoch gewesen”, warnt der Mercedes-Pilot. Auch Kimi Antonelli und Oliver Bearman äußerten Bedenken. Der neue Weltmeister bezeichnete die Bedingungen als die nassesten, unter denen er jemals gefahren sei. Beide hatten den Neustart in Q1 zunächst als zu riskant empfunden. Bearman räumte allerdings ein, dass die frühen Runden dazu beitrugen, die Strecke allmählich zu verbessern. Warum der Regen die Kräfteverhältnisse verschob Die nassen Bedingungen veränderten auch die sportlichen Voraussetzungen. Die Erkenntnisse aus den Trainings waren nur noch bedingt aussagekräftig, denn auf der rutschigen Strecke rückten andere Faktoren in den Vordergrund. Die Unterschiede bei Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung fielen weniger stark ins Gewicht. Stattdessen wurden Abtrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten und das Aufwärmen der Reifen entscheidend.
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Auch die Fahrer mussten sich auf zusätzliche Herausforderungen einstellen. Die 2026er-Powerunits und die elektronische Kontrolle der Hinterradbremsen machten es schwieriger, das Auto beim Bremsen und Herausbeschleunigen zu stabilisieren. Wer die Reifen auf Temperatur bekam und die Bremszonen richtig einschätzte, konnte sich einen Vorteil verschaffen. Fernando Alonso erinnert allerdings daran, dass die Antriebseinheit auch bei Regen eine wichtige Rolle spielt. “Der Motor ist sehr wichtig, was die Fahrbarkeit und das Verhalten des Autos in den Kurven angeht. Und da haben wir immer noch ein kleines Problem”, erklärt der Spanier. Wechsel auf Intermediates wird zum entscheidenden Faktor In Q1 ging es zunächst darum, möglichst fehlerfreie Runden zu absolvieren und auf eine Verbesserung der Strecke zu hoffen. Mit jeder Runde entstand eine trockenere Linie, die Zeiten wurden schneller und die Fahrer konnten ihre Bremspunkte zunehmend nach hinten verschieben.
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In Q2 kam dann der entscheidende Reifenwechsel. Weil immer weniger Wasser auf der Strecke stand, begannen die Extremregenreifen zu überhitzen. Besonders im mittleren Sektor verloren sie zunehmend an Leistung. Die Intermediates wurden deshalb zur besseren Wahl. Die F1-Show zum Grand Prix von Brasilien | Sonntag F1 São Paulo 2026 Video wird geladen…  

Das richtige Timing beim Wechsel war entscheidend. Liam Lawson und Racing Bulls erwischten den Übergang nach eigener Einschätzung besonders gut. So konnte das Team mehrere schnelle Runden fahren, ohne unnötig viel Risiko einzugehen.
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Andere Piloten hatten dagegen größere Schwierigkeiten. Sainz und Bearman rutschten in Kurve zwölf von der Strecke. Auch Haas-Neuling Rafael Camara bekam sein Auto am Ende von Q2 nicht rechtzeitig abgebremst und schlug in die Barriere ein. Q3 wird zum Wettlauf gegen den nächsten Regenschauer Im letzten Qualifying-Abschnitt drohte erneut stärkerer Regen. Deshalb ging es für die Fahrer weniger darum, auf eine weitere Verbesserung der Strecke zu warten. Stattdessen musste möglichst schnell eine saubere Runde her. Die Intermediates waren für die Bedingungen geeignet, doch die erwarteten Niederschläge setzten die Fahrer unter Zeitdruck. Die meisten Piloten schienen die seltene Gelegenheit, unter echten Regenbedingungen zu fahren, durchaus zu genießen. Gleichzeitig zeigte das Qualifying, wie schmal der Grat zwischen einer schnellen Runde und einem Unfall sein kann.
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Für den Sonntag dürfte die Erfahrung besonders wertvoll sein. Auch im Rennen werden wechselhafte Bedingungen erwartet. Die Teams müssen deshalb in der Nacht entscheiden, ob sie ihre Abstimmung anpassen und dafür möglicherweise einen Start aus der Boxengasse in Kauf nehmen. Die Regenqualifikation hat dafür reichlich Daten geliefert – aber auch neue Fragen aufgeworfen.

 
Formel1.de 

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