Hätte die geplante Einstoppstrategie von Lewis Hamilton funktioniert?
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Ein spätes Virtuelles Safety-Car (VSC) wegen Trümmerteilen bremste Lewis Hamiltons Aufholjagd auf das Podium beim Großen Preis der Niederlande vorerst aus. Sein Angriff auf den drittplatzierten George Russell, der auf stark abgenutzten harten Reifen unterwegs war, wurde dadurch für eine Runde unterbrochen. Speedpictures Lewis Hamilton wurde zwischenzeitlich auf einen Stopp gesetzt
Hamiltons Schwung war plötzlich dahin, und die verbleibende Zeit reichte nicht mehr aus, um sich erneut in Schlagdistanz zu bringen und an seinem ehemaligen Teamkollegen vorbeizuziehen. Zuvor war Hamiltons Ausgangslage bereits dadurch beeinträchtigt worden, dass er ein wenig hinter Charles Leclerc feststeckte, der zwar auf Russell aufgeschlossen hatte, aber bis zu dessen Stopp in Runde 40 keinen Weg vorbeifinden konnte. Als Leclerc drei Runden später an die Box abbog, war der Weg für Hamilton endlich frei. Ohne es selbst zu wissen, schlug er damit den Weg in Richtung einer ehrgeizigen Einstoppstrategie ein. Bei Ferrari ging man davon aus, dass der siebenfache Weltmeister bis zum Rennende durchfahren würde.
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Der Nachdruck, mit dem er seine vorübergehende Führung gegen Kimi Antonelli und Lando Norris verteidigte, unterstrich, dass er um jede einzelne Position kämpfte. Ferrari-Teamchef Frederic Vasseur bestätigte dies später und erklärte, dass die fehlende Kommunikation bewusst gewählt wurde, um die Konkurrenz über den Boxenfunk nicht vorzuwarnen. Schließlich eröffnete ein VSC – ausgelöst durch den Ausfall von Esteban Ocon einige Runden vor der späten Trümmerteile-Gelbphase – Ferrari das nötige Fenster, um Hamilton reinzuholen und ihm frische Softs zu geben. Das ermöglichte überhaupt erst das späte Duell mit Russell, auch wenn Hamilton in der Schlussphase letztlich die Zeit ausging, um das Überholmanöver zu vollenden. Die Mathematik der Runden Doch wie hätte das Rennen ohne das VSC ausgesehen? Hätte Hamilton die Einstoppstrategie erfolgreich durchbringen können? Um die VSC-Phasen herauszurechnen, müssen einige plausible Annahmen getroffen werden. Für Hamiltons Pace nehmen wir den Mittelwert seiner Rundenzeiten von Runde 39 bis 53 in weitgehend freier Fahrt als Maßstab. Das ergibt eine Basiszeit von 1:16.431 Minuten, die wir auch für seine Runde 55 anstelle der tatsächlichen In-Lap einsetzen. Runde 54 bleibt mit 1:18.011 Minuten unverändert, da er dort Zeit im Zweikampf mit Antonelli und Norris verlor. Video wird geladen…
Der Einfachheit halber kalkulieren wir ab diesem Zeitpunkt keinen weiteren Reifenabbau ein und nehmen an, dass Hamilton jede verbleibende Runde in 1:16.431 Minuten absolviert hätte. Für Russell nutzen wir seine realen Rundenzeiten und ersetzen die VSC-Phasen durch den Mittelwert der jeweils umgebenden Runden. Für die Runden 55 bis 57 bilden wir den Durchschnitt aus Runde 54 (1:15.654 Minuten) und Runde 58 (1:15.581 Minuten), was 1:15.618 Minuten ergibt. Das gleiche Verfahren wenden wir für Runde 70 aus den Werten der Runden 69 und 71 an (1:16.324 Minuten). Rechnet man diese Rundenzeiten zusammen und berücksichtigt Hamiltons Rückstand auf Russell am Ende von Runde 38 (3,142 Sekunden), ergibt sich ein klarer Trend für den Rennverlauf von Runde 39 bis 72. Keine Chance auf Rang drei? In diesem Szenario wäre Russell über den gesamten Stint hinweg trotz seines zusätzlichen Boxenstopps insgesamt 4,359 Sekunden schneller gewesen. Da er dank des Reifenvorteils Zeiten fahren konnte, die rund eine Sekunde schneller waren als die von Hamilton, wäre ein Überholmanöver seitens Russell nur eine Frage der Zeit gewesen.
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Rechnet man die Abstände Runde für Runde durch, wäre Russell am Ende von Runde 60 in Schlagdistanz gewesen und hätte frühestens in Runde 61 vorbeiziehen können. Selbst wenn Hamiltons Reifenverschleiß durch den Zeitgewinn des geringeren Fahrzeuggewichts (Treibstoffverbrauch) ausgeglichen worden wäre, hätte sich Russell den dritten Platz höchstwahrscheinlich zurückgeholt. Zandvoort: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion
Damit Hamilton vorne geblieben wäre, hätte der Zeitgewinn durch das sinkende Gewicht den Reifenabbau um etwa 0,07 Sekunden pro Runde übertreffen müssen. Das ist unrealistisch, da selbst Russell auf frischeren Reifen gegen Ende des Rennens keine tiefen 1:15er-Zeiten mehr fuhr – genau das hätte Hamilton jedoch leisten müssen.
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In der Realität wäre bei derart alten Reifen ein deutlicher Leistungsabfall einzukalkulieren gewesen, womit die Einstoppstrategie bestenfalls Zweckoptimismus war. Meistgelesen in unserem Netzwerk DTM
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Der Boxenstopp während der VSC-Phase hat Hamiltons Chancen somit erheblich verbessert. Auch wenn es am Ende knapp nicht gereicht hat, bot ihm der frische Soft-Reifen im Schlussspurt überhaupt erst die Möglichkeit, einen Rückstand von fast sieben Sekunden in der Endphase wieder zuzufahren.
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