Horner-Aussagen über Newey: Wiederholt sich bei Aston Martin die Geschichte?

Horner-Aussagen über Newey: Wiederholt sich bei Aston Martin die Geschichte?

 

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Als Christian Horner auf dem Sofa seines Landsitzes zum Interview mit Autosport Platz nahm und der Name Adrian Newey fiel, war die Botschaft zwischen den Zeilen eindeutig. Ganz ähnlich wie in seinem Buch “Drive” (ANZEIGE: Die neue Horner-Autobiografie jetzt auf Amazon bestellen!): Ja, Horner ist offenkundig enttäuscht darüber, wie Newey Red Bull verlassen und diesen Schritt kommuniziert hat. Aber das Wissen und die Fähigkeiten des legendären Konstrukteurs schätzt er nach wie vor außerordentlich.   Lange Zeit Kollegen bei Red Bull: Adrian Newey und Christian Horner

Und weil der ehemalige Teamchef die Formel 1 erstmals seit 20 Jahren von außen betrachten kann, teilte er in dem Gespräch mit Stuart Codling noch eine weitere Beobachtung: Horner erkennt viele Parallelen zwischen Neweys Anfangsjahren bei Red Bull und seinem schwierigen Start bei Aston Martin. “Von außen betrachtet wiederholt sich einfach die Geschichte”, sagt Horner. “Er ist natürlich zu Aston gegangen und sollte dort so arbeiten können, wie er es gewohnt ist. Und darauf waren sie offensichtlich weder vorbereitet noch entsprechend aufgestellt. Deshalb ist er zweifellos gerade dabei, die dafür nötigen Strukturen zu schaffen.”
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Laut Horner war Red Bull ebenfalls nicht auf Newey vorbereitet, als dieser 2006 von McLaren kam. Das begann schon auf der menschlichen Ebene, im damals bestehenden Technikteam. “Es gab Widerstand, als ich Adrian anwarb und ihn davon überzeugte, zu uns zu kommen”, erinnert sich Horner. “Gerade innerhalb der alten Garde der ehemaligen Jaguar-Mannschaft herrschte die Haltung: ‘Nun, Adrian wird sich an unsere Arbeitsweise anpassen müssen.’ Und ich dachte: ‘Nein, ihr werdet euch an seine Arbeitsweise anpassen müssen.'” Video wird geladen…  

Neben diesen menschlichen Faktoren – eine neue Unternehmenskultur zu etablieren, ist schließlich immer schwierig – war Red Bull aber auch technisch nicht vorbereitet. Horner scherzte deshalb, es sei gewesen, als wäre Newey vom Mond aus in Milton Keynes gelandet: “Als Organisation waren wir einfach unzureichend ausgestattet und noch nicht reif genug, um das umzusetzen. Unsere Werkzeuge waren nicht ausgereift genug, und unsere Fertigungsprozesse waren noch nicht weit genug entwickelt.” Auch Newey erkennt Parallelen zu seinen Red-Bull-Jahren Newey, in Austin mit diesen Aussagen konfrontiert, scheint diese Einschätzung zumindest teilweise zu teilen. Auch er hat das Gefühl, dass sich mit seinem Wechsel zu Aston Martin die Geschichte in gewisser Weise wiederholt: “Ich denke, es gibt tatsächlich viele Parallelen zwischen meinem Start bei Red Bull und meinem Start bei Aston Martin”, räumt Newey ein. “Beide Teams haben im Laufe ihrer Geschichte ziemlich viel Unruhe erlebt, mit Eigentümerwechseln, Wechseln im Führungspersonal und so weiter. Und dann geht es vor allem darum, alle dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten, Silodenken aufzubrechen und die Kultur zu verbessern. Das war jetzt wieder genau dasselbe.” Das passt zu Horners Schilderungen über den Widerstand, auf den er damals bei Red Bull stieß. Bei Aston Martin scheint das zwar deutlich weniger ein Thema gewesen zu sein, schließlich wurde Newey dort beinahe wie ein Heilsbringer empfangen. Trotzdem unterschied sich die bisherige Arbeitsweise des Technikteams in Silverstone von seiner. Sich auf seinen Ansatz einzustellen, war entsprechend gewöhnungsbedürftig.
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Eine weitere Gemeinsamkeit betrifft den Zeitpunkt von Neweys Einstieg und seine Herangehensweise. Newey begann im März 2025 bei Aston Martin und machte umgehend klar, dass er mit dem damaligen Auto, das er naturgemäß nicht selbst entworfen hatte, möglichst wenig zu tun haben wollte. Zwar brachte er seine Einschätzungen bei Besprechungen in der Mittagspause ein. Konzentrieren wollte er sich aber ganz auf den AMR26, seine erste eigene Kreation in British Racing Green. Wegen der grundlegenden Überarbeitung des technischen Reglements war das diesmal zwar vollkommen nachvollziehbar. Doch vor 20 Jahren lief es ganz ähnlich. Als im Autosport-Interview zur Sprache kam, dass sich Newey nach seiner Ankunft den RB2 angesehen und versucht hatte, ihn zu verstehen, musste Horner sofort lachen: “Und er hat ihn nicht verstanden!” “Als ich zu Red Bull kam, sagte man mir: Wir haben diesen Mann eingestellt, den Niki Lauda empfohlen hat. Er war früher bei Jaguar, und er heißt Günther Steiner”, erzählt Horner weiter. “Ich hatte noch nie von ihm gehört. Und als ich ihn im Internet nachschlug, sah er ziemlich furchteinflößend aus. Das war mein erster Eindruck.”
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“Er war damals für den RB2 verantwortlich, das Auto mit Ferrari-Motor, das bei einem Shakedown in Silverstone bei ungefähr drei Grad überhitzte. Adrian Newey kam kurz darauf dazu und sagte: ‘Nun, dieses Auto vergessen wir lieber.'” In beiden Fällen wollte Newey also möglichst wenig mit dem Auto zu tun haben, das vor seiner Ankunft entwickelt worden war. Und in beiden Fällen wurde sein erstes eigenes Auto zu einer zumindest teilweise komplizierten Angelegenheit. Die Gründe dafür waren allerdings unterschiedlich. Bei Aston Martin lag es vor allem daran, dass vor seinem Einstieg kaum Grundlagenarbeit zum Reglement für 2026 geleistet worden war. Darauf wies er in Austin erneut hin. Bei Red Bull lag es hingegen daran, dass manche seiner Ideen für den damaligen Entwicklungsstand des Teams schlicht zu revolutionär waren: “Er wollte schon in diesem ersten Jahr ein Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung, weil das Zehntelsekunden pro Runde bringen würde. Aber wir schafften ungefähr vier Runden, bevor es uns um die Ohren flog! Wir hatten keinen Getriebeprüfstand, und uns fehlten so viele der verschiedenen Prüfstände, die dafür nötig gewesen wären”, sagt Horner.
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“In diesem ersten Jahr, 2007, waren wir also einfach noch nicht bereit für ihn. Deshalb hatte das Auto alle möglichen Probleme: Zuverlässigkeitsprobleme, Probleme mit der Aufhängung, Getriebeprobleme, Elektrikprobleme. Einfach deshalb, weil er bei seinen Vorstellungen keine Kompromisse einging.” Unterschiede zwischen Neweys Starts bei Red Bull und Aston Martin Damit sind wir bei den Unterschieden angekommen. Denn bei allen Parallelen, die Newey erkennt, gibt es durchaus einige wesentliche Punkte, in denen sich die beiden Situationen unterscheiden. Der erste betrifft die Entstehungsgeschichte des jeweils ersten Autos, das tatsächlich von Neweys Zeichenbrett stammte. Bei Aston Martin ging es weniger um revolutionäre Ideen als um schiere Notwendigkeit: Weil zuvor kaum Grundlagenarbeit geleistet worden war, musste Newey auf vertraute Konzepte zurückgreifen. Dazu gehörte eine starke Anstellung des Autos, also ein hoch stehendes Heck. Erst später stellte sich heraus, dass dieser Ansatz unter dem aktuellen Reglement nicht optimal war.
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“Wir hatten eine sehr kurze, komprimierte Forschungsphase. Ich habe mir das Reglement angesehen und hatte das Gefühl, dass es zu einer Lösung mit starker Anstellung passen könnte. Diesen Weg haben wir dann verfolgt”, erklärt Newey. “Um ehrlich zu sein: Ich denke, das hatte einige Stärken, aber eben auch einige Schwächen. Inzwischen sind wir zu dem zurückgekehrt, was ich als Mittelweg bezeichnen würde. Und das halten wir für eine ziemlich gute Lösung.” Aufstieg und Fall von Christian Horner bei Red Bull

Neben den Umständen rund um Neweys erstes Auto beim neuen Arbeitgeber verdienen drei weitere wesentliche Unterschiede besondere Beachtung. Seine zusätzlichen Aufgaben als Teamchef einmal ausgeklammert. Da wären zunächst die Einrichtungen, die Horner bereits angesprochen hat. Bei Red Bull waren sie schlicht nicht gut genug. Schließlich war das Team aus Jaguar hervorgegangen, wo mehr schlecht als recht organisiert war. Bei Aston Martin ist die Situation eine völlig andere. Newey hat den neuen Campus in Silverstone als den besten der Branche bezeichnet. Und fairerweise muss ich nach einer Führung durch den Komplex sagen: Das sieht ausgesprochen beeindruckend aus. In dieser Hinsicht scheinen tatsächlich alle Voraussetzungen gegeben zu sein.
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Es hat nur eben Zeit gebraucht, bis beispielsweise der neue Windkanal in Betrieb genommen werden konnte. Anschließend musste man erst lernen, aus sämtlichen Werkzeugen das Maximum herauszuholen. Für diesen Prozess holte Newey Gilles Wood von Red Bull. Anders als in seinen Anfangsjahren beim Energydrink-Unternehmen ist die Grundlage also vorhanden. Ihr volles Potenzial auszuschöpfen, braucht aber Zeit. Genau das lässt sich auch über den Antrieb sagen. Auch hier gibt es einen entscheidenden Unterschied zu Neweys Anfangszeit bei Red Bull: die heutige Werkspartnerschaft gegenüber dem Kundenstatus, den Red Bull in den von Horner angesprochenen Jahren hatte. Theoretisch müsste die Zusammenarbeit mit Honda deutlich mehr Potenzial bieten. Auch wenn der Start bekanntlich ausgesprochen schwierig ausgefallen ist. Bei Red Bull bekam Newey schlicht einen Motor von Ferrari und später von Renault hingestellt und musste sein eigenes Design darum herum entwickeln. Die Werkspartnerschaft mit Honda bietet wesentlich mehr Möglichkeiten, alles gemeinsam aufeinander abzustimmen. Allerdings birgt das auch eine mögliche Stolperfalle.
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Wenn Zugeständnisse bei der Unterbringung der Antriebskomponenten eingefordert werden – was nach Aussagen einiger Stimmen im Fahrerlager vergangenen Winter der Fall war -, macht das Hondas Aufgabe noch komplexer. Hinzu kommt, dass die höflichen Japaner nicht so schnell Nein sagen. Selbst dann nicht, wenn sie mit den Grundlagen ohnehin schon alle Hände voll zu tun haben. So kann daraus eine Falle werden. Positiv ist immerhin: Honda denkt ganz sicher nicht daran, das Handtuch zu werfen. Auch das führt zurück zu Neweys Jahren bei Red Bull. Diesmal allerdings zur frustrierenden Phase mit Renault ab 2014. Newey räumte in Austin ein, dadurch etwas an Motivation verloren zu haben. Und er ergänzt, dass Horner das nicht vollständig verstanden habe. Honda hingegen setzt alle Hebel in Bewegung, um diese schmerzhafte Situation zu überwinden. Schließlich gibt es noch einen weiteren Unterschied. Oder eigentlich eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied zugleich. Und dieser Aspekt sollte nicht unterschätzt werden: die Führung. Beide Teams haben einen Eigentümer mit grenzenlosem Ehrgeiz. Einen, der sich auf keinen Fall mit einem Platz am Ende des Feldes oder auch nur im Mittelfeld zufriedengeben will. Das Ziel von Dietrich Mateschitz und Lawrence Stroll war in beiden Fällen glasklar: gewinnen. Alles andere ist zu wenig.
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Die Vorstellung davon, wie dieses Ziel erreicht werden soll, unterscheidet sich allerdings etwas. Obwohl Mateschitz ein großer Autoliebhaber und begeisterter Motorsportfan war, wusste er nur zu gut, dass er nicht der Richtige war, um das Tagesgeschäft selbst zu führen. Deshalb installierte er neben Teamchef Horner auch Helmut Marko als seinen verlängerten Arm im Team. Eine Entscheidung, die sich im Rückblick auf die gesamten 20 Jahre als ausgesprochen klug erwiesen hat. Auch, weil die Kommunikation zwischen Mateschitz und Marko funktionierte. Stroll sen. neigt nach Aussagen einiger Stimmen im Fahrerlager eher dazu, sich direkt ins Tagesgeschäft einzumischen. Und seinen Unmut in der Fabrik kundzutun, wenn es nicht gut genug läuft. Das ist natürlich nachvollziehbar und berechtigt, wenn jemand derart viel Geld in ein Projekt steckt. Wobei das Modell Red Bull gezeigt hat, welcher Ansatz womöglich der klügere ist. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Letztendlich bleibt festzuhalten: Bei Aston Martin sind nach wie vor alle Voraussetzungen für langfristigen Erfolg vorhanden. Man kann nur hoffen, dass Stroll nicht die Geduld verliert, bevor sich dieser einstellt. Alle bei Aston Martin können nur hoffen, dass das spätere Ergebnis – auf längere Sicht also WM-Titel – nicht zu einem der entscheidenden Unterschiede wird. Sondern zur wichtigsten Gemeinsamkeit zwischen Neweys Start bei Red Bull und jener Geschichte, die er gerade in Silverstone zu schreiben versucht.

 
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