Interview: Warum mussten Sie am Madring zwei neue Kurven einbauen?
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Die Positionierung einer Grand-Prix-Strecke innerhalb einer Stadt erfordert nicht nur politische, sondern auch finanzielle Unterstützung durch lokale oder nationale Regierungen. Deshalb sind europäische Stadtkurse in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus dem Formel-1-Kalender verschwunden. Nur Monaco ist geblieben – dank der uneingeschränkten Unterstützung der Fürstenfamilie, die das Fürstentum besitzt und verwaltet. Madring Steilkurve von Madrid: Im September 2026 kommt die Formel 1 an den Madring
Der erste Formel-1-WM-Grand-Prix von Spanien fand 1951 auf dem Pedralbes-Kurs im Herzen Barcelonas statt, auf einer ungefähr dreieckigen Streckenführung, die teilweise über die heutige Avenida Diagonal verlief – ebenso wie über einen kurzen Abschnitt der B-20, über den die meisten Besucher vom Flughafen zum Circuit de Catalunya fahren. 75 Jahre später zieht der Spanien-Grand-Prix nach Madrid um – und zwar nicht auf den Jarama-Kurs, der zwischen 1968 und 1981 einige WM-Läufe austrug, sondern auf eine Kombination aus öffentlichen Straßen und temporärer Infrastruktur rund um das Messegelände IFEMA (Institucion Ferial de Madrid). Nicht ganz so zentral wie vergleichbare Strecken in Singapur, Las Vegas, Baku oder sogar Melbourne, aber dennoch nah genug an der Innenstadt – und vor allem in unmittelbarer Nähe zum internationalen Flughafen Madrids mit bereits bestehender Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
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In einer Zeit, in der Rennen ohne staatliche Unterstützung zunehmend verschwinden – Zandvoort verabschiedet sich dieses Jahr aus dem Kalender -, ist das ein faszinierender Sonderfall. Die Promoter glauben dennoch an den wirtschaftlichen Erfolg, vor allem wegen der hervorragenden internationalen Anbindung. Luis Garcia Abad ist im Formel-1-Fahrerlager ein bekanntes Gesicht, nachdem er viele Jahre Teil des Managements von Fernando Alonso war. Heute ist er Geschäftsführer des Madring-Kurses. Im Interview mit Autosport, einer Schwesterplattform von & im Motorsport Network, spricht er über die Vorbereitungen auf die Premiere im kommenden September. Arbeiten sollen Ende Mai abgeschlossen sein Frage: “Was waren die größten Herausforderungen beim Bau einer neuen Rennstrecke in einer europäischen Hauptstadt?” Luis Garcia Abad: “Um ehrlich zu sein: Es ist sehr schwierig, denn in Europa etwas zu bauen, ist nicht einfach. Es gibt viele Vorschriften, Gesetze, Umweltauflagen und Regeln, die wir einhalten müssen. Aber wir liegen im Zeitplan, denn unser Konzept stand schon sehr früh fest. Wir haben alles immer erst dann kommuniziert, wenn es zu 100 Prozent sicher war. Auch beim Bau liegen wir im Plan, denn wir wollen die Arbeiten Ende Mai abschließen.” Frage: “Es heißt, dass es im August eine Art Testveranstaltung geben könnte. Wäre das vielleicht ein Tourenwagenrennen oder etwas Ähnliches?” Abad: “Das prüfen wir gerade gemeinsam mit der FIA und der Formel 1. Vielleicht sind Straßenfahrzeuge nicht die beste Lösung für einen Test. Wir würden lieber mit einem Formelauto testen, aber wir diskutieren noch darüber, welche Lösung die beste ist. Denn wir wollen die Strecke unbedingt im Voraus testen. Ich möchte am Freitagmorgen des Grand-Prix-Wochenendes keine bösen Überraschungen erleben.” “La Monumental”: Kurve mit 547 Metern Länge Frage: “Wie sehr hat sich das Streckenlayout in den vergangenen zwei oder drei Jahren verändert? Offenbar kamen zwei zusätzliche Kurven hinzu.” Abad: “Das lag an unserer geplanten Steilkurve ‘La Monumental’ mit 547 Metern Länge und 24 Prozent Banking. Eine riesige Kurve. Die FIA war der Meinung, dass wir die Geschwindigkeit bei der Einfahrt reduzieren sollten. Deshalb mussten wir zwei zusätzliche Kurven einbauen.” “Im Nachhinein war das sogar positiv, weil wir dadurch zusätzliche Tribünen installieren konnten und die Lärmbelastung für die Nachbarschaft reduziert haben, da die Strecke nun weiter entfernt liegt. Gerade bei einem einzigartigen Formel-1-Rennen in einer großen europäischen Hauptstadt müssen Nachhaltigkeit und Lärmschutz sehr sorgfältig berücksichtigt werden.”
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Frage: “Das ist interessant, denn wie schwierig war es eigentlich, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen? Selbst auf Ferraris Teststrecke Fiorano gibt es Stellen, an denen Fahrer wegen der Lärmmessung vom Gas gehen müssen.” Abad: “Unser Ansatz war, sämtliche Gesetze in Madrid, Spanien und Europa vollständig einzuhalten. Gleichzeitig war es für unser Geschäftsmodell essenziell, die Strecke innerhalb der Stadt zu haben. Es handelt sich schließlich nicht um eine permanente Rennstrecke. Am Ende reden wir von weniger als 14 Stunden Lärm pro Jahr. Das ist deutlich weniger als bei vielen permanenten Anlagen außerhalb der Stadt.” “Außerdem ist die Formel 1 heute nicht mehr so laut wie früher. Bei einer Show mit Carlos Sainz im vergangenen Juni hatten wir mit dem Formel-3-Auto von Mari Boya mehr Lärm als mit dem Williams FW45 von Carlos. Das lässt sich also kontrollieren. Wir haben sehr offen mit den Anwohnern und der Stadt kommuniziert, damit klar wird: Die Belastung betrifft nur drei Tage im Jahr. Den Rest der Zeit wird das Gelände für Fahrräder, Jogger und andere Aktivitäten genutzt.” Frage: “Welche Nutzungsmöglichkeiten wird die Anlage außerhalb des Grand Prix haben? Das ist wirtschaftlich doch enorm wichtig.” Abad: “Das war von Anfang an zentral. Wir nutzen bestehende Infrastruktur wie das IFEMA-Messegelände. Schon jetzt verfügen wir über mehr Infrastruktur als viele andere Rennstrecken im Kalender: WLAN, Stromversorgung, Toiletten. Dadurch sparen wir enorme Baukosten im Vergleich zu Projekten wie Dschidda, Abu Dhabi oder Austin. Wir wollen eine große Formel-1-Erfahrung schaffen – aber zugleich ein Erlebnis für die ganze Stadt.” Video wird geladen…
Frage: “Anders als Saudi-Arabien haben Sie keine staatliche Finanzierung.” Abad: “Nein. Wir haben alles sehr sorgfältig kalkuliert – Investitionen, Sponsoren, den Vertrag mit der Formel 1. Der Vertrag läuft zehn Jahre, also langfristig. Außerdem müssen wir außerhalb des Rennwochenendes keine Kosten für den Unterhalt der Anlage tragen, weil sie dann Teil des Messegeländes bleibt. Wir wollten bewusst kein öffentliches Geld verwenden, weil das langfristig schwer tragfähig wäre. Der Ticketverkauf läuft sehr gut, wir haben bereits über 90.000 Tickets verkauft. Die Unterstützung durch die Formel 1 und Santander war ebenfalls sehr wichtig.” Mehr als 100.000 Zuschauer pro Tag erwartet Frage: “Mit wie vielen Zuschauern pro Tag rechnen Sie?” Abad: “Das lässt sich noch nicht exakt sagen, weil wir noch an Tribünenkapazitäten und Evakuierungswegen arbeiten. Aber wir sprechen von ungefähr 125.000 Zuschauern pro Tag. Also definitiv ein sehr großer Formel-1-Grand-Prix.”
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Frage: “Wie verteilt sich das Verhältnis zwischen General-Admission- und VIP-Bereichen?” Abad: “Wir rechnen mit ungefähr 98.000 bis 100.000 Tribünenplätzen. Dazu kommen Hospitality-Bereiche mit etwa 20.000 bis 22.000 Gästen. Einer unserer großen Vorteile ist Madrids starke Verbindung zu Südamerika. In Madrid leben viele Menschen aus Kolumbien, Mexiko oder Venezuela. Allein nach Mexiko-Stadt gibt es täglich sieben Direktflüge. Das hilft uns enorm bei der Vermarktung.”
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Frage: “Wird es zusätzliche Veranstaltungen wie Konzerte geben?” Abad: “Daran arbeiten wir bereits. Wir möchten unseren Gästen eine schöne Überraschung bieten.” Frage: “Wie groß wird der wirtschaftliche Effekt für Madrid sein?” Abad: “Wir rechnen aktuell mit etwa 500 Millionen Euro direktem wirtschaftlichem Effekt für die Stadt. Die indirekten Effekte haben wir noch gar nicht eingerechnet. In den nächsten zwei Jahren entstehen in Madrid zehn neue Fünf-Sterne-Hotels – und der Grand Prix könnte einer der Gründe dafür sein.” Frage: “Gibt es Pläne, den Grand Prix besonders typisch ‘madrilenisch’ zu gestalten? Miami hat zum Beispiel seinen künstlichen Jachthafen.” Abad: “Mein lieber Freund, wir sind in Europa, wir sind in Spanien. Wir müssen uns an europäische Regeln halten. Wir hoffen, ikonische Orte rund um die Strecke zu schaffen, aber wir werden sicher kein Schiff mitten in Madrid aufstellen – das Meer ist immerhin 343 Kilometer entfernt. Stattdessen wollen wir unsere Kultur und unsere Stadt präsentieren. Madrid ist eine Stadt zum Leben. Dieses Lebensgefühl wollen wir den Besuchern vermitteln.”
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Frage: “Durch die TV-Bilder aus der Luft ist die Optik einer Strecke heute wichtiger denn je.” Abad: “Absolut. Wir arbeiten intensiv daran, das Gelände optisch attraktiv zu gestalten. Wenn die Helikopterbilder gezeigt werden, sollen die Zuschauer sofort erkennen, dass es ein Rennen mitten in der Stadt ist. Man kann vom Kurs aus in 30 Minuten zum Prado-Museum oder zur Plaza Mayor gelangen. Und ich höre immer wieder, dass das Nachtleben in Madrid fantastisch sein soll. Gerade für die neue Formel-1-Zielgruppe unter 35 Jahren ist das ein wichtiger Faktor. Wir müssen ihnen ein Erlebnis bieten, das den Wert ihres Wochenendes in Madrid rechtfertigt.”
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