Kein Leugnen mehr: Warum das Malaysia-Chaos etwas Gutes hatte

Kein Leugnen mehr: Warum das Malaysia-Chaos etwas Gutes hatte

 

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Wo soll man nach dem vergangenen Wochenende anfangen? Ja, das Rennen, das wir letztlich zu sehen bekamen, war immer noch aufregend, aber die Ereignisse davor waren vielleicht noch aufschlussreicher als alles andere, was am Sonntag geschah.  LAT Images Die Formel 1 hat sich im Regen von Malaysia blamiert

Es begann mit der Vorfreude auf etwas, das monatelang herbeigesehnt worden war: das erste Regenrennen der neuen Formel-1-Ära. Am Freitag musste Pirelli-Chefingenieur Simone Berra bereits lachen, als die Aussicht auf ein Regenrennen zur Sprache kam. Ja, er würde sich eines wünschen, um Daten zu den Regenreifen und Intermediates zu sammeln. Aber nachdem Silverstone und Spa-Francorchamps wie durch ein Wunder trocken geblieben waren, wagte er kaum noch zu hoffen.
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Diese Erfahrungen hatte ich auch im Hinterkopf, als ich mich gegen 14 Uhr Ortszeit auf den Weg zur Startaufstellung machte. “Es ist Renntag, also bleibt es wahrscheinlich trocken”, dachte ich und ließ den Regenschirm im Rucksack. Schon nach zwei Schritten auf dem Grid wurde mir klar, dass das die falsche Entscheidung war. Die ersten Tropfen fielen, und das war kein Schauer, der einfach so vorüberziehen würde. Das Zelt von Audi bot etwas Schutz, während die Fahrer auf Intermediates zu ihren Besichtigungsrunden auf den Sepang International Circuit ausrückten. Als die Fahrzeuge ihre Startplätze erreichten – sauber abgedeckt von den Zelten, die zuvor Dutzende Journalisten und Fotografen trocken gehalten hatten -, öffneten sich die Schleusen des Himmels erst so richtig. Dann gab es einen gewaltigen Donnerschlag, der sowohl mir als auch meinem Nachbarn in der Startaufstellung, dem ehemaligen Formel-1-Fahrer Christian Klien, einen ordentlichen Schrecken einjagte, und wir wussten Bescheid: Das Rennen würde nicht pünktlich starten. Die Verschiebung von Regenrennen zieht oft deutliche Kritik der Fans nach sich – und ja, es ist extrem selten, dass wir die Regenreifen überhaupt in Aktion sehen -, doch in diesem Fall war die Entscheidung leicht zu rechtfertigen. Mit dem Gewitter war es zu gefährlich, es stand viel Wasser auf der Bahn und obendrein war die Sicht für den Rettungshubschrauber schlecht. Mega-Pace trotz Strategiefehler: Hätte Ferrari in Malaysia gewinnen können? Video wird geladen…  

Tatsächlich muss man sagen, dass die Rennleitung am Sonntag einiges richtig gemacht hat. Die erste Verzögerung war unvermeidbar – okay, vielleicht hätte sie etwas kürzer ausfallen können – und danach war die Entscheidung für einen stehenden Start genau das, was die Fans sehen wollen. Bis dahin war alles gut. Doch dann kam der peinlichste Teil des Sonntagnachmittags. Im Medienzentrum scherzten wir noch: “Zwei Tropfen Regen und die Power-Units von 2026 sind schon verwirrt”, doch genau das stellte sich als Realität heraus.
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Die Entscheidungen der Rennleitung waren gut genug gewesen, um uns ein potenziell fesselndes Regenrennen zu bescheren, doch dann kam der “Computer-sagt-Nein”-Moment. Es war ein Chaos, das an das LEGO-Rennen erinnerte, mit dem Unterschied, dass das LEGO-Rennen witzig sein sollte und dies die Formel 1 um ein womöglich denkwürdiges Regenrennen brachte. Im Anschluss organisierte die FIA eine zusätzliche Medienrunde mit Nikolas Tombazis, was löblich und nach dem, was die Fans gerade miterlebt hatten, auch nötig war. Die Geschichte ist mittlerweile bekannt: Ein Software-Bug führte dazu, dass die Elektromotoren in den langsamsten Passagen der Strecke in einen Sperrmodus fielen. Da keine elektrische Leistung zur Verfügung stand, um das Turboloch zu kompensieren, passierte gar nichts, wenn die Fahrer aufs Gaspedal traten.
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“Ich wusste nicht einmal, dass die FIA unser Gaspedal steuern kann. Das war ehrlich gesagt ziemlich unheimlich”, sagte Oliver Bearman, als er uns an “Mikrofon 2” in der Medienzone ungläubig anschaute. Die zwei größten Fragen nach dem frühen Chaos in Malaysia In Wirklichkeit steuerte die FIA das Gaspedal natürlich nicht – am Reglement für 2026 gibt es zwar viel auszusetzen, aber das zum Glück nicht! -, dennoch gibt es zwei kritische Punkte zu dem, was passiert ist. Der erste Punkt ist, dass ein solcher Software-Bug erst in Lauf 16 der Weltmeisterschaft ans Licht kam. Ich weiß, dass die Sicherheitsmaßnahmen für Nässe Schritt für Schritt optimiert wurden und dass wir davor keine einzige Nass-Session hatten, was Tombazis zu der Aussage veranlasste:
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“Wir haben es nicht geschafft, die Software so ausführlich zu testen, wie wir es gerne getan hätten, weil es in diesem Jahr sehr wenig Fahrzeit bei Nässe gab. Ich denke, wenn wir etwas mehr getestet hätten, hätten wir ihn wahrscheinlich rechtzeitig entdeckt und es wäre nicht zu einer solchen Situation gekommen.” Obwohl das wahr und verständlich ist, lautet das Gegenargument, dass ein Safety-Car im Regen mehr als wahrscheinlich ist und extrem niedrige Geschwindigkeiten in bestimmten Minisektoren daher bei der Vorbereitung hätten eingeplant werden müssen. Formel-1-Fails: Diese Regeländerungen waren ein Reinfall

So etwas kommt bei den absolvierten Reifentests, bei denen ein Auto Runden mit konstanter Geschwindigkeit dreht, logischerweise nicht ans Licht, aber es sind genau die Bedingungen, die man in einem Regenrennen mit Safety-Car-Phase antrifft. Als ich Tombazis damit konfrontierte, räumte er den Punkt ein, fügte aber hinzu, dass Software nun einmal so entwickelt und verfeinert werde.
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“Jeder Bug ist das Ergebnis eines Fehlers. Ich kenne keine Software, die keine Fehler und Updates hat. Ihr Computer wird wahrscheinlich alle drei Tage aktualisiert und das sind alles Bugs. Natürlich hofft man, solche Dinge vorherzusehen, aber manchmal wird eine ganz spezielle Kombination von Ereignissen nicht richtig antizipiert und verursacht dann das Problem.” Das bringt uns zum zweiten Punkt und zum Kern der Sache: Die Ereignisse in Malaysia sind ein weiterer Beweis – vielleicht sogar der ultimative Beweis -, dass die Formel 1 mit dem aktuellen Reglement viel zu weit gegangen ist, sowohl beim Anteil der elektrischen Leistung als auch bei der extrem komplexen Software, die damit einhergeht. Der amtierende Weltmeister Lando Norris fasste es wie folgt zusammen: “Einfach schrecklich. Ich weiß nicht, es beweist einfach, dass wir das ganze Zeug nicht haben sollten – die ganze elektronische Seite.”
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Kurz und auf den Punkt. Nun, zu sagen, dass es gar nichts davon geben sollte, mag eine Übertreibung sein, aber jeder im Fahrerlager weiß tief im Inneren, dass die Formel 1 tatsächlich zu weit gegangen ist – selbst diejenigen, die sich manchmal melden und vielleicht nicht jede kritische Beobachtung in unseren Kolumnen schätzen. Warum die Ereignisse in Sepang tatsächlich ein guter Weckruf sein könnten Doch nach dem, was in Malaysia passiert ist, lässt es sich nicht mehr leugnen. Über das “Jo-Jo-Racing” lässt sich immer noch streiten, und vielleicht genießen einige Teile der Fanschaft diesen endlosen Strom an künstlichen Überholmanövern tatsächlich, aber das hier lässt sich nicht mehr kaschieren. Die Formel 1 hat monatelang Überholstatistiken und Daten genutzt, die zeigen sollten, wie sehr die Fans alles lieben, um das Reglement von 2026 als Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Aber Autos, die liegen bleiben, ohne dass die Fahrer irgendetwas dagegen tun können, lassen sich nur schwer verkaufen – nicht einmal an die TikTok-Generation.
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Es sollte daher niemanden überraschen, dass diese “Highlights” auf dem offiziellen Instagram-Kanal der Formel 1 fehlen. Die Überholmanöver, die wir hinter dem Safety-Car gesehen haben, sind wahrscheinlich die einzigen Überholmanöver in diesem Jahr, die nicht für Marketingzwecke genutzt wurden. Und das ist sicherlich eine verpasste Gelegenheit, denn sie waren wirklich einmalig! Aber Spaß beiseite: Vielleicht ist es tatsächlich etwas Gutes, dass das, was in Malaysia passiert ist, geschehen ist. Denn jetzt kann es niemand mehr leugnen.
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Das bedeutet nicht, dass wir alle modernen Technologien einfach vergessen und unendlich viel Sprit verbrennen sollten. Aber es bedeutet, dass Lehren aus dem gezogen werden müssen, was mit diesem Reglement schiefgelaufen ist – etwas, das nicht erst dieses Jahr passiert ist, sondern vor Jahren: dass man zu sehr auf die Autohersteller gehört und in der Folge viel zu viele Zugeständnisse gemacht hat bei dem, was die Formel 1 eigentlich sein sollte. Verstappen siegt in Malaysia: Ist Russells WM-Traum jetzt endgültig vorbei? Video wird geladen…  

Für mich persönlich geht es dabei nicht einmal um den Sound. Ich finde den aktuellen Sound akzeptabel. Es geht um etwas Grundlegenderes: die Tatsache, dass Fahrer im Jahr 2026 manchmal dafür bestraft werden, wenn sie schneller durch eine Kurve fahren. Und das widerspricht allem, was Rennsport eigentlich ausmacht. Software und Algorithmen entscheiden zu viel, die Fahrer zu wenig. Und der Start in Malaysia ist das beste Beispiel dafür.
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Die gute Nachricht ist, dass Interviews mit der FIA sowie Formel-1-Boss Stefano Domenicali gezeigt haben, dass sie all das selbst wissen. Sie wissen, dass sie für den nächsten Zyklus viel weniger auf die Hersteller hören müssen – und erfreulicherweise spiegelt die Grundsatzvereinbarung für 2030 oder 2031 diese Denkweise bereits wider. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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Aber falls noch irgendjemand im Fahrerlager einen Weckruf brauchte, hat der Sonntag in Malaysia diesen geliefert. Das lässt sich nicht mehr leugnen – nicht einmal mit all den beeindruckend aussehenden Zahlen.

 
Formel1.de 

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