Meinung: Sollte die Formel 1 ab 2031 wirklich zwingend lauter werden?
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FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem und sein Formel-1-Pendant Stefano Domenicali wünschen sich eine Rückkehr der Königsklasse zu V8-Saugmotoren ab 2031 oder sogar schon ab 2030. Die Mehrheit der Motorenhersteller scheint sich auf fortschrittliche, nachhaltige Kraftstoffe und ein moderates Maß an Elektrifizierung verständigt zu haben, was auf eine kostengünstigere und weniger komplexe Formel hinausläuft. Motorsport Network (KI-generiert) Motorensound ist eine ewige Debatte in der Formel 1
Neben den Kosten nennt Sulayem als einen der Hauptgründe, dass die Formel 1 wieder lauter werden soll. Mit lauteren V8-Motoren, die an die Ära vor 2014 erinnern, will man den Fans geben, was sie wollen. Aber ist das automatisch eine gute Idee? Und bedeutet laut auch gleich besser? Unsere Redakteure nehmen Stellung. Es geht nicht um die Lautstärke Kevin Turner
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Zu argumentieren, dass die Formel 1 einfach nur lauter sein sollte, wäre wohl kein kluger Schachzug. Von allen Herausforderungen, vor denen der Motorsport steht, steht “Lärmbelästigung” zwar nicht ganz oben auf der Liste, aber sie ist ein Thema. Motorenlärm ist schließlich ungenutzte Energie, also sollte man das vielleicht nicht zu sehr anpreisen … Dennoch ist der Sound von Rennwagen für viele Fans extrem wichtig. Ich bezweifle zwar, dass viele von uns ihn auf einer Wunschliste vor packende Rennen, schnelle Autos und Spitzenfahrer setzen würden, aber er beeinflusst zweifellos, wie wir den Motorsport wahrnehmen und darauf reagieren. Er ist Teil dieses tiefen, emotionalen Erlebnisses, das die Menschen überhaupt erst anzieht. Aber die reine Lautstärke ist ein Trugschluss. Die aktuellen Autos sind nicht leise, und man könnte sogar argumentieren, dass die V8-Motoren der vorherigen Ära zu laut waren. Worauf es wirklich ankommt, ist der Charakter des Sounds. Motoren-Mogelpackungen in der Formel 1
Turbos sind akustisch einfach nicht so befriedigend. Ja, der Sechszylinder-Boxer von Porsche in Le Mans hat mittlerweile einen legendären Ruf, aber wenn man die meisten Leute nach ihrem Lieblings-Motorensound fragt, entscheiden sich fast alle für V8, V10 oder V12 – oder vielleicht für Reihenachtzylinder und V16, wenn sie schon etwas älter sind. Das tiefe Fauchen der unglaublich starken Formel-1-Boliden der 1980er-Jahre weckt heute zwar Nostalgie, kann aber nicht mit den hohen Frequenzen eines hubraumstärkeren Saugmotors mithalten, der obendrein auch noch lauter ist. Oder um es anders auszudrücken: Hören Sie sich alle Autos des aktuellen Hypercar-Feldes der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) bei gleicher Lautstärke an und wählen Sie Ihren Favoriten. Ich wette, Ihre Wahl fällt auf den Cadillac-V8 oder den Aston-Martin-V12.
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Sound ist kaum ein Faktor Jake Boxall-Legge Für mich ist Sound nicht das A und O – eigentlich spielt er kaum eine Rolle. Mir ist es lieber, wenn es so aussieht, als hätte der Fahrer das Auto nur mit Mühe unter Kontrolle, als würde er sich auf eine Weise festkrallen, die für uns Normalsterbliche unvorstellbar ist. Es sollte sich anfühlen wie ein Kampfpilot, der einen Jet durch schwere Turbulenzen steuert, die Zuschauer mit kühnen Manövern fasziniert und den Passagieren das Blut in den Adern gefrieren lässt.
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Die aktuellen Antriebe stören mich also nicht, und ich nehme es auch in Kauf, bestraft zu werden, wenn ich meine Ohrstöpsel vergesse. Im Tunnel von Monaco ist der Sound immer noch ohrenbetäubend, und die Autos brüllen noch immer wie ein Rudel Löwen, das eine verletzte Impala jagt. Aber wenn wir schon lautere Motorensounds bekommen, verstehe ich nicht, warum alle so scharf auf das fade Kreischen eines V8 sind. Von all den Motorensounds, mit denen die Formel 1 im Laufe der Jahre gesegnet war, versprüht der V8 kaum mehr Charisma als Schonkost – wie Hühnchen Korma mit trockenem Reis oder die Musik von Coldplay. Er ist schlichtweg langweilig. Video wird geladen…
Keiner mochte sie, als sie die V10-Motoren ablösten. Während das zylinderstärkere Triebwerk verschiedene Facetten in seinem engelsgleichen Kreischen hatte – ein bassiges Fundament, überlagert von hochfrequenten Schreien -, kann der V8 diese Tiefe nicht bieten. Der V10 war ein Opernsänger, der V8 war Anthony Kiedis.
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Und die V12-Motoren waren noch besser. Ich hatte kürzlich das Vergnügen, das mit einem Lamborghini-V12 ausgestattete McLaren-Testauto live zu erleben – das war noch einmal eine ganz andere, rohe Dimension. In seinem klangvollen Nachhall steckten Kraft und Brutalität, aber auch wunderschöne, fast poetische Untertöne. Ein V12 lieferte jahrelang den Ferrari-Soundtrack und heulte wie eine Todesfee auf der Suche nach ihrem verlorenen Kind durch den Park von Monza. Das war kein Lärm und kein Sound: Das war Musik. Ob man den Klang der aktuellen Motoren nun mag oder nicht – sie erzählen zumindest eine Geschichte. Vielleicht die der jagenden Löwen oder die eines eingesperrten Biests, das mühsam in seiner stockfinsteren Zelle brüllt. Ein V8 regt mich zu keinerlei Metaphern an. Er ist einfach nur laut, um laut zu sein.
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V8-Motoren sind die richtige Idee, aber hat sich die F1 nicht weiterentwickelt? Filip Cleeren Ich kann und will Jakes poetische Lobeshymne auf den V12 nicht übertreffen. Ich stimme ihm zu, dass dies wahrscheinlich der beste Motor ist, den ich je live gehört habe. Wenn man einen Hintergrund in der Berichterstattung über die 24 Stunden von Le Mans hat, ist das die beste Schule, um zu einer Art Motorensound-Sommelier zu werden. Die süße Symphonie der Frequenzen, die aus einem V12 strömt, ist einfach viel interessanter als das plumpe Brüllen eines V8.
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Ich verstehe das Argument, dass man sich einen aggressiveren und packenderen Sound wünscht als den der aktuellen, gedämpften und blechern klingenden V6-Turbo-Hybride (auch wenn ich mich mittlerweile an sie gewöhnt habe). Aber ich fand den V8 aus der Ära vor 2014 im Vergleich zum markerschütternden Kreischen des vorherigen V10 gar nicht so berauschend. Ich will nicht der Spielverderber sein, aber diese V8-Offensive bringt auch einige Nebeneffekte mit sich, die vielleicht noch nicht ganz zu Ende gedacht wurden. Seit in der Formel 1 wirklich laute Motoren dröhnten, ist ein Jahrzehnt vergangen. Formel-1-Fails: Diese Regeländerungen waren ein Reinfall
Die Serie steht heute an einem ganz anderen Punkt, mit einer jüngeren, veränderten Fan-Demografie und mehr Stadtrennen, die wohl kaum überleben würden, wenn die Dezibelwerte plötzlich in die Höhe schießen. Ich frage mich auch, wie viele Fans sich explizit V8-Motoren wünschen und ob es dazu überhaupt verlässliche Untersuchungen gibt.
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Eine Rückkehr zu den besser klingenden V10- oder V12-Motoren wird es allein schon wegen ihrer Größe und des Mangels an Serienrelevanz definitiv nicht geben. Ebenso wenig wird sich die Formel 1 von den Stadtkursen verabschieden (tut mir leid, liebe Puristen). Auch wenn V8-Saugmotoren also der Weg zu sein scheinen, den die Entscheidungsträger der Formel 1 einschlagen wollen – und ich bin nicht grundsätzlich dagegen -, frage ich mich, ob die Formel 1 als Business bereit ist für die unerwünschten Nebenwirkungen, die damit einhergehen werden. Das Auge fährt mit – Fahrphysik wichtiger als Dezibel Norman Fischer
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Um es kurz zu machen: Die ganze Diskussion um den Sound ist eine Scheindebatte. Mir ist es völlig egal, wie laut die Motoren kreischen oder brüllen, solange das restliche Paket auf der Rennstrecke stimmt. Lärm allein macht noch kein gutes Racing. Was der Formel 1 wirklich fehlt, ist nicht der akustische Terror der alten Tage, sondern die optische Brutalität. Natürlich kann ein schreiender Motor den Eindruck von purer Gewalt vermitteln. Aber dieser Effekt verpufft sofort, wenn wir den Fahrern im Fernsehen dabei zusehen, wie sie Autos, die wie auf Schienen fahren, mit stoischer Ruhe und minimalen Lenkbewegungen durch die Kurven steuern. Video wird geladen…
Die aktuellen Boliden sind aerodynamische Monster, die so viel Grip erzeugen, dass die fahrerische Herausforderung für den Zuschauer fast unsichtbar wird. Wenn ich zuschaue, habe ich den Eindruck, dass ich das auch locker könnte – kann ich aber natürlich nicht. Aber das ist die Krux.
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Ich will keine Autos, die perfekt liegen. Ich will Autos, die biestig und verdammt schwer zu bändigen sind. Ich will sehen, wie ein Fahrer am Kurvenausgang mit dem Heck kämpft, wie das Auto beim Überfahren der Randsteine arbeitet und wie die Piloten physisch und mental an ihre Grenzen stoßen, um das Biest auf der Straße zu halten. Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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Wenn die Formel 1 uns diesen visuellen Kampf zurückgibt – dieses Gefühl, dass hier absolute Ausnahmekönner am Limit des physikalisch Machbaren operieren -, dann braucht es keine künstlich hochgeschraubte Geräuschkulisse mehr. Ein packender Tanz auf dem Vulkan fesselt auch ohne Gehörsturz.
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