Mental-Coach verrät: Diesen Fahrern hilft die Sommerpause am meisten
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Die Formel 1 genießt ihre letzten Urlaubstage: Teams und Fahrer verleben die verbleibenden freien Momente, bevor bereits in der kommenden Woche mit dem Großen Preis der Niederlande in Zandvoort die zweite Saisonhälfte anrollt. LAT Images Die Fahrer haben eine Auszeit nach den ganzen Rennen nötig
Doch wie ist diese heiß ersehnte Pause eigentlich einzuordnen? Kann sie wie ein echter Saison-Neustart wirken? Unsere Kollegen von Motorsport.com Italien, einer Schwesterplattform von im Motorsport Network, haben bei Riccardo Ceccarelli nachgefragt, Mental-Coach und Kopf hinter Formula Medicine. “Aus einer gewissen Perspektive würde ich klar sagen: Ja, man muss diese Zeit wie einen kompletten Saison-Neustart begreifen. Wozu dient der Urlaub einem Fahrer, einem Athleten überhaupt? Um den Kopf frei zu bekommen. Das gilt wahrlich nicht nur für Leistungssportler, sondern im Grunde für uns alle.”
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“Wir ziehen dann ein positives Urlaubsfazit, wenn es uns gelungen ist, so tief in eine andere Welt einzutauchen, dass wir die beruflichen Sorgen komplett hinter uns lassen konnten. In genau diesem Moment reagiert unser Gehirn wie ein heruntergefahrener Computer: Es wird einmal komplett resettet, um anschließend wie neu zu starten.” Frage: “Das Thema betrifft also jeden. Aber wie wertvoll ist dieser Effekt konkret für Rennfahrer?” Riccardo Ceccarelli: “Extrem wertvoll. Wenn ein Fahrer den Kopf nicht frei bekommt, sondern permanent auf die WM-Tabelle schielt und sich darüber den Kopf zerbricht, dass der Teamkollege vor ihm liegt, macht er sich das Leben völlig unnötig schwer.” Zwischenzeugnisse: Die besten Formel-1-Fahrer zur Sommerpause
“Es ist ein Fehler, im Urlaub zu rechnen oder krampfhaft daran zu denken, dass man das nächste Rennen unbedingt gewinnen muss. Genau das darf in einer Auszeit keinesfalls passieren.” “Solche Gedanken haben in einer Phase der Erholung schlichtweg nichts zu suchen, da sie nur den Stresspegel nach oben treiben. Das schlägt direkt auf die emotionale Ebene durch: Unser limbisches System lässt uns dann Gefühle durchleben, die eigentlich positiv sein sollten, es in diesem Kontext aber absolut nicht sind.” Auszeit und Abschalten wichtig Frage: “Je weniger also über das Rennfahren und die Formel 1 gesprochen wird, desto besser?” Ceccarelli: “Jeder Mensch tickt da etwas anders. Grundsätzlich gilt im Urlaub jedoch: Gehirn abschalten und bloß keine Energie an berufliche Probleme verschwenden. Ein Urlaub muss ein echtes Eintauchen sein.” “Deshalb sucht man sich ja auch ein schönes Umfeld mit allem Komfort. Wer sich in einer angenehmen Wohlfühloase befindet, wird automatisch von den Anforderungen des Berufsalltags abgelenkt.”
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“Wenn ein Pilot im Urlaub allerdings ununterbrochen mit Fans, Freunden und Verwandten über seinen Job redet, schafft er diesen nötigen Abstand nicht. Damit bringt er sich um das, was wir als die Suche nach Wohlbefinden bezeichnen.” Frage: “Der Urlaub sollte also ganz bewusst als Suche nach dem Wohlbefinden verstanden werden?” Ceccarelli: “Exakt so ist es. Wenn ich danach an meinen Arbeitsplatz zurückkehre, bin ich voller Energie und Tatendrang. Es fühlt sich an wie ein Start bei null – völlig egal, dass ich in dieselbe Realität zurückkehre, die ich kurz zuvor verlassen habe. Das Gehirn ist ausgeruht, der Kopf frei: Der Stirnlappen ist von all dem Ballast und Überflüssigen befreit. Man legt wieder mit vollen Akkus los.” Frage: “Klingt in der Theorie ganz einfach …” Ceccarelli: “Zumindest für zwei Wochen lagen die Probleme gewissermaßen auf Eis im Gefrierschrank, haben weder gestört noch belastet. Es ist tatsächlich ein Stück weit wie ein echter Neuanfang.”
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Frage: “Ist es also treffend zu sagen, dass die Sommerpause die Formel-1-Saison in zwei Blöcke teilt? Kann die Rückkehr auf die Strecke ein echter Wendepunkt für die eigene Saison sein?” Ceccarelli: “Ja, absolut – vorausgesetzt, diese mentale Reinigung, von der wir gesprochen haben, gelingt tatsächlich. Wie oft haben wir selbst schon erlebt, dass wir bei der Arbeit nicht weiterkamen, weil uns Gedanken belasteten oder wir nervös waren? Wenn man dann eine kurze, fünfminütige Kaffeepause einlegt und über völlig andere Dinge spricht, klinkt sich das Gehirn kurz aus – und man kann die Aufgaben danach wieder mit deutlich klarerem Kopf angehen.” “Dieser positive Effekt einer Kaffeepause lässt sich um ein Vielfaches steigern: Es geht hier schließlich nicht um fünf Minuten Unterbrechung, sondern um zwei ganze Wochen Urlaub. Dieser längere Zeitraum entfaltet eine ganz andere Wirkung, da er sowohl die körperliche Erschöpfung als auch den mentalen Stress nachhaltig tilgt.” Was ist im Urlaub erlaubt und was nicht? Frage: “Diese Neigung zur geistigen Entspannung könnte die Fahrer jedoch verleiten, die Disziplin bei der körperlichen Vorbereitung schleifen zu lassen. Drohen negative Folgen, wenn das Training vernachlässigt oder die Ernährung umgeworfen wird?” Ceccarelli: “Das ist ein extrem wichtiger Punkt. Denn natürlich zahlt ein Athlet, der sonst nach strengen Regeln lebt und diese im Urlaub komplett über den Haufen wirft, am Ende die Zeche dafür.”
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“Wer vorher keinen Alkohol getrunken hat und sich im Urlaub jeden Abend einen Aperitif gönnt, oder wer sonst zu festen Zeiten ins Bett ging und plötzlich die Nächte durchmacht, muss gewaltig aufpassen: Er hat zwar vielleicht den Kopf freibekommen, riskiert aber, mit einem müden, trägen Körper an die Strecke zurückzukehren.” “Ein Profisportler muss sich von solchen Exzessen also fernhalten. Kleine Abweichungen sind völlig in Ordnung, aber man sollte den Bogen nicht überspannen.” Frage: “Wie sieht also das optimale Verhalten für einen Athleten aus?” Ceccarelli: “Man darf sich durchaus mal etwas gönnen. Es ist völlig in Ordnung, an einem Abend später ins Bett zu gehen – solange das nicht zur Regel wird und man den Schlaf anschließend wieder aufholt.”
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“Der grundlegende Lebensstil darf nicht kollabieren: Es bringt überhaupt nichts, den Geist zu befreien, wenn der Körper danach nicht auf der Höhe ist. Die Fahrer sind durchtrainierte Profis, die ganz genau wissen, worauf es ankommt.” “Echte Ausreißer sah man früher eher bei den Mechanikern. Das waren damals keine Profisportler, obwohl sie eigentlich genau so hätten leben müssen. Wenn wir früher aus dem Urlaub zurückkamen, humpelte schon mal der Boxenstopp-Mechaniker, weil er es in den Ferien übertrieben hatte: Er hat tausend neue Sportarten ausprobiert, seine körperlichen Grenzen überschätzt und sich verletzt.” “Die Teamchefs waren regelmäßig besorgt, weil sie Leute vorfanden, die durch ein zügelloses Urlaubsleben völlig entkräftet waren und aussahen, als kämen sie gerade aus dem Krieg.” Wer profitiert am meisten? Frage: “Dann wird es in Zandvoort ja besonders spannend, die Boxenstopp-Zeiten zu beobachten, um zu sehen, wer im Urlaub in Form geblieben ist …” Ceccarelli: “Nein, das war ein Beispiel von vor vielen Jahren! Mittlerweile hat sich auch bei den Mechanikern die Kultur grundlegend gewandelt: Sie agieren extrem verantwortungsbewusst, allein schon deshalb, weil der volle Rennkalender gar keine Ausrutscher mehr erlaubt.”
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“Aber es stimmt: Früher machten sich die Teamchefs nach der Sommerpause tatsächlich mehr Sorgen um die Fitness der Mechaniker als um die der Fahrer. Heute findet man kaum noch einen Mechaniker, der nicht topfit ist. Der Professionalisierungsdruck ist riesig – anders hält man diese Mammutsaisons auch gar nicht mehr durch.” Frage: “Abschließend: Wer profitiert eigentlich stärker von dieser Regenerationsphase: ein junger Wilder wie Kimi Antonelli oder ein erfahrener Haudegen wie Lewis Hamilton?” Ceccarelli: “Meiner Ansicht nach hilft die Pause der Generation dazwischen am meisten. Ein Hamilton bringt extrem viel Erfahrung mit und weiß genau, wie er mit solchen Phasen umzugehen hat. Kimi Antonelli wiederum ist noch sehr jung und geht an viele Situationen mit einer gewissen Unbeschwertheit und purem Spaß heran.”
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“Aber in der mittleren Kategorie – nehmen wir Charles Leclerc als Prototyp dieser Altersgruppe, nicht als Einzelperson: Da hat man eben nicht mehr den völlig unbedarften Teenager wie Kimi, aber eben auch noch nicht den arrivierten Champion, der wie Hamilton schon alles gewonnen hat.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Motorrad
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“Fahrer im Alter von Charles spüren den Druck enorm, weil die Zeit tickt und Ergebnisse her müssen. Genau dieser Fahrertyp kann aus so einem Urlaub die größte Kraft ziehen.”
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