Um 2 Sekunden verpasst: Wie hat Lando Norris den Sieg in Madrid verloren?
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Beim Grand Prix von Spanien lag zwischen Lando Norris, der am Boxeneingang des Madring vorbeifährt, und dem Ausruf des virtuellen Safety-Cars, welches ihn letztlich alle Hoffnungen auf Sieg kosten würde, eine Zeitspanne von zwei Sekunden. Der Sieg ging stattdessen an Kimi Antonelli. Sutton Images Vor dem VSC sah Lando Norris fast wie der sichere Sieger in Madrid aus
Norris hatte bis zum Anfang der 14. Runde einen Abstand von 6,2 Sekunden auf Antonelli aufgebaut. Nach einer frenetischen Anfangsphase hatte es den Anschein, als ob Norris das Rennen vorne kontrollieren würde. Zwar setzte der WM-Spitzenreiter Norris unter Druck, doch geriet er in den Kurven 1 und 5 selbst von der Strecke. Den Vorteil, den Antonelli durch das Abkürzen ergattert hatte, musste er wieder abgeben und Norris passieren lassen. Das Rennen, welches nach einem sicheren Sieg für Norris ausgesehen hatte, wurde am Ende von Runde 20 durch einen stehenden Lance Stroll auf den Kopf gestellt. Das Bremspedal des Aston Martin war lang geworden, wodurch der Kanadier seinen Boliden in der Auslaufzone abstellen musste.
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Im Folgenden erklären wir Schritt für Schritt, was passiert ist und wieso Norris am Ende einen günstigen Stopp unter VSC verpasst hat. 15:26 Uhr – Stroll bleibt stehen Stroll hat am Funk gemeldet, dass ihm die Bremsen ausgehen. Ein Schicksal, dem auch Lewis Hamilton wenige Runden zuvor zum Opfer gefallen war. Im Fall von Hamilton war dessen Ferrari nicht in der Lage, in den Kurven ausreichend Geschwindigkeit abzubauen. Dadurch war der siebenmalige Weltmeister gezwungen, seinen Wagen zurück in die Boxengasse zu schleppen. Ferrari wollte den langen Stint von Charles Leclerc auf harten Reifen nicht gefährden, weshalb man Hamilton zurück an die Box rief. Allerdings gab es bei Stroll keine taktischen Überlegungen dieser Art. Dem Aston-Martin-Fahrer muss man zugutehalten, dass er versucht hat, seinen AMR26 vor einem Streckenposten zu parken, damit das Auto in die Öffnung der Streckenbegrenzung geschoben werden kann. Als Norris gerade aus Kurve 14 kam, wurde noch die gelbe Flagge geschwenkt. Zu diesem Zeitpunkt war nicht abzusehen, dass ein VSC folgen würde. Vielleicht hatte man erwartet, dass das Auto von Stroll in dieser Position recht einfach durch die Streckenwarte zu bergen wäre. “Im Nachhinein hätten wir [vorsorglich] an die Box fahren sollen, aber das müssen wir mit den Ingenieuren analysieren, um zu verstehen, ob es wirklich offensichtlich war, dass da ein virtuelles Safety-Car kommen musste”, so McLaren-Teamchef Andrea Stella.
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“Das Problem ist hier, dass du extrem vorsichtig agieren musst. Wenn du nicht bei einem virtuellen Safety-Car an die Box fährst, dann verlierst du 27 Sekunden. Machst du also einen Fehler, dann kann ich das immens bestrafen: Du führst das Rennen an, gehst unnötigerweise an die Box, und hast jetzt den Sieg verloren.” “Ich glaube, es ist immer gut, auf die Fakten zu reagieren, auf die tatsächlichen Umstände auf der Strecke. Aber wir werden uns nochmal ansehen, ob das virtuelle Safety-Car unter diesen Umständen einfach offensichtlich war.” 15:27 Uhr – Das VSC kommt Nachdem Norris am Auto von Stroll vorbeigefahren war, blieb die gelbe Flagge sichtbar. McLaren entschied sich dazu, eben nicht vorsorglich an die Box zu fahren, und der Führende fuhr durch die Kurven 21 und 22, die letzten beiden Kurven auf dem Madring.
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Sobald Norris aus der letzten Kurve gefahren war, wurde das VSC ausgerufen. Laut den Kalkulationen von McLaren war dies genau zwei Sekunden zu spät, um Norris an die Box zu holen. Antonelli, 6,3 Sekunden hinter Norris, hatte genug Zeit, um an die Box geholt zu werden. Dasselbe galt für Max Verstappen und George Russell. Für Antonelli und Verstappen war dies die perfekte Gelegenheit, um jeweils von ihren Medium- und weichen Reifen auf die harten Reifen zu wechseln. Somit konnten sie das Rennen zu Ende fahren. Norris musste eine weitere Runde auf der Strecke bleiben, bevor er seinen Stopp vollziehen konnte. Jedoch bot dieser die Gefahr, dass das VSC viel zu früh enden würde, um ihm einen “günstigen” Stopp zu verschaffen. In der langen Boxengasse auf dem Madring verliert man normalerweise um die 30 Sekunden. 15:29 Uhr – Norris fährt an die Box, das VSC endet Antonelli und Verstappen kamen nach ihren VSC-Stopps hinter Leclerc zurück auf die Strecke. Dieser war auf der Strecke geblieben, da es für einen strategischen Vorteil zu früh im Rennen gewesen wäre, um die Reifen zu wechseln. Wenn Norris unter VSC an die Box hätte kommen können, dann wäre er wohl vor dem Ferrari-Fahrer zurück auf die Strecke gekommen.
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Norris wurde mitgeteilt, dass er an die Box kommen würde; egal, ob das VSC aufhört oder nicht. Prompt wurde das Ende der VSC-Phase angekündigt, als Norris gerade durch Kurve 21 fuhr. Er folgte dem Ruf seines Teams, stoppte das einzige Mal an diesem Rennsonntag für einen Satz harter Reifen und geriet dadurch in noch größere Schwierigkeiten. Der vordere rechte Reifen kam nur schwer von der Felge, wodurch der Stopp ein paar Sekunden länger dauerte als normalerweise. Teamchef Stella merkte an, dass der langsame Stopp keinen großen Unterschied gemacht hätte, da Norris so oder so hinter Russell zurück auf die Strecke gefahren wäre. Nur der Umstand, dass der Mercedes-Pilot wieder an die Box musste, um seine Reifen zu wechseln, war ein Trost. Nachdem Norris den Mercedes eingeholt hatte, verbrachte er drei Runden innerhalb einer Sekunde hinter Russell, bevor der Brite am Ende von Runde 28 an die Box fuhr.
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“In aller Ehrlichkeit und Vollständigkeit hatten wir einen Boxenstopp von sieben Sekunden. Daraus müssen wir für unsere Arbeitsprozesse einige Schlüsse ziehen.” “Im Endresultat hätte es keinen Unterschied gemacht, denn Lando wäre wohl so oder so hinter Russell an die Box gekommen. Und selbst wenn nicht, glaube ich nicht, dass es möglich gewesen wäre, Verstappen und Antonelli zu überholen.”
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“Sicherlich halten wir fest, dass wir an unseren Arbeitsprozessen arbeiten müssen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir einen langsamen Boxenstopp haben. Aber für das Rennen an sich hat es keinen Unterschied gemacht.” Hätte McLaren länger auf der Strecke bleiben sollen? Abschließend bleibt die Frage: Hätte McLaren den Stopp von Norris hinauszögern sollen, um eine Lücke aufzubauen? Leclerc hätte Verstappen und Antonelli aufgehalten, wodurch Norris ein paar Runden extra auf der Strecke hätte bleiben können. Das Ziel wäre gewesen, einen Vorsprung von 30 Sekunden aufzubauen. Dieser wäre notwendig gewesen, um vor Antonelli zurück auf die Strecke zu kommen. Damit wäre er entweder vor Leclerc gelandet oder hätte hinter dem Ferrari bis zu dessen Boxenstopp abgewartet.
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Das Problem an dieser Strategie liegt darin, dass Norris auf alten Medium-Reifen unterwegs war. Die Lücke zu Leclerc betrug vor dem VSC zudem nur 13,8 Sekunden. Zwar war Norris schneller als der Ferrari-Pilot, doch fiel der Zeitabstand in den Rundenzeiten Stück für Stück. Formel-1-Quiz
Wie viele Zielankünfte erzielte Lando Norris in der Formel 1?
118 173 175 152 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern In Runde 10 war Norris noch 0,506 Sekunden schneller unterwegs, in Runde 11 noch 0,272 Sekunden, in Runde 12 0,264 Sekunden und in Runde 13 nur 0,027 Sekunden. Sprich: Der Versuch, eine Lücke zu Leclerc aufzumachen, hätte nicht funktioniert. Gerade dann, als Leclerc den Zeitpunkt überschritten hatte, ab dem der harte Reifen nicht mehr abbauen wollte. Mit leichterem Auto wurde der Monegasse immer schneller. Um eine sichere Lücke für den Boxenstopp zu haben, hätte Norris zum Ende der virtuellen Safety-Car-Phase einen Abstand von mindestens 16 Sekunden gebraucht. Das war schlichtweg unmöglich. Er war so oder so in einer schwierigen Position, in der sich Norris und McLaren zwischen Not und Elend entscheiden mussten. Wie der falsche Sieger den GP von Spanien gewonnen hat Video wird geladen…
Für alle Beteiligten war das Timing fürchterlich: Norris scherzte später, dass McLaren an diesem Wochenende einfach “zu schnell” war. Wäre McLaren in seiner normalen Position im Feld gewesen, hätte man problemlos vom VSC profitiert.
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“Wir hatten überlegt, auf der Strecke zu bleiben, aber du musst einfach einsehen, dass du auf relativ alten Mediums unterwegs bist, während hinter dir Leute mit neuen harten Reifen lauern. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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“Du machst für all diese Leute also möglicherweise eine Lücke auf”, so das Fazit von Stella. “Wir mussten einfach irgendwo akzeptieren, dass wir das machen mussten, und dass das einfach unglücklich war. Manchmal sprechen wir ja von Pech. Ich finde, manchmal wird der Begriff etwas überstrapaziert, aber in diesem Fall ist es fast die mathematische Definition von Pech.
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