“Willkommen im Dschungel”: Als die Formel 1.5 am Sonntag in Spa fuhr
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Wer dachte, dass Silverstone schon schlimm gewesen sei, erlebte in Spa-Francorchamps, auf einer der traditionsreichsten Rennstrecken der Formel 1, einen neuen, geradezu lächerlichen Tiefpunkt. Doch dieser ehrwürdigen Strecke sind groteske Aussetzer in Sachen Kompetenz keineswegs fremd. circuitpics.de Die Formel 1 hat 2026 in Belgien enttäuscht
Denken wir an 2021 zurück – an ein Rennen, das dank Regen (in Spa? Wer hätte das gedacht!) erst zu einer Zeit begann, als anständige Leute längst ihren Sonntagsbraten im Ofen hatten. Und dann auch nur für ein paar Runden hinter dem Safety-Car, bevor es hieß: les jeux sont faits (deutsch: Die Würfel sind gefallen). Rückerstattung? Träumt weiter, Leute! Und dann war da natürlich noch der Große Preis von Belgien 1985. Die Organisatoren hatten damals in ihrer grenzenlosen Weisheit beschlossen, die Strecke gerade einmal zehn Tage vor dem Rennen mit einem ungetesteten, experimentellen Belag neu zu asphaltieren.
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Und den Ärger bekamen sie prompt: Die neue Oberfläche brach auf, die gesamte Veranstaltung musste am Samstagnachmittag vorzeitig abgebrochen und auf einen anderen Zeitpunkt im Jahr verschoben werden. Das Schauspiel des Rennwochenendes 2026 reiht sich nun würdig in diese unrühmlichen Kapitel der Geschichte ein. Video wird geladen…
Einem Formel-1-Auto mit maximalem Abtrieb dabei zuzusehen, wie es am Limit durch die Doppel-Linkskurve “Pouhon” jagt, gehörte einst zu den intensivsten Erlebnissen, die ein Formel-1-Fan haben konnte. Dafür nahm man selbst das launische Mikroklima der Ardennen und das grobschlächtige Sicherheitspersonal in Kauf, das stets den Eindruck machte, nur auf eine Gelegenheit zu warten, seine Hunde auf die Zuschauer loszulassen. Mit den aktuellen Autos wird Pouhon inzwischen problemlos voll gefahren – allerdings nicht, weil der Abtrieb so groß ist, sondern weil die Batterien ihre elektrische Energie auf diesem Streckenabschnitt längst aufgebraucht haben. Die besten Fahrer der Welt rollen also nur noch mit den Augen, schalten herunter und fragen sich, wie es so weit kommen konnte. “Ich glaube, niemand da draußen genießt die Qualifying-Runde noch so sehr wie im letzten Jahr”, grübelte Carlos Sainz am Wochenende. “Es ist offensichtlich, dass wir mit diesen Autos in Spa einiges eingebüßt haben. Trotzdem möchte ich meinen eigenen Sport nicht ständig schlechtreden, denn das bringt ohnehin nichts.” “Ich denke, wir alle wissen, dass das nicht gut genug ist. Wer auch immer 2022 und 2023 diese Simulationen gesehen hat und nicht direkt meinte: ‘Wie können wir so etwas überhaupt akzeptieren?’ – die müssen echt hinterfragen, was da gelaufen ist. Das hätte niemals passieren dürfen.” Spa: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion
Die Reaktion der Rechteinhaber bestand am Wochenende wie immer darin, den “Hier-gibt-es-nichts-zu-sehen”-Modus zu aktivieren. Während der Freien Trainings zeigte das TV-Weltbild nur selten Onboard-Aufnahmen von Autos, die gerade jene Streckenabschnitte passierten, die am stärksten vom Super-Clipping und Co. betroffen waren.
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Unweigerlich stellte sich deshalb schon am Freitag die Frage, wie man ein komplettes Rennen übertragen wolle, wenn man beispielsweise erst am 50-Meter-Schild der Bus-Stop-Schikane in die Cockpit-Perspektive schalten kann. Nach dem Qualifying ließ es sich die Formel 1 nicht nehmen, auf Social Media die komplette Onboard-Runde von Polesetter Antonelli zu teilen – allerdings auffälligerweise ohne die üblichen Grafiken für Geschwindigkeit und Batterieladestand. queueTwitterWidget();queueTwitterWidget(); Es gibt auf dieser Welt nur wenige Dinge, die offensichtlicher sind als Betrunkene, die versuchen, sich möglichst unauffällig ins Haus zu schleichen. Aber Respekt an die Formel 1 dafür, die Grenzen des Möglichen so dreist auszutesten.
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Antonellis Pole-Runde lag bei 1:44.361 Minuten – also knapp vier Sekunden langsamer als die Pole-Zeit aus dem Vorjahr. Lance Strolls “Hoffentlich-reicht-das”-Qualifying-Runde im miserablen Aston Martin AMR26 brachte es auf 1:50.177 Minuten. Die Formel-2-Pole-Zeit von Rafael Camara betrug 1:56.306 Minuten. Dass ein Adrian-Newey-Auto von der Pace her näher am Produkt einer zunehmend sinnloseren Einheits-Chassis-Serie liegen würde als an einem waschechten Formel-1-Auto, hatte dieser Autor für 2026 zwar nicht auf seiner Bingo-Karte – aber so spielt das Leben. Fotos: F1: Grand Prix von Belgien (Spa) 2026
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Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, eine Formel-1.5-Kategorie einzuführen. Am erschreckendsten aber war, dass wir erneut ein Rennen erlebten, bei dem uns nur die fahrerische Klasse der Piloten vor einer Katastrophe bewahrte.
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“Ich habe erwartet, dass Kimi Antonelli vorbeikommt. Dann habe ich in den Spiegel geschaut und nur noch eine rote Rakete [Charles Leclerc] anfliegen sehen”, schilderte Max Verstappen die chaotische Anfahrt nach Les Combes in der ersten Runde. “Ich dachte mir nur: ‘Oh, ich halte mal lieber einfach meine Linie, denn wenn ich jetzt rüberziehe, haben wir hier einen Flugzeug-Unfall.’ Es war wirklich unglaublich, was für [Geschwindigkeits-]Unterschiede es gab. Willkommen in der Formel 1 2026. Manchmal ist es eben ein Dschungel.” Formel-1-Quiz
Welches britische Unternehmen baute Ende der 1990er-Jahre die Formel-1-Motoren von Mercedes?
Mugen Ilmor Mecacrome Hart Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Wenn die Fahrer ihre Autos kaum noch kontrollieren können, weil undurchsichtige Machine-Learning-Algorithmen bestimmen, wann und wie viel elektrische Leistung freigegeben wird, dann ist eine Abrechnung wohl nur noch eine Frage der Zeit.
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Die britischen Fernsehzuschauer konnten am Sonntagnachmittag zwischen dem Belgien-Grand-Prix auf Sky Sports F1 und dem Prominentenspecial von “Deal Or No Deal” auf ITV wählen – einer Sendung, in der es letztlich darum geht, den Inhalt einer Kiste zu erraten. Langfristig dürfte Letzteres die günstigere Form der Unterhaltung sein. “Es nervt”, sagte Oscar Piastri – und meinte damit nicht das TV-Programm am Sonntag, sondern die Machtlosigkeit der Fahrer, überhaupt noch einen Unterschied auszumachen, wenn Software darüber bestimmt, wie viel Energie ihnen gewährt wird. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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“Ich kann es wirklich nicht anders ausdrücken … aber wenn Startaufstellungen im Qualifying davon abhängen, ob Computer sich benehmen oder nicht, dann ist das eine ziemlich beschissene Art, Rennen zu fahren.”
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