Abenteuer: Warum Verstappen darf, was Bearman sich nicht traut
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Seit nunmehr zwei Jahren kompensiert Max Verstappen seinen Frust in der Formel 1 mit einem ausgeprägten Vorliebe für Abenteuer abseits des Grand-Prix-Zirkus. Dass der Niederländer eine tiefe Leidenschaft für das virtuelle Sim-Racing pflegt, ist längst kein Geheimnis mehr. Doch mittlerweile zieht es den dreimaligen Champion immer intensiver in den echten, analogen Motorsport. Leon Merkle Winward-Mercedes von Max Verstappen
Rückblick auf das Jahr 2024: Verstappen dominiert den Großen Preis der Emilia-Romagna in Imola, siegt von der Poleposition. Doch das war an diesem Wochenende nur die halbe Miete. Parallel spulte er im Team-Motorhome Stints beim virtuellen 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring via iRacing ab – und gewann mit seiner Mannschaft auch dieses Event. Es war der Startschuss für mehr. Später gab er seinen Namen für ein reales Team in der GT World Challenge Europe her. Als der Frust über die nachlassende Performance von Red Bull in der Formel-1-Saison 2025 wuchs, folgte der nächste Schritt: Zwischen den Grands Prix von Aserbaidschan und Singapur bestritt Verstappen erfolgreich einen Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS).
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Am vergangenen Wochenende folgte der vorläufige Höhepunkt: An der Seite von Lucas Auer, Daniel Juncadella und Jules Gounon feierte Verstappen im Mercedes-AMG GT3 sein “echtes” Debüt beim legendären 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Das Quartett lag komfortabel in Führung, bis ein Antriebswellenchaden während des Stints von Juncadella drei Stunden vor dem Ende alle Träume platzen ließ. Ein seltenes Phänomen in der modernen Formel 1 Dass aktive Formel-1-Piloten mitten in der Saison fremdgehen, ist in der modernen Ära zur absoluten Rarität geworden. Fernando Alonso ließ 2016 den Monaco-Grand-Prix aus, um bei den Indianapolis 500 zu starten. Nico Hülkenberg krönte sich 2015 im Porsche zum Le-Mans-Sieger. Abseits davon wurden solche Gastspiele von den Formel-1-Verantwortlichen meist als unerwünschte Ablenkung abgetan. Dennoch blickte das gesamte Formel-1-Fahrerlager am vergangenen Wochenende gespannt in die Eifel. Nachahmer wird Verstappen so schnell aber wohl nicht finden. LAT Images Oliver Bearman über die Abenteuer des Max Verstappen
Auf die Frage, ob er sich einen Start bei einem Klassiker wie den 24 Stunden auf dem Nürburgring vorstellen könne, winkt der Youngster ab. Bearman zeigt dennoch Respekt: “Was Max gezeigt hat, ist, dass jede Kategorie ihre eigenen Nuancen und Spaßfaktoren hat. “Langstreckenrennen sind etwas wirklich, wirklich Cooles und Einzigartiges im Motorsport. Aber Max hat vier Weltmeistertitel gewonnen und ist einer der besten Fahrer, wenn nicht der beste Fahrer im Feld. Ich denke, so etwas muss man sich erst verdienen – das Recht, andere Kategorien zu erkunden. Und das habe ich noch nicht getan.” Früher war alles anders: Als Sportwagen lukrativer waren In den Anfangsjahren der Königsklasse, als der Formel-1-Kalender kaum zweistellige Rennen umfasste, waren regelmäßige Fremdgänge der Top-Piloten an der Tagesordnung. Bis in die 1970er-Jahre hinein waren Sportwagenrennen in puncto Preisgeld oft sogar lukrativer als die Formel 1.
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Das änderte sich in den 1980er-Jahren mit der zunehmenden TV-Präsenz und der globalen Aufmerksamkeit für die Formel 1. Als der Kalender in den Neunzigern expandierte und die Testfahrten zunahmen, sank die Zahl der GP-Piloten im Sportwagen drastisch. Vor Hülkenbergs Triumph im Jahr 2015 war Yannick Dalmas 1994 der letzte (Teilzeit-)Formel-1-Pilot, der die 24 Stunden von Le Mans gewann. Da Dalmas in jener Saison jedoch nur zwei Grands Prix bestritt, war die Bezeichnung “aktiver F1-Fahrer” ohnehin weit ausgelegt. Neben dem Termindruck blockierten die zunehmende Professionalisierung und die Exklusivverträge der Hersteller-Teams solche Einsätze. Zudem war der einstige Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone bekannt dafür, alles zu hassen, was Aufmerksamkeit und Sponsorengelder aus der F1 abzog. Traditionell legte er Formel-1-Rennen daher bewusst auf das Le-Mans-Wochenende. Ecclestones Erbe und die Macht des Champions 2015 gab es eine seltene Ausnahme ohne Terminkollision – mit Folgen für Premierensieger Hülkenberg. Als dieser am darauffolgenden Wochenende im Fahrerlager von Österreich auftauchte, wurde er prompt in Ecclestones Motorhome zitiert. Die Ansage war unmissverständlich: Er solle gefälligst aufhören, über seinen Le-Mans-Sieg zu sprechen. Maximal unglücklich: Verstappen scheidet aus, AMG jubelt trotzdem I Recap 24 Stunden Nürburgring Video wird geladen…
Die Ära Ecclestone ist Geschichte, doch die Formel 1 ist heute ein größeres Big-Business als je zuvor. Der Fokus soll auf der eigenen Bühne bleiben. Bei mittlerweile 24 Grands Prix pro Jahr schrumpft das Zeitfenster für outside interests ohnehin gegen null.
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Dass Verstappen überhaupt darf, liegt an seinem Status. Als er 2024 das virtuelle 24-Stunden-Rennen bestritt, ließ er sich einen eigenen Sim-Rig maßgeschneidert in sein Motorhome einbauen. Weder Red-Bull-Teamchef Christian Horner noch Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko waren begeistert von diesen nächtlichen Aktivitäten. Doch einem mehrfachen Weltmeister und dem wertvollsten Asset des Teams schlägt man einen solchen Wunsch nicht ab.
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Ein Fahrer, der sich erst in seiner zweiten vollen Formel-1-Saison befindet, hat dieses politische Gewicht schlichtweg nicht.
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