Blinde Kurven und Banking: Wird Madrid “schlimmer” als Dschidda?
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“Ich würde mein Geld definitiv auf eine rote Flagge setzen, so viel steht fest”, sagt Pierre Gasly auf die Frage, was er vom neuen Straßenkurs des Madrings halte. Risiko und Schwierigkeitsgrad bildeten den gemeinsamen Nenner in fast allen Gesprächen mit den Fahrern über die Strecke und ihr Layout. LAT Images Kaum einer weiß, was in Madrid auf ihn zukommt
Während alle Piloten den Kurs im Simulator absolviert haben, war die einzige reale Referenz – abgesehen von einem leicht umstrittenen Ferrari-Filmtag im Juli – ein Formel-3-Test Ende des vergangenen Monats. Man kann getrost sagen, dass dieser alles andere als glatt lief: Nicht weniger als 19 Rote Flaggen und drei völlig zerstörte Autos standen am Ende zu Buche. Die Zwischenfälle, die für die roten Flaggen und ungemütliche Reparaturrechnungen sorgten, konzentrierten sich dabei keineswegs auf eine einzige Stelle, sondern verteilten sich über die gesamte Runde – vor allem aber auf den zweiten Sektor mit seinen zahlreichen Schikanen, blinden Kurven und der Steilkurve “La Monumental”.
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Eine der faszinierendsten Erkenntnisse bei den Befragungen war jedoch, wie wenige Fahrer sich negativ über den Madring äußerten – selbst im Vergleich mit Dschidda, dessen Layout nach Kritik zwischen dem ersten und zweiten Auftritt im Kalender überarbeitet werden musste. Es entsteht der Eindruck, dass es die Piloten kaum erwarten können, sich dieser Herausforderung zu stellen. Zwischen Spaß und Gefahr “Ich denke, diese Strecke wird extrem schwer für uns Fahrer”, sagt Franco Colapinto. “Im Simulator hat es mich Stunden gekostet, eine einzige fehlerfreie Runde zusammenzubringen. Stellt euch also vor, wie das hier wird, wenn man dafür nur zwei oder drei Runden Zeit hat. Diese perfekte Runde zu treffen, wird verdammt schwer.” “Der Kurs hat von allem etwas. Wenn man alles nimmt, was man über die 24 Rennen im Kalender verteilt findet, und es zusammenmixt, kommt vermutlich so etwas wie diese Strecke heraus. Ich bin also happy und freue mich darauf, sie auszuprobieren.” “Es ist ein bisschen furchteinflößend”, gibt Sergio Perez zu. “Es erinnert mich ein wenig an Dschidda. Eine gute, echte Rennstrecke. Ich freue mich riesig, hier zu sein, und ich glaube, die Stimmung wird eine der besten überhaupt sein.” Auf die Frage, wie gnadenlos die Strecke Fehler bestrafen würde, antwortet Perez wie aus aus Pistole geschossen: “Ich denke: extrem. Es hängt alles davon ab, wie viel Grip wir bekommen, aber ich glaube, es gibt absolut keinen Raum für Fehler. Es ist sehr selten – je nachdem, in welcher Kurve man einen Fehler macht -, dass man damit durchkommt. An den meisten Stellen gibt es schlicht keine Marge dafür.”
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In der konsequenzenlosen Welt des Simulators haben die meisten Fahrer ihre größten Patzer bereits hinter sich. Jetzt geht es um die Feinabstimmung: “Was das Fahren angeht, muss ich sagen, dass es im Simulator extrem viel Spaß gemacht hat und sehr aufregend war”, erklärt Gasly. “Ich habe so ziemlich jede einzelne Mauer an jeder einzelnen Kurve genau kennenlernen dürfen – ich weiß also inzwischen sehr gut, was ich tun sollte und was nicht. Aber ich denke, es wird eine riesige Herausforderung, vor allem was die Streckenentwicklung angeht. Es wird vermutlich extrem viel Grip aufbauen”, so der Franzose. “Dazu kommen diese leicht schrägen Anbremszonen, die nicht komplett gerade verlaufen, sondern eher geschlängelt sind, sehr verwinkelte Kurvenpassagen, viele blinde Kurven, Banking, bergauf und bergab – es geht die ganze Zeit auf und ab.” Der Flow wird wichtig Fotos und Fernsehbilder neigen dazu, Steigungen und Gefälle flach wirken zu lassen, sodass die Höhenunterschiede für die Zuschauer zu Hause weniger auffällig sein dürften. Der Fluss der Strecke wird jedoch einen enormen Einfluss auf die Rundenzeit haben.
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Vom Ende des ersten Sektors bis durch den gesamten zweiten Abschnitt stellt der Kurs eine hochgradig technische Aufgabe dar. So führt beispielsweise die zweite Schikane direkt in eine Steigung, sodass die Fahrer so viel Schwung wie möglich mitnehmen müssen – am Ausgang wartet allerdings direkt die Mauer, und die Anfahrtslinie wird durch aggressive Randsteine zusätzlich erschwert. Neue Formel-1-Strecken seit 2000
Was das Verhältnis von Risiko und Ertrag angeht, weist die Passage Parallelen zur Schikane auf dem Norisring auf, wo die schnellste Linie darin besteht, die Mauer am Ausgang zu küssen. Allerdings gibt es am Norisring keine aggressiven Randsteine am Eingang, die das Auto unweigerlich in die Mauer katapultieren, wenn man die Anfahrt nicht perfekt trifft.
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Das ist ein Aspekt der Strecke, an den sich die Fahrer extrem schnell anpassen müssen, da die Simulationen die Randsteine womöglich nicht in allerletzter Präzision abbilden konnten. “Ich denke, Monaco verzeiht noch weniger”, ordnet Arvid Lindblad ein. “Aber ja, es ist keine sehr verzeihliche Strecke. Ich glaube, auf allen heutigen Straßenkursen gibt es kaum noch Spielraum. Dieser hier lässt definitiv sehr wenig Raum für Fehler.” Realität schwer zu simulieren “Das ist vermutlich auch das Am-schwersten-zu-Simulierende. Bei den Offline-Simulationen, aber auch bei den Simulatoren, die wir fahren, bekommen die Entwickler, glaube ich, Messdaten von der FIA mit einem Foto, auf dem steht: ‘Das sieht so aus, und das ist so und so viele Zentimeter breit und lang’, oder was auch immer”, so der Brite.
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“Aber ja, genau das lässt sich am schwersten simulieren. Daher würde ich schon rein aus Fahrersicht sagen, dass das eine Herausforderung wird. Das sind nämlich keine kleinen Kerbs, das sind echte Randsteine – wir werden sie also hart attackieren müssen.” Anders als die Steilkurve in Zandvoort, die von den meisten Fahrern kaum als echte Kurve wahrgenommen wird, weil die Geschwindigkeit dort eher durch die Motorleistung als durch den mechanischen Grip begrenzt wird, ist “La Monumental” eine Kurve, in der Grip der limitierende Faktor ist. Formel-1-Quiz
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15 23 4 17 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Es könnte also einige Experimente geben, bevor sich die Piloten auf die ideale Linie einigen. Auch der eine oder andere Unfall ist nicht ausgeschlossen, wenn die Fahrer die Grenzen einer Kurve austesten, in der sie für über vier Sekunden auf – oder nahe an – Vollgas stehen.
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Nach dem Formel-3-Test wurde die Strecke mit Hochdruck gereinigt, um die fettige Schicht zu entfernen, die entsteht, wenn frisch verlegter Asphalt abkühlt und ein Teil des Bindemittels an die Oberfläche tritt. Dennoch bleiben die Gripverhältnisse ungewiss, und die Strecke wird sich über das Wochenende massiv verändern. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass sich die Ideallinie schneller entwickelt als der Rest der Fahrbahn. Das könnte zu Szenarien wie in Miami führen, wo der Kurs abseits der Ideallinie extrem rutschig ist – insbesondere, wenn die Reifen im Training, Qualifying und Rennen Gummiabrieb abfeuern. Das würde fehlende Präzision doppelt bestrafen und Überholmanöver extrem knifflig machen, da ein verteidigender Fahrer das Auto einfach auf der Ideallinie “parken” kann. Viele blinde Kurven Eine Sache, die sich an diesem Wochenende nicht ändern wird, ist die technische Herausforderung der vielen blinden Kurven. Bei den meisten handelt es sich um Kurven mit späten Scheitelpunkten, die von den Fahrern verlangen, einzulenken, bevor sie den Scheitelpunkt überhaupt sehen können.
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“Man zieht quasi aus einem blinden Fleck heraus auf die Kurve zu und muss versuchen, einen imaginären Punkt zu treffen, der ein paar hundert Meter vor einem liegt”, erklärt Alexander Albon. “Das ist verdammt schwer. Es erfordert unzählige Wiederholungen und Muskelgedächtnis, um das Timing hinzubekommen. Weil man den Scheitelpunkt schlichtweg nicht sieht. Man verlässt sich also voll auf seine innere Uhr und versucht sich fast schon imaginär an Orientierungspunkten festzuhalten, um zu wissen, wo der Scheitelpunkt liegt.”
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Wie schon in Dschidda dürften die blinden Kurven vor allem im Qualifying für Zündstoff sorgen, wenn Fahrer auf schnellen Runden plötzlich auf Konkurrenten auflaufen, die sich auf einer In- oder Outlap befinden. Topteams weiter im Vorteil? Die Anforderungen der Strecke werden zudem die Unterschiede zwischen den Autos verstärken, da Fahrzeuge mit effizienterem Abtrieb eine bessere Leistung aus den elektrischen Komponenten ihrer Power-Units ziehen können. “Technisch gesehen gibt es auf dieser Strecke viele Kurven, die zwischen 90 und 100 Prozent Gaspedalstellung gefahren werden”, erläutert Albon. “Ich denke, bei den Topteams wird das voll gehen. Für die Teams im Mittelfeld und am Ende des Feldes bedeutet das ein größeres Lupfen, was wiederum riesige Auswirkungen auf die Energiefreigabe hat. Ob man eine Kurve voll fahren kann oder nicht, verändert die Funktionsweise des Deployments gewaltig.”
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“Und du willst im Qualifying nicht erleben, dass diese Kurven plötzlich alle voll gehen und dein Deployment auf einmal völlig unberechenbar wird. Genau das haben wir bisher festgestellt”, so der Williams-Pilot. “Die technische Komponente wird sein: Kannst du ein Auto bauen, das von Kurve 1 bis Kurve 5 gut über die Randsteine räubert? Gleichzeitig willst du aber die Steifigkeit im Auto für Sektor 2 und Sektor 3 haben, weil ein steiferes Auto dort einfach mehr Anpressdruck generiert”, sagt er. “Aber dann opferst du das Überfahren der Randsteine in Kurve 1 und 2.” “Und die letzte Frage ist: Wird es eines dieser Wochenenden, an denen du im zweiten Run von Q3 – oder für uns im dritten Run von Q1 – das Auto einfach über die Randsteine wirfst? Ich meine, diese Kurve 5 und 6 … ich hoffe, es gibt dort einen Rhythmus und es ist gar nicht so schlimm. Aber gefühlt gibt es da einen Winkel, wo man einfach voll reinhält.”
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“Wenn du auf der anderen Seite sauber herauskommst, bist du zwei oder drei Zehntel schneller. Und wenn du das Risiko nicht eingehen willst, verlierst du diese paar Zehntel. Was wir im Simulator außerdem schon gesehen haben: Die Reifen werden hier absolut um Hilfe schreien.”
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