Heute vor 20 Jahren: “Schummel-Schumi” steht in Monaco

Heute vor 20 Jahren: “Schummel-Schumi” steht in Monaco

 

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Am 27. Mai 2006 hat Michael Schumacher seinen Ferrari 248 F1 in der ikonischen Rascasse-Schikane geparkt. Das kontroverse Manöver in der Qualifikation zum Großen Preis von Monaco 2006 brachte dem siebenmaligen Weltmeister nicht nur viel öffentliche Kritik, sondern auch eine Disqualifikation ein.  Mark Capilitan/Sutton Images Michael Schumacher hat sich in der Formel 1 nicht nur Freunde gemacht

In seinem letzten Jahr für die Scuderia musste sich Schumacher mit dem amtierenden Weltmeister Fernando Alonso duellieren. Der Renault-Pilot lag zum Zeitpunkt des Rennwochenendes im Fürstentum 15 Punkte vor dem Kerpener. Dazu sei gesagt, dass es für einen Grand-Prix-Sieg damals nur 10 Punkte gab. Zum Saisonstart konnte Alonso drei Rennen gewinnen sowie eine Vielzahl von Podestplätzen einfahren. Ferrari war zwar deutlich stärker als noch in der Seuchensaison 2005, doch hatte Schumacher durch einen Crash in Australien wichtige Punkte im WM-Duell weggeworfen.
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Und wirft man einen Blick auf die Freien Trainings am Donnerstag und Samstag, so ging Renault einmal mehr als Favorit in den Grand Prix. Zwei Wochen zuvor hatte Alonso in seinem babyblauen R26 erstmals den Großen Preis von Spanien in Barcelona gewonnen und seine WM-Führung ausgebaut. Wie funktionierte 2006 das Qualifying? 2006 wurde das heute allseits bekannte Knockout-Qualifying eingeführt. Q1, Q2 und Q3 wurden als neues Format an den Start gebracht, doch gab es damals einen wichtigen Unterschied im Vergleich zur aktuellen Umsetzung. Schließlich war Nachtanken in der Saison 2006 noch erlaubt, weshalb Fahrer im dritten Qualifying-Segment mit der Spritmenge aus der Box fahren mussten, die sie auch für den Start am Sonntag einsetzen würden. Sprich: Ein Großteil der Session bestand darin, so viel Sprit wie möglich zu verbrennen, um für die letzte Runde ein leichteres Auto zu haben. Hätte man weniger getankt, so müsste man mit dementsprechend wenig Sprit ins Rennen gehen und früh die Box aufsuchen. Somit waren auch die ersten Minuten des Q3 in Monaco alles andere als aussagekräftig. In Q1 und Q2 hatten Kimi Räikkönen in seinem McLaren-Mercedes und Alonso im Renault dominiert. Zwar führte Schumacher nach dem ersten Schuss das dritte Segment an, doch die Zeichen standen eindeutig auf Poleposition für seinen WM-Rivalen. Das Parkmanöver in der Rascasse Auf seiner schnellen Runde lag Schumacher vor dem dritten Sektor schon knapp zwei Zehntel hinter seiner Bestzeit. Eine Verbesserung und die Poleposition waren so gut wie unmöglich. In der Rascasse warf der Ferrari-Pilot seinen Wagen in Richtung der Mauer, nur um wenige Zentimeter vor der Barriere anzuhalten.  Steve Etherington/LAT Images Im Qualifying ging Schumacher nicht nur ans Limit, sondern darüber hinaus

Das Ergebnis? Für das stehende Fahrzeug musste eine gelbe Flagge gezeigt werden, wodurch Alonso sich in diesem Streckenteil nicht mehr verbessern konnte. Die Pole ging damit, zumindest vorerst, an Schumacher. Zu eben dieser fehlten dem amtierenden Champion nur 64 Tausendstel.
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Kaum war die Session zu Ende, schon begannen die Spekulationen um das Manöver des Rekordweltmeisters. “Er ist nicht in die Mauer gekracht – er hat das Auto einfach nur abgestellt”, so die Worte von Renault-Teamchef Flavio Briatore. “Ich kann es nicht fassen.” Öffentliche Kritik am Quali-Manöver “Ich weiß nicht, warum er das nötig hat. Ich glaube, er lügt uns alle an. Ein siebenmaliger Weltmeister will, dass wir glauben, dass das keine Absicht war – ein Märchen.”
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Keke Rosberg war seinerzeit am Mikrofon des TV-Senders ITV noch deutlicher: “Das billigste, dreckigste Manöver, das ich in der Formel 1 je gesehen habe. Er sollte die Formel 1 hinter sich lassen und nach Hause gehen.”  Charles Coates/LAT Images Wenig überraschend war die Presse mehr als unzufrieden mit dem Rekordweltmeister

Schumacher selbst sah die Situation damals ein wenig anders. Gegenüber der Presse betonte der Ferrari-Pilot, auf seiner letzten schnellen Runde schlichtweg die Kontrolle verloren und daraufhin den Motor abgewürgt zu haben. “Egal was du in solchen Momenten machst: Deine Gegner werden eine Sache glauben, und die Leute, die dich unterstützen, eine andere”, so seine Worte in der Pressekonferenz nach dem Qualifying. Disqualifikation für Schumacher Nach einer achtstündigen Untersuchung fiel das Urteil: Schumacher wurde nachträglich disqualifiziert und musste den Grand Prix von Monaco vom letzten Startplatz aus aufnehmen.
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Beeindruckend dabei: In einer Generation vor DRS, KERS oder Overtake-Modus gelang es Schumacher trotzdem, sich mit einem Husarenritt auf den fünften Platz zu schieben. Dennoch verlor der Kerpener wichtige Punkte auf Alonso, der den Großen Preis vor Juan Pablo Montoya und David Coulthard gewinnen konnte. Wenig überraschend war man bei Ferrari über die Entscheidung alles andere als begeistert. “Die Stewards haben ihn ohne Beweise für schuldig erklärt”, so damals die Wortwahl von Ferrari-Teamchef Jean Todt. Wurde das Manöver als Scherz geboren? Viele Jahre später haben Ross Brawn, seinerzeit Technischer Direktor bei Ferrari, und Felipe Massa, damals neu als Einsatzfahrer zur Scuderia gestoßen, in der Sky-Dokumentation The Race To Perfection über die Situation gesprochen.
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“Wir hatten damals ein Meeting mit dem Team, in dem wir über das Qualifying gesprochen haben”, erzählt Massa. “Damals hattest zu zwei Reifensätze für das Qualifying. Und Michael sagte sowas wie: ‘Ja, aber, weißt du, wenn wir zunächst schneller sind und dann auf den zweiten Satz gehen … ‘”  Lorenzo Bellanca/LAT Images Fernando Alonso konnte sich den Sieg und später die Weltmeisterschaft sichern

“Und dann sagte Ross Brawn: ‘Vielleicht können wir eine gelbe Flagge verursachen.’ Und ich meinte nur: ‘Nur Spaß. Das ist nicht ernst gemeint, nur Spaß'”. “Und genau diesen ‘Spaß’ hat Michael dann genutzt.”
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“Ich erinnerte mich an das Meeting [danach]. Ich meinte nur: ‘Ich kann nicht glauben, dass er das gemacht hat. Er hat es wirklich getan. Und das Einzige, was er nicht machen konnte, war, zuzugeben, dass er es gemacht hat.'” “Er hat ein Jahr gebraucht, um mir zu gestehen, dass das Absicht war. Ein ganzes Jahr. Ich habe ihn gefragt, ‘Wie kannst du das nur machen?'” “Es zeigt, dass alle im Leben Fehler machen, und das war definitiv einer.”
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In der Dokumentation betont Ross Brawn: “Michael hatte manchmal solche Momente, die du mit Logik nicht erklären konntest. Er war unfassbar getrieben vom Erfolg. Und manchmal kam es da zu Kurzschlüssen.” Meistgelesen in unserem Netzwerk Formel 1
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“In Monaco willst du eigentlich immer auf Pole fahren. Aber in dem Fall, mit der Strategie, die wir in petto hatten, den Reifen und dem Auto, war die nicht unbedingt notwendig. Es war einfach ein dummes Manöver. Es war einer dieser Fehler, dieser Aussetzer, die Michael zwei- oder dreimal in seiner Karriere hatte.”

 
Formel1.de 

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