Williams-Blockade: Sollten Monaco-Teamtaktiken verboten werden?

Williams-Blockade: Sollten Monaco-Teamtaktiken verboten werden?

 

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Noch bevor der Große Preis von Monaco nach dem Unfall von Lance Stroll im völligen Chaos endete, sorgte die Teamtaktik von Williams für Diskussionen. Wie bereits im Vorjahr nutzte das britische Team die Überholproblematik im Fürstentum geschickt aus, um sich einen strategischen Vorteil zu verschaffen.  LAT Images Alexander Albon verbremst sich beim Versuch Arvid Lindblad hinter sich zu halten

Alexander Albon lag auf Rang zehn, sein Teamkollege Carlos Sainz direkt dahinter auf Platz elf. Doch es gab ein Problem: Von hinten näherten sich Fahrer, die früh zum Reifenwechsel gekommen waren und damit auf eine Art Undercut-Strategie setzten, bedrohlich schnell. Allen voran Nico Hülkenberg. Der Audi-Pilot wechselte bereits in Runde 12 von den Medium- auf die harten Reifen – mit Erfolg. In den darauffolgenden Runden war der Deutsche im Schnitt zwei Sekunden pro Runde schneller als die beiden Williams-Fahrer, die weiterhin auf ihren Startreifen unterwegs waren.
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Zeitweise lag Hülkenberg virtuell sogar auf Rang sieben und hätte nach den Boxenstopps von Pierre Gasly und Lando Norris möglicherweise sogar um diese Positionen kämpfen können. Doch dazu kam es nicht. Williams setzte in Person von Carlos Sainz auf eine gezielte Blockadetaktik, wodurch sich Teamkollege Alexander Albon einen praktisch kostenlosen Reifenwechsel leisten konnte. Nach dem Ausfall von Lando Norris war klar: Nun musste das Spiel in umgekehrter Richtung funktionieren, denn plötzlich lag auch Sainz auf Platz zehn und damit in den Punkten. Wie George Russell seine Durchfahrtsstrafe austricksen wollte Noch kurioser wurde es nach der Roten Flagge beim Restart. Dort versuchte George Russell eine bemerkenswerte Einbremstaktik. Der Brite hatte sich eine Durchfahrtsstrafe eingehandelt, die er spätestens drei Runden nach dem Neustart absitzen musste. Russells Plan war klar: Eine extrem langsame erste Runde, um das Feld hinter sich zurückzudrängen, gefolgt von einer möglichst schnellen zweiten Runde, um sich eventuell genügend Vorsprung zu verschaffen und doch noch in die Punkteränge zu fahren. Der Plan ging zwar nicht auf – Russell wurde letztlich Zwölfter -, doch die Idee war zweifellos clever. Cool bei spätem Restart: Wer soll Kimi Antonelli aufhalten? Video wird geladen…  

Gleichzeitig verdeutlicht dieses Beispiel das grundlegende Problem. Das Rennen in Monaco hat nur noch wenig mit klassischem Racing zu tun, selbst unter dem aktuellen Reglement ist Überholen weiterhin extrem schwierig. Stattdessen entwickelt sich das Rennen zu einer strategischen Schachpartie, die durchaus ihren Reiz besitzt – zumindest für diejenigen, die sich für Taktik und Strategie begeistern. Wer jedoch vor allem echtes Racing sehen möchte, kommt im Fürstentum nur selten auf seine Kosten. Wann sind die Teamtaktiken in Mode gekommen? Monaco war schon immer ein strategisch geprägtes Rennen. Besonders an der Spitze war häufig zu beobachten, wie das Tempo bewusst kontrolliert wurde, um das Feld zusammenzuhalten und mögliche Undercut-Fenster für die Verfolger zu verhindern. Ein ähnlicher Ansatz wurde auch in Singapur immer wieder verfolgt.
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Inzwischen haben diese Taktiken jedoch eine neue Dimension erreicht. Spätestens mit der verpflichtenden Zweistoppstrategie im vergangenen Jahr wurde die Absurdität vieler Manöver deutlich sichtbar. Ausgerechnet Williams war damals das Team, das das Mittelfeld gezielt einbremste, um dem jeweils vorausfahrenden Teamkollegen die Position abzusichern. Für 2026 war daher mit ähnlichen Spielchen zu rechnen. Das meint auch der Hauptbetroffene Nico Hülkenberg: “Das war ein ziemlich bitteres Rennen”, sagte er am Sonntag gegenüber Sky.  LAT Images Nico Hülkenberg war in Monaco der Leidtragende der Williams-Blockade

“Man ist dem leider hoffnungslos ausgeliefert. Das ist bitter und frustrierend. Wir haben das im letzten Jahr schon erlebt und dieses Jahr war zu erwarten, dass, wenn ein Team zwei Autos nah beieinander hat, es wieder passieren wird. Und ja, so ist es leider gekommen.”
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Dennoch scheint diese Art der Teamtaktik erst in den vergangenen Jahren wirklich populär geworden zu sein. 2017 stand Ferrari beispielsweise mit Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel in der ersten Startreihe. Gefahren wurde damals jedoch ein normales Rennen – ohne künstliches Einbremsen -, obwohl Ferrari den Doppelsieg auf diese Weise deutlich einfacher hätte absichern können. Norris, Lindblad, Colapinto: Blockaden, die keine wurden Das Problem lässt sich zudem nicht allein auf Situationen reduzieren, in denen zwei Autos desselben Teams direkt hintereinander fahren. Denn eines ist sicher: Hätte Carlos Sainz das Feld nicht für Albon aufgehalten, hätte dies früher oder später ein anderer Fahrer übernommen.
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Wie bereits erwähnt, lag Nico Hülkenberg zeitweise virtuell vor Pierre Gasly und auch Liam Lawson. Hinter Sainz fuhren außerdem Arvid Lindblad und Franco Colapinto außerhalb der Punkteränge. Hätte Sainz das Feld nicht für Albon eingebremst, hätte Lindblad später dasselbe für Lawson tun können, um sicherzustellen, dass dieser vor Hülkenberg bleibt. Dasselbe gilt für Colapinto im Interesse von Gasly. Für beide Fahrer gab es letztlich nichts zu verlieren. Auch Lando Norris ist in diesem Zusammenhang eine interessante Komponente. Der Brite lag vor seinem Ausfall vor George Russell und Isack Hadjar, musste jedoch noch einmal an die Box. Wäre Norris im Rennen geblieben, hätte auch McLaren auf eine Blockadetaktik setzen können, um Oscar Piastri möglicherweise zu einem unerwarteten dritten Platz zu verhelfen. Der Grand Prix von Monaco mag über weite Strecken langweilig gewirkt haben, doch taktisch und strategisch bot er von Beginn an eine enorme Spannung. Dennoch bleibt die Frage bestehen: Sollte sich die Formel 1 auf diese Weise präsentieren? Sollte ein Rennen derart stark durch taktische Spielchen verzerrt werden? Warum es keine Lösung geben wird Sky-Experte Timo Glock brachte es nach dem Rennen auf den Punkt: “Das ist Teil des Spiels hier, das kann man als Team so umsetzen.” Auch McLaren-CEO Zak Brown äußerte sich in einer Live-Schalte bei Sky ähnlich, als er auf die Williams-Blockade angesprochen wurde.
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Denn letztlich lässt sich ein solches Vorgehen kaum bestrafen. Schon die Frage, wo die Grenze zwischen legitimer Pace und absichtlichem Einbremsen verläuft, ist praktisch nicht objektiv zu beantworten. Die Leistungsunterschiede zwischen den Autos sind zu groß, die Variablen zu zahlreich. Vielleicht hatte Carlos Sainz auch Probleme mit seinen Reifen? Spaß beiseite, aber wer könnte das zweifelsfrei beurteilen? Wenn man das Problem überhaupt lösen möchte, muss man an der Wurzel ansetzen. Künstliche Eingriffe werden die Situation eher verschärfen als verbessern – wie die gescheiterte Zweistopp-Pflicht im vergangenen Jahr eindrucksvoll gezeigt hat.
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Die einzige nachhaltige Lösung wäre ein Umbau der Strecke, was Überholmanöver vereinfacht und derartige Taktiken unmöglich macht. Auch weichere Reifen mit höherem Verschleiß könnten helfen, das Problem zumindest teilweise zu entschärfen. Meistgelesen in unserem Netzwerk Formelsport
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Oder man akzeptiert Monaco einfach so, wie es ist: Ein Qualifying-Spektakel am Samstag und eine strategische Taktikschlacht ohne echtes Racing am Sonntag.

 
Formel1.de 

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