100 Rennen: Albon über Williams-Wunsch nach Wiedergutmachung
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Beim diesjährigen Großen Preis von Ungarn wurde Alexander Albon der erste Fahrer, der 100 Rennen für Williams absolvierte. Einige Rennen zuvor hatte er bereits Nigel Mansell als den Fahrer mit den meisten Einsätzen für das Team abgelöst. circuitpics.de Für Alexander Albon läuft die Formel-1-Saison 2026 nicht wie erhofft
Es ist eine interessante Statistik, die vielleicht die aktuelle Inflation der Formel-1-Rennen und die frühere Einstellung gegenüber Fahrern verdeutlicht. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie wichtig Albon innerhalb der modernen Hierarchie von Williams geworden ist. Zu Zeiten von Sir Frank Williams und Patrick Head waren Fahrer austauschbar. Warum sollte man mehr Geld für einen Fahrer ausgeben, wenn man es stattdessen in die Entwicklung investieren konnte?
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Das erklärt, warum Sir Frank zögerte, Mansell nach dessen WM-Titel 1992 den lukrativen Vertrag zu geben, den dieser verlangte, oder warum Damon Hill 1997 gehen musste. Williams hatte eine klare Vorstellung davon, wie viel ein Fahrer wert war, und rückte davon nicht ab, wenn die Forderungen diesen Wert überstiegen. Das bedeutet nicht, dass Williams und Head Fahrer überhaupt nicht geschätzt hätten. Heute betrachtet Williams unter James Vowles seine Fahrer jedoch als integralen Bestandteil der Teamstruktur. Es überrascht daher nicht, dass Vowles die Kontinuität seiner Fahrerpaarung auch 2027 beibehalten möchte. Wie sich Albons Rolle bei Williams verändert hat Albon seinerseits hat bei Williams ein Zuhause gefunden. In seiner fünften Saison mit dem Team ist der Thai-Brite in seine Rolle als erfahrene Führungsfigur hineingewachsen, auch wenn er bislang keine Gelegenheit hatte, auf der Leistungssteigerung des vergangenen Jahres aufzubauen. Trotz Williams’ Bemühungen, 2026 bestmöglich zu beginnen, und trotz des Verzichts auf die Weiterentwicklung eines schnellen, gut konstruierten Autos im Jahr 2025, um sich auf das Nachfolgemodell zu konzentrieren, verlief nicht alles reibungslos. Der diesjährige FW48 konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Das Auto wurde verspätet fertig und verpasste den Shakedown in Barcelona. Es war zu schwer. Der Abtrieb fiel geringer aus als erhofft. Deshalb musste das Team seine Pläne überdenken und setzt nun seine Hoffnungen auf die “B-Version”, die beim Großen Preis von Aserbaidschan im September debütieren soll. Zwischenzeugnisse: Die besten Formel-1-Fahrer zur Sommerpause
“Es fühlt sich wie ein Zuhause an”, sagt Albon über Williams. “Aber wie bei jedem Zuhause gibt es bei allen, die länger als drei oder vier Jahre bei Williams sind, ein Gefühl der Verantwortung und den Wunsch, dieses Team dorthin zu bringen, wo wir es sehen wollen.”
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“Also ja, es ist ein Zuhause. Aber gerade deshalb ist der Saisonbeginn manchmal noch frustrierender, weil man sich teilweise verantwortlich fühlt. Und wie bei allem anderen bedeutet mir dieses Team einfach sehr viel. Ich möchte sehen, dass es besser dasteht als derzeit.” Williams-Probleme an allen Ecken und Enden … Unterm Strich waren Punkte im bisherigen Verlauf der Saison 2026 Mangelware. Verschärft wurde die Situation durch den Leistungssprung, den Teams wie Alpine gemacht haben. Wenn sich die Gelegenheit bot, Punkte zu holen, nutzte Williams sie im Allgemeinen. In anderen Fällen absolvierte das Team praktisch ein Testprogramm während der laufenden Saison. Nach der Kollision mit Oliver Bearman in Silverstone sammelte Albon nur noch Kilometer mit dem überarbeiteten Frontflügel. Das führte zu sechs Boxenstopps im Rahmen eines kurzfristig geänderten Einsatzplans, während alle anderen an ihm vorbeirasten.
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Die Leistungen von Williams im bisherigen Saisonverlauf waren für die Fahrer nur schwer zu verkraften, insbesondere nach der Form als “Best of the Rest” im vergangenen Jahr. Das Gewicht war zwar ein Problem und trug zum allgemeinen Geschwindigkeitsdefizit bei. Albon erklärt jedoch, dass die meisten Schwierigkeiten am Steuer seines FW48 auf den insgesamt fehlenden Abtrieb zurückzuführen sind. Formel-1-Quiz
Das Williams-Team hat in der Formel 1 an wie vielen Rennen teilgenommen?
954 985 953 933 Teste Dich jetzt im Formel-1-Quiz und vergleiche Dich mit anderen Usern Hinzu kommen einige Engpässe in den internen Abläufen, mit denen das Team bei seinen Bemühungen konfrontiert war, ein fortschrittlicheres Auto zu entwickeln. Kein Wunder also, dass Albon das Gefühl hat, Williams müsse “aufholen”. “Generell bringt ein Mangel an Abtrieb zahlreiche Probleme mit der Balance mit sich”, erklärt er. “Die Balance wird im Allgemeinen extremer, je mehr Einschränkungen man beim Auto hat. Kurioserweise ist das Auto noch immer einigermaßen ähnlich wie im vergangenen Jahr. Wir haben nur so viel weniger Abtrieb.” … und Lösungen brauchen Zeit “Angesichts der Regeländerungen und unserer Konkurrenten müssen wir von Rennen zu Rennen einen Kompromiss finden. Im Moment ist alles ein Kompromiss. Wir waren noch auf keiner Rennstrecke und konnten sagen: Bei niedriger, mittlerer und hoher Geschwindigkeit fühlt sich das Auto gut an.”
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Zu diesen Problemen gehört auch die Tendenz, in Kurven auf drei Rädern zu fahren. Carlos Sainz hatte bereits über die Schwierigkeiten des Autos in “kombinierten” Kurven gesprochen, ein Problem, das teilweise noch aus dem vergangenen Jahr stammt. Laut Albon tritt dieses Phänomen vor allem bei niedriger Geschwindigkeit auf – oder “generell überall dort, wo man gleichzeitig bremst und lenkt, möchte das Auto auf drei Rädern fahren”. Das Problem verstärkt sich selbst. Bei geringerem Abtrieb ist das Auto stärker auf seinen mechanischen Grip angewiesen. Warum McLaren jetzt ALLES in die Karten spielt! Video wird geladen… McLaren erlebt bislang eine enttäuschende Formel-1-Saison 2026. Doch ausgerechnet der sportliche Rückschlag könnte sich jetzt als Vorteil erweisen.
Durchfährt es beispielsweise eine Rechtskurve, hebt sich das rechte Hinterrad an, während sich die Karosserie in die entgegengesetzte Richtung neigt. Dadurch entsteht der Eindruck von weniger Grip. Das Auto beginnt anschließend nach außen zu rutschen, wodurch es äußerst schwierig wird, die Kurve optimal zu fahren.
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Es war nicht einfach, aber Williams und seine Fahrer mussten die Enttäuschung akzeptieren und sich weiter auf die Suche nach Lösungen machen. Die Updates für Baku Ende September sollen dabei ein Gradmesser für die Fortschritte sein. Albon stellt klar: Sind nicht schlechter als 2022 Albon sagt, dass die Herangehensweise des Teams angesichts des wenig verheißungsvollen Saisonstarts den Fortschritt widerspiegelt, den er seit seinem Wechsel zu Williams im Jahr 2022 beobachtet hat. Damals befand sich das Team seit etwas mehr als einem Jahr im Besitz von Dorilton Capital, doch die anfänglichen Investitionen wirkten bestenfalls wenig zielgerichtet.
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Es fehlte eine Führungspersönlichkeit mit aktueller Formel-1-Erfahrung, die das Team anleiten konnte. Jost Capito war im Motorsport zwar äußerst erfolgreich, doch ein großer Teil seiner damaligen Erfahrung stammte aus dem Rallyesport. Williams brauchte Vowles, der kam und im Vergleich zu seinem früheren Arbeitgeber Mercedes die fehlenden Elemente identifizierte. Einige jüngere Neuzugänge, Dan Milner und Claire Simpson, kamen ebenfalls aus Brackley. Außerdem lockte Williams Piers Thynne von McLaren an. Er soll einen erheblichen Einfluss auf die Verbesserung der Produktionsprozesse des Teams haben. “Ich glaube, das Wichtigste ist ein Kulturwandel, die Bereitschaft und der Wunsch, hier zu sein”, sagt Albon über seine Zeit beim Team. “Ich gebe euch ein Beispiel: 2022 im Vergleich zu heute. Was die Leistung betrifft, sind wir nicht völlig anders aufgestellt. Tatsächlich sind wir dieses Jahr besser als 2022.”
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“Relativ gesehen fühlte es sich 2022 jedoch so an, als wäre dies einfach unser Platz. Man hatte sich beinahe damit abgefunden. Dieses Jahr liegen wir offensichtlich weiter zurück, als wir sein wollen. Aber man hat das Gefühl, dass das nicht richtig ist”, erklärt Albon. “Es gibt dieses: ‘Was werden wir jetzt tun, um zumindest wieder dorthin zu kommen, wo wir im vergangenen Jahr waren?’ Dieser Wille und dieses Selbstvertrauen des Teams sind der mit Abstand größte Unterschied.” Albons letzte Chance in der Formel 1? Bis zu einem gewissen Grad könnte diese Einschätzung auch Albons Zeit bei Williams widerspiegeln. Williams war selbst in seiner früheren Phase, als das Team dem Untergang nahe war und über einen langen Zeitraum am Ende des Feldes fuhr, eine Chance für Albon, seine Formel-1-Karriere zu retten.
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Seine Zeit bei Red Bull war beendet. Obwohl seine Phase beim Team nach der Ablösung von Pierre Gasly Mitte 2019 vielversprechend begann, wurde sie zunehmend schwieriger, weil er Probleme hatte, ein Auto zu beherrschen, das auf Max Verstappens Fahrstil mit geringer Latenz zugeschnitten war. Williams konnte damals als letzte Chance betrachtet werden. Doch Albon ist gemeinsam mit dem Team gewachsen, während es weiterhin seinen Weg zurück an die Spitze plant. Die Hoffnung besteht darin, dass 2026 lediglich eine vorübergehende Unannehmlichkeit und eine Lernerfahrung für eine erfolgreichere Saison 2027 ist. Die Williams-Story
Nach einigen Jahren bei Williams weiß Albon inzwischen, wo er das Team sehen möchte. Wie er selbst sagt, gibt es keine Akzeptanz mehr für den früheren Status als Hinterbänkler. Stattdessen herrscht ein unverfälschter und echter Wille, die Probleme dieses Jahres zu überwinden.
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Für den inzwischen 30-jährigen Albon besteht das Gefühl, dass dies eher früher als später geschehen muss. Lewis Hamilton und Fernando Alonso sind zwar bis in ihre Vierziger im Feld geblieben, doch der Status eines Weltmeisters ermöglicht eine solche Langlebigkeit. Albon kann sich trotz all dessen, was er erreicht hat, nicht auf diesen Bonus verlassen. Goldene Zeiten in der Formel 2 Die Fähigkeiten sind jedoch vorhanden. Als der Autor dieses Artikels Albon zum ersten Mal traf, stand dieser kurz vor seiner zweiten Formel-2-Saison. Das war allerdings etwas glücklichen Umständen geschuldet: Sein DAMS-Team hatte ihm den Platz zunächst kostenlos von Rennen zu Rennen angeboten, weil seine persönlichen Sponsoren zögerten. Schließlich sammelte Albon genügend Unterstützung, um die Saison fortsetzen zu können. Am Ende fand er sich in einem sportlich fairen Dreikampf mit George Russell und Lando Norris um den Titel 2018 wieder.
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Die drei waren über die Saison hinweg ebenbürtig. Im Finale von Abu Dhabi schnappte sich Norris schließlich Platz zwei von Albon, nachdem beide DAMS-Fahrer – Albon und sein späterer Williams-Teamkollege Nicholas Latifi – ihre Dallara-Mecachromes abgewürgt hatten. Die Fahrzeuge waren dafür anfällig. Seit jenen goldenen Tagen hat Norris mit McLaren einen Titel gewonnen, während Russell mit seinem Mercedes-Teamkollegen Kimi Antonelli mitten im diesjährigen Titelkampf steckt. Und obwohl Albon viel schneller als seine damaligen Formel-2-Konkurrenten in einem Topteam landete, musste er nach dem erfolglosen Abstecher zu Red Bull wieder von vorn anfangen. Hatte er damals bereits den späteren Erfolg von Norris und Russell kommen sehen?
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“Um ehrlich zu sein, ja – ich habe George immer sehr hoch eingeschätzt”, sagt Albon. “Ich bin weniger häufig gegen Lando als gegen George gefahren, aber ich habe auch Lando gleichermaßen geschätzt. Und generell denke ich, dass dieses Formel-2-Jahr eine interessante Saison war.” Albon: Bin nicht “neidisch” auf Norris und Russell “Es war beinahe wie eine kleine ‘goldene Welle’, denn selbst die Fahrer, die es in jenem Jahr nicht in die Formel 1 geschafft haben, haben anschließend großartige Dinge erreicht: Antonio Fuoco, Nyck de Vries und andere”, betont er. “Es war eine großartige Rennperiode. Wir haben uns gegenseitig vorangetrieben und wahrscheinlich das Beste aus uns herausgeholt, weil wir gegeneinander gefahren sind. Das hat uns nur geholfen, als wir in die Formel 1 kamen. Ich blicke gerne auf diese Zeit zurück. Und ich verfolge auch Landos und Georges Leistungen in vielerlei Hinsicht als Unterstützer.”
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Die enge Verbindung aus jener Saison gibt Albon nach eigenen Angaben die Motivation, mit Williams erfolgreich zu sein und den Erfolg seiner Freunde in höheren Sphären zu wiederholen. “Wir waren in vielerlei Hinsicht auf unterschiedlichen Karrierewegen unterwegs”, erklärt er. “Ich hatte wahrscheinlich früher die Chance auf einen Platz in einem Topteam, als ich dafür bereit war. Jetzt habe ich ein anderes Projekt vor mir: Dieses Team voranzubringen. Nicht, dass ich diese Aufgabe nicht genießen würde. Ich sehe die beiden nicht an und bin neidisch auf sie. Wir befinden uns auf unserer eigenen Reise. Hoffentlich können wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder gegeneinander fahren.” Und es wäre genau wie in alten Zeiten – solange es an der Spitze des Feldes wäre.
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Der englische Originalartikel stammt aus dem monatlich erscheinenden Magazin Autosport.
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